Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Mitgliederbindung bei der ZEG eG

Auszeichnung der ZEG für ihr Mitgliederkonzept im September 2015. Im Bild BWGV-Präsident Dr. Roman Glaser, ZEG-Vorstand Christian Kössler und Prof. Dr. Reiner Doluschitz, Forschungsstelle für Genossenschaftswesen an der Uni Hohenheim.
BWGV

/

„ Shoppen in der eigenen Firma“, so vermarktet die ZEG Zentraleinkauf Holz + Kunststoff eG, Stuttgart, eine der größten deutschen Handwerkergenossenschaften mit einer über 90-jährigen Tradition, ihr gelebtes Genossenschaftsmodell. Im Jahr 1920 gründeten eine Handvoll Schreiner in Stuttgart die ZEG. Heute sind gut 3.600 selbstständige Unternehmer des holzverarbeitenden Handwerks Mitglieder der ZEG. „Wir leben die genossenschaftlichen Grundwerte“, sagt Christian Kössler, Vorstand Finanzen & Services der ZEG. „Sie sind die Basis für unser Handeln. Neben dem Aufsichtsrat sind auch wir als Vorstand Mitglied der ZEG.“ Nichts ist aktueller als folgender Satz von Hermann Schulze- Delitzsch aus dem Jahr 1858: „Mehrere kleine Kräfte vereint bilden eine große Kraft, und was man nicht allein durchsetzen kann, dazu soll man sich mit anderen verbinden.“ Schulze-Delitzsch gilt zusammen mit Friedrich Wilhelm Raiffeisen als Gründungsvater des deutschen Genossenschaftswesens. Genossenschaften basieren auf den drei Grundsätzen Selbsthilfe, Selbstverwaltung und Selbstverantwortung der Mitglieder. Daran hat sich seither nichts geändert.

Sind Genossenschaften noch zeitgemäß?

Überspitzt gesagt, waren Genossenschaften die sozialen Netzwerke des Zeitalters der industriellen Revolution. Handwerker taten sich zusammen, um bessere Konditionen für die Grundwerkstoffe aushandeln zu können. Bauern, um günstiges Saatgut zu kaufen. Es wurden Sparvereine und Konsumgenossenschaften gegründet. Von der industriellen Revolution bis ins digitale Zeitalter von heute ist eine große Zeitspanne. Und dennoch haben die Genossenschaften diese Zeitenwende gemeistert, sich den Anforderungen immer gestellt und sich darauf eingelassen. Eines hat dabei nach wie vor Bestand: In einer Genossenschaft sind Eigentümer und Kunde identisch.

Genossenschaften sind für ihre Mitglieder da

Thomas Vilgis, Vorstand Vertrieb & Warenwirtschaft der ZEG, betont: „Den Mitgliedern fühlen wir uns besonders verpflichtet und dass nicht nur, weil in unserer Satzung ein Förderzweck verankert ist. Die Mitglieder stärken durch jede Bestellung bei uns das eigene Unternehmen. Wenn es den Mitgliedsbetrieben gut geht, geht es der ZEG gut. Dieser Erfolg fließt dann letztlich an die Mitglieder in Form von Ausschüttungen zurück. “Die Entwicklung in den vergangenen fünf Jahren kann sich sehen lassen. Zuwächse im Bereich der Mitglieder von 20 Prozent und im Bereich der Anteile von 25 Prozent sind im genossenschaftlichen Umfeld eher die Seltenheit. Damit verfügt die ZEG über eine Eigenkapitalquote von deutlich über 50 Prozent. Dies stärkt die Verhandlungsposition gegenüber den Banken, wie unlängst bei der Neubaufinanzierung der ZEG.

Neuer verkehrsgünstiger Standort in Kornwestheim

 So soll der Neubau der ZEG eG in Kornwestheim aussehen
Neubau in Kornwestheim: Ab Herbst 2016 bieten zwei Hallen mit 20.000 Quadratmetern und ein Bürogebäude mit gut 4.000 Quadratmetern Platz für das gesamte Sortiment und die 250 Beschäftigten der Genossenschaft ZEG Stuttgart.

Die Genossenschaft zieht im Herbst 2016 vom Stuttgarter Stadtteil Zuffenhausen wenige Kilometer nördlich nach Kornwestheim. Im Juni 2015 wurde die Baustelle mit dem ersten Spatenstich eröffnet. Seither verändert das vier Hektar große Areal an der Rudolf-Diesel-Straße täglich sein Gesicht. Ab Herbst 2016 bieten dann zwei Hallen mit 20.000 Quadratmetern und ein Bürogebäude mit gut 4.000 Quadratmetern Platz für das gesamte Sortiment und die 250 Beschäftigten der ZEG Stuttgart. Dies öffnet den Weg für eine zukunftsorientierte Logistik und weiteres Wachstum. Die Bereiche Verkauf, Beratung und Verwaltung werden schon ab Juni 2016 ihre Arbeitsplätze in Kornwestheim beziehen. Wie schwierig es war, etwas Passendes in der Region für das Unternehmen zu finden, erzählt Christian Kössler. Im Großraum Stuttgart sollte das Areal liegen – der Mitarbeiter wegen, betont der Vorstand der ZEG. Denn sie sollen weiterhin mit Bus und Bahn ihren Arbeitsplatz erreichen können. Der Standort Zuffenhausen direkt an der S-Bahn-Station ist nicht nur an seine Grenzen gestoßen, sondern er ist auch für die ZEG denkbar ungünstig. Er ist auf zwei Grundstücke verteilt, zigmal am Tag verkehren Firmenfahrzeuge zwischen Schwieberdinger und Zahn-Nopper-Straße. Keine günstige Ausgangsbedingung für ein wirtschaftliches Handeln. In Kornwestheim wird jedoch alles unter einem Dach sein.

Genossenschaftspreis für Mitgliederbindung und Mitgliederförderung

Was ist das Geheimnis des Erfolgs der ZEG? „Wir suchen den direkten Kontakt zu unseren Mitgliedern oder zu Kunden, die wir gerne im Kreis unserer Mitglieder wissen würden“, sagt Christian Kössler. Dazu haben die Verantwortlichen einen eigenen Ansprechpartner, den Mitgliederreferenten René Baumann, gewinnen können. Baumann beantwortet alle Fragen rund um das Thema Mitgliedschaft direkt, zum Beispiel bei einem Besuch zusammen mit dem jeweiligen Außendienstmitarbeiter oder telefonisch. Ende September 2015 wurde die ZEG vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann für ihr Mitgliederkonzept ausgezeichnet – und das im eigenen Jahr des Mitglieds. Den Genossenschaftspreis erhielt die ZEG in der Rubrik „Mitgliederbindung/-förderung“. Der Großhändler im Bereich holzverarbeitendes Handwerk wurde einem umfassenden „Relaunch“ unterzogen. Verschiedene Aktionen und Maßnahmen präsentieren nun das Thema Mitgliedschaft nachhaltig intern und extern, unter anderem mittels Telefonkonferenzen, Plakaten, einer neuen Homepage, einem Mitgliederhandbuch und vielem mehr. Für die Vorteilsberechnung der Mitglieder wurde eine eigene App entwickelt. Damit macht die ZEG das genossenschaftliche Prinzip mit all seinen Vorteilen sowohl bei Mitgliedern als auch bei Nichtmitgliedern bekannt – und das mit Erfolg, wie der enorme Mitgliederzuwachs belegt.

Bessere Kommunikation durch regionale Mitgliederversammlungen

Durch die überregionale Aufstellung der ZEG fällt es den Mitgliedern mithin schwer, an der Generalversammlung teilzunehmen. Daher wurde vor vielen Jahren die regionale Mitgliederversammlung eingeführt, die bereits im März über den Jahresabschluss informiert. Diese Mitgliederversammlungen finden entweder vor Ort in der Niederlassung, bei einem Lieferanten oder auf der Messe „Holz Handwerk“ in Nürnberg statt. Für die Generalversammlung setzt man seit Jahren auf den Event-Charakter. Jedes Jahr an einem anderen Fleck Deutschlands, von Hamburg bis zur Zugspitze. In diesem Jahr geht es nach Leipzig. „Wir haben treue Mitglieder“, sagt Thomas Vilgis. „Es hat sich über die Jahre ein harter Kern Mitglieder gebildet, die sich einmal im Jahr, im Rahmen unserer Generalversammlung, sehen. Da ist dann am Freitagabend beim Treffpunkt in der Hotellobby immer ein großes Hallo. Daneben kommen auch immer wieder neue Gesichter hinzu. Das ist schön zu beobachten.“ Die Resonanz ist immer sehr gut. „Schon oft haben wir folgenden Satz gehört“, so Vilgis weiter, „ich dachte die Veranstaltung im letzten Jahr wäre nicht mehr zu toppen, aber die ZEG schafft es immer wieder.“ „Die direkte Kommunikation vereinfacht vieles. Da werden manchmal am späten Samstagabend ZEG-Themen kontrovers diskutiert“, ergänzt Kössler. Zahlreiche weitere Vorteile von Rabatten beim Fahrzeugkauf, über Preisnachlässe beim Treibstoff, bis hin zu Werbemitteln runden das Gesamtkonzept ab. „Wir sind nicht mehr nur der Holz-Lieferant unserer Mitglieder“, führt Christian Kössler aus, „mittlerweile profitieren unsere Mitglieder auch von unseren eigenen Rabattverträgen, wie zum Beispiel mit der Firma Aral. Dies ist uns wichtig. Nur gemeinsam kommen wir weiter. “Shoppen im eigenen Unternehmen – dieser Slogan geht auf. Damit gestaltet die ZEG ihre Zukunft erfolgreich.

Artikel versenden