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Blumengroßmarkt Ulm: schnell und regional

Jens Wagner, Geschäftsführer der Genossenschaft Blumengroßmarkt Ulm, zeigt die aktuelle Saisonhauptware: Primeln. Etwa 500 Arten gehören zu dieser Gattung.
BWGV

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Ein sonniger, aber kalter Tag Ende Januar. Beim Betreten des riesigen Gewächshauses im Ulmer Gewerbegebiet Donautal wird es einem schnell warm. Zum einen durch die angenehme Temperatur im geheizten Glashaus, zum anderen aufgrund der bunten Vielfalt an Blütenpracht. Jens Wagner kommt aus seinem Büro und bittet in die Aufenthaltsecke für die Mitarbeiter zum Gespräch. „Wir haben gerade Ihre Kollegen von der Prüfung im Haus. Deshalb unterhalten wir uns am besten hier“, sagt der Geschäftsführer des Blumengroßmarkts zum BWGV-Redakteur. „Weil ich früher selbst Kunde war, kann ich mich in die Kundschaft der Genossenschaft hineinversetzen“, sagt Wagner, der seit 2012 Geschäftsführer der Blumen- und Gemüse Ein- und Verkaufsgenossenschaft Ulm eG, so die exakte Firmierung, ist. Der Gärtnermeister aus Blaubeuren hat 2008 in Ulm angefangen. Er kümmert sich mit 14 Mitarbeitern – Kaufleute, Gärtner, Floristen – um etwa 70 Genossenschaftsmitglieder und rund 800 Kunden. „Immerhin im Radius von 200 Kilometer um Ulm herum – von Heilbronn bis zum Bodensee, von kurz vor München bis nach Freudenstadt“, sagt Geschäftsführer Wagner.

Genossenschaftsmitglieder produzieren 50 Prozent der Ware

Der Blumengroßmarkt Ulm hat an sechs Tagen in der Woche ab 6 Uhr für den Einzelhandel geöffnet.
An sechs Tagen in der Woche ab 6 Uhr geöffnet: Auf knapp 3.000 Quadratmetern Verkaufsfläche kann vom Einzelhandel eingekauft werden.

Die Anfänge der 1974 gegründeten Genossenschaft waren in den Ulmer Donauhallen. Anfänglich gab es zwei Frühmärkte und einen Spätmarkt, auf dem die genossenschaftlichen Gärtnereien ihre Waren selbst verkauften. In den achtziger Jahren entstand dann mit dem Neubau eigener Hallen der jetzige Großmarkt. Der genossenschaftliche Betrieb funktioniert so: Rund die Hälfte der Pflanzen werden von Mitgliedern produziert. Die andere Hälfte wird als Ergänzung des Sortiments aus dem In- und Ausland zugekauft, vorwiegend aus Holland, Belgien, Dänemark und Italien. Der Geschäftsführer zählt die Produktgruppen auf. Da sind zum einen die Schnittblumen. Der Blumengroßmarkt arbeitet mit einem Lieferanten, der auch einen Standort in Ulm hat, zusammen. Des Weiteren vertreibt der Blumengroßmarkt Floristikbedarf, zum Beispiel Dekorationsartikel wie Bänder oder Kerzen. Auch hier arbeitet die Genossenschaft mit einem großen Anbieter zusammen. Das dritte Produktsegment sind Gärtnereiartikel wie Samen, Töpfe oder Erden, die man von einem Großhändler bezieht. „Über zwei Millionen Pflanzen durchlaufen pro Geschäftsjahr unsere Genossenschaft“, erzählt Jens Wagner. Dabei ist das Geschäft extrem saisonal. „Von Anfang März bis Mitte Juni ist Hochsaison. Da machen wir zwei Drittel unseres gesamten Jahresumsatzes“, sagt der Geschäftsführer und zeigt eine entsprechende Verlaufsgrafik mit der deutlichen Spitze zwischen den Kalenderwochen neun und 23. Dieser Umstand verlange dem Personal des Blumengroßmarkts eine hohe Arbeitsflexibilität ab, weiß Wagner zu berichten. Überstunden in der Hochphase sind obligatorisch.

Vertrieb der Genossenschaft über Abholmarkt oder Lieferdienst

Der Arbeitsalltag der Genossenschaft fußt auf zwei Vertriebsbeinen. Zum einen sind die fast 3.000 Quadratmeter Verkaufsfläche Abholmarkt für die Einzelhändler. Ab 6 Uhr in der Früh, montags bis samstags, kann in der Ulmer Steinbeisstraße eingekauft werden. Zum anderen erfolgt der Vertrieb übers Telefon. „Noch komfortabler als im Abholmarkt und im Grunde genauso schnell versorgen wir in einer separaten Logistikhalle viele unserer Kunden über einen Telefonverkauf mit frischer Ware“, sagt Geschäftsführer Wagner. Den Schwerpunkt bilden Topf- und Gemüsepflanzen. Eine Order per Telefon ist bis 17 Uhr möglich. Alle Bestellungen, die bis 13 Uhr beim Blumengroßmarkt eingehen, werden garantiert am Folgetag ausgeliefert. Der Ablauf ist wie folgt: Die eingehenden Bestellungen werden von der Genossenschaft umgehend an die Mitgliedsbetriebe beziehungsweise Lieferanten weitergeleitet. Bis zum Nachmittag wird die Bestellware im Großmarkt angeliefert. Über den Abend erfolgt dann die Kommissionierung, sodass in der Nacht die Ware die Genossenschaft per Lkw zum Besteller verlassen kann.

Pflanzen und Blumen erfordern Schnelligkeit

„Wir setzen auf Schnelligkeit und Regionalität“, betont der Geschäftsführer. Pflanzen und Blumen sind eine leicht verderbliche Ware. Deshalb muss sie flott ihren Weg zum Kunden finden. „Daher legt die Genossenschaft größten Wert auf die Optimierung der Lieferkette“, so der Geschäftsführer. Vor diesem Hintergrund sowie „natürlich aufgrund des genossenschaftlichen Nahversorgeraspekts“, so Wagner, bezieht der Blumengroßmarkt einen Großteil seiner Waren „aus unserer heimischen Region“. Die Genossenschaft veranstaltet zudem als zusätzliche Verkaufstermine mehrere Hausmessen sowie Frühjahrs- und Herbstbörsen. An Investitionen mangelt es bei der Genossenschaft nicht. In den Jahren 2014 und 2015 wurde die Beleuchtung komplett auf LED-Technik umgestellt. „Damit sparen wir immerhin 30 Prozent an Strom“, so der Geschäftsführer, der den neuen Kühlraum, der gerade neu gebaut und in der Fläche verdoppelt wird, zeigt. Wachstumschancen sieht Jens Wagner bei Gemüse-Jungpflanzen für die Aufzucht im eigenen Gärtchen des Endkunden. Just in dem Augenblick kommt ein Mitarbeiter vorbei und fragt nach, ob er eine größere Order an Salatpflanzen tätigen kann. „Das Angebot ist gut.“ Der Geschäftsführer schaut kurz aufs Papier und nickt: „Machen wir.“ Wagners nächstes Ziel ist die Überdachung des Freilandareals der Genossenschaft. Das sind immerhin rund 600 Quadratmeter. „Dann können wir witterungsunabhängiger arbeiten“, sagt er. Der Frager will zum Abschluss noch wissen, wie sich die Branche entwickeln wird. „Für die Gärtnerei-Branche gilt ähnliches wie für die Landwirtschaft allgemein: Die Gärtnereien werden weniger, dafür größer“, lautet die Antwort. Kaum hat sich der BWGV-Redakteur fürs Gespräch bedankt, tritt der Kollege vom Prüfungsdienst mit einer Frage an den Geschäftsführer heran. Jens Wagner gibt auch ihm freundlich Auskunft.

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