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Ein Tag mit den Genossenschaften

Der Wecker steht für einen Tag mit den Genossenschaften
Timo Klostermeier-pixelio.de

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Rund 830 Genossenschaften gibt es in Baden-Württemberg und fast jeder Baden-Württemberger hat tagtäglich mit Genossenschaften zu tun  - auch wenn die Genossenschaft nicht immer direkt erkennbar ist. Ob beim Bäcker, beim Geld abheben, im Supermarkt oder im Bett – Schauen Sie doch mal, wo Sie überall mit Genossenschaften in Kontakt kommen. Zum Auftakt des Baden-Württembergischen Jahrs der Genossenschaften 2015 am 21. Januar haben sich 15 Genossenschaften mit Aktionen Interessierten präsentiert und die Vielfalt der Genossenschaften gezeigt. Daraus ergibt sich ein voller Tag mit den Genossenschaften.

Thorsten Hellstern, einer der Vorstände der Bioenergie Bittelbronn und Mathias Juhl vom BWGV.

7 Uhr: BioEnergie Bittelbronn eG aus Haigerloch

In den frühen Morgenstunden schon sorgt die im Jahr 2010 gegründete Genossenschaft BioEnergie Bittelbronn in Haigerloch dafür, dass der Metzger Gerd Schäfer (Mitte) warmes Wasser hat, um ab 7.30 Uhr zu wursten. Pünktlich um sieben Uhr wurde die Auftaktveranstaltung des Baden-Württembergischen Jahrs der Genossenschaften 2015 begonnen. Die Biogasanlage der Energiegenossenschaft wird über ein Nahwärmenetz die angeschlossenen Häusern mit heißem Wasser gespeist. So dezentral und umweltfreundlich können Strom und Wärme produziert werden. V.l.n.r.: Thorsten Hellstern, einer der Vorstände der Bioenergie Bittelbronn und Mathias Juhl vom BWGV.

Die FGS Fleischerei- & Gastronomie-Service Baden eG stellt sich vor.

8 Uhr: FGS Fleischerei- & Gastronomie-Service Baden eG aus Offenburg

Die Fleischerei- & Gastronomie-Service Baden eG (FGS) ist eine 1908 gegründete Traditionsgenossenschaft und unterstützt Metzgereien und Gastronomiebetriebe tatkräftig mit Waren, Dienstleistungen und Know-how. 43 Tonnen Waren werden täglich bei der FGS bewegt – darunter rund ein Drittel an Fleisch aus der eigenen Zerlegung, erklärt Vorstandsvorsitzender Volker Schmitt. Insgesamt beliefert die FGS Baden eG, die im 2014 einen Umsatz von mehr als 35 Millionen Euro erwirtschaftete, regelmäßig rund 1.000 Kunden in Baden-Württemberg und im Elsass, davon rund 700 Metzgereien.

Vorstand Joost Bremer von der BÄKO Südwürttemberg stellt seine Genossenschaft vor.

9 Uhr: BÄKO Südwürttemberg eG aus Reutlingen

Die BÄKO Südwürttemberg unterstützt die lokalen Bäcker und Konditoren im Land tatkräftig, damit diese die Endkunden mit Backwaren versorgen können. Rund 8.000 Artikel hat die Genossenschaft auf Lager– von Backartikeln und Aromen über Wurst und Käse bis hin zu Einrichtungsgegenständen und Maschinen für die Backstuben. „Wir arbeiten eher im Hintergrund, aber rund 90 Prozent aller Bäcker in unserem Geschäftsgebiet sind BÄKO- und damit Genossenschaftsmitglied“, erklärt Vorstand Joost Bremer.

Die Kinder der Waldorf-Kindertagesstätte Gengenbach-Strohbach eG.

10 Uhr: Gemeinnützige Genossenschaft zum Betrieb der Waldorf-Kindertagesstätte Gengenbach-Strohbach eG

Es ist vormittags, aber in der Waldorf-Kindertagesstätte Gengenbach-Strohbach geht es schon hoch her. Die Gemeinnützige Genossenschaft besteht aus Eltern sowie ehemaligen Eltern und Erziehern, und ist für die Verwaltung und Finanzierung der Waldorf-Kindertagesstätte Gengenbach-Strohbach eigenverantwortlich tätig. Die Eltern erarbeiten mit viel Engagement die Grundlage für die pädagogische Arbeit und helfen durch verschiedene Ehrenämter im alltäglichen Ablauf mit. Durch diese11 Uhr: Volksbank Bühl eG intensive Einbindung der Eltern entsteht eine persönliche Beziehung zu dem „eigenen“ Kindergarten. Was mit einer Idee 1992 startete, entwickelte sich zu einer Erfolgsgeschichte: aus einer kleinen Waldorfkindergartengruppe ist eine Kindertagesstätte mit sechs Gruppen gewachsen. Mittlerweile besuchen etwa 100 Kinder die Waldorf-Kindertagesstätte. Das Betreuungsangebot umfasst das Zwergenstübchen mit zwei Krippengruppen und einer Betreuten Spielgruppe, für Kindergartenkinder stehen die Christophorusgruppe oder zwei Waldgruppen zur Wahl.

Um 11 Uhr traf man sich bei der Volksbank Bühl.

11 Uhr: Volksbank Bühl eG

Über 200 Volksbanken und Raiffeisenbanken gibt es in Baden-Württemberg. Die Volksbank Bühl ist eine davon. Wie alle anderen Genossenschaftsbanken auch vertritt sie die genossenschaftlichen Werte wie Eigenverantwortung und Regionalität. Dafür startete die Volksbank beispielsweise im Jahr 2014 zahlreiche innovative Projekte: „Genossenschaften sind modern und am Puls der Zeit“, sagt Vorstandsvorsitzender Claus Preiss (2.v.r.) und stellt Vertretern aus Politik und Wirtschaft das erfolgreiche Projekt „Aus Liebe zur Region“ vor. Dies ermöglicht den Kunden, selbst zu entscheiden, in welchen zukunftsrelevanten Bereichen sie Gelder in der Region anlegen möchten. Aus insgesamt drei Themenbereichen – „Umwelt und Energie“, „Arbeitsplätze und Innovationen“ und „Regionale Produkte“ können die Kunden wählen. Die auf diese Weise generierten Gelder werden von der Volksbank in Form von Regio-Krediten Unternehmen und Privatpersonen aus der Region für Investitionen zur Verfügung gestellt. Außerdem unterstützt die Volksbank für jeden Abschluss einer Regio-Anlage gemeinnützige Projekte in ihrem Geschäftsgebiet.

Das Dorfgasthaus im verschneiten Todtnau-Geschwend.

12 Uhr: dasRößle eG aus Todtnau-Gschwend

Passend zur Mittagszeit kehren wir im genossenschaftlichen Dorfgasthaus „dasrößle“ in Todtnau-Geschwend ein, das im Januar 2013 eröffnet hat. Auf die breite bürgerschaftliche Basis von rund 170 Mitgliedern kann die Genossenschaft bauen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, das historische Baudenkmal aus dem 18. Jahrhundert als Gasthaus sowie kulturelle und gesellschaftliche Begegnungsstätte für Gäste nachhaltig zur Verfügung zu stellen. Der stellvertretende Vorsitzende der Genossenschaft, Dieter Hierholzer, sagt, dass die Kapitaleinlage der Genossenschaft kontinuierlich auf mittlerweile rund 280.000 Euro angewachsen sei. „Der Erfolg basiert auf dem starken Zusammengehörigkeitsgefühl in der Genossenschaft. Die Gemeinschaft trägt das Haus.“ Das denkmalgeschützte Schwarzwaldhaus wurde von der im Jahr 2010 gegründeten Genossenschaft zum Januar 2012 erworben und dann bis zur Eröffnung sorgfältig renoviert. Heute bietet das Gasthaus 53 Besuchern Platz und sieben moderne Doppelzimmer.

Die Schüler der Schülergenossenschaft Donaueschingen machen Mittagspause.

13 Uhr: KHS-Mensa Schülergenossenschaft aus Donaueschingen

Mittagspause in der Schule: Die Schülergenossenschaft der kaufmännischen und hauswirtschaftlichen Schulen Donaueschingen kümmert sich um die wirtschaftliche Verwaltung der schuleigenen Mensa. Die Vorstandsmitglieder der Schülergenossenschaft Stefania De Gregorio, Laura Martin und Mete Ünal präsentieren Interessierten selbst gerne das besondere Modell der Mensa: Die Schülerinnen und Schüler der hauswirtschaftlichen Klassen kochen zwei Tage in der Woche für die Schulgemeinschaft, und die Schülergenossenschaft organisiert die Verwaltung. Auf diese Weise können die hauswirtschaftliche und kaufmännische Abteilung der Schule auf hervorragende Weise zusammenarbeiten und praktische Erfahrungen sammeln. Ein Modell, das erfolgreich ist: Ende 2014 zählte die Schülergenossenschaft 81 Mitglieder, die insgesamt 145 Anteile halten. „Die Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung für die gesamte Schule“, stellt die betreuende Lehrerin Andrea Gentner die Besonderheit des Modells und der Schülergenossenschaft heraus.
 

Mehr über Schülergenossenschaften erfahren Sie hier.

So idyllisch liegt die Reichenau Gemüse eG.

14 Uhr: Reichenau-Gemüse eG

Vitaminbombe: Rund 14.000 Tonnen Gemüse werden jährlich bei der Reichenau-Gemüse eG erzeugt. Die rund 100 Gemüsegärtner der Insel Reichenau sorgen dafür, dass die Kunden zu jeder Jahreszeit frisches, hochwertiges Gemüse aus der Region zum Beispiel in Edeka-Supermärkten kaufen können. „Unsere Erzeuger sind die Hauptdarsteller“, betont Geschäftsführer Johannes Bliestle, der die wichtigste Aufgabe der Genossenschaft darin sieht, dass „sich die Erzeuger komplett auf die Produktion unserer hochwertigen Lebensmittel und eine optimale Qualität konzentrieren können“.

Dr. Ewald Glaser, Vorstandsvorsitzender der ZG Raiffeisen, lässt es sich schmecken.

15 Uhr: ZG Raiffeisen eG aus Karlsruhe

Die ZG Raiffeisen eG in Karlsruhe ist die Regionalzentrale der genossenschaftlich organisierten Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft in Baden. Sie versorgt seit über 100 Jahren Landwirtschaft und Endverbraucher in der Region mit Produkten rund um Haus und Hof. Viele Produkte, die aus den Erzeugnissen der ZG Raiffeisen-Mitglieder hergestellt werden, kann der Endverbraucher in den Raiffeisenmärkten kaufen. Im ZG Raiffeisenmarkt in Karlsruhe beispielsweise finden sich regionale Produkten, aus denen sich leckere Gerichte zubereiten lassen – zum Beispiel Pfannkuchen aus gentechnisch unveränderten Eiern mit Äpfeln aus der Region. Dr. Ewald Glaser, Vorstandsvorsitzender der ZG Raiffeisen, lässt es sich schmecken.

Die Schüler und Mitglieder der Schülergenossenschaft EventStar berichten über ihre Erfahrungen.

16 Uhr: Schülergenossenschaft EventStar aus Sachsenheim

Vormittags saßen sie noch in ihrem Klassenzimmer im Evangelischen Lichtenstern-Gymnasium in Sachsenheim. Am Nachmittag stehen Sie gemeinsam mit Helmut Dinkel, ihrem Lehrer und stellvertretendem Schulleiter am Lichtenstern-Gymnasium, sowie Dietmar Blaß vom Baden-Württembergischen Genossenschaftsverband (BWGV) am Lehrerpult – als Dozenten in der University of Education Ludwigsburg, Institute for Educational Management and Leadership. Auf dem Vorlesungsplan der Pädagogik-Studenten steht das Thema: "Moderne Lehr- und Lernformen“. Was ist eine Schülergenossenschaft und wie kann diese in das pädagogische Konzept der Schule eingebunden werden? Die vier Schüler und Mitglieder der Schülergenossenschaft EventStar berichten über ihre Erfahrungen und Lernerfolge, die sie durch die unterschiedlichen Arbeiten und Herausforderungen in einer Schülergenossenschaft erlernen, anwenden und umsetzen können. Die Pädagogik-Studenten befragen die Expertenrunde. EventStar organisiert alle Schulveranstaltungen und zum Beispiel auch die Sachsenheimer Lichtenstern-Tour, einer Tour für Radprofis und Amateure durch die Stromberg-Region. (v.l.n.r.): Lea Pfeiffer, Henrik Röckle, Helmut Dinkel, Verena Holzinger, Robin Pech mit Ute Grewe (University of Education Ludwigsburg).

Mehr über Schülergenossenschaften erfahren Sie hier.

So sieht die Arbeit der In.Silva eG aus: Hier Transport von Baumstämmen.

17 Uhr: in. Silva – Internationale Holzhandels- und Logistikgenossenschaft eG aus Leutkirch im Allgäu und Leutkircher Bürgerbahnhof eG

In Leutkirch im Allgäu gibt es gleich mehrere Genossenschaften: Unter anderem die Leutkircher Bürgerbahnhof eG und die Internationale Holzhandels- und Logistikgenossenschaft in.Silva. Im Dachgeschoss des Bahnhofs ist das „Informationszentrum Nachhaltige Stadt“ untergebracht. Rund 700 Bürger aus Leutkirch im Allgäu gründeten die Leutkircher Bahnhof eG, um den maroden Bahnhof zu renovieren und ihn mit neuem Leben zu füllen. Dafür wurde die Genossenschaft ausgezeichnet und gehörte zu den 100 Preisträgern 2013/2014 im Wettbewerb „Deutschland – Land der Ideen“. 

In.Silva, die Internationale Holzhandels- und Logistikgenossenschaft, sichert und stärkt die Markt- und Wettbewerbsfähigkeit von Waldbesitzern und ihren Selbsthilfeorganisationen. Angesichts zunehmender Konzentrationsprozesse im Bereich der Holzwirtschaft trägt die Genossenschaft dazu bei, dass auch kleinsten Waldbesitzern der Zugang zum Markt erhalten bleibt.

19 Uhr: Winzergenossenschaft Oberbergen im Kaiserstuhl eG aus Vogtsburg und Collegium Wirtemberg aus Stuttgart

Gruppenbild bei der Winzergenossenschaft Oberbergen eG.

Die Besucher der Veranstaltung ín der WG Oberbergen

Bei einer Kellerführung der Winzergenossenschaft Oberbergen im Kaiserstuhl darf eine Verkostung der Produkte der Genossenschaft nicht fehlen. Die WG feierte 2014 ihren 90. Geburtstag und zählt heute mit rund 460 Mitgliedern zu den bedeutenden Winzergenossenschaften in Baden. Die bewirtschaftete Rebfläche umfasst rund 350 Hektar.

Guten Wein gab es bei der Collegium Wirtemberg eG

Auch die Weingärtnergenossenschaft Collegium Wirtemberg aus Stuttgart feierte den Auftakt des Baden-Württembergischen Jahres der Genossenschaften 2015

Mitten zwischen Rotenberg und Uhlbach gelegen und über beiden Weinlagen thronend, liegt die klassizistische Grabkapelle hoch über den Weinbergen. In diesen Weinbergen arbeitet die Weingärtnergenossenschaft Collegium Wirtemberg und bietet daraufhin ein vielfältiges Weinsortiment.

Hagos eG aus Stuttgart

Die Hagos eG ist eine Einkaufsgenossenschaft für Kachelofen- und Luftheizungsbauer. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, den kleinen Handwerker wie einen großen auftreten zu lassen. Wer an einen Kachelofen denkt, sieht vor seinem inneren Auge meist einen klobigen, grünen Klotz mit hölzerner Sitzbank drum herum. Doch die Zeiten sind längst vorbei: Die Mitglieder der Einkaufsgenossenschaft, die Kachelofenbauer, verbauen Öfen in gedeckten Farben, mit viel Glas und minimalistischen Formen. 1.100 Kachelofen- und Luftheizungsbauer sind Mitglied bei der Hagos. Die Genossenschaft unterstützt die Handwerker bei der Vermarktung und stellt beispielsweise ein Portal bereit, auf dem sich die Kleinbetriebe mit wenigen Handgriffen eine eigene Homepage erstellen können. Die Hagos-Mitglieder bleiben der Genossenschaft meist ein Leben lang treu. 1919 wurde sie von 17 Handwerksbetrieben gegründet.(Die Veranstaltung musste verschoben werden.)

Gruppenbild bei der Bettenring eG.

20 Uhr: Bettenring eG aus Filderstadt

Interessierte aus der Region sind in die Bettenring eG gekommen. Einführend stellt Dr. Martin Süß, Vorstand der Bettenring eG, die Geschichte seiner  Genossenschaft vor. „Wenn viele Einzelhändler unter einer Decke stecken, kann man gemeinsam am Markt viel bewegen“, fasst der Vorstand die Idee der Kooperation zusammen. Das war einer der Gründe für die Entstehung der Bettenring eG, einem Zusammenschluss von führenden Bettenfachgeschäften. Als Einkaufsverbund arbeitet die Bettenring eG seit über 50 Jahren für und mit Betten-Fachhändlern zusammen. Dazu zählt insbesondere die Produktentwicklung, die Unterstützung in den Bereichen Warenbeschaffung, Marketing und Qualifizierung. Nach der Firmenpräsentation diskutieren die Gäste mit Mitarbeitern der Bettenring eG.  (Die Veranstaltung fand im Vorfeld statt).

Die Vielfalt der Genossenschaften überrascht die Besucher an den vielen Veranstaltungsorten – von morgens bis abends kommt jeder Baden-Württemberger mindestens einmal mit Genossenschaften in Kontakt.

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