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»Wir bleiben Pioniere in Sachen Naturkost«

Molkerei Schrozberg
Gunter Endres

Die überdimensionale Kuh ist unübersehbar. Gleich am Ortseingang von Schrozberg  blickt  sie  den  Besucher ruhig und freundlich an. Dahinter ragen die Edelstahltanks der Molkerei in den Himmel. Das kennt man auch anderswo. Doch der Betrieb ist kein milchverarbeitendes Unternehmen wie jedes andere. Schrozberg steht für Demeter. Nicht nur  –  die  genossenschaftliche  Molkerei  verarbeitet auch konventionelle Milch  –, aber immer mehr. „Wir sind bereits 1974 mit Bio gestartet“,  sagt Friedemann Vogt im Geno-Graph-Gespräch. „Als ich vor 15 Jahren hier als Geschäftsführer anfing, haben wir im Jahr 10 Millionen Liter nach den strengen Demeter-Kriterien erzeugte Milch verarbeitet. Bis Ende 2017 werden wir bereits aus 25 Millionen Liter Demeter-Milch unserer Mitgliedsbetriebe Frischmilch, Joghurt, Sahne, Eis und weitere Produkte herstellen“, sagt der Geschäftsführer. Tendenz weiter steigend. „Wir machen alles außer Käse.“ Die Schrozberger gelten zu Recht als der Demeter-Veredler schlechthin. Denn „wir sind der größte Demeter-Verarbeiter in Europa“, sagt Vogt nicht ohne Stolz.

Von konventionell den großen Schritt zu Demeter

Die Molkerei Schrozberg unterliegt zwar auch dem normalen Strukturwandel-Trend in der Landwirtschaft, dass die Zahl der (Mitglieds-)Betriebe zurückgeht. Dafür steigt aber die  Milchmenge pro Mitglied. Die aktive Zahl der Lieferanten betrug zum Jahresende 2016 111 konventionelle und 90 Demeter-Zulieferer. Insgesamt hat die Molkerei rund 280 Mitglieder. „Wir stellen fest, dass unsere Milchbauern in der Regel nicht die zu erwartende  Schrittfolge  konventionell  zu  Bio zu  Demeter  machen,  sondern  von  konventionell gleich zu Demeter“, erzählt Friedemann Vogt. Jeder Betrieb, der auf Demeter umstellt, erhält von der Molkerei neben einem guten Milchgeld auch eine Abnahmegarantie.  „Wir legen Wert darauf, dass der umstellende Landwirt von der Demeter-Bewegung überzeugt sein muss. Denn wir begreifen uns nicht als Zweckvereinigung, sondern als Gemeinschaft,  die  die  gemeinsamen  Regeln einer nachhaltigen Erzeugung bewusst lebt.“ Der Schrozberger  Geschäftsführer  erzählt  in  diesem Zusammenhang von einer Spezialität: „Einmal im Jahr  gibt  es  in  jedem  Demeter-Mitgliedsbetrieb das sogenannte Hofgespräch.“ Dabei handelt es  sich  um  ein  kollegiales  Austausch-Netzwerk. „Ein Mitgliedsbetrieb wird von Kollegen besucht, biodynamisches  Fachwissen  wird  ausgetauscht, Hinweise und Tipps werden weitergegeben“, sagt Vogt.

Investitionen in Technik und Produktinnovationen

Damit die Schrozberger Molkerei, die 2016 mit rund 70 Mitarbeitern etwa 46,5 Millionen Euro Umsatz machte,  ihre  Marktstellung  behaupten und ausbauen kann, investiert sie kräftig. Nicht nur laufend in die technische Ausstattung, und das  „alles  aus  Eigenmitteln“,  so  Vogt,  sondern auch in neue Produktschienen und regionale Wertschöpfungsketten. Der Betrieb hat beispielsweise einen  Vierkorn-Joghurt  entwickelt,  der biodynamisch  angebauten Hafer, Dinkel, Gerste und Roggen aus  der Spielberger Mühle in Brackenheim im Zabergäu enthält – und Früchte der sogenannten  Demeter-Beerenbauern aus dem zwischen Nürnberg und Bamberg gelegenen fränkischen Ebermannstadt.

Das neueste Projekt, das im kommenden Jahr umgesetzt  wird, ist „unser eigener Demeter-Zucker von 110-Hektar-Feldern von Zuckerrüben-Bauern, die nach den Demeter-Richtlinien  erzeugen“, so Geschäftsführer  Vogt. „Wir  leisten hier Pionierarbeit: Joghurt mit Getreide, Beeren und Zucker von unseren eigenen Bauern aus biodynamischer Erzeugung“, zählt er auf. Friedemann Vogt freut sich auch über das Schrozberger Demeter-Eis, das neulich in einem großen Test der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als klarerer Sieger hervorging.

Klare strategische Ausrichtung

„Demeter zieht einfach. Unsere samstäglichen Demeter-Betriebsführungen dauern nicht selten statt der vorgesehenen einen Stunde bis zu vier Stunden“, erzählt Geschäftsführer Vogt. „Die Menschen interessieren sich immer mehr für eine nachhaltige Lebensmittelerzeugung und haben Fragen über Fragen.“ Der Betrieb erhalte oft ein positives Feedback von Eltern, deren Kinder beim Verzehr von  Demeter-Milchprodukten nicht allergisch reagierten. „Wir bedienen einen wachsenden  Markt.  Dieser  Ausrichtung bleiben die genossenschaftlich organisierten Milchbauern, denen die Molkerei Schrozberg gehört, treu. Wir ziehen hier alle an einem Strang – und zwar in dieselbe Richtung“, sagt Geschäftsführer Vogt am Ende des Rundgangs durch den Betrieb. In der Vermarktung ihrer Demeter-Milchprodukte werde die genossenschaftliche Molkerei auch zukünftig auf den Naturkost-Fachhandel setzen. Im Vergleich zu ihren Mitbewerbern sei Schrozberg für diesen Bereich die einzige fachhandelstreue Molkerei. „Dies generiert uns eine Alleinstellung für unsere Vermarktungstätigkeiten“, meint Vogt.  „Und  im  konventionellen  Geschäft  setzen wir auch weiterhin auf die Produktion von Milchfrisch- und Sauermilchprodukten.“

Was macht Demeter-Milch aus?

Menschen, die Demeter-Milch oder Demeter-Milchprodukte kaufen, wollen mehr als nur gesunde Milch trinken oder Bio-Jogurts verzehren, sie erwarten einen gesundheitlichen Mehrwert. Der aufwändige Herstellungsprozess beginnt im Stall. Behornte Kühe brauchen etwa doppelt so viel Platz wie Kühe, denen man die Hörner entfernt hat. Das bio-dynamische Futter kostet mehr, dafür sind in der Demeter-Milch die natürlichen Inhaltsstoffe besonders reichlich enthalten. Dazu schreibt der Demeter-Verband: „Langsam zu verdauendes Raufutter wie Heu sowie der regelmäßige Weidegang auf kräuterreichen Wiesen sorgen dafür, dass der Gehalt an besonders wichtigen Fettsäuren, den konjugierenden Linolsäuren (CLA), steigt. Diese Fettsäuren gelten als natürlicher Schutz vor Krebs und Arteriosklerose, außerdem können diese bioaktiven Substanzen den Cholesterinspiegel senken.“ Auch enthält Demeter-Milch gegenüber konventioneller Milch höhere Mengen essentieller Aminosäuren, bis zu 75 Prozent mehr Antioxidantien, zweimal mehr Omega-3-Fettsäuren sowie einen mehr als doppelt so hohen Gehalt der ungesättigten Fettsäure Alpha-Linolensäure.

In der Molkerei geht es mit qualitätsschonenden Verarbeitungsverfahren weiter. Die Milch wird nur pasteurisiert, das heißt, sie wird für 15 bis 30 Sekunden auf 72°C bis 75°C erhitzt. Es bleiben die meisten Vitamine erhalten, die Milch ist gekühlt etwa zehn Tage haltbar. Demeter-Milch wird auch nicht homogenisiert. Das enthaltene Milchfett wird also mechanisch nicht zerkleinert, der natürliche langsame Verdauungsprozess des Milchfetts im Darm vermeidet das Entstehen von Allergien.

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