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Wind überm Wald: Ländlicher Raum und Energiewende

Windpark Hardthausen
BEG Hardthausen eG


Seit 2011 können in Baden-Württemberg Windkraftanlagen auch in Waldgebieten gebaut werden, das sieht eine Änderung des Landesplanungsgesetzes vor. In der Gemeinde Hardthausen im Landkreis Heilbronn löste die Planung von 18 Windenergieanlagen im Harthäuser Wald, davon sechs in Hardthausen selbst, eine kontroverse Diskussion aus. Eine Bürgerinitiative lehnte das Projekt ab, dennoch wurde es mittlerweile realisiert. Der Spagat zwischen Energiewende und Akzeptanz vor Ort konnte weitgehend gemeistert werden. Wie ging die Gemeinde dabei vor?

Bürgerbeteiligung von Anfang an

Die ZEAG Energie AG ist Energieversorger in der Region und hat deshalb ein Interesse daran, die lokale Energiewende durch Windkraft voranzubringen. Bereits im Herbst 2011 hat das Unternehmen mit der ZEAG Erneuerbare Energien GmbH ein Beteiligungsmodell für Windparks entwickelt: Durch Bürgerenergiegenossenschaften sollten Bürger und Gemeinden eingebunden und an Gewerbesteuern und Einnahmen beteiligt werden. Die Sach- und Geschäftsführerkosten sind in dem Modell begrenzt, damit die Gewinne nicht durch überhöhte Kosten gemindert werden. Das Beteiligungsmodell passte gut zur Situation von Hardthausen, das im gemeindeeigenen Wald über potenzielle Flächen für Windenergienutzung verfügte. Die Bürgergenossenschaft Hardthausen eG (BEG), Mitglied im BWGV, war bereits 2009 gegründet worden, um das Engagement für regenerative Energien zu fördern. Die BEG organisierte 2012 die erste Informationsveranstaltung und stellte dort das Modell und ein erstes Konzept für die Windenergienutzung im Harthäuser Wald vor. Mit
rund 160 Bürgern war die Veranstaltung gut besucht und das Projekt fand grundsätzliche Zustimmung. So wurde schließlich die EE BürgerEnergie Hardthausen GmbH & Co. KG (BEH) gegründet, die seitdem die zentrale Verantwortung für das Thema Energie in der Region übernommen hat. Die BEG und der Gemeinderat beteiligten sich an der BEH, gleichzeitig vergab der Gemeinderat die Nutzungsrechte für die Waldflächen an die neue Gesellschaft. Die formalen Rahmenbedingungen waren damit geschaffen, um das Windkraftprojekt zu realisieren.

Unerwarteter Widerstand

Erst einige Wochen nach diesen Entscheidungen meldete sich eine Bürgerinitiative zu Wort, die „Schutzgemeinschaft Harthäuser Wald“. Die Kritiker waren Sprachrohr für rund 1.200 Menschen aus der Region, in der insgesamt 40.000 Menschen leben. Sie lehnten das Projekt grundsätzlich ab. Als zentrale Gründe wurden die mangelnde Wirtschaftlichkeit und der Eingriff in die Naturlandschaft genannt. Der Slogan „Wald wird zur Industrielandschaft“ brachte den Unmut auf den Punkt. Gesprächsangebote, detaillierte Aufklärung und Informationsfahrten, die die Gemeinde initiiert hatte, konnten nicht zur Annäherung der Positionen beitragen. Bis Ende 2014 gab es mehr als 400 Widersprüche gegen den Eingriff in den Wald.

Annäherung in der Bauphase

Trotz des Widerstands wurden 14 von den beantragten 18 Windenergieanlagen genehmigt, davon fünf in Hardthausen. Nachdem der Bau begonnen hatte, wurde den Bürgern die Gelegenheit gegeben, den Stand der Bauarbeiten auf Informationsfahrten zu verfolgen. Das Interesse war groß, im Mai und Juni 2015 besuchten 250 Bürger die Baustelle. Die Fahrten trugen zur Annäherungen an das Projekt bei. Auch als der Windpark Ende Oktober 2015 eingeweiht wurde, kamen zahlreiche Gäste – insgesamt 1.500 – zur Einweihung. Die Zahl der Projektgegner, die bei der Feier noch mit rund 100 Teilnehmern demonstriert hatten, hat sich mittlerweile stark verringert. Das Interesse der Bürger an einer Windpark-Beteiligung ist hingegen gestiegen: Seit 2012 ist die Anzahl der Genossenschaftsmitglieder in der BEG von gut 90 auf über 300 gestiegen.

Dieser Beitrag erschien zuerst in „LandInForm“, Magazin für Ländliche Räume, Ausgabe 3/2016, S. 19, Hrsg.: Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung, Deutsche Vernetzungsstelle Ländliche Räume.

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