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Weingärtner Stromberg-Zabergäu eG und Bio-Wengerter feiern Silberhochzeit

Weingärtner Stromberg-Zabergäu eG Bio-Wein
Weingärtner Stromberg-Zabergäu eG

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Die Weingärtner Stromberg-Zabergäu eG, Brackenheim, ist ein innovativer Betrieb und war vor 25 Jahren ihrer Zeit voraus. Der Trend zu Bioweinen war 1993 gerade erst im Entstehen. Reiner Döbler und Jürgen Winkler wollten „etwas Neues“ probieren und Biowein erzeugen. Eine erfolgreiche, umweltschonende und geschmackvolle Partnerschaft nahm ihren Anfang. Die Pioniere im Ökoweinbau sind heute noch so begeistert dabei wie damals. Im Geno-Graph-Interview werfen die Bio-Weingärtner Jürgen Winkler und Reiner Döbler einen Blick zurück.

Herr Winkler, Herr Döbler, erinnern Sie sich noch an den Einstieg in den biologischen Weinbau vor 25 Jahren?

Jürgen Winkler: Wir dachten, wir lassen Chemie und Dünger weg, das wird schon werden. Dass es so nicht funktioniert, haben wir schnell lernen müssen. Längst ist beispielsweise klar, dass wir entlang der Reben einen Streifen offen halten müssen, damit die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe nicht zu groß wird. Wir bearbeiten den Boden, wo es geht und lassen zwischen den Rebreihen eine große Artenvielfalt an Kräutern zu.

Reiner Döbler: Ich war damals 22 Jahre jung, interessiert und aufgeschlossen. Meine Ausbildung als Weinbautechniker war fast abgeschlossen und Jürgen hatte nach der Winzerlehre sein Studium der allgemeinen Agrarwissenschaften in Hohenheim abgeschlossen. Das Schwierigste damals war für uns, unsere Eltern zu überzeugen, dass sie uns einen Weinberg für unser Projekt überlassen.

Winkler (lacht): Eines meiner wichtigsten Erfolgserlebnisse war der Moment, als meine Eltern genauso überzeugt von Bio waren wie wir.

Döbler: Der zweite Schritt war dann, die Weingärtnergenossenschaft von unserem Vorhaben zu überzeugen. Es war für uns klar, dass wir in der Genossenschaft bleiben wollen wie unsere Eltern. Und obwohl es keine Erfahrungen mit Biowein gab, stimmten die Gremien zu, gaben uns so Sicherheit und sogar eine kleine Förderung für den höheren Aufwand. 1995 kamen dann die ersten Bioweine der Sorten Riesling und Trollinger sowie ein Rosé auf den Markt.

Haben Sie im Laufe der Zeit Veränderungen im Anbau vorgenommen?

Döbler: Wir haben bald die anfälligen Sorten wie Kerner, Müller-Thurgau oder Portugieser gerodet. Sie eignen sich nicht gut für den ökologischen Anbau. Wir hielten Ausschau nach widerstandsfähigen Sorten. Dazu gehören Regent, Cabernet blanc und Muscaris.

Winkler: Wir sind davon überzeugt, dass es eine Weiterentwicklung der widerstandsfähigen Rebsorten geben wird.

Döbler: Und wir wollen unseren Anteil daran von 10 auf 25 Prozent steigern. Die Sorten haben ein geringeres Risiko bei Ertragsausfall sowie Krankheit und verursachen weniger Arbeitsaufwand.

Winkler: Wir wollen mit den natürlichen Gegebenheiten klarkommen.

Döbler: Dabei entstehen neue, interessante Weinstile. Der Regent kommt südlich-würzig daher.

Winkler: Und der Cabernet blanc entfaltet am Gaumen die Vielfalt des Bauerngartens.

Wie sieht der Ausbau Ihrer Bio-Weine aus?

Weingärtner Stromberg-Zabergäu eG Bio-Wein
(v.l.) Reiner Döbler, Siegfried Setzer, Bernd Lieberherr, Jürgen Winkler und Dorothea Ehmer prüften im August den Reifegrad der Lemberger-Trauben.

Döbler: Unsere Weine werden von Oenologie-Vorstand Albrecht Hauber und seinem Team streng von den konventionell erzeugten Weinen getrennt und dazu vegan ausgebaut. Diese fortschrittliche Methode verzichtet auf tierische Behandlungsmittel zur Klärung und setzt Erbseneiweiß ein. Ansonsten unterscheidet sich der Ausbau wenig vom Ausbau konventioneller Weine. Die Weingärtnergenossenschaft geht sehr umweltschonend vor.

Wie sehen Sie Ihre Zukunftsperspektiven?

Winkler: Wir sind sieben Bio-Betriebe bei den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu: Dorothea und Christoph Ehmer aus Lauffen, Helmut und Florian Hönnige aus Neipperg, Bernd Lieberherr aus Kirchheim am Neckar, Siegfried Setzer aus Horrheim, Samuel DuenDuensing aus Brackenheim und unsere beiden Betriebe, ebenfalls in Brackenheim ansässig. Mit rund 30 Hektar Rebfläche bewirtschaften wir gemeinsam ungefähr zehnmal so viel Fläche wie in den Anfangsjahren. Unsere Weine werden als Bioweine auf der Flasche verkauft. Trotz zunehmender Importe sehen wir hier bei uns eine wachsende Nachfrage.

Döbler: Wir sind mit zehn Weinen und einem Secco namens „Soecco“ breit aufgestellt. Diese sind auch international gefragt und werden exportiert.

Was würden Sie anderen Weingärtnern raten, die auf Bio umstellen wollen?

Döbler: Wenn sie in ihrer Genossenschaft bleiben können, dann sollen sie es tun. Es ist eine gute Tradition. Die Kundenbeziehungen können genutzt werden und der Weingärtner kann sich auf den Anbau konzentrieren. Ja, ich würde es wieder machen und rate es auch meinen Kindern. Bio steht für mich für Umweltschutz, Qualitätssteigerung und Gesundheitsvorsorge.

Winkler: Es ist für mich die weitestgehend funktionierende Form von Landwirtschaft mit Verantwortung. Nicht alles ist perfekt, aber ich finde, es ist die zukunftsorientierte Bewirtschaftungsweise.

Genossenschaftsorganisation beim 100. Landwirtschaftlichen Hauptfest

Um die Verbundenheit der Volksbanken Raiffeisenbanken zum ländlichen Raum und der Agrarwirtschaft auf besondere Weise zum Ausdruck zu bringen, unterstützten sie das 100. Landwirtschaftliche Hauptfest in Stuttgart. Der Messestand bot die Gelegenheit, täglich andere Genossenschaftsmitglieder kennenzulernen.

Mehr auf www.lwh-stuttgart.de.

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