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Social Media: „Richtiger Mix aus Kreativität und Themenvielfalt punktet“ – ein Interview

Social Media Beratung durch den BWGV - Jens Becherer
BWGV

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Seit rund einem halben Jahr kümmert sich Jens Becherer aus dem Bereich Beratung Genossenschaftsbanken federführend um die Soclal-Media-Präsenzen des BWGV. In dieser Projektleitung koordiniert er die unterschiedlichen Facetten des Verbands in enger Abstimmung mit der Stabsstelle Kommunikation, schult die Mitarbeitenden und sorgt dafür, dass die verschiedensten Social-Media-Aktivitäten spannend, interessant und lesenswert sind. Darüber sprach er mit der Geno-Graph-Redaktion.

Herr Becherer, benennen Sie bitte die aus Ihrer Sicht drei wichtigsten Gründe, warum Unternehmen an der Bespielung der Sozialen Medien nicht vorbeikommen?

Erstens: Authentizität, dass Unternehmen zeigen können, welche Menschen dahinterstehen. Zweitens: Chancen, da Social Media nach wie vor einen enormen Markt mit vielfältigsten Chancen bietet. Drittens: Feedback, da Unternehmen sich mit Ihrer Kundschaft direkt austauschen, Meinungen einholen und auf Kritik reagieren können.

Welche wichtigen Argumente sind noch anzuführen?

Einfach gesagt: Jedes Unternehmen hat dort zu sein, wo die Menschen sind. Leben findet nun mal auch in den sozialen Netzwerken statt. Zu unserem Leben gehören vielfältige Unternehmen, also gehören die Unternehmen auch in die sozialen Netzwerke.

Sie haben inzwischen reichlich Erfahrung mit der Schulung von Mitarbeitenden von Genossenschaftsbanken sowie Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften. Welche Inhalte vermitteln Sie?

Das fängt beim Organisatorischen an und endet beim Kreativen in der operativen Umsetzung. Jede Genossenschaft ist anders, jede Unternehmensstruktur differenziert sich von der anderen und somit ist das Spannende an meinem Job, dass jedes Social-Media Projekt anders ist. Mein Schwerpunkt ist sicherlich das Kreative, indem ich verschiedene Content-Ideen ausprobiere und einen Infotainment-Mix baue.

Und welche Kanäle empfehlen Sie?

Pauschal kann man sicher sagen, dass Facebook und Instagram „must have“ sind, und ich für mich mittlerweile Xing und LinkedIn als sehr empfehlenswert einstufe – je nach Möglichkeiten, Größe und Ressourcen meiner Kundschaft. Twitter ist hervorragend für uns als Verband, aber weniger spannend für die meisten anderen Genossenschaften. Je nach Zielgruppe muss man schauen, inwieweit Snapchat, Tiktok oder Pinterest Sinn machen. Das bedarf aber immer einer grundsätzlichen Analyse vorab. In der Regel ist „weniger mehr“ und lieber wenige Netzwerke richtig und interessant bespielen als „überall und nebenher“ eine Rolle (mit)spielen.

Gibt es etwas, was Ihre Arbeitsweise besonders macht?

Definitiv! Ich finde immer den richtigen Mix aus Kreativität und Themenvielfalt. Social Media-Beratung und -Fortbildung sind nicht nur eine Online-Geschichte, sondern durch Events, Netzwerktreffen und andere Gigs immer wesentlicher Teil meiner Arbeit die Menschen zusammenzubringen, in und außerhalb von Social Media. Egal ob Foren, Fachtagungen oder Workshops: Es muss hybrid sein.

Der BWGV selbst bespielt Facebook, Instagram, Xing und Twitter. Fehlt ein wichtiger Kanal?

Korrekt. In Kürze ist auch LinkedIn dabei und manche Netzwerke bespielen wir mehrfach, weil es für uns als Verband Sinn macht, beispielsweise unsere Veranstaltungen eher im B2B-Bereich anders zu kommunizieren als unsere politischen Statements. Das wäre absolut kontraproduktiv, wenn wir hier alles „über einen Kamm scheren“ beziehungsweise alles über eine Plattform kommunizieren.

Kommunikation in der Corona-Krise ist Krisenkommunikation. Inwiefern trifft diese Aussage auch für Social Media zu?

Ich bin mehr als froh, dass wir vor der Krise bereits in allen Netzwerken etabliert waren. Denn die Krise hat uns gelehrt, dass wir in der Kommunikation absolut „auf Sicht“ informieren können und müssen. Ständig änderten sich die Auswirkungen der Krise und dadurch auch die Inhalte unserer Kommunikation. Was heute wichtig war zu berichten, ist morgen schon wieder irrelevant.

Gerade Banken konnten Änderungen wie bei den Öffnungszeiten direkt dann kommunizieren, wenn es kurzfristig geboten war. Wir als Verband – der eine Verantwortung für seine Mitglieder hat, aktuell zu kommunizieren – konnte dies tun und politische wie auch soziale Themen teilen. Ich würde sogar behaupten, dass die Social-Media-Kommunikation noch nie so bedeutungsvoll war wie zu dieser Zeit. Die Menschen schauen zwar wieder deutlich mehr TV, aber ist da der Mittelstand als Produzent tatsächlich präsent? In Social Media ist er es und er kann mit seiner Zielgruppe informieren, direkt in den Austausch gehen usw. Wer es jetzt immer noch nicht begriffen hat, welchen Stellenwert soziale Netzwerke haben, wird es sehr wahrscheinlich auch nicht mehr tun.

Welche Rolle spielt dabei die emotionale Dimension von Social Media?

Eine sehr bedeutende! Fachinformation ist die eine Dimension, die Emotionalität die wesentlich wichtigere. Bankvorstände und Geschäftsführer von anderen Genossenschaften zeigten sich in emotionalen Postings, um persönlich ihren Kunden und Mitgliedern zur Seite zu stehen. Im Fernsehen sprechen Merkel & Co., in den sozialen Netzwerken alle anderen, die etwas zu sagen haben.

Was raten Sie den Mitgliedunternehmen des BWGV in dieser schwierigen Situation?

Bezogen auf Social Media: Lieber einen Post mehr, als einen zu wenig. Meine Botschaft: Findet einen Mix aus aktuellen Fachinformation während und nach der Krise und vergesst dabei nicht, dass es auch noch ein „social“ gibt, und spielt auf Social Media Eure Themen, die Euch als Unternehmen ausmachen.

Kennen Sie Beispiele von Genossenschaften, die in der Corona-Zeit sehr gut darin unterwegs sind, mit Mitgliedern und Kunden auch auf den Social-Media-Kanälen zu kommunizieren?

Ja, der BWGV selbst und eine endlose Anzahl vieler Genossenschaften, egal ob Banken, Winzer und andere genossenschaftliche Erzeuger. Bei den Banken hat mir besonders gut gefallen, wie die Zuversichtskampagne regionalisiert worden ist und „Morgen kann kommen“ ein phantastisches Beispiel war, den entsprechenden Followern und Fans Zuversicht und Sicherheit zu vermitteln. Einzelne Banken haben dies so unwahrscheinlich charismatisch umgesetzt, dass ich jeden Tag staunte, wozu unsere Genossenschaftliche FinanzGruppe fähig. Aber mindestens genauso gefreut haben mich unsere innovativen Winzer- und Weingärtnergenossenschaften, die teilweise ihre Weinproben virtuell dargestellt haben und dies zu einem großartigen Social-Media-Hype wurde. Beachtlich fand ich, wie viele unserer Warengenossenschaften blitzschnell ihr Know-how auf Online-Shops und Online-Beratungen ausgeweitet haben.

Was sind Ihre nächsten Schritte?

Ich arbeite gerade mit Kolleginnen und Kollegen aus den Bereichen Bildung und Beratung intensiv daran, in besonderen Räumen und anderen Arbeitsmethoden ein BWGV-Lab aufzubauen und hoffe, darin bald die ersten Sessions umzusetzen. Unseren Bereich Bildung und den Hotelbetrieb gilt es in den sozialen Medien noch besser zu präsentieren. Und dann natürlich jeder Genossenschaft in Baden-Württemberg und ein wenig darüber hinaus das Gefühl zu geben, vom BWGV beim Thema Social Media bestens beraten zu werden.

Wenn Sie sich nach der Krise etwas für unsere Genossenschaften wünschen dürften, was wäre das?

Ich hoffe, dass manche gute Sache, welches in der Krise umgesetzt wurde, teilweise unbürokratisch und dennoch effektiv, auch nach der Krise beibehalten wird. Ich denke da an die eine oder andere moderne Arbeitsbedingung für unsere Mitarbeitenden. Das wäre schon klasse.

Social Media BWGV
Jens Becherer behält offline die Themen und Aufgaben für die Online-Aspekte im Blick.

 

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