Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Immer größere Vielfalt an Genossenschaften – bereits sieben Gründungen im Jahr 2016

Immer größere Vielfalt an Genossenschaften – bereits sieben Gründungen im Jahr 2016
BWGV

/

Die Vielfalt an Genossenschaften in Baden-Württemberg nimmt immer weiter zu. Unter den 13 Neugründungen in 2015 befinden sich spannende und ausgesprochen innovative Kooperativen aus den Bereichen Tourismus, Verkehr, Handel, Gesundheit, Kultur, Unternehmensberatung, Ausbildung, Nachhaltigkeit und Soziales. Im laufenden Jahr gab es bis heute bereits sieben genossenschaftliche Neugründungen, weitere 15 Projekte befinden sich aktuell im Gründungsprozess. „Diese erfreulichen Aktivitäten und die enorme Bandbreite zeigen, dass unsere Rechts- und Unternehmensform modern und perfekt für die Lösung sehr vieler Zukunftsherausforderungen geeignet ist“, sagt Dr. Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), auf der Jahrespressekonferenz des Verbands am 26. April in Filderstadt. Die aktuell mehr als 840 Unternehmen in der Rechtsform der eG im Südwesten verteilen sich auf rund 50 Branchen. „Besonders gut eignen sich genossenschaftliche Lösungen auch für Herausforderungen im Gesundheitswesen und in der Kommunalwirtschaft“, betont Glaser. Die Umsätze der 637 (2014: 635) Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften in Baden-Württemberg haben sich 2015 leicht um 1,6 Prozent auf 8,44 Milliarden Euro verringert.

Bisher entstanden im Jahr 2016 beziehungsweise entstehen noch neue Genossenschaften in den Bereichen Nahwärme, Windkraft, Nahversorgung, Wohnen und Betreuen, Beraternetzwerke, Großhandel im Handwerk, Ärzte und Gasthäuser. Ein Schwerpunkt in der Gründungsberatung des BWGV sind Genossenschaften im kommunalen Umfeld: Neben dem Breitband-Ausbau und der ärztlichen Versorgung stehen auch Themen wie Mobilität, Betreuung und Bildung auf der Agenda. „Genossenschaften können dort eine Lösung sein, wo sich die öffentliche Hand nicht mehr so stark wie bisher engagieren will oder kann. Die eingetragene Genossenschaft verbindet in idealer Weise wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung – und sie kommt dem Wunsch der Menschen nach Mitbestimmung entgegen“, verdeutlicht der BWGV-Präsident. Auch deshalb wurde 2015 unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Winfried Kretschmann mit großem Erfolg das „Baden-Württembergische Jahr der Genossenschaften“ gefeiert. Mit zahlreichen Veranstaltungen im gesamten Südwesten hat der BWGV dabei auf die enorme Vielfalt und Stärke von Genossenschaften hingewiesen.

„Tag der Genossenschaften“ am 2. Juli in Leutkirch im Allgäu

Die vielen erfolgreichen Unternehmen in der Rechtsform der eG stehen auch beim traditionellen „Tag der Genossenschaften“ am Samstag, 2. Juli 2016, in Leutkirch im Allgäu im Mittelpunkt. Bereits am Freitag, 1. Juli, findet für politische Akteure und deren Mitarbeiter sowie weitere Interessierte eine „GENO-Tour“ statt. Dabei sollen die Besonderheiten und Anwendungsmöglichkeiten sowie die Vielfalt und Leistungsfähigkeit der Rechtsform eG bei Vor-Ort-Besuchen bei vier Genossenschaften im Raum Leutkirch praktisch erfahrbar gemacht werden. Die eingetragene Genossenschaft (eG) bietet sich an, wenn Wirtschaftsakteure ihre Kräfte bündeln und die Vorteile der Kooperation nutzen möchten, ohne dabei ihre Eigenständigkeit aufzugeben. Dies geschieht vermehrt unter Freiberuflern, in den Bereichen Pflege und neue Wohnformen, bei der örtlichen Nahversorgung, im Bereich Bildung, in der Gesundheits- und Kommunalwirtschaft sowie bei der Erzeugung und dem Vertrieb erneuerbarer Energie. Entsprechend rechnet Verbandspräsident Glaser mit weiteren Gründungen in den kommenden Jahren. Besonders interessant seien etwa Gesundheitsgenossenschaften, um dem Ärztemangel im ländlichen Raum erfolgreich zu begegnen.

Bettenring eG in Filderstadt bietet starken Rückhalt für Fachhändler

Ein hervorragendes Beispiel für eine sehr gut funktionierende Genossenschaft ist die Bettenring eG mit Sitz in Filderstadt, Gastgeber der diesjährigen Pressekonferenz des BWGV. Der bereits 1949 gegründete Marketing-Partner für den Bettenfachhandel hat 207 Mitglieder mit 260 Standorten in Deutschland, Österreich, Norditalien und der Schweiz und erwirtschaftete 2015 einen Innenumsatz von 104 Millionen Euro. Die 17 Mitarbeiter zählende Genossenschaft betreut und unterstützt Fachhändler für Betten und Matratzen. Dabei geht es längst nicht nur um den Einkauf, Bettenring bietet seinen Mitgliedern auch professionelle Marketingmaßnahmen und hochwertige Fortbildungsangebote. „Wir machen das Mitgliedshaus vor Ort zur exklusiven Marke“, verdeutlicht Bettenring-Vorstand Dr. Martin Süß. Dabei versteht er seine Genossenschaft als „leisen, aber wichtigen“ Partner im Hintergrund. Die Unterstützung geht bis zur selbstständigen Entwicklung hochwertiger und individueller Schlafsysteme – immer in Zusammenarbeit mit den Mitgliedern. „Mitgliedernähe ist uns besonders wichtig“, betont Süß. Diese erreiche man durch eine sehr intensive Betreuung „by draußen sein“. Mit der Bettenring eG im Rücken können die Fachhändler alle Vorteile eines Großunternehmens genießen, dabei jedoch frei und eigenständig bleiben.

3,85 Millionen Genossenschaftsmitglieder in Baden-Württemberg

Hinter den mehr als 900 Mitgliedsunternehmen des BWGV stehen mittlerweile gut 3,85 Millionen Einzelmitglieder (plus 56.800) – also mehr als jeder dritte Einwohner Baden-Württembergs – und 34.280 Arbeitsplätze (Ware: 10.560, Banken: 23.720). Zudem bilden die Genossenschaften insgesamt fast 3.200 junge Menschen aus (Ware: 817, Banken: 2.382). „Baden-Württemberg ist und bleibt das Land der Genossenschaften“, stellt Glaser heraus. Allein im Südwesten gab es in den vergangenen zehn Jahren etwa 250 Neugründungen von Genossenschaften. Die Zahl der Einzelmitglieder hat in diesem Zeitraum um mehr als 400.000 zugelegt. Genossenschaften spielen besonders im ländlichen Raum eine sehr große Rolle. Sie bilden nicht selten das Rückgrat dieser Regionen, dienen dem Erhalt der Kulturlandschaft, produzieren sichere Nahrungsmittel, erhalten örtliche Infrastruktur und bieten dezentrale Arbeitsplätze. Die 206 Volksbanken und Raiffeisenbanken versorgen ihre Mitglieder und Kunden in ganz Baden-Württemberg verlässlich mit Finanzdienstleistungen. „Genossenschaften sorgen für wirtschaftliche Wertschöpfung vor Ort, mit fairen und nachhaltigen Geschäftsmodellen – im ländlichen Raum aber auch in Ballungsräumen“, sagt der BWGV-Präsident. Das genossenschaftliche Geschäftsmodell hat aber auch seine Grenzen: „Als reine Kapitalsammelstellen eignen sie sich nicht“, betont Glaser. „Aber bei Infrastrukturprojekten wie dem Breitband-Ausbau können Genossenschaften deutlich mehr bieten als eine anonyme Kapitalbereitstellung“, so Glaser. „Sie sorgen für eine nachhaltige und breite Akzeptanz von Projekten bei Bürgern und Unternehmen in der Region – und stellen damit auch deren langfristigen Erfolg sicher.“

Gewerbliche Genossenschaften werden immer vielfältiger

Die 301 gewerblichen Genossenschaften in Baden-Württemberg decken fast die gesamte wirtschaftliche Bandbreite ab – vom Kinderarzt über die Handelsgenossenschaften, Kooperationen aus dem Nahrungsmittelhandwerk, Energiegenossenschaften, Dorfläden oder Dorfgasthäuser bis hin zu Kaminbauern, Softwareschmieden und Unternehmensberatern. Die Zahl der Mitglieder im gewerblichen Bereich stieg im vergangenen Jahr um 7,2 Prozent auf mehr als 60.800. Der Gesamtumsatz 2015 der gewerblichen Genossenschaften legte um 0,4 Prozent auf knapp 5 Milliarden Euro zu. Fast 60 Prozent des Umsatzes in der Gruppe der gewerblichen Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften entfallen auf die 14 Genossenschaften des Fachhandels (darunter Intersport und Euronics). Sie verzeichneten einen Umsatzanstieg um 0,6 Prozent auf 2,93 Milliarden Euro.

Wieder frischer Wind bei Energiegenossenschaften

Ein Bereich, der sich seit Jahren positiv entwickelt hat, sind die Energiegenossenschaften. Beim Umsatz ging es für die 149 Genossenschaften auch 2015 weiter nach oben – um 1,8 Prozent auf 120 Millionen Euro. Mittlerweile stehen hinter den Energiegenossenschaften in Baden-Württemberg mehr als 29.650 Einzelmitglieder. Allerdings kam der Gründungsboom durch die schwierigen politischen Rahmenbedingungen vorübergehend zum Erliegen. Während in den Vorjahren noch 24 (2012), 23 (2013) und zwölf (2014) Neugründungen vermeldet werden konnten, war es 2015 keine einzige mehr. Zum einen hat die Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) 2014 dafür gesorgt, dass reine Photovoltaik-Projekte finanziell kaum noch attraktiv sind. Zudem wurde lange befürchtet, dass Energiegenossenschaften künftig einer Erlaubnis- und Registrierungspflicht nach dem Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) unterliegen werden. Dies hätte vielen ehrenamtlich geführten Energiegenossenschaften den Garaus gemacht. Nun, da diese gesetzliche Verschärfung abgewendet werden konnte, ist wieder frischer Wind in der Branche zu spüren. Im Jahr 2016 gab es bisher schon zwei Neugründungen von Energiegenossenschaften, vier weitere befinden sich aktuell im Gründungsprozess. Der BWGV sieht besonders im Bereich Nahwärme Potenzial, aber auch bei Windkraft-Projekten.

Im Hinblick auf die 2016 bevorstehende EEG-Novelle fordert BWGV-Präsident Glaser, bestehende Benachteiligungen von Energiegenossenschaften zu beseitigen. So habe sich gezeigt, dass das Ausschreibungsverfahren, bei dem sich Interessenten um Energieprojekte bewerben müssen, kleinere Akteure wie Bürgerenergiegenossenschaften massiv benachteiligt. „Sie kommen schlicht und einfach nicht zum Zug, weil sie in der Regel nur an einem konkreten lokalen Projekt interessiert sind und sich somit nicht über andere Projekte querfinanzieren können. Hier besteht dringender Handlungsbedarf seitens der Politik“, fordert Glaser.

Stabile Entwicklung im genossenschaftlichen Handwerk

Mit einem Umsatzwachstum von 0,2 Prozent auf 1,79 Milliarden Euro war die Entwicklung der 26 Genossenschaften des Handwerks 2015 stabil. Zu-friedenstellend liefen die Geschäfte bei den acht Fleischer-Einkaufsgenossenschaften. Dies führte zu einem Umsatzplus von 1,4 Prozent auf 225,8 Millionen Euro im Kalenderjahr. Die fünf regionalen Bäckerei- und Konditorei-Einkaufsgenossenschaften (BÄKO) im Südwesten steigerten ihren Umsatz leicht um 0,3 Prozent auf 451 Millionen Euro.

Schwieriges Umfeld für landwirtschaftliche Genossenschaften

Die 336 landwirtschaftlichen Genossenschaften in Baden-Württemberg mussten im vergangenen Jahr einen Umsatzrückgang um 4,4 Prozent auf 3,45 Milliarden Euro hinnehmen. Zuwächse gab es nur bei Obst und Gemüse, Rückgänge bei Milch, Viehhandel und bei der allgemeinen Warenwirtschaft. Bei letzterer Sparte gingen die Erlöse der 46 Genossenschaften (inklusive des Warengeschäfts der Banken) wegen der sehr schwierigen Marktlage um 4,7 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro zurück. Die Umsätze bei den landwirtschaftlichen Erzeugnissen gingen um 6,9 Prozent zurück.  Bei Getreide war ein Umsatzeinbruch von 13,4 Prozent zu verzeichnen. Bei anderen Erfassungsgütern wie beispielsweise Raps oder Obst und Gemüse gab es hingegen teils deutliche Zuwächse. Negativ auf die Ergebnisse der Genossenschaften wirkten sich die preisbedingten Umsatzrückgänge bei Brenn- und Treibstoffen von 12,9 Prozent aus. Auch beim Raiffeisen-Markt-Umsatz war ein Minus von 1,7 Prozent festzustellen. Zuwächse von 1,6 Prozent konnten dagegen im Landtechnikgeschäft erzielt werden. Allgemein war die Stimmung durch die negative Entwicklung auf den Agrarmärkten getrübt, die sowohl die Mitglieder als auch die Genossenschaften vor große Herausforderungen stellt.

Mit 490.200 Tonnen Weizen, Gerste, Raps, Roggen, Hafer und anderen Feldfrüchten wurden von den landwirtschaftlichen Genossenschaften insgesamt 5,6 Prozent weniger erfasst als im Vorjahr. Bei Weizen fielen die Mengen spürbar geringer aus als 2014. Besondere Sorgen bereitete die Maisernte im Südwesten: Eine verspätete Aussaat gefolgt von einer nasskalten Witterung mit anschließender Trockenheit führten zu teilweise sehr großen Einbußen. Die Qualität lag hingegen allgemein im Durchschnitt der letzten Jahre. Die Zahl der Mitglieder im landwirtschaftlichen Bereich verringerte sich 2015 um 4,1 Prozent auf 105.600. Die ZG Raiffeisen sowie die Bezugs- und Absatzgenossenschaften (BAG) bringen das Getreide der Landwirte an den Markt, bündeln für diese den Einkauf von Futter- und Düngemitteln und verkaufen landwirtschaftliche Maschinen, Heizöl und Kraftstoffe. Die Genossenschaften unterstützen ihre Mitglieder mit Preisabsicherungsmodellen, die für die Landwirte in einer zunehmend unübersichtlichen Situation Preisrisiken begrenzen. „Gerade in Zeiten eines immer stärkeren internationalen Wettbewerbs zeigt sich für die Landwirte, wie wertvoll unsere Genossenschaften für sie sind“, betont Glaser. Erfolgreiche Genossenschaften seien in sämtlichen landwirtschaftlichen Sparten geradezu existenziell wichtig.

Anhaltende Krisenstimmung am Milchmarkt

Für die Milcherzeuger und ihre Molkereien war 2015 ein sehr schwieriges Wirtschaftsjahr. Wesentliche Ursache war ein national wie international anhaltend hohes Angebot, das auf eine global schwächere Nachfrage traf und so zu fallenden Erlösen führte. Die Produktpreise gingen in allen Segmenten zurück. Vor dem Hintergrund der international vernetzten Märkte konnte sich dieser Entwicklung auch die Milchbranche in Baden-Württemberg nicht entziehen. Die Umsätze der sechs genossenschaftlichen milchverarbeitenden Betriebe in Baden-Württemberg sind 2015 um 14,2 Prozent auf 683 Millionen Euro gesunken. Die Milchanlieferungen in Baden-Württemberg gingen mit 2,28 Millionen Tonnen insgesamt um 0,3 Prozent zurück. Dies ist im Wesentlichen auf zurückhaltende Anlieferungen vor Auslaufen der Milchquote zum 31. März 2015 zurückzuführen. Insbesondere zum Ende des Jahres waren aber wieder deutliche Mehranlieferungen zu verzeichnen. In Hinblick auf die Auszahlungspreise bewegen sich die Molkereien in Baden-Württemberg im bundesweiten Vergleich zwar traditionell über Niveau, allerdings wurden auch hier die 30 Cent/Kilogramm-Marke in den Monaten Mai bis Oktober unterschritten. Die Lage bei den Milcherzeugern ist deutlich angespannt. Eine Verbesserung zeichnet sich noch nicht ab. Für 2016 ist weiterhin mit unter Druck stehenden Märkten zu rechnen.

Wein: Verband unterstützt Genossenschaften im Strukturwandel

Die Weinwirtschaft steht nach wie vor in einem intensiven Strukturwandel. Sowohl in Baden als auch in Württemberg hat die Zahl der Weinerzeuger in den vergangenen zehn Jahren um etwa ein Viertel abgenommen. Die Zahl der Genossenschaften hat sich 2015 aber bei 117 – plus die beiden Zentralen in Möglingen und Breisach – stabil gehalten. „Der BWGV wird den Strukturwandel im genossenschaftlichen Weinsektor künftig noch intensiver begleiten“, versichert Präsident Glaser. Dies geschieht durch eine strategische Beratung der Mitgliedsunternehmen sowie durch die Schulung ehrenamtlicher Mandatsträger. Auch bei der Interessenvertretung setzt sich der Verband stark für seine Mitglieder aus dem Weinsektor ein.

Überragende Qualität in Baden und in Württemberg

Die Weinernte 2015 brachte sowohl in Baden als auch in Württemberg eine überragende Qualität für die Winzer und Weingärtner. Durch die starke Trockenheit vergangenen Sommer lagen die Mengen in Baden spürbar unter dem Vorjahr, waren aber noch zufriedenstellend, in Württemberg legten sie leicht zu. 2015 haben die Winzer- und Weingärtnergenossenschaften 160,7 Millionen Liter Most eingelagert. Das sind 9,5 Millionen Liter beziehungsweise 5,6 Prozent weniger als 2014. Der Absatz von Wein und Sekt verringerte sich 2015 um 1 Prozent auf 150,5 Millionen Liter. Die genossenschaftliche Weinwirtschaft hielt den Umsatz 2015 stabil bei 541 Millionen Euro.

Die selbstvermarktenden badischen Winzergenossenschaften haben aus der Ernte 2015 insgesamt 84,8 Millionen Liter Most eingelagert. Gegenüber 2014 wurden 12 Millionen Liter oder 12,4 Prozent weniger erfasst. Flächenbezogen liegt die Einlagerungsmenge bei 81,5 Hektoliter pro Hektar gegenüber 92,7 in 2014. 2015 haben die badischen Winzergenossenschaften insgesamt 81,2 Millionen Liter (minus 1,8 Millionen Liter beziehungsweise 2,2 Prozent) Wein und Sekt verkauft. Der Umsatz verringerte sich um 1,2 Millionen Euro beziehungsweise 0,5 Prozent auf 261,8 Millionen Euro. Die selbstvermarktenden württembergischen Weingärtnergenossenschaften haben aus der Ernte 2015 insgesamt 76,0 Millionen Liter Most erfasst. Gegenüber der Vorjahresernte wurden 2,5 Millionen Liter oder 3,5 Prozent mehr in die Keller eingebracht. Die flächenbezogene Einlagerungsmenge liegt bei 101,8 Hektoliter pro Hektar gegenüber 99,2 in 2014. Von den selbstvermarktenden württembergischen Weingärtnergenossenschaften wurden 2015 rund 69,3 Millionen Liter Wein und Sekt (minus 0,3 Millionen Liter beziehungsweise 0,4 Prozent) im Wert von 219,1 Millionen Euro abgesetzt. Das ist 1 Million Euro (0,5 Prozent) mehr als im Vorjahr.

Obst und Gemüse: Hohe Qualität und steigende Umsätze

Die Mitgliedsbetriebe haben im zurückliegenden Jahr insgesamt 250.000 Tonnen Obst und 88.000 Tonnen Gemüse bei den sieben Erzeugergenossenschaften und ihren Vertriebsgesellschaften zur Vermarktung angeliefert. Beim Obst bedeutet dies einen Mengenrückgang um 11 Prozent, die Menge des vermarkteten Gemüses blieb nahezu auf Vorjahresniveau. Aufgrund der europaweit geringeren Ernte und des dadurch kleineren Angebots konnten aber höhere Preise erzielt werden. Der erwirtschaftete Gesamtumsatz der genossenschaftlichen Erzeugergroßmärkte und ihrer Vertriebsgesellschaften lag 2015 mit 485 Millionen Euro um gut 13 Prozent höher als im Vorjahr.

Der Winter 2015/2016 war mäßig kalt. Die Kälte dauerte jedoch bis in den März an. Den ersten deutschen Spargel aus bodenbeheizten Anlagen konnte die Obst- und Gemüse-Absatzgenossenschaft Nordbaden eG in Bruchsal (OGA Bruchsal) Anfang März vermarkten. Seit 17. März ist der erste badische Spargel aus speziellen „Sonnentunneln“ im Vermarktungsangebot. Seitdem hoffen die Spargelbauern und Vermarkter auf zahlreiche Sonnentage für ausreichend Wärme in den Anlagen mit Folienabdeckung. „Wenn die Sonne einmal zwei Tage scheint, kann die Folie ihre Wirkung voll entfalten, dann geht es mit dem Wachstum der Spargelpflanzen rasant vorwärts“, erläutert Hans Lehar, Geschäftsführer bei der OGA Bruchsal. 2015 haben die genossenschaftlichen Spargelvermarkter in Baden-Württemberg mit 5.900 Tonnen (minus vier Prozent) einen Umsatz von 25,2 Millionen Euro (plus fünf Prozent) erzielt.

LUI – Landwirtschaftspreis für unternehmerische Innovationen

Um Innovationen in der Landwirtschaft zu fördern, stiftet der BWGV zusammen mit der ZG Raiffeisen eG in Karlsruhe den mit 5.000 Euro dotierten LUI, den Landwirtschaftspreis für Unternehmerische Innovationen. Der LUI wird jedes Jahr an landwirtschaftliche Betriebe und Unternehmen oder an solche, die in beispielhafter Weise im vor- und nachgelagerten Bereich mit der Landwirtschaft zusammenarbeiten, vergeben – 2016 bereits zum 20. Mal. Das können Betriebe der Gastronomie, des Handwerks sowie des Handels sein oder aber Einzelpersonen, Gruppen oder Gemeinden mit herausragenden Ideen. Die Bewerbungsunterlagen sowie weitere Informationen zum LUI gibt es im Internet unter www.lui-bw.de - Einsendeschluss ist der 30. Juni.

Präsentation (PDF)

Artikel versenden