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Genossenschaft der Friedhofsgärtner bietet innovative Grabpflege

Württemberger Friedhofsgärtnergenossenschaft
Daniel Haupt

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In den vergangenen Jahren nahm die Zahl der Erdbestattungen immer mehr ab. Dafür bietet die Genossenschaft der Württembergischen Friedhofsgärtner „Gärtnerbetreute Urnengemeinschaftsgrabanlagen“, kurz UGA, mit ganzjähriger Komplettbetreuung an.

Die Autoren dieses Beitrags stehen vor einem kreisrunden, attraktiv bepflanzten Beet. Im Zentrum ragt ein Kunstwerk aus Stein empor, einem Obelisken gleich, bestehend aus einzelnen Stelen. Drumherum laden Ruhebänke zum Verweilen ein. Das Auge gleitet erneut auf das Beet und bleibt bei Ziergräsern hängen, die sich im warmen Lüftchen zart hin und her bewegen. Dann, gerade als sich die Sonnenstrahlen durch die Wolken schieben und sozusagen der Spot angeht, leuchten violette Alpenveilchen und Heidekraut in verschiedenen Farben. Es ist ein freundlicher Spätherbsttag und wir stehen mitten auf dem Friedhof Altenstadt in Geislingen. Erst auf den zweiten Blick sind zwischen der kunstvollen Bepflanzung Gedenksteine zu erkennen, einheitlich gestaltete Platten, die einem bewusst machen, dass dies ein Ort der Erinnerung an Verstorbene ist.

Dauergrabpflegeverträge machen Sinn

Es ist eine Urnengemeinschaftsgrabanlage (UGA), die aktuell sehr gefragt ist, berichtet Gärtnermeister Thomas Vogt, der diese Anlage zusammen mit drei Gärtnerkollegen hegt und pflegt. Neue Formen sind charakteristisch für diese Grabfelder; oft sind sie geschwungen und heben sich damit von den klassischen Grabanlagen in „Reih und Glied“ ab. In Tübingen entstand so eine UGA mit dem Namen „Fluss der Zeit“. Ein Bachlauf mäandert dort durch das Urnengrabfeld. Schöne Orte, um Erinnerungen an einen lieben Menschen wach zu halten. Die Gedanken schweifen und es kommt die Frage auf, wie man selbst mal bestattet werden möchte? „Jeder hat diese Überlegung irgendwann einmal“, bestätigt Vogt.

„Dann möchten wir Friedhofsgärtner gerne erfahrene Ansprechpartner für ein Beratungs- und Vorsorgegespräch sein.“ Gerade bei den UGA, aber auch bei den klassischen Erd- und Urnengräbern, kann mit einem Dauergrabpflegevertrag Vorsorge für eine selbstbestimmte Grabart getroffen werden.

Urnengemeinschaftsgrabanlagen

UGA-Anlage auf dem Friedhof in Geislingen-Altenstadt
So präsentiert sich eine UGA-Anlage auf dem Friedhof in Geislingen-Altenstadt.

Beim Friedhofsrundgang merkt man Vogt sein persönliches Engagement an: „Die intensive Kommunikation mit den Betroffenen ist bei diesem sensiblen Thema das Wichtigste“, ist seine Erfahrung. Er zeigt, wie die neue Grabart UGA auf dem Friedhof Altenstadt gewachsen ist und führt zu mehreren UGA mit rund 270 Urnen. Hier wurden seit 2008 die ersten UGA angelegt. Insgesamt gibt es hier knapp 600 Urnengräber aufgrund einer Besonderheit: Geislingen hat ein eigenes Krematorium, der Anteil an Feuerbestattungen liegt bei rund 90 Prozent. Den Vorteil der günstigen Bestattungs- und Pflegekosten rechnet Vogt bei zwei Varianten detailliert vor: Bei Urnengräbern mit Stelen betragen die Grabpflegekosten für 15 Jahre rund 2.900 Euro zuzüglich 3.100 Euro für städtische Gebühren und den Steinmetz, also insgesamt 6.000 Euro. Bei den liegenden Platten liegen die Grabpflegekosten bei knapp 1.400 Euro im gleichen Zeitraum, dazu kommen 2.600 Euro für Gebühren und Steinmetz, was dann mit 4.000 Euro zu Buche schlägt. Gärtnermeister Vogt ist auch Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Friedhofsgärtner eG. Zusammen mit Geschäftsführerin Elizabeth Anna Wirth stecken beide später in Vogts gleichnamiger Gärtnerei in Geislingen an der Steige die Köpfe über ausgebreiteten Friedhofsplänen zusammen und diskutieren neue Urnengemeinschaftsgrabanlagen. „Seit knapp zehn Jahren beobachten wir einen zunehmenden Trend der UGA“, blickt Wirth zurück. Rund 70 UGA gibt es bereits in ganz Württemberg. Der Anteil der UGA liegt bereits bei 20 Prozent.

Gärtnerbetreute Grabfelder sind kostengünstig

Das Angebot an klassischen Erdbestattungen, Urnenwahl- oder Reihengräbern reiche nicht mehr aus. Es steige in vielen Kommunen die Nachfrage nach kostengünstigen Grabarten wie den Gemeinschaftsgrabanlagen, so Wirth. Der Vorstandsvorsitzende Vogt erklärt kurz das Konzept der Gemeinschaftsgrabanlagen: „Ein oder mehrere Friedhofsgärtner bepflanzen das gesamte Grabfeld, pflegen und betreuen die Anlage während der gesamten Laufzeit. Dies geschieht auch, wenn die Anlage noch nicht ganz belegt sein sollte, da die Gemeinden dann für die gärtnerische Pflege bezahlen.“ Er ergänzt, dass für die Hinterbliebenen die Verpflichtung zur Friedhofspflege entfalle, da sie eine Grabstätte in einer bereits fertiggestellten Anlage zu einem festen Komplettpreis ohne weitere Zusatzkosten erwerben würden.

Genossenschaft ist Vertragspartner

Württembergische Friedhofsgärtnergenossenschaft eG
Gärtnermeister und FGeG-Vorstandsvorsitzender Thomas Vogt und FGeG-Geschäftsführerin Elizabeth Anna Wirth diskutieren über neue Urnengemeinschaftsgrabanlagen (UGA) in Geislingen/Steige.

Geschäftsführerin Wirth erläutert das Prinzip dieser gärtnerbetreuten Grabfelder. Wird das Nutzungsrecht einer solchen Grabstätte bei der Kommune erworben, ist damit der Abschluss eines Dauergrabpflegevertrags bei der Württembergischen Friedhofsgärtner eG verbunden. Die Laufzeit des Dauergrabpflegevertrags lehnt sich dabei an die Ruhefrist der jeweiligen Gemeinde für Urnengräber an. Im Dauergrabpflegevertrag werden eine regelmäßige, garantierte gärtnerische Grabpflege sowie Blumenschmuck nach individuellen Wünschen vereinbart. Der Vertrag kann als Vorsorge (Laufzeitbeginn ist das eigene Ableben) sowie zur laufenden Pflege abgeschlossen werden. Die Abrechnung erfolgt einmalig im Voraus für den vereinbarten Pflegezeitraum. Während der gesamten Laufzeit entfallen somit etwaige Preissteigerungen.

Der Dauergrabpflegevertrag wird mit einem Friedhofsgärtner abgeschlossen, der von der Friedhofsverwaltung zugelassen und Vertragsgärtner der Genossenschaft Württembergischer Friedhofsgärtner eG (Treuhandgesellschaft) ist. Der Vertrag enthält Angaben über die Grabstätte, die Laufzeit sowie die zu erbringenden Leistungen. Die Treuhandgesellschaft, die auch sämtliche Zahlungen an den friedhofsgärtnerischen Fachbetrieb vornimmt, verwaltet die jeweilige Vertragssumme, die als Einmalzahlung bei Vertragsabschluss zu leisten ist. Die jährlich anfallenden Erträge werden dem Treuhandkonto gutgeschrieben und für Preissteigerungen sowie für unvorhersehbare Leistungen verwendet.

Aufgrund der gesellschaftlichen Entwicklung mit immer mehr Single-Haushalten und wachsenden Entfernungen zwischen den hinterbliebenen Familienmitgliedern rechnet man mit einer weiter steigenden Anzahl dieser Anlagen. Für die Ausgestaltung der Grabfelder sind die Württembergische Friedhofsgärtner eG mit ihren Fachbetrieben und die Kommunen zuständig. Für die Gestaltung der UGA gibt es eine Kooperation mit der Genossenschaft „Netzwerk Stein, Steinmetz + Bildhauer“. „Im Rahmen unserer „Qualitätssicherung Dauergrabpflege führen hauptamtliche Grabprüfer jährliche Kontrollen durch“, erklärt Wirth weiter.

Die Friedhofsgärtnerei Vogt arbeitet mit drei anderen Blumenfachgeschäften in Geislingen zusammen und hat mit ihnen eine Arbeitsgemeinschaft gegründet, so dass die Dauergrabpflege stets gewährleistet ist. Grundsätzlich übernimmt die Württembergische Friedhofsgärtner eG hierfür die Garantie. „Leben braucht Erinnerung. Das ist unser Leitspruch. Unsere Friedhofsgärtner möchten mit der Betreuung der UGA diesen wertvollen Ort der Erinnerung für die Hinterbliebenen schaffen“, verabschieden sich Thomas Vogt und Elizabeth Anna Wirth.

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