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Chancen für Bürger-Energiegenossenschaften

Photovoltaik-Anlagen
Hasan Anac/pixelio

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Der Markt, in dem Bürgerenergiegenossenschaften agieren, ist durch schwierige Rahmenbedingungen gekennzeichnet. Zwei Studien versprechen neue Geschäftsmodelle und Chancen in der Vermarktung. Mit der EEG-Reform 2014 wurden mehrere gesetzliche Rahmenbedingungen für Bürgerenergiegenossenschaften geändert. Jenseits der EEG-Vergütung Geschäftsmodelle zu finden, ist nun Aufgabe der Bürger-Energiegenossenschaften, um die Energiewende weiter voranzubringen.

Energiewende nimmt Fahrt auf

Anteil erneuerbare Energien 2015

Der Anteil der erneuerbaren Energie lag 2015 auf einem Rekordhoch: Der Anteil der erneuerbaren Energien am deutschen Bruttostromverbrauch lag laut Bundeswirtschaftsministerium mit 32,6 Prozent deutlich über dem aus 2014  (27,4 Prozent). Vor allem die Windenergie trug dazu bei: Mit 88 Milliarden kWh wurden über 50 Prozent mehr Windstrom ins Netz eingespeist als 2014 (57,4 Milliarden kWh). Windenergie erreichte dadurch einen Anteil von 14,7 Prozent am gesamten Bruttostromverbrauch. Es folgten Biomasse mit 8,3 Prozent und Photovoltaik mit 6,4 Prozent.

Verbraucher bereit, mehr für Strom aus Genossenschaften zu bezahlen

Dass Bürger-Energiegenossenschaften Potenzial haben, zeigt eine Studie der Humboldt-Universität zu Berlin (HU), des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW), des Leibniz-Zentrums für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und der Universität Erfurt zusammen mit forsa.omninet. Für die Studie wurden über 2.000 Verbraucher in Deutschland befragt. Diese gaben an, bereit zu sein, für Strom von Genossenschaften und Stadtwerken mehr zu bezahlen. An Genossenschaften würden die Befragten für Ökostrom 2,7 Cent pro Kilowattstunde und an Stadtwerke über vier Cent mehr zahlen als an Privatunternehmen.

Kunden vertrauen Genossenschaften

„Da die Verbraucher die Herkunft von Ökostrom nur schwer nachvollziehen können, wird die Glaubwürdigkeit des Anbieters wichtiger“, sagt Jens Rommel von der HU, Co-Autor der Studie. „Stadtwerken und Genossenschaften gelingt es besser als privaten Anbietern, das Vertrauen der Kunden zu gewinnen.“ In der Pressemitteilung zur Studie heißt es, dass die Autoren der Studie dafür plädieren, den Wettbewerb durch Akteursvielfalt auf dem Ökostrommarkt zu erhalten: „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Identität von Verbraucher und Produzent bei Ökostrom zusätzlichen Nutzen schafft und somit die gesamtwirtschaftlichen Kosten der Energiewende sinken.“

Neue Geschäftsmodelle für Bürger-Energiegenossenschaften

Sich neue Geschäftsmodelle erschließen ist eine Kernfrage für Bürger-Energiegenossenschaften. Deshalb hat die Energieagentur Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem Landesnetzwerk
Bürgerenergiegenossenschaften Rheinland-Pfalz e.V. (LaNEG) die Studie „Geschäftsmodelle für
Bürgerenergiegenossenschaften. Markterfassung und Zukunftsperspektiven“
in Auftrag gegeben. Die Studie zeigt Entwicklungen auf, von denen Bürger-Energiegenossenschaften profitieren und zeigt einen systematischen Ansatz, mit dem Energiegenossenschaften neue Geschäftsmodelle erschließen und bewerten können.

Genossenschaften übernehmen Verantwortung in der Region

E-Mobil von Weiler Wärme

Die Studie zeigt die Stärken von Energiegenossenschaften auf: Regionalität, Transparenz und Gemeinschaftlichkeit. Besonders die regionale Verankerung, die direkte Beziehung zu den Menschen in der Region und das aktive Mitgestalten der Mitglieder, können zu wichtigen Vorteilen im Wettbewerb werden. „Mit diesen Stärken können Energiegenossenschaften zu Gewinnern in einem dezentral organisierten Energiemarkt werden. Sie übernehmen damit zukünftig einen wichtigen Teil der Daseinsvorsorge, indem sie günstig und ressourcenschonend vor Ort Strom und Wärme erzeugen und vertreiben“, sagt Dr. Verena Ruppert, Vorstand von LaNEG.

Ein Beispiel für ein besonderes Geschäftsmodell zeigt die Energiegenossenschaft Weiler Wärme. Sie hat neben dem Aufbau eines regionalen Nahwärmenetzes das Carsharing-Konzept WeilerMobil gestartet. Aktuell gehören zur Fahrzeugflotte zehn elektrisch betriebene Autos sowie sechs E-Bikes. Ende 2015 hatte das Projekt WeilerMobil mehr als 150 registrierte Nutzer.

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