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Weiler Wärme eG: Wir wollen den Zweitwagen ersetzen

Fabian Strojek (links) vom Anbieter Weilere mobil und Elektroauto-Nutzer Bernd Moser vom Deutschen Roten Kreuz.
BWGV

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Für den Fototermin rangieren drei weiße Autos, grasgrün verziert, vor dem Haupteingang der DRK-Landesschule im Schwarzwaldort Pfalzgrafenweiler, als ein großer Lastwagen, randvoll mit Holzhackschnitzeln, vorfährt. Energie-Nachschub für eines der Blockheizkraftwerke der Genossenschaft Weiler Wärme. Nein, diese Geschichte handelt nicht von der Nahwärme Genossenschaft mit ihrem 22 Kilometer langen Leitungsnetz in der beschaulichen 4.300-Einwohner Gemeinde. Besser gesagt: nicht direkt. Diese Zeilen drehen sich um die neun besonderen Autos, E-Mobile als Carsharing-Wagen, betrieben von der Weiler Wärme eG, einem noch jungen Projekt der Genossenschaft. Zusätzlich sind noch sechs Elektro-Fahrräder im Leihangebot.

Sinnvolle Nutzung des Öko-Stroms

Weiler Wärme produziert nämlich nicht nur umweltfreundliche Wärme, war 2009 der erste Nahwärme-Betreiber als Genossenschaft in Baden-Württemberg, sondern erzeugt auch Öko Strom. Wohin mit überschüssigem Strom, wenn er nicht ins öffentliche Netz – weil wenig lukrativ – eingespeist werden soll, lautete die Frage. Die Antwort der Vorstandriege der Genossenschaft: „Wir betreiben damit im Ort E-Mobile im Carsharing Modell namens Weiler-e-mobil.“ Aus der Idee wurde schnell Realität. Anfang Juli 2014 wurde die Initiative buchstäblich auf die Straße gesetzt. Erfolgreich, wenn man sich die Buchungszahlen anschaut. „Seit Betriebsstart im Juli 2014 konnten wir mit Stand Ende Januar 2015 bereits über 1000 Buchungen verzeichnen“, zeigt sich Fabian Strojek zufrieden. Der Student der Erneuerbaren Energien an der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg hat sein Praxissemester bei der Weiler Wärme eG absolviert und erzählt begeistert: „Ich nutze privat selbst gerne dieses Angebot. Denn es ist nicht nur umweltfreundlich, sondern auch deutlich günstiger als ein Privatauto.“

Ehrgeizige Ziele

Öko-Auto auf Öko-Wiese: Der 2013 auf den Markt gekommene Renault Zoé ist eines der E-Mobil-Modelle im Fuhrpark von Weiler-emobil.
Öko-Auto auf Öko-Wiese: Der 2013 auf den Markt gekommene Renault Zoé ist eines der E-Mobil-Modelle im Fuhrpark von Weiler-emobil.

Zurzeit wird das Angebot noch überwiegend gewerblich genutzt. Vier E-Mobile sind dauerhaft von der örtlichen Sozialstation in Beschlag genommen. Die DRK-Landesschule, vor der zwei Stromer-Ladestationen stehen, verwendet oft einen Renault-Kombi für Dienstfahrten und denkt über eine Ausweitung der Nutzung nach. Aber auch die Privatverwendung nimmt zu. Fabian Strojek benennt die drei Zielsetzungen: „Wir wollen mit unserem Carsharing-Angebot den Zweitwagen ersetzen, innerhalb von fünf Minuten soll im Ort eine Ladestation erreichbar sein und bis Ende 2015 soll sich der Betrieb wirtschaftlich selbst tragen.“ Die Weiler Wärme will ein flächendeckendes E-Tankstellennetz in Pfalzgrafenweiler aufbauen. Bis Ende des Jahres bezuschusst das Karlsruher Institut für Technologie dieses Vorreiter Projekt. Von der Genossenschaft Weiler Wärme selbst gibt es keine Zuschüsse.

Die Voraussetzungen, um diese Ziele zu erreichen, sind gut. Acht der neun Fahrzeuge verfügen über Schnellladeeinrichtungen. „In maximal zwei Stunden sind die Akkus komplett geladen“, erzählt Strojek. Die Reichweiten betragen zwischen 120 bis 190 Kilometer. „Das reicht für 95 Prozent der Fahrten.“ Es geht aber auch über eine normale 230-Volt-Steckdose. In diesem Fall dauert die Aufladung aber länger. Der BMW i3 verfügt zusätzlich über einen kleinen Benzinmotor, der die Reichweite deutlich ausweitet. „Mit dem BMW sind wir schon mal von Pfalzgrafenweiler nach Magdeburg und wieder zurück gefahren. Über 600 Kilometer einfach“, erzählt Student Strojek von der Dienstfahrt, die fast nur elektrisch erfolgte. An Autobahn-Ladestationen wurde der schicke BMW mit Gleichstrom „betankt“. Im Ort gibt es zurzeit vier Ladestationen: am Gemeinschaftshaus, wo die Weiler Wärme eG auch ihre Räumlichkeiten hat, am Marktplatz, vor der DRK-Landesschule und bei der Sozialstation in der Hauptstraße.

Genossenschaftsmitglieder profitieren

Genossenschaftsmitglieder und Wärmebezieher profitieren vom Carsharing-Angebot. Mit einem zweigeteilten Tarif für die Fahrzeugmiete lässt ihnen die Weiler Wärme einen direkten Vorteil zukommen, ganz so, wie es dem Genossenschaftsgedanken entspricht. Die Buchung eines E-Mobils ist denkbar einfach. Sie erfolgt online im Buchungsportal auf www.weilerwaerme.de. Zuvor ist eine unterschriebene Nutzungsordnung und eine Führerscheinkopie im Büro der Weiler Wärme abzugeben. Der zweite Schritt ist der Erhalt der Zugangsberechtigung für das Online-Buchungsportal mittels Kundennummer und Passwort. Nach dem Einloggen mit dem persönlichen Zugangscode erscheint der Buchungskalender. Die Kreuzmarkierungen stehen für gebuchte Zeiten, die Spiegelstriche sind freie Zeiten. So kann man sich durch Markierung der freien Zeiten sein E-Mobil buchen. Zum Buchungsende ist es für zwei Stunden Ladezeit blockiert. So ist gewährleistet, dass der Mieter stets in ein gefülltes Fahrzeug einsteigt. Der Schlüssel liegt in einem mit Codenummer zu öffnendem Fach bereit. Ins Fahrtenbuch sind die Daten einzutragen. Die Abrechnung erfolgt rein nach Zeit, ohne Kilometerbegrenzung, quartalsweise per Lastschrifteinzug. „Familienangehörige von Genossenschaftsmitgliedern dürfen auch fahren“, erzählt Strojek. Zudem gibt es einen speziellen Nachttarif. Es gibt keine Anmeldegebühren. Im Falle des Falles hilft ein kostenloser Abschleppdienst.

Spezielle Werbemaßnahmen sind nicht nötig. Die Elektroautos machen durch ihre auffällige Lackierung und Beschriftung „Straßenwerbung“ in eigener Sache, wenn sie unterwegs sind. „Außerdem setzen wir auf Mund-zu-Mund-Propaganda durch zufriedene Mieter“, sagt Fabian Strojek.

Patenschaften für die E-Mobile

Die E-Mobile-Nutzer können sich darauf verlassen, dass die Fahrzeuge gut in Schuss sind. Denn jeder Stromer hat einen Paten zwecks Wagenpflege. „Reinigen, Reifenwechsel und so weiter“, zählt Student Strojek auf. Zudem trifft sich eine achtköpfige ehrenamtliche Arbeitsgruppe einmal im Monat, um Organisatorisches rund um das EMobil Sharing-Angebot zu besprechen, sagt der Student, bevor er den mit ordentlichem Drehmoment versehenen und leisen, umweltfreundlichen Elektro-Smart beschleunigt. Fabian Strojek kümmert sich auch nach seinem Praxissemester mit um den Carsharing-Service. Aus Überzeugung.

Die E-Fahrzeuge von Weiler-e-mobil

Renault Zoé: Ein elektrisch angetriebener Kompaktwagen des französischen Herstellers Renault. Mit der derzeit höchsten Ladeleistung eines Serienfahrzeugs bietet dieses Fahrzeug bis zu fünf Personen Platz. Die Fahrzeugplattform stammt dabei vom Renault Clio. Der Zoé verfügt über einen 65 KW starken Elektromotor und erreicht damit eine Höchstgeschwindigkeit von 135 km/h.

Smart Fortwo electric drive: Der kleinste Stromer im Fahrzeugpark. Bietet zwei Personen Platz, ist wendig und leistet 55 KW. Ideal für kleine Erledigungen im Ort.

Nissan Leaf: Mit dem Nissan Leaf verfügt die Weiler Wärme über eines der weltweit meistverkauften Elektroautos (Stand: 2014). Was die Größe des Fahrzeugs betrifft, gehört der Leaf dabei zur Kompaktklasse und bietet neben fünf Sitzplätzen ein Kofferraumvolumen von 330 Litern. Erreicht wird dieses Volumen durch die Unterbringung des Akkus im Fahrzeugboden.

Renault Kangoo Z.E.: Ist als Hochdachkombi der „Lademeister“ unter den E-Mobilen der Genossenschaft. Eignet sich bestens für den Transport sperriger Güter.

BMW i3: Der BMW i3 ist ein Elektroauto, das als erstes Großserienfahrzeug seiner Art über eine Fahrgastzelle aus kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff verfügt. Als Antrieb dient dabei ein sehr leistungsfähiger Elektroantrieb mit 125 KW. Die Reichweite des Fahrzeugs beträgt 190 Kilometer (rein elektrisch). Als einziges E-Mobil von Weiler-e-mobil verfügt der BMW i3 über einen sogenannten Range Extender. Dieser erweitert den BMW i3 um einen zusätzlichen Benzin-Motor (Tankinhalt 9 Liter) du lädt damit während der Fahrt den Akku.

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