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Zukunftsforum Genossenschaft 2022 - diesmal ganz anders

Zukunftsforum Genossenschaft
BWGV

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Am 14. März 2022 veranstaltete der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband das sechste Zukunftsforum Genossenschaft. Über 200 Teilnehmer aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft diskutierten online über die Zukunft der Genossenschaften als bedeutenden Teil der mittelständischen Wirtschaft in Baden-Württemberg. Im Rahmen von vier hochkarätig besetzten Fachforen beleuchteten die Teilnehmer die Bedeutung und das enorme Potential von Genossenschaften in den unterschiedlichsten Branchen – leider aus gegebenen Anlass auch vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges und seinen Auswirkungen. 

Genossenschaften meistern Zukunftsherausforderungen

„Genossenschaften tun unserem Land, unserer Gesellschaft gut“ sagte Nicole Razavi, MdL, Ministerin für Landesentwicklung und Wohnen des Landes Baden-Württemberg, die den krankheitsbedingt abwesenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann vertrat. In ihrer Impulsrede betonte Razavi, die selbst Mitglied einer Energiegenossenschaft ist: „Genossenschaften packen Themen und Projekte an und tragen zum Zusammenhalt unserer Gesellschaft bei. Sie erhöhen damit die soziale Temperatur in unserem Land.“ Die Ministerin lobte in ihrer Rede die erfolgreiche Arbeit der Genossenschaften und betonte ihre große Bedeutung für die Wirtschaft und das gesellschaftliche Zusammenleben im Land. „Genossenschaften sind sowohl in unserer Unternehmenslandschaft als auch in vielen Bereichen des Lebens und in allen Regionen des Landes aktive und innovative Gestalter und Treiber“, sagte Razavi.

„Regionalität, Solidarität und Verlässlichkeit sind wichtige Ankerpunkte für Wirtschaft und Gesellschaft und notwendiger denn je. Wirtschaftlicher Erfolg muss stets mit sozialer Verantwortung einhergehen. All dies vereint das genossenschaftliche Geschäftsmodell in idealer Weise“, sagte BWGV-Präsident Dr. Roman Glaser zum Auftakt des Zukunftsforums Genossenschaft. Krisen könnten daher auch Rückenwind für Genossenschaften geben. „Aufgrund der Einzigartigkeit des genossenschaftlichen Geschäftsmodells hinsichtlich Solidarität, Nachhaltigkeit, Regionalität und Beständigkeit können Genossenschaften sehr gut dabei helfen, wichtige gesellschaftliche und wirtschaftliche Zukunftsherausforderungen zu meistern.“ „Genossenschaftliche Modelle kommen auch dem zunehmenden Wunsch in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nach Beteiligung und Partizipation, Gemeinschaft und Solidarität nach“, ist Glaser überzeugt

Vielversprechende Zukunftsfelder für Genossenschaften finden sich zum Beispiel in der Quartiersentwicklung und Daseinsvorsorge, der Daten- und Plattformökonomie, der Energie-Wirtschaft, in der Agrar- und Ernährungswirtschaft oder auch in der Betriebsnachfolge in mittelständischen Unternehmen – etwa im Handwerk.


Vier parallele Fachforen zu aktuellen Themen 

In vier hochkarätig besetzten Fachforen sind beim Zukunftsforum Genossenschaft per Livestream aktuelle Fragen und Themen erörtert worden. Dabei konnten sich die Teilnehmer über die Chatfunktion mit konkreten Fragestellungen direkt beteiligen. Im Fachforum Quartiersentwicklung und Daseinsvorsorge diskutierten Manfred Lucha, Minister für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg, Prof. Dr. Tobias Popovic, Studienbereich Wirtschaft an der Hochschule für Technik, Stuttgart, Robert Kling, Vorstandssprecher der Volksbank Albstadt eG, Karl Langensteiner-Schönborn, Bürgermeister der Stadt Konstanz und Anja Roth, Bereichsleiterin Interessenvertretung beim BWGV, über die Chancen ganzheitlicher Quartiersentwicklung mit Genossenschaften. „Wir brauchen mehr Genossenschaften! Denn wir brauchen mehr verbindliche Netzwerkstrukturen, daher hat es mich gefreut, dass wir das Projekt „Genossenschaftlich getragene Quartiersentwicklung“ gemeinsam mit dem BWGV umsetzen können. Hier werden soziale, städtebauliche und ökologische Aspekte berücksichtig sowie Angebote für alle Generationen und für alle Unterstützungsbedarfe geschaffen,“ erklärte Minister Lucha. Wie dabei auch Genossenschaftsbanken als Netzwerkpartner wirken können, das erläuterte Robert Kling. Moderiert wurde das Forum von Dr. Thomas Pfohl. 


Im Fachforum Landwirtschaft – Regionale Wertschöpfungsketten betonte Peter Hauk, Minister für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg: „Die Bedeutung von Wertschöpfungsketten wird zunehmen“. Moderiert von Anne Körkel diskutierte der Minister gemeinsam mit Prof. Dr. Sebastian Hess, Leiter des Fachgebiets Agrarmärkte und Leiter der Forschungsstelle für Genossenschaftswesen an der Universität Hohenheim, Andreas Schneider, Geschäftsführer der Schwarzwaldmilch GmbH Freiburg, Johannes Bliestle, Geschäftsführer der Reichenau-Gemüse eG und Ute Bader, stellvertretende Leiterin des Bereichs Beratung Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften beim BWGV, über die Bedeutung regionaler Wertschöpfungsketten. Eine höhere Wertschöpfung kann nur über eine höhere Wertschätzung erreicht werden, waren sich die Podiumsteilnehmer einig. 


Im Fachforum Energie – Energieversorgung und Bürgerenergie erörterten genossenschaftlichen Perspektiven und Potenziale der Energiewende Thekla Walker, Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg, Prof. Dr. Carsten Herbes, Geschäftsführender Direktor des Institute of International Research on Sustainable Management and Renwable Energy (ISR) an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, Hubert Rinklin, Vorstandsvorsitzender der Alb-Elektrizitätswerk Geislingen-Steige eG, Reinhard Blaurock, Vizepräsident der IHK Karlsruhe, und Mathias Juhl, Vorstandsmitglied des BWGV, unter der Moderation von Marissa Walzer. In der Diskussion betonte Ministerin Walker, dass es jetzt deutschlandweit eine dringliche Aufgabe sei, den Ausbau Erneuerbarer Energien zu beschleunigen. Und dies nicht nur, um Klimaneutralität zu erreichen, sondern auch, um unabhängiger zu werden. „Wir müssen das zur Energiewende der Bürgerinnen und Bürger im Land machen und mein Anliegen ist es, vom Umweltministerium Genossenschaften weiter zu unterstützen und bei der Weiterentwicklung zu helfen,“ erklärte die Ministerin. 


In dem von Manuel Andrack moderierten Fachforum Daten- und Plattformökonomie diskutierten Prof. Dr. Erik Schweickert, Vorsitzender des Ausschusses für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus im Landtag von Baden-Württemberg, Prof. Dr. Heiner Lasi, Leiter des Ferdinand-Steinbeis-Instituts, Markus Dauber, Co-Vorsitzender des Vorstands der Volksbank eG – Die Gestalterbank, Villingen-Schwenningen und Offenburg, Henry Rauner, Vorsitzender des Vorstands der Volksbank Rottweil eG, und BWGV-Präsident Dr. Roman Glaser, wie mittelständische Unternehmen und regionale Banken von der Datennutzung profitieren können und welche Chancen und Herausforderungen die Entwicklung von datengetriebenen Geschäftsmodellen für Betriebe und Unternehmen bietet. Im Fokus stand dabei auch das Forschungsprojekt zum Thema „Datengenossenschaften“, das der BWGV derzeit mit dem Ferdinand-Steinbeis-Institut und den Lehrstühlen für Controlling und Wirtschaftsinformatik 1 der Universität Stuttgart durchführt. Prof. Dr. Heiner Lasi, der Leiter des Ferdinand-Steinbeis-Instituts, gab zu Beginn des Forums einen kurzen Impuls zu den Möglichkeiten der kooperativen Datennutzung, die Plattformökonomie für Unternehmen bietet. Prof. Dr. Erik Schweickert betonte in seinem Beitrag: „Ich bin mir sicher, dass Genossenschaften per se das Thema Austausch, das Thema Netzwerken in der DNA haben.“ 


Digitales Netzwerken 

Beim anschließenden digitalen Netzwerken fanden sich Podiumsteilnehmer und Gäste in digitalen Räumen zusammen. Dabei konnten die Gäste zum einen die in den Fachforen diskutierten Fachthemen noch einmal tiefergehend behandeln, zum anderen sich weiteren relevanten Themen widmen. Dafür standen sieben Themenräume unterschiedlichster Ausrichtungen wie beispielsweise „So schmeckt der Süden und genossenschaftliche Weine undercover“, „Energie gemeinsam erneuern“, „Quartiere gemeinsam gestalten“ und „The GENO-Länd“ für Treffen zur Verfügung. Die Möglichkeit zum weiteren Austausch wurde rege angenommen. So erlebte das Zukunftsforum Genossenschaften sein Comeback – dieses Mal anders, aber nicht weniger erfolgreich!

Zukunftsforum Genossenschaft 2022
Zukunftsforum Genossenschaft

 

Den Impulsvortrag von Ministerin Nicole Razavi sowie Einführung und Begrüßung durch Moderator Manuel Andrack und BWGV-Präsident Dr. Roman Glaser sehen Sie im folgenden Video:

 

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