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Sei Genopreneur – Verbindung von Startup und Genossenschaft

Teilnehmer des Genopreneurship Summit
David Kloos

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Was ist ein Genopreneur? Ein Genopreneur ist ein Unternehmer, der die digitale Ökonomie annimmt, den Wandel liebt und die Welt neu zu bauen versucht. „Er stellt den Menschen in den Mittelpunkt und befähigt seine Kunden, sich selbst zu helfen“, sagt Boris Janek von der Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG). Gemeinsam mit den Veranstaltern des Corporate Startup Summit hatte die ADG die Idee zu dieser zweitägigen Netzwerkveranstaltung. Die Definition des Genopreneurs haben die Teilnehmer in einem Workshop gemeinsam erarbeitet. „Ein Genopreneur nutzt die Instrumente von Startups und achtet darauf, welche Effekte sein Handeln auf seine Umwelt hat“, sagt  Janek. Kurz gesagt: Er verbindet das Unkonventionelle und das um die Ecke Denken eines Startups mit den genossenschaftlichen Werten.

Speeddating für Startups und Genossenschaften

Speeddating beim Genopreneurship Summit in Köln
Speeddating beim Genopreneurship Summit in Köln

Um diesen Gedanken des Unternehmertums zu säen, trafen sich Anfang Juni über 100 Vertreter aus Genossenschaften und Startups aus ganz Deutschland im Startplatz in Köln. Startplatz ist ein Startup Inkubator und Treffpunkt für die rheinische Gründerszene. Beim Genopreneurship Summit konnten die teilnehmer netzwerken, Ideen diskutieren und voneinander lernen. Bei einem Speed-Dating lernten sich die Teilnehmer des Genopreneurship Summits kennen. Jeweils drei Minuten Zeit hatten die Zufallspaarungen für die ersten Fragen: Aus welchem Unternehmen kommst du? Welche Erwartungen hast du an die Veranstaltung? Und schon waren die Teilnehmer in tiefen Diskussionen ­â€“ zum Beispiel mit Hans-Jürgen Schmidt, dem Vorstandsvorsitzenden der Sporttreff eG, einem Business Netzwerk für sportaffine Manager, der auf der Suche nach neuen Vermarktungs- und Geschäftsideen für seine Genossenschaft war oder Konrad Dabach, einem Firmenkundenbetreuer der Volksbank Franken, der Geschäftsmodelle von Startups bewerten muss und deshalb auf der Veranstaltung war.

Berliner Volksbank stellt Idee zum Beteiligungsmanagement vor

Die Berliner Volksbank hat 2014 entschieden, dass sie Startups unterstützen und sich durch das Beteiligungsmanagement neue Ertragsquellen im Niedrigzinsumfeld erschließen will. Dazu gründete sie im Dezember 2015 in Zusammenarbeit mit dem Berliner Venture Capital Unternehmen Redstone einen eigenen Corporate Venture Capital Fonds. Diese Idee stellte einer der beiden Geschäftsführer der Berliner Volksbank Ventures, Timo Fleig, auf dem Genopreneurship Summit vor. Die Voraussetzungen für eine Beteiligung: Das Geschäftsmodell der Startups soll einen Mehrwert für die Bank haben und das Unternehmen schon erste Zahlen vorlegen können.

Modell für andere Volksbanken und Raiffeisenbanken

Berliner Volksbank spricht über Beteiligungsmanagement
Timo Fleig von der Berliner Volksbank (Stuhl vorne rechts im Bild) berichtet über das Beteiligungsmanagement der Genossenschaftsbank. Mit dabei: Julius Bachmann von Redsone (links von Fleig) und Ray Riley von Flexperto (rechts von Fleig), dem Startup, an dem sich die Berliner Volksbank über ihren Fonds schon beteiligt hat.

Die beiden Geschäftsführer entscheiden über die Beteiligung, dadurch kann dies schnell geschehen. „Die meisten Startups denken bei Corporate Beteiligungen, dass es ewig dauert“, sagt Fleig. Das schrecke ab. Das Fondsvolumen beträgt 20 Millionen Euro und der Schwerpunkt liegt auf Startups aus den Bereichen Fintech, Real Estate und digitalen Unternehmenslösungen. Interessierte Nachfragen kamen aus dem Publikum von zwei Vertretern der Volksbank Horb-Freudenstadt. Sie interessierten sich auch für solch ein Modell, jedoch gebe es in der Region „vielleicht nur eine Handvoll Startups“. Fleig empfahl, sich mit anderen Banken zusammenzutun.

Geschäftsmodelle nach genossenschaftlichen Werten entwickeln

Die Veranstalter des Genopreneurship Summits treten mit dem Anspruch an, Genossenschaften dabei zu unterstützen, die Philosophie von Startups in ihr Unternehmen zu tragen und Startups dabei zu helfen, Geschäftsmodelle nach genossenschaftlichen Prinzipien zu entwickeln.

Entwicklungen in der Wirtschaft mit dem Fahrdienst Uber oder dem Übernachtungsanbieter Airbnb zeigen, dass sich ein gewisser Plattformkapitalismus bildet. Diesen Begriff hat der Digitalexperte Sascha Lobo geprägt. Disruptiv sei die neue Wirtschaftsordnung. Überall werde versucht, Märkte neu und vor allem billiger aufzubauen. Dadurch werden die alten Strukturen und Arbeitsmodelle zerstört. Der Sharing-Gedanke, nichts mehr besitzen zu wollen, sondern zu teilen, stellt dabei eine große Machtfrage. Viele Unternehmen sind in den vergangenen Jahren entstanden, die kein eigenes Inventar, keine eigenen Produkte, aber dennoch die Marktmacht haben. Airbnb beispielweise bezeichnet sich selbst mit weltweit über zehn Millionen gebuchten Nächten als den Weltmarktführer für Reisevermietungen – dabei besitzt das Unternehmen aus dem Silicon Valley keine einzige Unterkunft, sondern bringt Privatpersonen durch die Plattform lediglich zusammen und bietet eine Art Computerreservierungssystem. Die Macht dieses einen Anbieters hat wenig mit dem Sharing-Gedanken gemeinsam.

Kollaborative Ökonomie

In einigen Städten auf der Welt ist der Fahrdienst Uber beispielsweise verboten und es wurden zahlreiche genossenschaftliche Alternativen gegründet, sodass Plattform-Kooperativen entstehen, bei denen jeder einzelne Fahrer am Unternehmenserfolg Teil hat. Thomas Dönnebrik von Ouishare setzt sich für den Gedanken solcher Plattform-Kooperativen zum Beispiel in den Bereichen Handel, Finanzwirtschaft, Bildung und Industrie ein, denn mit diesen lässt sich der wahre Sharing-Gedanke umsetzen. Und dabei denkt er keineswegs nur an Neugründungen, auch beispielsweise für bestehende Genossenschaftsbanken sieht er darin neue Geschäftsmodelle. Er fragte die Anwesenden in Köln, ob sie sich von der Zukunft gestalten lassen oder sie selbst gestalten wollen. „Das Genossenschaftswesen im Allgemeinen und die Genossenschaftsbanken im Besonderen haben das Potential, der sich rasant verändernden Wirtschaft und Gesellschaft eine neue Richtung zu geben“, sagte Dönnebrink, „denn Sie haben zwei Joker im Ärmel, die die Plattform-Kooperativen dringend benötigen: Millionen von Mitgliedern und Milliarden an Kapital.“ Was noch fehle, sei das Wissen, der Wille und das Tun.

Kunden einbinden

Dennis Schenkel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Crowdsourcingverbands, fragte in seinem Vortrag provokant, warum es überhaupt noch Unternehmen brauche, wenn sich Kunden untereinander immer mehr selbst Leistungen geben: Inhalte werden über youtube oder soundcloud geteilt, Dienstleistungen über Uber oder Airbnb und (Finanz-)Produkte kann jede natürliche Person über Kickstarter etc. realisieren. „Es geht nicht mehr darum, Kunden ein perfektes Produkt zu liefern, sondern sie in Projekte, der Produktentwicklung und das Unternehmen einzubinden“, sagte Schenkel. Myways zum Beispiel ist ein DHL-Projekt, bei dem Kunden gegen Entgelt Pakete für andere Kunden mitnehmen können, wenn sie eh an deren Haustür vorbeifahren. Unternehmen sollten laut Schenkel die Grenzen zwischen innen und außen öffnen und Kunden zu Fans machen.

GLS Bank will mehr als Bank sein

Johannes Korten von der GLS Bank
Johannes Korten von der GLS Bank erklärt die Ziele der Bank.

Genau das will die GLS Bank mit einer Plattform erreichen. Helga Koch und Johannes Korten stellten die Idee der Genossenschaftsbank vor, weniger Bank sein zu wollen als eine Plattform für nachhaltiges Leben insgesamt für ihre Kunden zu sein. „Kunden spiegeln uns, dass sie sich gerne miteinander vernetzen würden, dass sie beispielweise wissen wollen, wo von der GLS Bank finanzierte Einrichtungen zu finden sind, um dort einkaufen gehen zu können“, erklärt Korten. Für die 40.000 Mitglieder und 220.000 Kunden soll die Bank alltagsrelevanter werden. Auf einer Online-Plattform, sollen sich Kunden vernetzen können und Informationen zu einem nachhaltigen Leben erhalten. Gemeinsam mit den Teilnehmern diskutierten die GLS Bank-Mitarbeiter, wie diese Plattform aussehen könnte und ob die Teilnehmer bereit wären, dafür eine Gebühr zu bezahlen.

Der Aufbau von Unternehmen wird sich verändern – sie werden genossenschaftlicher

Auf der Veranstaltung kam ein Thema immer wieder auf: die Veränderung von und in Unternehmen. Jana Stecher, die sich vom Agenturleben verabschiedet und mit der Genossenschaft Czy Wrk selbstständig gemacht hat, berät Unternehmen dahingehend. Sie rät zur agilen Projektarbeit, in der Zwischenziele und auch das Endziel eines Projekts während des Prozesses immer wieder angepasst werden. Auch der Aufbau von Unternehmen werde sich verändern, wie Thomas Hann aus der Seed eG, einem baden-württembergischen Netzwerk von Kommunikations- und Marketingspezialisten, klar machte. Bisher waren sie wie Pyramiden aufgebaut. Jedoch interagieren Kunden und Mitarbeiter immer mehr, von außen werden Ideen nach innen getragen und umgekehrt.

Wandel und der Mut dazu lassen sich üben

„Genopreneure sind wandelmutig und vereinen Betriebswirtschaft mit Menschen“, sagte Franziska Köppe von Madiko. Sie zeigte den Teilnehmern in ihrem Workshop, wie jeder Einzelne den Wandel üben kann. Gemeinsam arbeiteten die Teilnehmer Situationen heraus, in denen sie sich für etwas entscheiden haben, obwohl ihr Umfeld dies nicht verstanden oder gut geheißen hat. Genopreneur sein, heißt bekannte Wege zu verlassen, mit Widerstand umgehen zu können und bewusst Risiken einzugehen. In der Mitrarbeiterführung bedeutet das, mit Sinn zu Führen. „Sinn ist aber etwas Individuelles“, sagte Köppe, „Führungskräfte sollten akzeptieren, dass ihre Mitarbeiter frei sein müssen, denn sie können sich nur selbst motivieren und das tun sie, wenn sie selbst in etwas Sinn erkennen.“

 

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