Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Ein Vierteljahrhundert Akademie Rüppurr: Rückschau und Ausblick

25 Jahre BWGV-Akademie
BWGV

Der Bereich Bildung ist eines der vier Geschäftsfelder des BWGV. Über das Gestern, die aktuelle Situation und die Zukunftsperspektiven der BWGV-Akademie in Karlsruhe, die ihr 25-Jahre Jubiläum feiert, sprach die Geno-Graph-Redaktion mit Ralph Müller, Bereichsleiter Bildung des BWGV, und Volker Fink, Abteilungsleiter Verwaltung und Hotel.

Herr Fink, die BWGV-Akademie in Rüppurr feiert dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen. Wie waren die Anfänge in den 1990er Jahren?

Baustellenschild BWGV-Akademie
Das Bauschild für den Neubau auf der grünen Wiese in Rüppurr: Der erste Spatenstich erfolgte am 5. März 1991, die Eröffnung fand am 3. September 1993 statt.

Volker Fink: Mit der Eröffnung der „Akademie Badischer Volksbanken und Raiffeisenbanken“ am 3. September 1993 ging ein lang ersehnter Wunsch der damals badischen Genossenschaften in Erfüllung. Die vormals vorhandenen Schulungsräume im Schulze Delitzsch-Haus in Staufen und im Raiffeisenhaus Karlsruhe waren aufgrund der steigenden Seminar- und Teilnehmerzahlen schon lange nicht mehr ausreichend. Zunehmend fanden Seminare in Hotels in den Regionen statt. Bereits in den 1980er Jahren wurde deshalb von den Genossenschaften ein zentrales Bildungszentrum gefordert. Bis zur Realisierung in Rüppurr dauerte es neun Jahre, davon zweieinhalb Jahre Bauzeit.

Vom ersten Seminartag an war die Akademie in Rüppurr voll ausgelastet. Seminarreihen mit einer Dauer von bis zu fünf Wochen und „Wartelisten“ mit einer Vorlaufzeit von bis zu drei Jahren waren keine Seltenheit. Eine Reform der Bildungskonzeption Ende der 90er Jahre, begleitet von einer deutlichen Reduzierung der Bildungsbudgets, führte dann zu rückläufigen Belegungszahlen, die durch die Öffnung der Akademie für nichtgenossenschaftliche Unternehmen und Organisationen nachhaltig aufgefangen werden konnte.

Welche Meilensteine waren die wesentlichen bis zum Jahresende 2017, als Rüppurr durch den Verkauf des Akademiestandorts Hohenheim alleiniger Standort wurde?

BWGV-Akademie Logo

Fink: Um das Jahr 2000 wurde das Akademie-Hotel für weitere Zielgruppen geöffnet – die Geburtsstunde des heutigen Drittgeschäfts. Nahezu zeitgleich – 2001 – wurde der Bildungs- und Hotelbetrieb aus dem damaligen BGV in die „Akademie Badischer Volksbanken und Raiffeisenbanken GmbH“ ausgegliedert. Im Zuge der Fusion des BGV und des WGV wurden die beiden Geschäftsbereiche in den neu entstandenen BWGV überführt. Obwohl beide Akademien nach außen die gleichen Dienstleistungen boten, mussten die sehr unterschiedlichen Strukturen und Prozesse vereinheitlicht werden. Dies konnte dank guter Vorbereitung im Jahr 2008 erfolgreich bewältigt werden. Die Schließung des Standorts Hohenheim 2017 war ein einschneidendes Ereignis. Es wurden auch neue Prozesse entwickelt, damit der Seminarbetrieb ab 2018 nicht nur in Karlsruhe, sondern auch an verschiedenen regionalen Standorten in externen Hotels stattfinden kann.

Zur Zeit der Eröffnung der Akademie wurde im Rahmen der seinerzeitigen „Aufstiegsfortbildung“ der Wechsel vom „Frontalunterricht“ zu Seminarformaten mit hohem Anteil an Trainings umgesetzt. Bald darauf wurde mit Geno-PE ein neues Konzept flexibler Qualifizierung mit Kernmodulen, Kompetenznachweisen und Spezialmodulen eingeführt. Ergänzt um E-Learning auf der genossenschaftseigenen Plattform VR-Bildung. Zunehmend wurden über die Jahre Inhouse-Maßnahmen nachgefragt, Seminarformate, die beim Kunden nach dessen speziellen Anforderungen konzipiert werden.

Herr Müller, auch die Bildungsbranche ist vom Digitalisierungstrend erfasst. Wie spürt der BWGV-Bereich Bildung diese Veränderungen?

Ralph Müller: Digitalisierung ist aktuell das vorherrschende Thema. Es genügt jedoch nicht, wenn Unternehmen nur auf digitale Kompetenzen eingehen, denn Digitalisierung und Wandel bedeuten vor allem Veränderungsbereitschaft, Change-Kompetenzen und Mut, sich auf Neues einzulassen. Um die Menschen in diese digitale Welt mitzunehmen, braucht es daher Partner wie die BWGV-Akademie, die Unternehmen und ihren Mitarbeitern helfen, sich dem digitalen Wandel zu stellen und dabei erfolgreich zu sein. Noch nie war in meinen Augen Personalentwicklung wichtiger und in ihrer Bedeutung zentraler als heute. Dies spiegeln uns auch die Anfragen unserer Mitglieder. Wenn Unternehmen in der digitalen Welt bestehen wollen, brauchen sie erstklassige Mitarbeiter mit digitalen und persönlichen Kompetenzen. Unser Anspruch ist es daher, unsere Kunden bei ihrer persönlichen und beruflichen Weiterbildung smart und passgenau zu begleiten.

Neben den inhaltlichen Komponenten unserer Angebote verändert die Digitalisierung aber auch die Lernformate. Wir bieten eine Vielzahl an Webinaren, Web-Based-Trainings und modernen Blended-Learning-Formaten, die eine hohe Lerneffizienz versprechen, aber gleichzeitig auch Workshops, die Führungs- und agile Arbeits- und Kommunikationsformen trainieren.

Herr Fink, BWGV-Akademie bedeutet auch Akademie-Hotel. Wie hat sich dieses in den vergangenen Jahrzehnten verändert und welche Ziele werden damit verfolgt?

Fink: Laut Bebauungsplan des Akademiegrundstücks ist die Akademie eine „Internatsschule“ mit „Schlafräumen für Schulungsteilnehmer“. Zum heutigen Akademie-Hotel war es daher ein spannender Weg. Geplant war die Akademie zur Deckung des Bildungsbedarfs der Verbandsmitglieder. Eine Erweiterung um den Seminarpavillon wurde schon bald aufgrund der hohen Nachfrage notwendig. Bis Ende der 1990er Jahre diente das Gebäude ausschließlich der genossenschaftlichen Gruppe.

Um den wachsenden Anforderungen sowohl der Seminarteilnehmer als auch der Tagungs- und Hotelgäste Rechnung zu tragen, wurden in den 25 Jahren zahlreiche Modernisierungen und Erweiterungen durchgeführt, bis hin zur Neugestaltung aller Hotelzimmer bis ins Jahr 2019 hinein. Im nächsten Schritt planen wir, die rechtliche Basis für ausgewählte teilöffentliche Veranstaltungen, wie zum Beispiel Kaffeebetrieb am Wochenende, Sonntags-Brunch oder individuelle Veranstaltungen nach Kundenwunsch zu schaffen.

Herr Müller, zum 1. Juli 2018 hat sich der BWGV-Bereich Bildung, also die Akademie, eine neue Struktur gegeben? Was hat sich verändert und welche Ziele werden damit verfolgt?

Müller: Die Rahmenbedingungen für die BWGV-Akademie verändern sich massiv. Neben der bereits angesprochenen Digitalisierung sind auch unsere Zielgruppen einem starken strukturellen Wandel unterworfen. Außerdem wächst der Bedarf nach individuellen und auf die Häuser zugeschnittenen Bildungsangeboten. Diesen Herausforderungen stellen wir uns mit dem Ziel, Sparringspartner und erster Ansprechpartner sowie Dienstleister für alle Aspekte der beruflichen Qualifizierung zu sein und zu bleiben.

Aus diesem Grund bauen wir den Bereich Inhouse aus. Wir stärken unseren Vertrieb, um die Bedürfnisse unserer Kunden noch besser zu erfassen und durch geeignete interne Strukturen die Angebote noch schneller an den Markt zu bringen.

Unsere Prozesse verschlanken und beschleunigen wir, indem wir unsere Produktmanager und unser Veranstaltungsmanagement in je einem Bereich zusammenfassen. Wir durchleuchten unsere gesamte Verwaltung mit dem klaren Fokus auf die Kernkompetenzen unserer Akademie. Diese neuen Prozesse entstehen aber nicht am Schreibtisch der Führungskräfte, sondern in agilen Workshops mit den Mitarbeitern. Der Vorteil für unsere Mitglieder steht im Zentrum unseres Handelns.

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit den anderen drei Regionalakademien in Deutschland und der Akademie Deutscher Genossenschaften (ADG) in Montabaur?

BWGV-Akademie Rüppurr
Die Architektur und die räumliche Ausgestaltung deckten die damaligen und auch die aktuellen Anforderungen nach einer zeitgemäßen Aus-, Fort- und Weiterbildung: funktionale, lichtdurchflutete und mit moderner Medientechnik ausgestattete Seminar- und Gruppenräume, eine auf das Seminargeschehen ausgerichtete Gastronomie und ein integriertes Hotel in der Drei-Sterne Superior-Kategorie.

Müller: Zusammenarbeit und Kooperation waren schon immer wichtige Komponenten, die das Verhältnis der Regional-Akademien und der ADG in den zurückliegenden Jahren geprägt haben. 2017 und zuletzt Ende April 2018 fanden Klausurtagungen statt. Die jeweiligen Ressortvorstände der Verbände und die Akademieleiter trafen sich. Die Entwicklungen erfolgen stets unter Einbezug der ADG. Im nächsten Schritt werden alle Regionalakademien mit der ADG einen Kooperationsvertrag unterzeichnen.

Erfolgsbeispiele der Vergangenheit sind die 2002 gestartete Arbeit in Kompetenz-Centern, um einheitliche Standards im Bereich Geno-PE zu gewährleisten, die gemeinsame Bildungsplattform VR-Bildung, das BankColleg oder der VR-Berater-Pass. Die rasante Veränderung der Märkte erfordert von den vier Regional-Akademien aber einen noch stärkeren Fokus auf die Erhöhung der Effizienz. Gemeinsam werden Chancen identifiziert, Lösungen kosteneffizient und rasch umgesetzt und Prozesse optimiert. Dass diese Pläne bereits in die Praxis überführt wurden, zeigen die Weiterentwicklungen unter anderem in der zentralen Produktion. Die Baufinanzierung wurde als Blended-Learning-Format konzipiert und bundeseinheitlich zum 1. Januar 2018 realisiert und angeboten. Im Bereich Privatkundenbank wird das bundeseinheitliche Angebot zum 1. Januar 2019 umgesetzt, ebenso für den Bereich Firmenkundenbank (Marktfolge). Weitere zentrale Angebote werden bis 2021 entstehen.

Die Fortschreibung des Online-Banking-Führerscheins zum Digitalen Fitness-Center wird bereits von über 100 Genossenschaften genutzt und die Web-based-Trainings zu MiFID II/MiFIR von 400 Banken eingesetzt. Für die Bildungsplattform VR-Bildung gibt es Überlegungen zur Weiterentwicklung und verschiedene bundesweite Marketingaktivitäten zum Beispiel im BankColleg (neue Homepage und Imagefilm) wurden bereits umgesetzt. Im Mittelpunkt dieser Entwicklungen und der Zusammenarbeit steht dabei stets der Nutzen für die Genossenschaften und eine vertrauensvolle, konstruktive und wertschätzende Zusammenarbeit.

Welche Bedeutung hat auf mittel- und langfristige Sicht die Akademie für den BWGV und dessen Mitgliedsunternehmen?

Müller: Aus-, Fort- und Weiterbildung sind und bleiben zentrale Erfolgsfaktoren für die Zukunftsfähigkeit genossenschaftlicher Unternehmen und damit eine der Kernaufgaben des BWGV. Die Herausforderung für die BWGV-Akademie besteht darin, Veränderungen in der Bildungs- und Arbeitswelt frühzeitig zu erkennen und den Mitgliedern und Kunden das Weiterbildungsangebot schnell zur Verfügung zu stellen, welches sie bei der Bewältigung neuer Anforderungen unterstützt. Der Akademiestandort in Karlsruhe-Rüppurr bildet dabei zusammen mit dem GENO-Haus in Stuttgart und ausgewählten Standorten in der Region die Basis für unsere Präsenzangebote und damit für Begegnungen und Weiterentwicklung.

Veranstaltungen zum Akademie-Jubiläum

Bildungstag für Personalverantwortliche am Dienstag, 25. September 2018

Tag der Offenen Tür am Samstag, 29. September 2018, für alle, die schon immer mal einen Blick in unsere Seminarräume, Zimmer und hinter die Kulissen unseres Seminar- und Hotelbetriebs werfen wollten:

  • geführte Rundgänge
  • Informationen rund um das Seminar- und Hotelangebot
  • Wissenswertes zum Raiffeisen-Jahr 2018
  • Aktionsfläche mit Weinverkostung und kleinen Marktständen von Genossenschaften aus der Region
  • Mitmach-Pflanzaktion für Kinder

Jubiläumsempfang für geladene Gäste am Mittwoch, 17. Oktober 2018

Business Brunch für unsere Hotelkunden am Montag, 19. November 2018

Artikel versenden