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Digitale Führungskompetenz – die Metakompetenz im agilen Unternehmensumfeld

Digitalisierung
Cristine Lietz / pixelio.de

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Best Practice, was Digitalisierung im Bestfall heißen mag, gibt es ebenso wie auch von erfolgreichen Digitalisierern gelernt werden kann. Die Realität aber sieht in vielen Unternehmen differenzierter aus: Prozesse und Strukturen unterstützen häufig die digitale Transformation nicht, sondern erschweren Veränderungsbewegungen. Insbesondere die Welt der Finanzdienstleistungen und das klassische Bankenwesen kommen durch die Auswirkungen der Digitalisierung massiv unter Zugzwang. Digitalbanken, internationaler Wettbewerb, bankaufsichtsrechtliche Regulierungen und der Verlust vieler kleiner regionaler Standorte wie auch die Neuorientierung von Vertriebskanälen in der Omnikanal-Welt stellen kleinere Banken vor immense Herausforderungen.

Industrie 4.0 trifft auf Führung 1.0

Nicht nur die IT-Lösungen oder die Technik sind hierbei die größten Stellschrauben, sondern die Umsetzung an sich, das Mitnehmen der Mitarbeiter. Die große Chance kleinerer Häuser kann auf der anderen Seite ein flexibleres Herangehen, eine Erweiterung des Kundenkreises, die Erschließung neuer Märkte und eine schnellere Umsetzung von Projekten sein. Dass digitale Projekte dennoch häufig scheitern, ist einer Digitalisierungsstudie nach auf zu starre Hierarchien, Jahresziele und Organigramme zurückzuführen, die oftmals in einer sich verzettelnden Projektwelt feststecken. Zugespitzt formulieren Experten: „Industrie 4.0 trifft auf Führung 1.0“.

Was also gilt es zu tun? Woran lassen sich erfolgreiche von den weniger erfolgreichen Digitalisierungsprojekten unterscheiden? Werden Betroffene zu Beteiligten, ist zu erfahren, dass Führung und Kommunikation den Unterschied machen. Doch wie kann erfolgreiche Führung in der digitalisierten Arbeitswelt aussehen? Dieser Frage gehen momentan verschiedene Studien nach. Fest steht, dass der Führungskräfte- und Personalentwicklung eine Schlüsselrolle zukommt. Neben der strategischen Verankerung der Digitalisierung muss Digitalisierung zu einem Top-Management-Thema werden, soll sie erfolgreich umgesetzt werden.

Kultur der Veränderungsfähigkeit

Einig sind sich alle Studienergebnisse darin, dass Führung immer komplexer geworden ist. Neue Komplexitätsstufen kommen insbesondere durch verteilte Teams und den Einsatz neuer Medien und Kommunikationskanäle hinzu. Für die Umsetzung der Digitalisierung müssen die Kernaufgaben „einheitliches Verständnis der Führungskräfte zur und über die Digitalisierung“ sowie die Sicherstellung einer Kultur der Veränderungsfähigkeit unternehmensweit hergestellt werden, denn jede erfolgreiche Digitalisierung wird eine Prüfung der Organisation mit sich bringen. So stellt sich die Frage, welche Kompetenzen Führungskräfte in diesem agilen, digitalen und komplexen Arbeitsumfeld benötigen.

Die klassischen Kompetenzprofile und der Fokus auf Fachkompetenzen reichen für heutige und künftige Anforderungen nicht mehr aus. Kompetenzen schließen Wissen, Qualifikationen und Fertigkeiten ein, diese sind aber an sich keine Kompetenzen. Grundlegend werden Fach-, Methoden- und Sozialkompetenzen unterschieden. In den vergangenen Jahren wurde der Aspekt der Sozialkompetenzen um die Komponente der „personalen Kompetenzen“ erweitert und mit dem praktischen Aspekt der „aktivitätsbezogenen Kompetenzen“ in der Kompetenzforschung vereinheitlicht. Hierunter sind unter anderem Kompetenzen wie Entscheidungsfähigkeit, Gestaltungswille, Tatkraft, ergebnisorientiertes Handeln und Konsequenz subsummiert, die sich in unterschiedlichen Kompetenzmessungsinstrumenten wiederfinden.

Medienkompetenz kommt hinzu

Hintergrund zur Erweiterung der Kompetenzfelder sind veränderte Aufgabenstellungen in einem sich stets wandelnden Arbeitsumfeld, die insbesondere in Führungssituationen situatives und transformationales Vorgehen erfordern. Führungskräfteauswahl gestern und heute jedoch legt häufig das Hauptaugenmerk auf Fachkompetenz, gefolgt von Methodenkompetenz. Für die Zukunft werden zusätzlich Kompetenzen im Bereich der Digitalisierung benötigt. Der Auf- und Ausbau von Medienkompetenzen im Bereich der Methodenkompetenz ist sicher ein wichtiger Teil in der Neujustierung agiler und digitaler Führungskompetenz. Dies allein gibt Führungskräften dennoch nicht das nötige Handwerkszeug, um im digitalen Arbeitsumfeld erfolgreich zu sein. Vielmehr ist es der Bereich der personalen und sozialen Schlüsselkompetenzen, der eine Aufwertung im Zuge der Digitalisierung und der agilen Arbeitsformen erlangt. Dieses dynamische Umfeld wird insbesondere im Dienstleistungsbereich und im Kundenkontakt weiter dynamisiert. Projektgruppen bilden Kooperationsnetzwerke und diese führen zu unternehmensinternen Paradigmenwechseln. Einer aktuellen Führungsstudie der Hochschule Rhein-Main zufolge erfährt der Aspekt der „offenen Kommunikation“ von Führungskräften im digitalen Zeitalter einen immensen Bedeutungszuwachs.

Somit zeichnen sich digitale Führungskompetenzen durch hohe Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit, Teamfähigkeit und Entscheidungsfähigkeit aus. Diese Schlüsselkompetenzen entwickeln sich in persönlichen Entwicklungssituationen, in Momenten der Selbstreflexion und Selbstbesinnung, unter realen Leistungsanforderungen sowie in gestaltenden Situationen und befähigen zur Metakompetenz „digitale Führungskompetenz“. Wenn es um Veränderungsfähigkeit und Umsetzungsstärke in der Digitalisierung geht, machen diese den feinen Unterschied aus. Digitalisierung ist nicht neu. Neu sind Geschwindigkeit und Vernetzung, das Erschließen von neuen Märkten und Zielgruppen, die neue Geschäftsmodelle und die Neuausrichtung von Unternehmen erfordern. Dass hier kompetente Führungskräfte stärker denn je gefragt sind, liegt auf der Hand.

Digitale Führungskompetenz in der Umsetzung

Der Zertifikatslehrgang von German Graduate School, Universität Hohenheim und BWGV-Akademie startet am 19. Juli 2017 in Heilbronn. Das General-Management-Programm vermittelt ein tieferes Verständnis der zentralen Erfolgsbausteine, die Management und Führung heute brauchen. Das Programm vertieft mit Professoren, Wissenschaftlern und erfahrenen Praktikern die Themen Management in dynamischen Zeiten, Innovationsmanagement, Digitalisierung als Herausforderung und Chance für Banken sowie agile Führung an jeweils drei Tagen in drei Modulen, begleitet von Coaching und Webinaren:

  • Management Skills (19.–21. Juli)
  • Business Focus Banking (20.–22. September)
  • Leadership Excellence (18.–20. Oktober)

Erfahren Sie unter www.bwgv-akademie.de/generalmanagement mehr zu Inhalten und Referenten. Gerne berät Katharina Küster unter Fon 0721 98 98-485.

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