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Digital auf dem Feld, im Weinberg, im Stall und in der Außendarstellung

Digitale Landwirtschaft
Thomas Hagenbucher

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In Baden-Württemberg stehen 310 landwirtschaftliche Genossenschaften – einschließlich der Winzer- und Weingärtnergenossenschaften – im Dienste ihrer über 104.000 Mitglieder. Die baden-württembergischen Raiffeisen-Genossenschaften versorgen ihre Mitglieder mit Betriebsmitteln, wie zum Beispiel mit Futtermittel, Düngemittel und Maschinen. Sie erfassen und verarbeiten die gesamte Palette der tierischen und pflanzlichen Erzeugnisse. Landwirte aus dem ganzen Bundesland sind als Mitglieder die Eigentümer dieser Genossenschaften und dadurch stark, dass sie ihre Kräfte bündeln.

Zunehmender Wettbewerb auf den Agrarmärkten und technologischer Fortschritt bestimmen das Leben der Bauern. Hohe Boden- und Pachtpreise durch den Mangel an Fläche, ständiger Fortschritt in Technik, Pflanzen- und Tierzucht und steigende Anforderungen an die Qualität von Lebensmitteln und den Umweltschutz sowie der Rückgang der Verkaufserlöse haben zu einem Strukturwandel geführt. Dies ist ein fortwährender Prozess. Ein Aspekt des Wandels: die Digitalisierung. Sie ist längst in der Branche angekommen. Schlagworte wie „Landwirtschaft 4.0“, „Smart Farming“ oder „Precision Farming“ sind in aller Munde.

Weniger Betriebe, größere Flächen

Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist in der Regel spezialisiert, zum Beispiel auf Milchvieh, Schweinezucht, Ackerbau oder Sonderkulturen. Während sich die Gesamtzahl der Bauernhöfe stark verringert hat, stieg die Größe der erhaltenen Betriebe an. Immer weniger Bauern bewirtschaften heute immer größere Flächen und liefern immer höhere Erträge. Es gilt das Motto „wachse oder weiche“. Nach Feststellungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg auf der Basis der Agrarstrukturerhebung haben 2016 in Baden‑Württemberg 40.589 landwirtschaftliche Betriebe insgesamt 1.415.980 Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche bewirtschaftet. Die Betriebe geben damit vier Zehnteln der Landesfläche durch die Bewirtschaftung von Ackerland, Wiesen, Weiden, Obst- und Weingärten ein vielgestaltiges Gesicht. Im Durchschnitt bewirtschaftete im Jahr 2016 ein Betrieb eine Fläche von 35 Hektar, was in etwa 49 Fußballfeldern entspricht. Im Vergleich zu 2010, dem Jahr mit der letzten vergleichbaren Erhebung der landwirtschaftlichen Betriebe, hat die durchschnittliche Betriebsgröße um 3,2 Hektar oder 4,6 Fußballfelder zugenommen. Von 1999 bis 2016 ging die Zahl der Bauernhöfe im Südwesten um ein Drittel auf knapp über 40.500 zurück. Erzeugte ein Landwirt in der Zeit um das Jahr 1900 genügend Lebensmittel für vier Menschen, so reichen die Agrarerzeugnisse eines Bauern heute im Durchschnitt für 134 Verbraucher. Tendenz weiter steigend.

Denn die Landwirtschaft digitalisiert sich rasant: Schon heute nutzt mehr als jeder Zweite (53 Prozent) in der Branche digitale Lösungen, ist das Ergebnis einer Befragung des Digitalverbands Bitkom unter knapp 600 Landwirten. Laut einer aktuellen Studie des Deutschen Bauernverbands erachten jüngere Landwirte bis einschließlich 35 Jahre den Faktor Digitalkompetenz als besonders wichtig. Nach Einschätzung der Bauern profitieren insbesondere die Tiere von den neuen technischen Möglichkeiten. In der Bitkom-Umfrage geben rund die Hälfte (55 Prozent) der befragten Bauern an, dass digitale Anwendungen in der Landwirtschaft das Tierwohl steigern. Vor allem in der Melktechnik sind im Rahmen der Milchproduktion heute die digitale Informationserfassung, -verarbeitung und -analyse nicht mehr wegzudenken. Kühe entscheiden selbst, wann sie sich vom Roboter melken lassen.

Investitionen allerorten

Nach Angaben des Vereins Deutscher Ingenieure machen in der Landwirtschaft Sensortechnik, Elektronik und Software heute schon 30 Prozent der Wertschöpfung aus. Zum Vergleich: In der Automobilindustrie sind es gerade einmal knapp über 10 Prozent. Die Investitionssummen des digitalen Markts sind entsprechend hoch. Knapp 1 Milliarde Euro Risikokapital floss im ersten Halbjahr 2017 in junge Unternehmen aus dem Bereich der Agrartechnologie. Neben den großen Landmaschinenherstellern wie John Deere oder Claas, die in Sachen Assistenzsysteme und Vernetzung unterwegs sind, investieren neben Unternehmen wie die BayWa AG mit ihrer Tochter FarmFacts GmbH auch die IT-Giganten, beispielsweise SAP und Google. Entscheidende Grundlage dabei: ein breitbandiges Internet bis zum Stall. Das ist übrigens ein Thema, bei dem genossenschaftliche Kooperationsmodelle greifen können. Die Rolle des genossenschaftlichen Agrarhandels in Zeiten der Digitalisierung war Thema einer Podiumsdiskussion des Kongresses Farm & Food, der im Januar stattfand. „Unser Auftrag ist es, Landwirte in der wirtschaftlichen Entwicklung ihrer Unternehmen zu unterstützen. Es wird immer jemand die Drehscheibenfunktion übernehmen müssen. Wir sehen uns als Treuhänder des Landwirts, der schaut, dass die Daten bei ihm bleiben und Standards eingehalten werden“, sagte Werner Berger von der Schweizer Agrargenossenschaft Fenaco.

Vermittlung an die Verbraucher

Digitale Landwirtschaft
Die Internationale Grüne Woche 2018 war für den DRV ein voller Erfolg. Zehntausende Besucher konnten sich am Stand des DRV über die Vielfalt der Genossenschaften im grünen Bereich informieren und die genossenschaftliche Produktvielfalt der Milch genießen. Unter der Überschrift „Wir sind im grünen Bereich – Das WIR ist unsere Stärke“ fand ein intensiver Meinungsaustausch mit Politikern, Journalisten und vor allem Verbrauchern statt.

Landwirt – Verbraucher – Industrie/Handel: Das sind die drei Pole der Branche. Auf der der 83. Grünen Woche in Berlin, der erstmals 1926 veranstalteten und international wichtigsten Messe für Ernährungswirtschaft, Landwirtschaft und Gartenbau, wurden zum ersten Mal diese drei Pole zu einem schlüssigen Mosaik zusammengeführt. Sie präsentierten sich vom 19. bis 28. Januar auf digitale Art und Weise den Besuchern des Erlebnis-Bauernhofs in Halle 3.2. Der Erlebnis-Bauernhof zeigte unter anderem auf, wie innovative Technologien eingesetzt werden. Ausgerichtet wurde der Erlebnis-Bauernhof vom Forum Moderne Landwirtschaft und mehr als 50 Partnern aus der Agrarbranche. Gemeinsam brachten sie die moderne Landwirtschaft zum Entdecken und Anfassen auf die Grüne Woche. Der Erlebnis-Bauernhof ermöglichte einen aktuellen Blick hinter die Kulissen der Branche. Als GENOscouts des BWGV haben Selina Tudan von der BWGV-Akademie und Florian Joos vom Prüfungsdienst Ware die genossenschaftliche Idee präsentiert.

Multimedia-Erlebnis dank Augmented Reality

Im Zentrum der Halle 3.2 war eine Erlebnisfläche mit verschiedenen Stationen errichtet, die den Besuchern die unterschiedlichen Perspektiven auf Themen wie Tierhaltung, Pflanzenschutz oder High-Tech-Landwirtschaft erfahrbar machte. Mittels Augmented Reality – also der computerge steuerten Erweiterung von Sinneswahrnehmung – wurde das, was einen modernen landwirtschaftlichen Betrieb ausmacht, realistisch und hautnah auf die Grüne Woche projiziert. Hier erwachte ein Stall vor den Augen der Besucher plötzlich zum Leben. Ein dreifarbiger Farbfächer ermöglichte es den Besuchern, zwischen den Perspektiven Landwirt, Verbraucher und Industrie/Handel hin- und herzuwechseln. Ziel dieser neuen Aktion war es, neue Einblicke zu geben, Denkanstöße zu vermitteln und Verständnis und Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern zu fördern.

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