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Die digitale Zukunft beginnt heute

Digitale Zukunft der Genossenschaften
Rainer Sturm/pixelio

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Die digitale Revolution, die auf Rechenoperationen aus Nullen und Einsen basiert, wird wohl in nicht allzu ferner Zukunft von der transformativen Kraft der sogenannten Qubits abgelöst, die gleichzeitig 0 und 1 sein können und künftige Computer befähigen, in einer Minute das zu berechnen, wofür heutige Rechner ein Jahr benötigen. Auch damit hat das 130-Milliarden-Euro Konjunkturpaket der Bunderegierung zu tun. Neben dem Konsum und Klimaschutz soll auch die Digitalisierung in Deutschland angeregt werden. Was soll konkret passieren?

Netzausbau

Ein wichtiger Punkt des Konjunkturpakets der Großen Koalition ist der Ausbau der Netze. Dass mobiles Internet in 4-G-Qualität in Deutschland bisher keineswegs flächendeckend vorhanden ist, kann wohl jeder bestätigen, der schon einmal eine Großstadt verlassen hat oder Zug gefahren ist. Das Eckpunkte-Papier zum Konjunkturpaket aus dem Finanzministerium verspricht nun ein flächendeckendes 5-G-Netz bis 2025. Dafür werden laut Konjunkturpaket 5 Milliarden Euro bereitgestellt. Konkret sollen die Netzbetreiber, also Telekom, Vodafone und O2, definieren, wo sie den 5G-Ausbau selbst leisten wollen und können  – und der Rest des Ausbaus wird laut dem Papier vom Staat übernommen.

Der Bund will in den kommenden Jahren 150 Millionen Euro zur Verfügung stellen, dass die Bahn-Betreiber den Mobilfunkempfang in ihren Zügen verbessern können. Mit dem Geld soll die dafür nötige Hardware in den Zügen modernisiert werden.

Auch beim Glasfaser-Breitbandausbau soll die bestehende Förderung entbürokratisiert und weiterentwickelt werden. Ein konkreter Geldbetrag wird hier jedoch nicht genannt.

Neben konkreten Maßnahmen beim Netzausbau plant die Regierung außerdem laut dem Konjunkturpaket, die Innovationskraft Deutschlands in Sachen Netztechnologie gezielt zu fördern. Konkret sieht man demnach den Bereich Netzsteuerungs-Software als wichtiges Feld, auf dem das Land sich profilieren könnte. 2 Milliarden Euro Förderung sind für solche Netztechnologien vorgesehen, die etwa an in diesem Bereich forschende Unternehmen gehen soll.

Digitale Verwaltung

Die Verwaltung soll im Zuge des Konjunkturpakets einen Digitalisierungsschub erhalten. Auch bei den deutschen Behörden ist schließlich bis heute vieles immer noch nur analog, vor Ort im Amt möglich. Laut dem Eckpunkte-Papier sollen 300 Millionen Euro in ein Konzept für eine digitale Identifizierungsmöglichkeit für die Bürger gesteckt werden. Es geht letztlich um eine Art Online-Personalausweis. Er könnte gewisse Behördengänge im Netz ermöglichen und erleichtern. Dafür braucht es jedoch ein datensparendes und sichereres System, das mit dem nun zur Verfügung stehenden Geld entwickelt werden soll. Daneben soll die beschleunigte Umsetzung des sogenannten Onlinezugangsgesetzes mit 3 Milliarden Euro unterstützt werden. Auch hierbei geht es darum, dass – bis spätestens 2022 – Verwaltungsleistungen, also zum Beispiel Bauanträge, von Bund und Ländern nicht nur in den Ämtern und Bürgerbüros, sondern auch digital angeboten werden.

Zudem sind 500 Millionen Euro für die Förderung eines bestehenden „Smart City“-Programms geplant. Es geht um mehr Effizienz durch Digitalisierung. Beispielsweise darum, Staus zu verhindern, indem man öffentliche Verkehrsmittel, Car-Sharing und Fahrrad-Sharing intelligent verzahnt. Neben den Kommunen sollen auch Unternehmen, etwa über Abschreibungsmöglichkeiten für digitale Investitionen, in Digitalisierungsbemühungen bestärkt werden. Der Umfang hier: 1 Milliarde Euro.

KI und Quantencomputing

Im bisherigen Verlauf der Digitalisierung ragen weltweit vor allem Unternehmen aus den USA und Fernost heraus. Deutschland spielt in diesem digitalen Rennen oft kaum eine Rolle. Auch das will das Konjunkturpaket nun ändern. Die Berliner Koalition sieht die Marktlücke für Deutschland konkret im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) und Quantencomputing. Dabei handelt es sich um zwei eng miteinander verwobene Felder: Bei KI geht es letztlich darum, eine bessere, schnellere oder erst einmal gleichwertige Version des menschlichen Gehirns zu schaffen, was wiederum vor allem durch Quantencomputer möglich wird, die eine riesige Zahl von Berechnungen innerhalb kürzester Zeit ermöglichen. Womit wir wieder bei den eingangs erwähnten Qubits wären.

Versuch einer Bewertung aus genossenschaftlicher Sicht

Der Teil des Berliner Konjunkturpakets, der sich mit der Digitalisierung befasst, enthält ein Bekenntnis zur Plattformökonomie. Plattformen sind das zentrale Geschäftsmodell der digitalen Ökonomie. Um zu zeigen, wie ökonomische Produktion, menschliche Beziehungen und soziale Eingebundenheit in der Digitalwirtschaft gemeinsam funktionieren, sind Plattformgenossenschaften ein ideales Experimentierfeld. Sie verbinden dabei Grundprinzipien des Digitalen und der Genossenschaftsidee miteinander: Plattformgenossenschaften bieten Personen und Unternehmen den Vorteil der kollektiven Eigentümerschaft. Das heißt, die Daten, Algorithmen und die Technologie der Plattform gehören den Genossenschaftsmitgliedern. Damit können sie deren Anwendung und Verbreitung nach den demokratischen Grundsätzen von Genossenschaften selbst steuern und kontrollieren. Die Organisation über Genossenschaften bietet dabei die Möglichkeit des Co-Designs der Plattform durch die Mitglieder, sodass die Software genau auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist.

Dazu passt die jüngst durch das baden-württembergische Wirtschaftsministerium bewilligte Förderung eines Pilotprojekts „Datengenossenschaften“, welche es den Projektpartnern Ferdinand-Steinbeis-Institut der Steinbeis-Stiftung, BWGV und Universität Stuttgart ermöglicht, genossenschaftlichen Plattformmodellen den Weg zu ebnen.

Digitale Ökosysteme

Was die Volksbanken und Raiffeisenbanken betrifft, wird es zukünftig sehr um neuartige Servicemodelle, die den Mitgliedern und Kunden über die klassischen Bankdienstleistungen einen zusätzlichen Mehrwert bieten. Genossenschaftsbanken können ihre Mitglieder und Kunden über regional vernetzte digitale Ökosysteme mit auf sie zugeschnittenen Angeboten in ganz verschiedenen Lebensbereichen begleiten. Beispielsweise kommt zur Baufinanzierung, entsprechende Handwerkerleistungen aus der Region anzubieten. Die Hausbank hat dann die Rolle eines Vermittlers zwischen Angebot und Nachfrage. Sie bringt Menschen und Interessen zusammen, bindet Mitglieder und Kunden und fördert die Wertschöpfung in der Region.

Schub für Präzisionslandwirtschaft

Aus Sicht der landwirtschaftlichen Genossenschaften sind die geplanten verstärkten Investitionen des Bundes in die digitalen Zukunftsthemen zu begrüßen. Die genossenschaftlich orientierten Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft verstehen sich als Dienstleister der Landwirtschaft, die mit ihr zusammen die Digitalisierung in der sowieso bereits stark digital geprägten Branche vorantreiben. Um die Leistungsfähigkeit der Unternehmen heute und in Zukunft erhalten zu können, ist der Mobilfunkausbau und der da- mit verbundene Ausbau der Internetanbindung für die ländlichen Räume wichtiger denn je. Der 5-G-Ausbau wird außerdem dazu beitragen, die breite Anwendung von Präzisionslandwirtschaft und Künstlicher Intelligenz auf den Feldern voranzutreiben.

„Vom IT-Dienstleister zum zentralen Digitalisierungspartner“

Mit der im dritten Quartal 2019 angestoßenen Strategieerneuerung treibt die Fiducia & GAD IT AG, Karlsruhe und Münster, eine tiefgreifende Transformation voran, mit der sich auch die Rolle des Unternehmens im genossenschaftlichen Verbund grundlegend verändern soll: Intern löst die Fiducia & GAD derzeit hierarchisch geprägte Abteilungs- und Bereichsstrukturen auf und etabliert bis Ende 2020 ein neues und agiles Modell der Zusammenarbeit. Sie wird dann nach eigenen Angaben das erste Unternehmen der genossenschaftlichen FinanzGruppe sein, das agile Methoden im Tagesgeschäft praktiziert. „Nur als flexible Organisation können wir den Volksbanken und Raiffeisenbanken bedarfsgerechte Lösungen in hohem Tempo und kosteneffizient bereitstellen – so, wie es der Markt heute erfordert“, kommentiert Vorstandssprecher Martin Beyer.

Bayer weiter: „IT ist im digitalen Zeitalter ein – wenn nicht der entscheidende Wettbewerbsfaktor. Deshalb arbeiten wir mit Hochdruck an einer extrem anpassungsfähigen IT-Plattform, die offen ist für Lösungen anderer Partner innerhalb und außerhalb des Verbunds und die somit zur Grundlage für neuartige Geschäftsmodelle wird. Ganz im Sinne der Neuausrichtung der Genossenschaftlichen FinanzGruppe machen wir damit den Weg frei für regionale digitale Ökosysteme, die Volksbanken und Raiffeisenbanken in die Lage versetzt, ihre Kunden in jeder Lebenssituation künftig mit ergänzenden Dienstleistungen über Finanzservices hinaus digital zu begleiten.“

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