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Kooperationen zwischen Landwirten sichern Zukunftsfähigkeit

VR-Agrartag 2015
BWGV

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Kooperationen bieten Landwirten strategische Lösungen, um auf die zunehmenden Herausforderungen in der Agrarwirtschaft zu reagieren. Insbesondere durch Arbeitsteilung, die gemeinsame Nutzung arbeitssparender Maschinen und den Einsatz effizienterer Produktionsverfahren können landwirtschaftliche Betriebe ihre Kosten senken, ihre Marktstellung stärken und langfristig erfolgreich sein. „Wenn Landwirte in Kooperationen ihre Stärken bündeln und verstärkt zusammenarbeiten, kann dies wesentlich zur Zukunftsfähigkeit der einzelnen Betriebe beitragen – und damit auch ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Versorgung der Bevölkerung mit gesunden Nahrungsmitteln sein“, sagte Dr. Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), anlässlich des VR-Agrartags der Volksbanken und Raiffeisenbanken am 5. November in Sigmaringen.

Chancen für landwirtschaftliche Genossenschaften

Rund 400 Landwirte und Vertreter der genossenschaftlichen Banken aus der ganzen Region diskutierten in der Stadthalle darüber, welche Chancen Kooperationen für landwirtschaftliche Betriebe bieten können. „Die Anforderungen an Unternehmen der Agrarbranche wachsen stetig“, betonte Glaser. Landwirte kämpfen mit einer sehr hohen Arbeitsbelastung, den Risiken eines großen Fremdkapitaleinsatzes sowie zunehmend mit bürokratischen und regulatorischen Vorgaben.

Hinzu kommt, dass auch die Landwirtschaft in Baden-Württemberg inzwischen stark von internationalen Entwicklungen abhängig ist und sich politische und wirtschaftliche Krisen in anderen Ländern auf die regionalen Betriebe etwa durch starke Schwankungen bezüglich der Nachfrage sowie der zu erzielenden Preise auswirken. Glaser: „Die Komplexität steigt und es wird ein immer höheres Maß an Flexibilität erforderlich. Die Zusammenarbeit von regionalen Betrieben kann ein Schlüssel zur Bewältigung betriebswirtschaftlicher und extern getriebener Herausforderungen sein.“

Strukturwandel

In den zurückliegenden 30 Jahren hat sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe und die durchschnittliche Größe der jeweils bewirtschafteten Fläche stark verändert: 1983 gab es bundesweit knapp 760.000 Betriebe, und die durchschnittliche Größe der bewirtschafteten Fläche lag bei rund 16 Hektar. Bis heute ist die Zahl der Betriebe auf knapp 270.000 zurückgegangen und die Flächengröße stieg auf etwa 58 Hektar. Baden-Württemberg weist mit 32 Hektar die kleinste durchschnittliche Betriebsgröße aller Bundesländer auf. Darauf wies Professor Dr. Reiner Doluschitz, Leiter des Fachgebiets Agrarinformatik sowie Direktor der Forschungsstelle für Genossenschaftswesen an der Universität Hohenheim, in Oedheim hin. Auch wenn die vergleichsweise geringe Betriebsgröße mit den angebauten Kulturen zusammenhänge – die Fläche von Weinbaubetrieben sind nicht mit den großen Flächen von Futterbaubetrieben zu vergleichen – zeige diese Zahl doch, dass Kooperationen zwischen Betrieben in Baden-Württemberg großes Potenzial haben. Ebenso wie die Tatsache, dass im Südwesten die Landwirtschaft zu 63 Prozent im Nebenerwerb betrieben werde.

Neben wirtschaftlichen Vorteilen wie die Verringerung des Kapitalbedarfs und der Kosten oder einer besseren Auslastung von Arbeitskräften und Maschinen sieht der BWGV in Kooperationen noch weitere Vorzüge: „Der Zusammenschluss von Betrieben kann zu einer Arbeitsentlastung führen, die Nachfolgeproblematik entschärfen und die Zukunftsfähigkeit der Betriebe stärken.“

Bericht aus der Praxis

Wie Kooperationen erfolgreich umgesetzt werden können und welche Fallstricke zu berücksichtigen sind, zeigte beim VR-Agrartag Henning Pfeiffer auf: Der Landwirt aus Niedersachsen hat mehrere Kooperationen erfolgreich vollzogen. Er machte deutlich, dass Kompromissbereitschaft und eine offene Kommunikation wichtige Erfolgsfaktoren seien, ebenso wie die Bereitschaft, auch dem Kooperationspartner Erfolg zu gönnen.

Genossenschaften und Landwirte sind sehr eng miteinander verbunden: So gut wie jeder Landwirt in Baden-Württemberg ist Mitglied in einer oder mehreren Genossenschaften. Dadurch bekommen die Betriebe vielfältige Hilfe – etwa bei der Vermarktung der landwirtschaftlichen Erzeugnisse oder der Anschaffung von Maschinen. Darüber hinaus sind die Volksbanken und Raiffeisenbanken der starke Bankpartner an der Seite der Landwirte. Die regionalen Genossenschaftsbanken kennen oftmals schon über Generationen die Betriebe und begleiten diese bei ihren auf die Zukunft ausgerichteten Investitionen. Unter dem Dach des BWGV sind rund 350 landwirtschaftliche Genossenschaften aktiv, die jährlich einen Umsatz von rund 3,7 Milliarden Euro erwirtschaften.

Noch bei zwei weiteren Agrartagen in Öhringen im Hohenlohekreis (18. November) und in Laupheim im Landkreis Biberach (24. November) werden der BWGV sowie die Volksbanken und Raiffeisenbanken den Landwirten im Südwesten ein Diskussionsforum bieten.

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