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Genossenschaft Leutkircher Bürger-Bahnhof gewinnt Ideen-Wettbewerb

1,11 Millionen Euro Bürgerkapital und Tausende ehrenamtliche Stunden stecken im Leutkircher Bahnhof.
Ingeborg Kunze

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100 „Ideen finden Stadt“ aus der gesamten Republik sind im Wettbewerb, initiiert von Bundesregierung und Bundesverband der Deutschen Industrie, geehrt worden. 2013 wurde die Auszeichnung am Objekt übergeben. Der zum zeitgemäßen Renommier-Bau sanierte 125 Jahre alte Bahnhof in der Stadt, die sich „Leutkirch ist Allgäu“ nennt, präsentiert sich als außergewöhnliche Gemeinschaftsleistung: 1,111 Millionen Euro Bürgerkapital und Tausende ehrenamtliche Stunden haben Engagierte in die Genossenschaft investiert, um das interessante denkmalgeschützte Gebäude dem Verfall zu entreißen, zu kaufen, ihm eine Zukunft zu geben und es wieder mit Leben zu füllen. Die mehr als 650 Mitglieder der Genossenschaft Leutkircher Bürgerbahnhof eG haben „die richtigen Weichen gestellt“ und ihr Ziel erreicht, haben „gemeinsam ein großartiges Vorhaben zum Erfolg geführt“, wie Christian Skrodzki und Axel Müller zusammenfassen. Die beiden ehrenamtlichen Vorstandsvorsitzenden waren in Siegerlaune, als der Bahnhof mit großem Bahnhof nach 16 Monaten Bauzeit 2012 eröffnet wurde: „Sie alle gemeinsam haben es uns ermöglicht, dass wir unser Traumhaus bauen durften.“

Genossenschaft: Mut der Mitmacher

Die Mitmacher der Genossenschaft haben Mut gezeigt, dem Vorstand ihr Vertrauen gegeben und mit den Genossenschaftsanteilen, die sie gezeichnet haben, das Geld. Nach intensiver Diskussion hatte sich eine große Gemeinderatsmehrheit entschieden und den Leutkircher Bürgern die Möglichkeit gegeben, das sanierungsbedürftige historische Bahnhofs- Empfangsgebäude auf Erbpacht zu kaufen. Das Land Baden-Württemberg hat einen im Zusammenhang mit dem Sanierungsgebiet Bahnhofsviertel, das sich heute großzügig gestaltet zeigt, Finanzbeitrag geleistet. Die Deutsche Bahn agiert in einem modernen Nebentrakt. Im gemeinsamen Kraftakt von Genossenschaft, Kofinanzierungs-Partnern und Privatspendern sind 2,6 Millionen Euro Baukosten netto gemeinschaftlich geschultert worden. Regionale Handwerker und Baustofflieferanten haben das Vorhaben vorangebracht. Für eine Initiative ist Christian Skrodzki, 46, Motor des Projekts und heute gelungenen Objekts, besonders dankbar: Die Leutkircher Bank eG hat intensiv bei der Gründung der Genossenschaft beraten und „dafür gesorgt, dass ihre Kunden in den Bürgerbahnhof investieren“. Ins Gewicht fällt auch dies: Die Leutkircher Bürgerbahnhof-Genossenschaft hat während der Bauphase insgesamt 17 Mitarbeiter angestellt. Sie haben bei Wind und Wetter, an Samstagen und auch nachts Hand angelegt an den maroden Bahnhof Jahrgang 1889, der jahrelang leer stand, waren größtenteils zuständig für Bauhilfsleistungen wie Gebäude entkernen, schleifen, bohren, hämmern, mauern und mit Schwierigkeiten kämpfen: Decken sind während der Sanierung heruntergebrochen. In rund 16 Monaten Bauzeit kamen über 15.000 Arbeitsstunden zusammen. So ist es gelungen, die Baukosten um rund 300.000 Euro zu reduzieren. Heute gibt es Lob für alle: Architekten, Aufsichtsräte, die faire, kooperative Denkmalbehörde, Leutkirchs Verwaltung, für Bahn, Stifter, Spender, Ratgeber. „Ein tolles, sehr schönes, besonderes Gebäude“, sagt Christian Skrodzki über dieses Stück Leutkirch, mit dem sich die Bürger identifizieren, mit dem sie ihre eigenen Geschichten erlebt haben, dessen Geschichte im wiederbelebten „Bürgerbahnhof“ sogar mit Händen zu greifen ist. Mit Pfostenknöpfen und Pfostenenden des 1888 von der Königlichen Eisenbahnsektion in Leutkirch entworfenen Treppenhauses, mit Gusssäulen, Stuckdecken, den vom Bahnhofsbetrieb gezeichneten Parkettböden und weiterem denkmalgeschützten Interieur, die den Charakter des Empfangsbahnhofs zeigen.

Weitere Projekte in der Genossenschaft geplant

„So etwas funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen“, bestätigt Skrodzki. Er arbeitet selbst in dem wieder schönen Bau. Die Ideenwerkstatt seines 1995 gegründeten Kommunikationsbüros „In aller Munde“ hat ihren Sitz in diesem Bahnhof, der im Baujahr 1889 „überdimensioniert war für eine kleine Stadt“, aber wichtig für die Eisenbahnstrecken Memmingen-München und Kempten-Lindau. Was die Gemeinschaftsleistung der Genossenschaft als authentisches Gebäude hervorgebracht hat, verträgt sich auch mit modernen Komponenten bis zum Brandschutz und Design. Die Fenster beispielsweise sind außen alt und innen neu. Wo Kommunikation ist, wachsen auch weitere Projekte, die Christian Skrodzki hier aufs Gleis stellen will: in ehemaligen Schlafwagen-Waggons ein Fahrradhotel, am Bahnhof eine Verleihstation für die Elektromobilität.

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