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Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft in Sachen Strom: Die Bürgerwerke eG, Heidelberg.

Friedrich Schluck, Vorstand der Energiegenossenschaft Virngrund eG, und Stefanie Eichhorn vom Reiterhof in Neuler vor der Bürgersolaranlage, aus der ein Teil des Stroms der Bürgerwerke geliefert wird.
Bürgerwerke

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In großzügigen Räumlichkeiten des Heidelberger Gründungszentrums, einem unscheinbaren Bürogebäude in einem Gewerbegebiet, reagieren die Macher einer Genossenschaft auf die Herausforderungen des novellierten Erneuerbare-Energien-Gesetzes. Die aktuelle Gesetzeslage richtet sich gegen dezentrale Strukturen und Akteure. „Nur Stromerzeugung alleine funktioniert nicht mehr angesichts der politischen Großwetterlage. Die Verpflichtung zur Selbstvermarktung ist unsere Triebfeder“, sagt Felix Schäfer. Er, Kai Hock und Torsten Schwarz waren und sind davon überzeugt, dass sich Energiegenossenschaften weiterentwickeln müssen, um die zukünftigen Herausforderungen der Energiewende zu meistern. Daran arbeitet das dynamische Vorstands-Trio einer noch jungen Dachgenossenschaft.

Energie in Gemeinschaft

Vorstand und Aufsichtsrat der Bürgerwerke eG bei einer Arbeitssitzung.
Vorstand und Aufsichtsrat der Bürgerwerke eG bei einer Arbeitssitzung: (v.l.) Vorstandsmitglied Kai Hock, die Aufsichtsratsmitglieder Almut Petersen und Felix Denzinger (Vorsitzender), die Vorstandsmitglieder Torsten Schwarz und Felix Schäfer, die Aufsichtsräte Andreas Henke, Margarete von Oppen, Ronald Pfitzer und Prof. Dr. Kai Uwe Schröder (stellvertretender Vorsitzender).

Die Bürgerwerke eG Heidelberg trägt den Zusatznamen „Energie in Gemeinschaft“. Hinter diesem Motto steht der genossenschaftliche Urgedanke, Kräfte zu bündeln. In diesem Fall hatten sich im Dezember 2013 neun Energiegenossenschaften im Verbund der Bürgerwerke zusammengeschlossen mit der Zielsetzung, Ökostrom gemeinschaftlich zu verkaufen. Strom an die Mitglieder zu vermarkten, ist für Energiegenossenschaften ein naheliegender Schritt, um sich ein neues Standbein aufzubauen. Dieses Konzept ist aber erst ab einer Größe von mehreren tausend Kunden wirtschaftlich tragfähig. „Die Zeit für den Aufbau eines eigenen Absatzmarkts, der den Kreis von Erzeugung und Verbrauch schließt, war einfach reif“, erinnert sich Vorstandsmitglied Hock an die Gründungsphase der Dachgenossenschaft. Am 13. Dezember 2013 fand in Heidelberg die Gründungsversammlung statt. Vom BWGV unterstützten der damalige Prüfungsgruppenleiter Michael Scheiber, Neugründungsberater Dr. Michael Roth und Energieberater Nico Storz die Genossenschaftsgründung. Anfang März 2014 fand die Gründungsprüfung statt. Einen Monat darauf wurde die Bürgerwerke eG ins Genossenschaftsregister eingetragen. Seitdem ist die Geschichte der Dachgenossenschaft eine Erfolgsgeschichte. Bis Ende Januar 2015 wurden 15 weitere Energiegenossenschaften, die nicht nur in Baden-Württemberg sitzen, Mitglieder und entwickeln sich so von Erzeuger-Gemeinschaften zu Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaften weiter. „Wir bündeln somit fast 4400 Einzelmitglieder bei unseren Mitgliedern“, sagt Felix Schäfer. Diesen wird somit ein zusätzlicher Nutzen geboten, sie machen sich unabhängiger von den politischen Rahmenbedingungen und schaffen neue Perspektiven.

Individuelle Tarifgestaltung eines jeden Mitglieds

Das Geschäftsmodell der Bürgerwerke ist auf die individuellen Gegebenheiten der Mitgliedsgenossenschaften vor Ort zugeschnitten: Jedes Mitglied kann einen individuellen, regionalen Tarif mit eigener Strommarke anbieten. Dabei bestimmt jede Genossenschaft selbst über den Stromtarif und kann wettbewerbsfähige Preise anbieten, die sich an der lokalen Preisstruktur orientieren. Die Bürgerwerke eG gibt lediglich einen kostendeckenden Mindestpreis vor. „Wir als Bürgerwerke sind nicht gewinnorientiert, sondern eine klassische Selbsthilfeorganisation“, sagt Schäfer. Der Preisfindungsansatz der Heidelberger ist „klar kostenorientiert“, ergänzt Vorstandskollege Hock. Die Bürgerwerke eG befindet sich zu 100 Prozent in der Hand von Bürger-Energiegenossenschaften, die Wertschöpfung bleibt bei den Mitgliedern. Mit dieser zusätzlichen Wertschöpfung kann auch der Grundstein für hauptamtliche Strukturen bei den Energiegenossenschaften vor Ort gelegt werden. „Die Entwicklung ist dergestalt, dass die Aktivitäten nicht mehr nur mit dem Ehrenamt zu bewältigen sind“, ist Felix Schäfer überzeugt. Die Energiegenossenschaften bestimmen als Mitglieder maßgeblich über die strategische Ausrichtung der Bürgerwerke. Die Dachgenossenschaft organisiert Schulungen und Erfahrungsaustausch.

Der Antritt der Dachgenossenschaft

  • Netzwerk- und Synergieeffekte nutzen
  • Autonomie der Genossenschaften stärken
  • Selbstorganisation der Gemeinschaft
  • Professionalisierung der Geschäftsbetrieben
  • Bewältigung der politischen Rahmenbedingungen

Gemeinschaftlicher Stromeinkauf

Seit Juli 2014 ist das Geschäftsmodell markt- fähig. Erster Ansprechpartner der Stromkunden ist die Energiegenossenschaft vor Ort. Die mit vier Vollzeit- und vier Teilzeitkräften arbeitende Geschäftsstelle der Bürgerwerke eG übernimmt den gemeinsamen Energieeinkauf und die Abrechnung der Stromlieferungen. Woher kommt der Öko-Strom des Bürgerstromtarifs? Zu etwa 10 Prozent aus Bürgersolar- und windanlagen und zu rund 90 Prozent aus deutscher Wasserkraft, wobei in Zukunft der Anteil an Bürgerenergie im Strommix Stück für Stück erhöht werden soll. Darüber hinaus betreiben die Mitglieder der Bürgerwerke mehr als 130 Erneuerbare-Energie-Anlagen mit einer Leistung von über 18,5 Megawatt, die für etwa 7.400 Haushalte produzieren. Die meisten davon sind Solaranlagen, aber auch Bürgerwindräder und Kraft-Wärme-Kopplung sind Teil des Portfolios. Der Wechsel zum genossenschaftlich organisierten Öko-Strombezug kann komplett online über die Homepage der Bürgerwerke eG www.buergerwerke.de bewerkstelligt werden. Über die Herkunft des Stroms herrscht Transparenz. Die Kündigungsfrist beträgt einen Monat. Das selbstgesteckte Ziel der Macher der Dachgenossenschaft ist ambitioniert. „Analog zum Bankenbereich wollen wir der genossenschaftlichen Energieversorgung helfen, zur dritten Säule im deutschen Energiemarkt zu werden – neben den kommunalen Unternehmen und den großen, bundesweiten Akteuren“, sagt Vorstandsmitglied Kai Hock. Für ihn und seine Mitstreiter ist klar: Diese dritte Kraft soll eine selbstbestimmte sein. „Und das ist für uns ganz klar das genossenschaftliche Modell.“

Mitglieder der Bürgerwerke eG

  • Olegeno Oldenburger Energie-Genossenschaft eG
  • Bürger Energie Genossenschaft eG Sankt Wendeler Land, Freisen
  • Neue Energie Bendorf eG
  • Energie-Genossenschaft Fünfseenland eG, Herrsching
  • BürgerEnergie Stuttgart eG
  • BEGIN Bürger-Energie-Genossenschaft in Neustadt-Mittelhaardt eG
  • BürgerEnergieRheinMain eG, Mörfelden-WalldorfEMS PLUS Energie eG, Lingen
  • Bürger Energie St. Peter eG
  • BürgerEnergiegenossenschaft Adersbach-Sinsheim-Kraichgau eG
  • BürgerEnergiegenossenschaft Denzlingen eG
  • Energiegenossenschaft Hohe Waid eG, Hirschbergnwerk eG, Osnabrück
  • BEG Remstal eG, Winterbach
  • EnerGeno Heilbronn-Franken eG, Heilbronn
  • Gemeinschaftsanlagen Hechingen GbR
  • Bürger-Energie Zollernalb eG, Geislingen
  • Energiegenossenschaft Starkenburg eG, Heppenheim
  • Energiegenossenschaft Virngrund eG, Ellwangen
  • Teckwerke Bürgerenergie eG, Kirchheim unter Teck
  • Solar-Bürger-Genossenschaft eG, Freiburg im Breisgau
  • UrStrom BürgerEnergiegenossenschaft Mainz eG
  • Maxwäll-Energie Genossenschaft eG, Altenkirchen
  • HEG Heidelberger Energiegenossenschaft eG

Stand: Ende Januar 2015

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