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Demografischer Wandel: So wichtig sind Genossenschaften

Dorfladen-Situation an der Kasse
BWGV

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Drei Faktoren sind es, die den demografischen Wandel bestimmen: die Geburtenrate, die Lebenserwartung und Migrationsprozesse. Für den ländlichen Raum spielt letztgenannter Faktor eine besondere Rolle. In kleinen und von Wegzug betroffenen Dörfern geht es oftmals um die Wiederbelebung von im Wortsinn nahe Liegendem – vom nicht mehr vorhandenen Dorfgasthaus im Ortszentrum als Freizeit- und Kommunikationstreffpunkt, vom auch zu Fuß erreichbaren Lebensmittelladen, der zusperrte.     

Für die bürgerschaftliche Selbsthilfe zur Ausgestaltung des täglichen (Dorf-)Lebens sind Genossenschaften in vielen Fällen geradezu vorherbestimmt. Dass es durchaus Möglichkeiten gibt, wieder mehr Leben ins Dorfgeschehen zu bekommen, wenn Bürger, Gemeindeverwaltung und auch Vereine oder lokale Agenda-Gruppen an einem Strang ziehen, zeigen drei in Genossenschaften realisierte Beispiele. Zum einen ein Dorfgasthaus im Hochschwarzwald, zum anderen zwei Dorfläden in der Hohenlohe und einer in Jagsthausen.

Genossenschaft: Dorfgasthaus bolando

Bolando eG
Aufgrund des Fehlens einer Dorfgaststätte und somit eines wichtigen Bezugspunkts und Begegnungsorts für die Einwohner gründeten Bürger in Bollschweil die Genossenschaft bolando eG, um das alte Ratsschreiberhaus als Gast- und Kulturveranstaltungsstätte zu betreiben.

Aufgrund des Fehlens einer Dorfgaststätte und somit eines wichtigen Bezugspunkts und Begegnungsorts für die Einwohner gründeten Bürger in Bollschweil (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald) 2008 die  Genossenschaft bolando eG, um das alte Ratsschreiberhaus im Zentrum des 2300-Einwohner-Örtchens umzunutzen und wiederzubeleben. Das Gebäude war in der Vergangenheit sowohl als Wohnhaus als auch zu landwirtschaftlichen Zwecken genutzt worden. Das Konzept der Wiederbelebung beinhaltete die Sanierung des Gebäudes auf den aktuellen technischen Stand. Die Bewirtschaftung des gastronomischen Angebots und des seit fünf Jahren laufenden Kulturveranstaltungsangebots erfolgt durch die Genossenschaft. Deshalb nennt sich die Gaststätte auch „Deutschlands erstes genossenschaftlich geführtes Dorfgasthaus“.  Grundstück und Gebäude wurde in Erbpacht von der Gemeinde Bollschweil erworben. Der Erbpachtvertrag läuft über 40 Jahre. Ein Großteil der Finanzierung läuft über die Genossenschaftsanteile.

In der Gemeinde Bollschweil im Hexental, etwa zehn Kilometer südlich von Freiburg im Breisgau gelegen, gab es in früheren Jahrzehnten mehrere Gasthäuser für die gastronomische Versorgung. Die eingeschränkte Mobilität der Bürger und die überwiegende Beschäftigung im landwirtschaftlichen und handwerklichen Bereich am eigenen Ort hatten die Nutzung dieses Angebots gewährleistet.

Schrittweise ablaufende, auch durch den demografischen Wandel verursachte Veränderungen im täglichen Leben, im Beruf und der Freizeit bei gleichzeitig ständig wachsender Mobilität schlagen sich in einer abnehmenden Identifizierung mit dem Ort und einem geringer werdenden Zusammengehörigkeitsgefühl nieder. Privatwirtschaftlich geführte Gasthäuser haben diese Entwicklung besonders zu spüren bekommen. Das gastronomische Angebot in Bollschweil war mehr als dürftig geworden. Es fehlte ein regionaltypisches Dorfgasthaus im Ortszentrum. Durch Überlegungen im Gemeinderat und entsprechend vielen Hinweisen aus der Bevölkerung, von den Vereinen und der lokalen Agenda-Gruppe entstand der Wunsch, die Ortsmitte unter anderem mit einer Dorfwirtschaft zu beleben. Durch bürgerschaftliches Engagement in einer Genossenschaft wurde der Wunsch wahr.

www.bolando.de/genossenschaft

Unser Dorfladen Gottwollshausen-Gailenkirchen eG

Dorfladen
Dass der Genossenschaft-Gedanke keineswegs verstaubt, sondern im Gegenteil zukunftsweisend sein kann, beweist der 2005 gegründete genossenschaftliche Dorfladen in Gottwollshausen, der inzwischen schon auf zehn erfolgreiche Geschäftsjahre zurückblicken kann.

Um den Wegzug aufgrund mangelhafter (Nahversorgungs-)Infrastruktur keinen Vorschub zu leisten, können Genossenschaften Haltefaktoren sein. Zum Beispiel durch genossenschaftlich betriebene Dorfläden. Die großen Handelsketten ziehen sich aus der Fläche zurück, auch kleine Läden und Dienstleistungsbetriebe schließen. Eine Entwicklung, die in der dörflichen Idylle Spuren hinterlässt. Statt wie früher zum Laden um die Ecke zu gehen, der auch als Kommunikationszentrum für das tägliche Gespräch der Einwohner miteinander diente, bleibt jetzt nur noch die Fahrt mit dem - falls überhaupt vorhanden - Auto zum weit entfernten Supermarkt.

Es geht auch anders. Dies zeigen die Bürger der beiden kleinen Orte Gottwollshausen und Gailenkirchen bei Schwäbisch Hall. Dass der Genossenschaftsgedanke keineswegs verstaubt, sondern im Gegenteil zukunftsweisend sein kann, beweist der 2005 gegründete genossenschaftliche Dorfladen in Gottwollshausen, der inzwischen schon auf zehn erfolgreiche Geschäftsjahre zurückblicken kann. Deshalb hat die Genossenschaft im August 2007 ein zweites Ladengeschäft nach dem gleichen Konzept im Teilort Gailenkirchen eröffnet, auf Grundlage einer Bürgerbefragung und einer Informationsveranstaltung.

Ziel der beiden Läden ist es, die Grundversorgung mit Nahrungsmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs durch ein ausreichendes Angebot an frischen Backwaren, Obst, Gemüse, Molkereiprodukten und sonstigen Lebensmitteln zu angemessenen Preisen sicherzustellen. Eine ausgewogene Preisstruktur und das richtige Warensortiment sind entscheidend für die wirtschaftliche Lebensfähigkeit.

Für den Dorfladen im knapp 2300 Einwohner zählenden Gailenkirchen hatten im Vorfeld 200 Bürger Genossenschaftsanteile von über 50.000 Euro gezeichnet. Es zeigte sich, was auch in der globalisierten Welt in einem kleinen Ort möglich ist, wenn Menschen eine Vision haben, Ideen entwickeln und in einem durch die Genossenschaft geknüpftem Netzwerk das erarbeitete Konzept in die Realität umsetzen: 38 ehrenamtliche Helfer hatten 532 Stunden auf dem Bau gearbeitet und rund 20.000 Euro an Kosten eingespart. Auch hier gilt: Für die bürgerschaftliche Selbsthilfe zur Gestaltung des täglichen (Dorf-)Lebens können Genossenschaften die richtige Lösung sein.

www.unsere-dorflaeden.de

Dorfladen Jagsthausen wird erweitert

Dorfladen Jagsthausen
Die Unser Dorfladen Jagsthausen eG investiert kräftig in die Einkaufsstätte und ins Café.

Der genossenschaftlich betriebene Dorfladen in Jagsthausen, Kreis Heilbronn, bleibt auf Erfolgskurs. Täglich kaufen rund 380 Kunden ein, etwa ein Drittel davon kommt aus Nachbargemeinden. Derzeit sind zehn Mitarbeiterinnen in der seit Juli 2012 geöffneten Einkaufsstätte beschäftigt. Voraussichtlich im Sommer sollen die Arbeiten zur Erweiterung des Dorfladens in der einschließlich des Teilorts Olnhausen rund 1800 Einwohner zählenden Gemeinde  beginnen. Etwa 265.000 Euro werden investiert. Es wird beabsichtigt, zunächst die Metzgerei mit einem Anbau zu erweitern. In einem zweiten Abschnitt soll dann der Café-Bereich angebaut werden. Mittelfristig ist noch der Anbau von Lagerfläche und der Verkaufsfläche geplant. Ein gelungenes Beispiel für das Erfolgsmodell „Was ein einzelner Einzelhändler nicht (mehr) schafft, schaffen viele Bürger zusammen mittels Genossenschaft“. Und wenn dann noch die Kunden auch Genossenschaftsmitglieder in „Unser Dorfladen Jagsthausen eG“ sind, bleibt die Wertschöpfung in den eigenen Reihen.

www.dorfladen-jagsthausen.de

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