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Wirtschaft vor Ort: Genossenschaft bringt Akteure unter einen Hut

Wirtschaft vor Ort - Dezentrale Versorgungszentren
BWGV

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Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der demografische Wandel und die geänderten Ansprüche an die Gestaltung der persönlichen Lebensumstände sowie der gestiegene Wunsch nach regionaler Partizipation bringen neue Herausforderungen für die Gestaltung der „Wirtschaft vor Ort“ mit sich. Die Politik wie auch die Bürger selbst sind gefordert, um die gewünschten wirtschaftlichen Leistungen und die sozialen Rahmenbedingungen auch in Zukunft bürgernah und in einem tragfähigen Rahmen sicherstellen zu können. Besonders ländliche Kommunen sind häufig in vielfältiger Weise betroffen. In vielen Bereichen hat dabei die Kooperation mit anderen Akteuren an Bedeutung zugenommen. Hier kann die Genossenschaft, ganz im Sinne ihres Prinzips „Hilfe zur Selbsthilfe“ einen Beitrag zur Fortentwicklung und Ergänzung der benötigten Leistungen in regionalen Handlungsfeldern darstellen.

Betätigungsfelder genossenschaftlicher Kooperationen

Wirtschaft vor Ort - Dorfläden
Wenn Bürger und Kommune an einem Strang ziehen, können beispielsweise Dorfläden entstehen und erfolgreich betrieben werden.

Die Bandbreite der unterschiedlichen Betätigungsfelder erstreckt sich über verschiedene Bereiche der (erweiterten) Daseinsvorsorge, von der Sicherung der ärztlichen Versorgung über die Förderung eines attraktiven Personennahverkehrs bis hin zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Die wohnortnahe und familienfreundliche Infrastruktur nimmt eine Schlüsselfunktion ein. Im Fokus stehen Aspekte wie Kinderbetreuung, Pflege alter oder hilfsbedürftiger Menschen, eine attraktive Nahversorgung, kulturelle Angebote sowie eine gute Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr, um die strukturellen Voraussetzungen zu schaffen, welche die Lebenssituationen in den ländlichen Regionen attraktiver gestalten. Genossenschaften bieten dafür tragfähige Lösungsansätze, um Synergien zu nutzen und nachhaltige Infrastrukturkonzepte zu entwickeln und umzusetzen. Die genossenschaftlichen Neugründungen in Baden-Württemberg in den vergangenen 15 Jahren lassen einen klaren Trend erkennen: Bei einem Großteil der genossenschaftlichen Projekte handelt es sich um Neugründungen mit einem speziellen Blick auf die Aspekte Nachhaltigkeit, Ökologie sowie soziale Belange. Das Spektrum erstreckt sich von Energiegenossenschaften und Nahwärmeanlagen über Dorfläden, Pflegeeinrichtungen und Wohngemeinschaften bis hin zu Hallenbädern. Darüber hinaus nimmt auch die Umnutzung leerstehender Gebäude eine immer bedeutender werdende Rolle ein. Nicht zuletzt ist die Nutzung der Chancen der Digitalisierung ein Thema der Zukunft, das von genossenschaftlichen Initiativen aktiv aufgegriffen wird. Konkrete Betätigungsfelder der Rechts- und Unternehmensform der eingetragenen Genossenschaft vor Ort sind derzeit Ärztegenossenschaften, Energiewirtschaft, Bildung, Mobilität und WohnenPLUS.

WohnenPLUS

Unter dem Stichwort WohnenPLUS engagiert sich der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV) aktiv im Bereich Wohnen, verbunden mit Dienstleistungen, im besten Falle unter Einbeziehung der örtlichen Volksbank Raiffeisenbank zur Sicherstellung einer nachhaltigen und transparenten Finanzierung der Projekte. Die erwähnten weitreichenden Veränderungen im Hinblick auf die kommunale Infrastruktur beruhen auf geänderten Ansprüchen und Wünschen der Bürger, wie beispielsweise der Vereinbarkeit von Beruf und Familie/Freizeit, Kinderbetreuung, Pflegeeinrichtungen und zeitgemäßen Mobilitätsangeboten. Eine wichtige Schlüsselfunktion nimmt somit die Etablierung und Aufrechterhaltung einer wohnortnahen und bedarfsgerechten Infrastruktur ein, die den Erfordernissen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entspricht und den Wünschen der Anwohner entgegenkommt.

Die Rechts- und Unternehmensformen der eingetragenen Genossenschaften (eG) verfügt über Eigenschaften, die sie sehr flexibel und praxisorientiert auf Umbrüche und neue Herausforderungen reagieren lässt, was vor dem Hintergrund der sich rasch ändernden Bedingungen in Wirtschaft und Gesellschaft für die Zukunftsfähigkeit von entscheidender Bedeutung ist. Ausschlaggebend für den Erfolg genossenschaftlicher Lösungen ist das Zusammenspiel von Bürgern, Kommunen und der Wirtschaft vor Ort, um die gemeinsamen Herausforderungen erfolgreich zu lösen.

Genossenschaftliche Modelle zur Hausarztversorgung

Wirtschaft vor Ort - Dezentrale Versorgungszentren
Das Modell der dezentralen Versorgungszentren auf genossenschaftlicher Basis.

Der BWGV hat gemeinsam mit dem Gemeindetag, dem Hausärzteverband sowie dem Sozialministerium und dem Ministerium für Landwirtschaft und ländlichen Raum ein Kooperationsprojekt ins Leben gerufen, was sich die Sicherstellung der medizinischen Versorgung zum Ziel gesetzt hat. Den Weg ebnete zunächst ein Grundsatzbeschluss des Kabinettsausschusses Ländlicher Raum, welcher die genossenschaftlichen Modelle hinsichtlich einer Verbesserung der Sicherung hausärztlicher Versorgungsstrukturen im Ländlichen Raum als hilfreich und zielführend bewertete. Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz erhielt, in fachlicher Abstimmung mit dem Ministerium für Soziales und Integration, den Auftrag, die weiteren Schritte zur Durchführung von genossenschaftlichen Modellprojekten in die Wege zu leiten. Auf dieser Grundlage wurde eine beachtliche finanzielle Förderung zur Umsetzung der Modelle erwirkt.

Das Pilotprojekt baut auf einer dreigliedrigen Organisationsstruktur. Diese besteht aus einer Ärztegenossenschaft, einer (Bürger-)Beteiligungsgenossenschaft sowie medizinischen Versorgungszentren (MVZ). Diese sind gemeinsam zur Erfüllung unterschiedlicher Funktionen und Aufgaben befähigt. Die Ärzte-Service-eG wird vornehmlich die Vermittlung der Ärzte, die Funktion der Interessenvertretung sowie die Übernahme von Dienstleistung für die Praxisfilialen wahrnehmen. Die genossenschaftlichen Versorgungszentren übernehmen die ärztlichen Leistungen und betreiben die Praxen vor Ort. Ihnen obliegen strukturfördernde Maßnahmen durch die Förderung von Praxisnetzen sowie die Organisation des gemeinsamen Einkaufs und die Verknüpfung von Dienstleistungen von Ärzten, Physiotherapeuten, Apothekern, Pflegediensten und Notfalldiensten sowie Krankenhäusern. Die (Bürger-)Beteiligungs-eG übernimmt alle kaufmännischen Leistungen und das Gebäudemanagement – hier kann je nach Immobilie ergänzend zu den Arztpraxen auch an integrierte Läden, Gasthäuser, weitere Dienstleistungen, Pflegeeinrichtungen und anderes mehr gedacht werden.

Wesentliche Vorteile des Kooperationsprojekts sind somit die Möglichkeit einer angemessenen Einflussnahme durch die Kommunen, einer finanziellen Beteiligung weiterer Akteure, die Chance einer Partizipation und damit auch Identifikation und Bindung der Bevölkerung vor Ort sowie die Schaffung arbeitsorganisatorischer Freiheiten für die Mediziner, beispielsweise Arbeiten in Teilzeit oder die Beschäftigung im Angestelltenverhältnis.

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