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Stiftung GESTE unterstützt genossenschaftliche Hilfe zur Selbsthilfe in Uganda

 DGRV Uganda mit Stiftung GESTE
Kora Cygan

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Am 2. Juni 2022 waren der römisch-katholische Bischof von Masaka, Serverus Jjumba, sowie der bei der dortigen Diözese als Referent für Genossenschaften angestellte Bernard Mutebi zu Gast im GENO-Haus in Stuttgart. Empfangen wurden die Gäste aus Uganda vom Dr. Roman Glaser, Präsident des BWGV und Vorsitzender des Vorstands der Genossenschaftlichen Stiftung Entwicklungszusammenarbeit, kurz GESTE, Sebastian Gomolka, Geschäftsführer der Stiftung GESTE, sowie Steffen Müller, stellvertretender Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen beim Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband (DGRV), Berlin.

Nach einer kurzen Vorstellung des BWGV und des Genossenschaftswesens in Baden-Württemberg durch Glaser berichteten Bischof Jjumba und Bernard Mutebi über das von der Stiftung GESTE unterstützte Projekt zum Aufbau des genossenschaftlichen Trainingszentrums in Masaka, welches von Bischof Jjumba als Schirmherr begleitet wird. Bischof Jjumba dankte für die Unterstützung und beide Besucher gaben spannende Einblicke in den aktuellen Projektstand und zu verzeichnende Erfolge.

Der ugandische Projektkoordinator Bernard Mutebi hatte Anfang des Jahres in einem Vortrag am Parler-Gymnasium in Schwäbisch Gmünd die kulturellen Unterschiede zwischen Uganda und Deutschland humorvoll mit folgendem Bild skizziert: „In Deutschland warten die Menschen auf den Bus, während in Uganda die Busse auf die Menschen warten, da die Busfahrer warten müssen, bis der Bus voll ist.“ Und bei der Wahl zwischen Pünktlichkeit und Gelassenheit würde man sich meistens für die Gelassenheit entscheiden.

Eine junge Gesellschaft auf der Suche nach wirtschaftlichen Chancen 

Wirtschaftliche und soziale Unterschiede greifen jedoch weitaus tiefer. Während das Bevölkerungswachstum in Deutschland bei etwa 0,2 Prozent per anno liegt, gehen diverse Statistiken davon aus, dass die ugandische Bevölkerung bis 2027 um etwa 20 Prozent gewachsen sein wird. Bereits heute ist Uganda weltweit eines der Länder mit der jüngsten Bevölkerung. Das Durchschnittsalter beträgt 15,8 Jahre, fast 50 Prozent sind unter 14 Jahren alt. Zudem hatten Ende 2020 etwa 28 Prozent der ugandischen Bevölkerung ein Pro-Kopf-Tageseinkommen von weniger als  1,90 US-Dollar. Beschäftigungsperspektiven für Jugendliche und junge Erwachsene zu schaffen sind entscheidende Maßnahmen, um die wirtschaftliche Entwicklung sowie Bildung zu fördern, die Beschäftigungsquote zu erhöhen und den Weg aus der Armut zu bereiten. 

Die in 2015 durch die Weltgemeinschaft verabschiedeten Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals), und der ugandische „National Development Plan III 2020/21 – 2024-25“ stellen die Bedeutung dieser Handlungsfelder heraus. 

Handwerkliche Ausbildung als Weg zu wirtschaftlicher Selbständigkeit

Ende 2019 startete das erste GESTE-Projekt in Uganda in Zusammenarbeit mit der Diözese Masaka. Ziel ist es, jährlich rund 30 junge Erwachsene in handwerklichen Fähigkeiten auszubilden, die wiederum ihr erworbenes Wissen an andere junge Erwachsene innerhalb ihrer Gemeinde weitergeben. Formiert als Genossenschaft, bekommen sie neben den handwerklichen Fähigkeiten auch Wissen zu Genossenschaften vermittelt, um ihnen den Einstieg in die Arbeitswelt perspektivisch zu erleichtern. Letzteres wird durch ein vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, kurz BMZ, gefördertes Projekt des DGRV abgedeckt. Die handwerklichen Fähigkeiten vermitteln Trainer, die auch an einem technischen Institut in der Gegend aktiv sind. 

Drei Nachhaltigkeits-Ziele im Blick

Mit der Finanzierung des GESTE-Projekts in Masaka fördert die Stiftung GESTE konkret folgende drei Ziele aus dem Ziele-Bündel für nachhaltige Entwicklung: 

  • Ziel 1: Armut beenden – Armut in all ihren Formen und überall beenden;
  • Ziel 4: Bildung für alle – inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten und Möglichkeiten des lebenslangen Lernens für alle fördern;
  • Ziel 8: nachhaltiges Wirtschaftswachstum und menschenwürdige Arbeit für alle – dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern.

Die Corona-Pandemie und der damit verbundene Lockdown im Land führte zunächst zu Verzögerungen. Das Projektteam sah in dieser Situation  die Chance, zum Beispiel durch das Nähen von Masken und den Bau von mobilen Einrichtungen zum Händewaschen auf die Situation zu reagieren. Heute sind die Ergebnisse der ersten Projektphase sichtbar. Rund 300 junge Erwachsene konnten handwerkliche Fähigkeiten erwerben. 

Das Büro des DGRV in Kampala unterstützt im Auftrag der GESTE das Projekt direkt vor Ort zu Fragen des Projektmanagements, der Buchhaltung und genossenschaftlichen Themen. In regelmäßigen Abständen finden Arbeitsmeetings abwechselnd in Kampala und Masaka statt, um aktuelle Fragestellungen, Herausforderung und bisherige Erfolge zu besprechen. 

Mitte April 2022 besuchten die Projektmitarbeiterin Vastine Komwaka und Projektleiterin Martina Weis vom DGRV in Uganda das Projekt in Masaka, um neben der Besprechung der inhaltlichen Themen zusammen mit Bernard Mutebi verschiedene Werkstätten und kleine Shops in der Stadt zu besuchen, in denen Auszubildende bereits einige ihrer Produkte zum Kauf anbieten. Produkte wie Holzschnitzereien, Holzbettgestelle, Grußkarten, Sandalen und Kleidungsstücke sind Beispiele aus dem Sortiment. 

Mit der Diözese als Initiator des Projekts profitieren die Auszubildenden direkt von Arbeitsaufträgen durch die Diözese selbst. Den Jugendlichen wird so der fließende Übergang ins Berufsleben erleichtert, sie sammeln Erfahrung und erhalten direktes Kundenfeedback, mit der Unterstützung der Auszubildenden. Im vergangenen Jahr fanden Renovierungsarbeiten an den Gebäuden statt, die nahezu komplett von den Auszubildenden durchgeführt wurden. Aktuell arbeiten die Auszubilden-den an einem Auftrag zum Pflastern der Auffahrt zu verschiedenen Gebäuden auf dem Gelände der Diözese. Beim Besuch im April demonstrierte ein Trainer, in welchem Muster die selbst gepressten Steine angeordnet werden sollen. 

Das Projekt genießt in der Diözese hohes Ansehen und erste Vertreter anderer Diözesen bekundeten ihr Interesse, mehr über das Projekt erfahren zu wollen.

Die Stiftung GESTE

Die GESTE Baden-Württemberg wurde anlässlich des 150-jährigen Bestehens des BWGV 2013 gegründet. Ihre Träger sind der BWGV sowie baden-württembergische Genossenschaften. Der Stiftungszweck liegt in der Förderung von Projekten mit struktureller nachhaltiger Wirkung auf dem Gebiet des Genossenschaftswesens in Entwicklungs- und Schwellenländern. Vor Ort werden die Projekte von den Auslandsbüros des DGRV koordiniert. Die Projektarbeit der Abteilung Internationale Beziehungen des DGRV in über 25 Ländern weltweit wird vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung – BMZ gefördert. Die Stiftung GESTE unterstützt so aktuell 16 Projekte in acht Ländern aus Afrika, Lateinamerika und Südost-Asien, bei denen immer die nachhaltige Entwicklung von Genossenschaften und die Förderung der Mitglieder im Mittelpunkt steht.

Wie können Sie die GESTE und die internationale Zusammenarbeit mit Genossenschaften unterstützen?  

Spenden an die Stiftung sind jederzeit möglich und haben einen entscheidenden Einfluss auf den Umfang der Unterstützungsleistungen. Zahlreiche Genossenschaften in Baden-Württemberg haben sich bereits in dieser Form engagiert. Darüber hinaus sollen in der Zukunft auch Genossenschaften und Verbundunternehmen in ganz Deutschland die internationale Zusammenarbeit des DGRV und der GESTE nutzen können. Sprechen Sie uns gerne an:

DGRV Uganda mit Stiftung GESTE
Aktuell arbeiten die Auszubildenden des genossenschaftlichen Projekts an einem Auftrag zum Pflastern der Auffahrt zu verschiedenen Gebäuden auf dem Gelände der Diözese. Beim Besuch im April 2022 demonstrierte ein Trainer, in welchem Muster die selbst gepressten Steine angeordnet werden sollen. 
DGRV Uganda mit Stiftung GESTE
DGRV-Projektleiterin Martina Weis, ehemalige BWGV-Mitarbeiterin, besuchte Mitte April 2022 einen Shop, in dem Grußkarten, die im Rahmen des Projekts produziert werden, zum Verkauf angeboten werden.
DRGV Treffen Uganda beim BWGV
Besuch im GENO-Haus: Serverus Jjumba (Mitte), Bischof von Masaka, Uganda, und Bernard Mutebi (zweiter von links), bei der Diözese angestellter Referent für Genossenschaften, mit BWGV-Präsident und Vorstandsvorsitzender der GESTE Dr. Roman Glaser (zweiter von rechts), Sebastian Gomolka (rechts), Geschäftsführer der GESTE, und Steffen Müller (links), stellvertretender Leiter der DGRV-Abteilung Internationale Beziehungen. 
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