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Engagement des BWGV in der Quartiersentwicklung

Quartiersentwicklung BWGV
Dr. Annika Reifschneider

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Der BWGV bringt sein Know-how unter anderem durch sein Engagement im Rahmen der Landesstrategie Quartier 2020 für seine Mitgliedsgenossenschaften gewinnbringend ein. Die Landesstrategie „Quartier 2020 – Gemeinsam. Gestalten.“ begleitet und unterstützt Kommunen und zivilgesellschaftliche Akteure bei der Quartiersentwicklung vor Ort. Einige unserer Mitglieder aus den Bereichen Nahversorgung, Gastronomie, Wohnund Betreuungsangebote sowie Pflege konnten gleich zu Beginn des Projekts, das mit einem Ideenwettbewerb im Jahr 2017 startete, erfolgreich als Best-Practice-Beispiele im Ministerium und auf der Homepage der Landesstrategie hinterlegt werden. Somit richtet sich die Aufmerksamkeit auf Genossenschaften.

Der BWGV ist als Mitglied der Begleitgruppe „Strategie Quartier 2020 – Gemeinsam. Gestalten.“ an der kontinuierlichen Weiterentwicklung der Landesinitiative beteiligt. Die Strategie ist ein fortlaufender Prozess, in den auch Experten aus der Politik, dem kommunalen Umfeld, der Wissenschaft und der Zivilgesellschaft eingebunden sind, um die Maßnahmen des Ministeriums für Soziales und Integration gemeinsam zu reflektieren und Impulse für die zukünftigen Aktivitäten zu erarbeiten.

Fach- und Vernetzungstag mit BWGV-Beteiligung

Quartiersentwicklung
Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV) hat sich durch sein vielseitiges Engagement für die ländlichen Räume, unter anderem im Rahmen der BWGV-Initiative „Wirtschaft vor Ort“, eine Expertise im Bereich der Quartiersentwicklung erarbeitet.

Beim ersten Fach- und Vernetzungstag zur Landesstrategie war der BWGV mit einem Informationsstand vertreten. Die Entwicklung zukunftsfähiger Gemeinschaften in den Kommunen war das Thema der hochfrequentierten Veranstaltung am 25. Juli 2018 im Hospitalhof Stuttgart. Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha betonte in seinem Vortrag im Rahmen der Veranstaltung, dass die „Strategie Quartier 2020 zu einer richtigen Bürgerbewegung geworden“ ist. Der Einladung des Ministers folgten über 300 Interessierte, wobei das Teilnehmerfeld mannigfaltig zusammengesetzt war. Neben Bürgermeistern kamen Fachexperten aus den Landkreisen, Quartierskoordinatoren sowie Vertreter aus Verbänden und nicht zuletzt Preisträger des letztjährigen Ideenwettbewerbs sowie viele weitere Kommunen, die an der Quartiersstrategie teilnehmen.

Die Darstellung der besonderen Rolle der Kommunen bei der Gestaltung zukunftsfähiger ländlicher Lebensräume wurde im Rahmen des mit viel Beifall bedachten Vortrags des Heidelberger Gerontologen Prof. Dr. phil. Dr. h.c. Andreas Kruse, der auch Leiter der siebten Altenberichtskommission im Auftrag der Bundesregierung ist, deutlich. Vor dem Hintergrund der alternden Gesellschaft ging er vor allem auf die Herausforderungen ein, die im Bereich der Pflege auf die Zivilgesellschaft und die Kommunen zukommen werden. Auch die Zusammenarbeit der Akteure und die Teilhabe der Bürger waren Schwerpunkte seines Fachvortrags. Hier wurden viele Parallelen zum Genossenschaftswesen sowie zu den Handlungsfeldern des BWGV sichtbar, vom angesprochenen Bürgerengagement über einen demokratischen Beteiligungsansatz und Selbstverwaltungsstrukturen bis hin zur besonderen Betonung eines multifunktionalen Ansatzes im Bereich der Quartiers- und Dorfentwicklung, der sich im Verband im Rahmen der Strategie WohnenPLUS wiederfindet.

Bereits bestehende Quartiersprojekte konnte auf dem „Markt der guten Ideen“ besichtigt werden, auf dem sich auch der BWGV mit seinem vielfältigen Beratungsangebot sowie Best-Practice Beispielen den interessierten Besuchern präsentierte. Wir würden uns auch Teilnehmer aus Volksbanken und Raiffeisenbanken wünschen, die sich aktiv der Gestaltung ihres jeweiligen Geschäftsraums widmen und bei derartigen Konferenzen Ideen und Partner finden können. Gern stehen wir auch stets als Sparrings-Partner bereit.

Kommunale Dachgenossenschaften in der Daseinsvorsorge

Im Rahmen kommunaler Kooperationen können Genossenschaften eine Alternative zu bestehenden Modellen darstellen. Die Rechts- und Unternehmensform der eingetragenen Genossenschaft (eG) wird insbesondere von neuen Branchen und Zukunftsmärkten genutzt. Ein Vorzeigebeispiel in diesem Kontext ist die Kommunale Daseinsvorsorge durch Bürgergenossenschaften (kurz KoDa eG), die mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert wird. Daseinsvorsorge durch Bürgergenossenschaften kann insbesondere in kleineren Gemeinden eine Lösung darstellen, in denen ein bedarfsgerechtes Angebot nicht allein durch die Kommune und den Markt gestaltet werden kann. Hier werden soziale, wirtschaftliche und kulturelle Aufgaben unter einem Dach vereint und somit Erleichterung bei der Gründung und dem Betreiben der Institutionen durch die Bündelung der bürokratischen Anforderungen geschaffen. Die Koordination des Verbundprojekts obliegt dem Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung (zze) im FIVE, dem Forschungs- und Innovationsverbund an der Evangelischen Hochschule Freiburg. Gemeinsam mit den Praxispartnern Studiengesellschaft für Projekte zur Erneuerung der Strukturen (SPES) e.V. und K-Punkt Ländliche Entwicklung im Kloster Heiligkreuztal werden die teilnehmenden Kommunen wissenschaftlich und fachlich begleitet, um Lösungen für die kommunale Daseinsvorsorge zu identifizieren, die den spezifischen Anforderungen in den ländlichen Gemeinden – Sicherstellung einer Nahversorgung, die Unterstützung für Pflegebedürftige, ein bedarfsgerechtes Mobilitätsangebot sowie die Gestaltung innovativer Wohnkonzepte für alle Generationen und nicht zuletzt die Nutzung der Chancen der Digitalisierung – auch in Zukunft gerecht werden. In der Oktober-Ausgabe des Geno Graph wird das zze über das hier aufgezeigte Verbundprojekt berichten.

Der BWGV bringt seine Expertise im Bereich der kommunalen Daseinsvorsorge mittels genossenschaftlicher Initiativen unter anderem im Rahmen des Engagements im ThinkTank für die KoDa eG mit ein. Zudem fand am 26. Juli 2018 ein ganztägiger Workshop im GENO-Haus Stuttgart statt, bei dem der BWGV Mitgastgeber war. Zielsetzung des Workshops war es, die Zukunftsperspektiven der Bürgergenossenschaften, insbesondere auch der geplanten Dachgenossenschaften, zu diskutieren und im Gespräch mit Experten aus Wissenschaft, Praxis, Kammern und Verbänden Chancen und Risiken zu identifizieren und Lösungsmöglichkeiten zu erörtern.

Des Weiteren planen und initiieren SPES, K-Punkt Ländliche Entwicklung im Kloster Heiligkreuztal und der BWGV ab November 2018 eine einjährige Veranstaltungsreihe in Kooperation mit Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung im Staatsministerium Baden-Württemberg, sowie Ministern des Landes. Ziel ist die Verbreitung dieses ganzheitlichen Lösungsansatzes in Baden-Württemberg; langfristig angedacht ist jedoch auch die Multiplikation in anderen Bundesländern und darüber hinaus. Die Idee der kommunalen Daseinsvorsorge durch Bürgergenossenschaften soll Schule machen und kann gemeinsam mit engagierten Bürgern die Zukunft der Bürgergesellschaft selbstbestimmt und selbstverantwortlich gestalten. Dazu leistet der BWGV einen Beitrag – machen Sie mit!

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