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Eine großartige Anerkennung für alle Genossenschaften

UNESCO Weltkulturerbe Genossenschaft
Deutsche UNESCO-Kommission e.V.

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Die Genossenschaftsidee gehört nun zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit. Dies hat das Internationale Komitee für die Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO am 30. November 2016 in Addis Abeba (Äthiopien) beschlossen. „Die Ernennung der Genossenschaftsidee zum Weltkulturerbe ist eine ganz besondere Ehre und eine großartige Anerkennung für alle Genossenschaften weltweit“, sagte Dr. Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), nach der Entscheidung der UNESCO. „Wir in Baden-Württemberg, dem ‚Land der Genossenschaften‘, sind sehr stolz auf diese hohe Auszeichnung“, so Glaser weiter. Initiiert wurde die Nominierung von der Deutschen Hermann-Schulze-Delitzsch-Gesellschaft und der Deutschen Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft. Große Unterstützung haben die Genossenschaften auch von den genossenschaftlichen Verbänden sowie der Politik in Baden-Württemberg und im Bund erhalten. „Die UNESCO erkennt mit der Ernennung den ganz besonderen Stellenwert der Genossenschaften an – als Rechts- und Unternehmensform, die in idealer Weise wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung verbindet“, betonte Glaser. Die internationale Organisation würdigt mit ihrer Entscheidung sowohl die bereits mehr als 150 Jahre alte Genossenschaftsidee als auch deren praktische Umsetzung in der Gegenwart. Die Weltkulturorganisation unterstrich damit die Bedeutung dieser Rechtsform für das menschliche Zusammenleben. „Genossenschaften orientieren sich an sozialen Werten und bauen auf ideellen Grundsätzen wie Solidarität, Ehrlichkeit, Verantwortung und Demokratie auf.“ Mit diesen Worten hatte die deutsche UNESCO-Kommission ihren Antrag begründet. Für die Genossenschaftsidee spreche zudem das bürgerschaftliche Engagement im sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereich.

Besonders hohe eG-Dichte

UNESCO Weltkulturerbe Genossenschaft

Die eingetragene Genossenschaft (eG) ist im Südwesten Deutschlands ganz besonders erfolgreich und gesellschaftlich ausgesprochen stark verwurzelt. Fast 3,9 Millionen Baden-Württemberger sind mittlerweile Mitglied in mindestens einer Genossenschaft, das ist weit mehr als jeder dritte Einwohner. Deutschlandweit gibt es rund 22 Millionen Mitglieder. Die hohe Anzahl von Genossenschaftsmitgliedern in Deutschland und die rechtliche Absicherung ihrer Grundsätze durch ein Genossenschaftsgesetz stellen im internationalen Vergleich Besonderheiten dar. „Unsere sehr erfreuliche Mitgliederentwicklung in Baden-Württemberg zeigt, wie beliebt Genossenschaften bei den Menschen sind, aber auch, wie sehr sich unsere Rechts- und Unternehmensform für die Bewältigung vieler Zukunftsherausforderungen eignet“, betonte Glaser. „Die Auszeichnung durch die UNESCO ist ein riesiger Ansporn, uns weiter mit aller Kraft für die ebenso traditionsreiche wie moderne Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft einzusetzen“, sagte der BWGV-Präsident weiter. Allein in den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Genossenschaftsmitglieder im Südwesten um mehr als 450.000 angewachsen. Ursache dieser Entwicklung sind viele Neugründungen von Genossenschaften. Zudem werden immer mehr Menschen bewusst Mitglied bei ihrer Volksbank oder Raiffeisenbank.

Rund 50 Branchen

Noch nie gab es so viele unterschiedliche Genossenschaften in Baden-Württemberg wie heute. Die aktuell 830 Unternehmen in der Rechtsform der eG verteilen sich auf rund 50 Branchen. „Genossenschaften können sowohl ein Modell für Kooperationen im Mittelstand sein als auch den Strukturwandel im ländlichen Raum begleiten, um nur zwei Beispiele zu nennen“, erläuterte der BWGV-Präsident gegenüber der Presse. In den vergangenen zehn Jahren sind allein im Südwesten 270 neueGenossensch aften gegründet worden – neben fast 150 Energiegenossenschaften unter anderem auch Kooperativen von Ä rzten,Kooperationen für Berater, Gärtner und Druckereien sowie Schwimmbad- oder Kultur- und Marketing-Genossenschaften. „Dies zeigt, wie hervorragend unsere Unternehmensform für viele Geschäftsideen und Formen der Kooperation passt“, sagte Glaser weiter. „Noch erhebliches Potenzial für Genossenschaften besteht unter anderem in der Kommunalwirtschaft und im Gesundheitswesen – insbesondere im ländlichen Raum, aber auch in den Städten.“

UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes

Die Genossenschaftsidee und -praxis ist als erster deutscher Beitrag in die renommierte UNESCO-Liste des Immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen worden. Die Repräsentative Liste der UN-Sonderorganisation soll eine bessere Sichtbarkeit des immateriellen Kulturerbes gewährleisten, das Bewusstsein für seine Bedeutung stärken und den Dialog bei gleichzeitiger Achtung der kulturellen Vielfalt fördern. Sie umfasst bisher 336 immaterielle kulturelle Ausdrucksformen aus allen Weltregionen. Darin verzeichnet sind nach Informationen der UNESCO der argentinische und uruguayische Tango, die tibetische Oper in China und die Manden Charta in Mali, die als älteste Verfassung der Welt gilt. Weitere Beispiele sind das mongolische Naadamm-Festival, die Heilig-Blut-Prozession im belgischen Brügge, der kolumbianische „Carnaval de Negros y Blancos“ und die Pfeifsprache El Silbo von der spanischen Kanareninsel La Gomera. Bis heute sind 171 Staaten dem UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes beigetreten. Deutschland ist seit 2013 Vertragsstaat.

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