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Brexit – Potentielle Auswirkungen für die Genossenschaften in Baden-Württemberg

Brexit BWGV Position
Lupo / pixelio.de

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Das Vereinigte Königreich ist für Baden-Württemberg einer der wichtigsten Handelspartner. Mit 12 Milliarden Euro Exportvolumen belegte das Vereinigte Königreich 2016 den sechsten Platz in der baden-württembergischen Handelsstatistik. Der bevorstehende Brexit wirft seine Schatten bereits voraus. Laut Statistischem Landesamt sind die Exporte aus Baden-Württemberg in die EU in den ersten neun Monaten des Jahres 2017 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,9% gestiegen. Die Exporte in das Vereinigte Königreich allerdings um 10,3% auf 8,6 Milliarden Euro gesunken.

Seit dem Referendum im Juni 2016 ist eine deutliche Abwertung des Pfunds gegenüber dem Euro eingetreten. Damit wurde die britische Kaufkraft für Importe aus Deutschland und anderen Ländern geschmälert und britische Exporte gestärkt. In der Tendenz ist mit höheren Erzeuger- und Verbraucherpreisen für Lebensmittel im Vereinigten Königreich zu rechnen.

Negative Auswirkungen für die Wirtschaft erwartet

Laut einer Umfrage der Deutschen Außenhandelskammer in Großbritannien erwarten 80 Prozent ihrer knapp 700 Mitgliedsunternehmen negative Folgen eines Brexit für ihr Geschäft. Dagegen rechnen nur sechs Prozent mit positiven Effekten. Insgesamt wollen 61 Prozent ihre Investitionstätigkeit im Vereinigten Königreich nach einem Austritt verringern, sieben Prozent wollen sie erhöhen.

Das Justizministerium hat 2017 eine Folgenabschätzung des Brexit für Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit allen Ministerien erstellt. Das Wirtschaftsministerium hat ein Positionspapier zum Brexit erstellt.

Brexitfolgen variieren nach Sparten

Volksbanken und Raiffeisenbanken

Der Euro als Gemeinschaftswährung könnte in Bedrängnis kommen. Frankfurt könnte als Bank- und eventuell auch Börsenplatz profitieren. Die Auswirkungen auf den Finanzplatz Stuttgart werden als gering eingeschätzt. Direkte Auswirkungen auf die genossenschaftlichen Primärinstitute sind nach derzeitigen Einschätzungen eher gering.

Gewerbliche Genossenschaften

Mit fast 90 Milliarden Euro war Großbritannien laut Statistischem Bundesamt 2015 der drittwichtigste Exportmarkt. Über 30 Milliarden Euro betrug die Außenhandelsbilanz; über 2.500 Unternehmen aus Deutschland haben eine Niederlassung im Vereinigten Königreich. Ihr Kapitalstock dort: etwa 130 Milliarden Euro, 400.000 Mitarbeiter. Betroffen sind insbesondere die großen baden-württembergischen Handelsgenossenschaften wie z.B. Intersport und Euronics.

Landwirtschaftliche Genossenschaften

Wirtschaftsexperten befürchten nach einem „Brexit“ eine Beeinträchtigung des Agrarhandels. Vor allem neue britische Anforderungen, wie etwa Nachweise über die Einhaltung veterinärer und phytosanitärer Standards, könnten den Handel behindern. Die Ergebnisse der Brexit-Verhandlungen sind folglich vor allem für exportorientierte Unternehmen nach wie vor mit großer Unsicherheit behaftet. Der Deutsche Raiffeisenverband e.V. (DRV) fürchtet vor allem negative Auswirkungen auf den Export von Milch- und Fleischprodukten, die etwa 15 Prozent des deutsch-britischen Agrarhandels ausmachen. Allein 20 Prozent der britischen Einfuhren an Schweinefleisch kommen aus Deutschland.

Der Brexit hat zudem auch direkte und bedeutende Auswirkungen auf den zukünftigen Mehrjährigen Finanzrahmen der EU und damit auf das Budget der GAP nach 2020. Fehlendes Budget für die Agrarsubventionen bedeutet Umsatzeinbußen für die landwirtschaftlichen Betriebe und Genossenschaften in Baden-Württemberg.

Um die Folgen für die Wirtschaft in Baden-Württemberg so gering wie möglich zu halten, plädiert der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband e.V. (BWGV)  für eine schnelle Neuregelung der Handelsbeziehungen zu beiderseitigem Nutzen. Ein „harter“ Brexit sollte vermieden werden.

Gemeinsam mit dem Baden-Württembergischen Handwerkstag, dem Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag und dem Sparkassenverband Baden-Württemberg hat der BWGV im Januar 2018 ein Positionspapier vorgestellt, das auch die Auswirkungen des Brexits thematisiert.

Weitere Positionierungen zu den Auswirkungen des Brexits auf die genossenschaftlichen Unternehmen finden Sie im Folgenden:

  • DZ-Bank
  • ZGV – Der Mittelstandsverbund

Pressemittelung: https://www.mittelstandsverbund.de/presse/presseinformationen/d-mittelstand-erwartet-negative-brexit-folgen-1143439600?p=2

Umfrageergebnisse: https://www.mittelstandsverbund.de/media/0d9a110f-be62-481f-8d86-ec47dc9d13f0/lw9dYg/Download/Presse/Konjunkturumfrage/2017-Ergebnisse-Brexit-Umfrage.pdf

Einladung zum Wirtschaftskongress Brexit am 26. November 2018 in Stuttgart

Das Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg veranstaltet am Montag, den 26. November 2018 von 10:00 bis 17:00 Uhr in der Stuttgarter Liederhalle einen Wirtschaftskongress Brexit. Als Kooperationspartner beteiligt sich der BWGV aktiv an der Veranstaltung, die als Austauschplattform von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden dienen soll.

Wir laden Sie sehr herzlich ein, an dieser Veranstaltung teilzunehmen und zu einer optimalen Brexit-Vorbereitungsstrategie der baden-württembergischen Wirtschaft und Ihres Unternehmens beizutragen.

Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie unter: www.wm.baden-wuerttemberg.de/wirtschaftskongress-brexit-2018.

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