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Baden-Württemberg: Konjunkturmotor läuft rund

Konjunktur im Südwesten
Marko Greitschus / pixelio.de

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Die  Nachfrage nach hochwertigen Produkten und Dienstleistungen aus Baden-Württemberg hat in  den vergangenen Monaten weiter zugenommen, was vielen Unternehmen hohe Auslastung ihrer  Kapazitäten und steigende Gewinne beschert. Am meisten profitiert die Industrie, aber auch Handel und Dienstleistungsbranche melden eine nochmals leicht verbesserte Lage im Vergleich zum Jahresbeginn. Der Aufwärtstrend macht sich auch am Arbeitsmarkt stabilisierend bemerkbar. Das ergab eine Konjunkturumfrage des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK), an der rund 4.000 Unternehmen aus allen Branchen, Größenklassen und Landesteilen mitgewirkt haben.

„Obwohl die Risiken auf den Weltmärkten zugenommen haben, konnten die Betriebe in Baden-Württemberg die Herausforderungen weiter erfolgreich meistern“, sagt BWIHK-Präsident Wolfgang  Grenke. „Die Auftragseingänge nehmen aktuell sogar noch zu. Wir gehen davon aus, dass der gute Nachfragetrend weiter an Breite gewinnt.“ Auch die Nachfrage aus dem Ausland hat laut Grenke zunehmend an Schwung gewonnen. „Für Europa gehen wir davon aus, dass der Ausgang der  Präsidentschaftswahlen in Frankreich ein klares Signal setzt für mehr Zusammenarbeit und die Durchsetzung notwendiger Reformen in Europa“, betont der BWIHK-Präsident. Das könne dem leichten Aufschwung in der EU den notwendigen Schub geben. Auch in Asien und Amerika sowie  in  vielen Schwellenländern gehe es aufwärts. Mehr als 40 Prozent der auslandsaktiven Unternehmen im Land gehen von steigenden Exporten aus. Das sind nochmals rund zwei Prozentpunkte mehr als zu Jahresbeginn.

Kaum Klagen über schlechte Geschäfte

Laut Umfrage schätzen rund 96 Prozent ihre Lage mit „gut“ oder „befriedigend“ ein – eine leichte Zunahme um einen Prozentpunkt im Vergleich zum Januar. Nicht einmal vier Prozent klagen über schlechte Geschäfte (Jahresstart  2017: fünf Prozent). Für die kommenden Monate erwartet mehr  als ein Drittel der Befragten bessere Geschäfte. Knapp 60 Prozent rechnen mit etwa gleichbleibenden Geschäften, eine Verschlechterung befürchtet nur jeder dreizehnte Betrieb. Am Jahresanfang waren 30 Prozent der Befragten optimistisch und neun Prozent pessimistisch. Positiv fallen auch die Pläne für Inlandsinvestitionen aus: etwas mehr als ein Drittel der Befragten hat seine Investitionsbudgets aufgestockt. Nur gut jeder neunte Betrieb will weniger als im Vorjahr im Inland investieren.

Personal halten oder aufstocken

Der Arbeitsmarkt im Land profitiert von der guten Stimmung in den Unternehmen. Mehr als ein Viertel der befragten Betriebe will in diesem Jahr zusätzliches Personal einstellen, rund 63 Prozent halten  ihre Belegschaften auf gleichem Niveau, nur 11 Prozent müssen Stellen abbauen. Die Industrie schaltet noch einen Gang nach oben. Damit reagieren die produzierenden Betriebe im Land auf eine Geschäftsentwicklung, die so gut ist wie zuletzt bei der Wiedervereinigung. Auch die Perspektive ist von Zuversicht geprägt. Beim Bau hat die Nachfrage ebenfalls nochmals angezogen.

Eine weitere Steigerung scheint jedoch unmöglich. Personalmangel und Kapazitätsauslastung an der Grenze des Machbaren lassen Zuwächse nicht mehr erwarten.

Fachkräftemangel fast allerorten

Der Großhandel profitiert von dynamischer Nachfrage auch für die nächsten Monate. Dagegen konnten nur wenige Einzelhändler ihre Lage verbessern. Dank steigenden Konsums wird die Stimmung besser. Auch die Servicebranche profitiert von steigenden Umsätzen. Die Mehrheit geht von weiteren Zuwächsen aus, jedoch bremst auch hier der Fachkräftemangel. Während die Hoteliers unverändert gute Lagen melden, sind die Gastronomen eher ernüchtert über die jüngste Geschäftsentwicklung. Unter steigenden Kosten, anhaltend schwieriger Fachkräftesuche sowie nachlassender Umsatz- und Nachfragedynamik leiden die Zufriedenheit von Restaurant- und Café-Betreibern und deren Zukunftsaussichten. Hoteliers sind dagegen konstant optimistisch.

Handwerk erwartet Umsatzsteigerungen

Das baden-württembergische Handwerk geht im Vergleich zu 2016 trotz des Kälteeinbruchs im wichtigen zweiten Quartal von einer Umsatzsteigerung in 2017 von 2,5 Prozent aus. Zudem ist zu erwarten, dass die Zahl der tätigen Personen im Handwerk leicht zunimmt.

„Nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2016 hat die Handwerkskonjunktur zu Jahresbeginn nochmals einen Gang hochgeschaltet“, freut sich Landeshandwerkspräsident Rainer Reichhold.

66 Prozent der 1.500 landesweit befragten Betriebe bewerteten ihre wirtschaftliche Lage als gut. Im Vorjahresquartal taten dies nur 59 Prozent. „Unser Handwerk ist mit gut 93 Milliarden Euro jährlichem  Umsatz, rund 133.000 Betrieben, in denen 780.000 Mitarbeiter sowie 48.000 Auszubildende  arbeiten, die ,Wirtschaftsmacht von nebenan‘ und ein zentraler Faktor der ökonomischen Leistungskraft im Land“, sagte Landeswirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut im August  anlässlich der Vorstellung eines ersten Maßnahmenpakets für das Projekt  „Dialog  und Perspektive  Handwerk  2025“. Das Wirtschaftsministerium plant, dafür bis 2019 ein Fördervolumen von 4,4 Millionen Euro bereitzustellen. Es gehe vor allem um die Themen Fachkräftesicherung,  Strategieorientierung und Digitalisierung.

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