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Winzergenossenschaften in Baden freuen sich über ordentliche Erntemengen

Engelbert Vogt, Vorstandsvorsitzender der Alde Gott Winzer eG, ist mit der Weinernte 2014 zufrieden.
BWGV

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Die Winzer in Baden ernten endlich wieder zufriedenstellende Mengen. Die diesjährige genossenschaftliche Erntemenge wird nach ersten Prognosen rund 20 Prozent über der des Vorjahres liegen. „Wir freuen uns über die gute Qualität und vor allem darüber, dass unsere Winzer mengenmäßig wieder eine Normalernte einfahren können“, sagt Dr. Roman Glaser, der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), in den Räumen der Alde Gott Winzer eG in Sasbachwalden (Ortenaukreis). Rund 70 Prozent der Rebflächen in Baden werden von Winzergenossenschaften bewirtschaftet. Für Glaser ist und bleibt die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft (eG) gerade in der Weinwirtschaft ein „Zukunftsmodell“.

Nach derzeitigen Schätzungen dürfte die Erntemenge der 79 Winzergenossenschaften (WG) in Baden dieses Jahr bei etwa 95 Millionen Litern liegen. Im Vorjahr haben die badischen Winzergenossenschaften nur 79,2 Millionen Liter in die Keller eingebracht. Der Ertrag 2014 liegt somit bei rund 90 Hektoliter je Hektar Rebfläche. Die voraussichtliche Menge entspricht damit einer Normalernte. Um die leeren Keller der Genossenschaften wieder aufzufüllen, reicht dies jedoch noch nicht. Vor allem Weißweine bleiben nach wie vor knapp. Bei Rotweinen ist die Lage etwas entspannter. Die Qualität der badischen Weine des Jahrgangs 2014 verspricht gut zu werden. „Wir können den Kunden sehr interessante Rot- und Weißweine anbieten“, kündigt BWGV-Präsident Glaser an. Derzeit läuft die Hauptlese.

Der perfekte Lesezeitpunkt muss gefunden werden

Die gute Nachricht: Die Trauben in Baden sind weitgehend gesund. Zudem blieben die Winzer dieses Jahr von größeren Unwettern und Hagel verschont. Lediglich die intensiven Niederschläge der vergangenen Wochen stellen die Winzer vor Herausforderungen. Die Trauben sind durch das hohe Wasserangebot sehr dünnschalig und neigen dazu, aufzureißen. Es gilt daher, durch regelmäßige Kontrollen den perfekten Lesezeitpunkt zu wählen, um die Trauben bei bestem Gesundheitszustand einzuholen.

Ein Wermutstropfen ist jedoch die Kirschessigfliege: Der aus Südostasien eingewanderte Schädling, der auch Obstbauern zu schaffen macht, setzt seine Brut in gesunde Beeren und schädigt diese damit in der letzten Phase vor der Ernte. „Die Kirschessigfliege beschäftigt uns. Es besteht aber kein Grund zu übermäßiger Sorge“, sagt Dr. Ansgar Horsthemke, Generalbevollmächtigter und Bereichsleiter Beratung Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften beim BWGV. Der Genossenschaftsverband informiere die Winzergenossenschaften und stimme sich bei dem Thema intensiv mit den Weinbauverbänden, staatlichen Forschungseinrichtungen, den Regierungspräsidien und dem Landwirtschaftsministerium ab. „Durch besonnenes und zielgerichtetes Vorgehen konnten Schäden und Ertragseinbußen weitgehend verhindert werden. Hierzu zählen vor allem kulturbegleitende Pflege- und Behandlungsmaßnahmen“, verdeutlicht BWGV-Präsident Glaser.

Absatz geht spürbar zurück, Umsätze verringern sich leicht

Nach der mengenmäßig schwachen Ernte 2013 ging der Absatz der badischen Winzergenossenschaften im ersten Halbjahr 2014 um 4,4 Millionen auf 40,8 Millionen Liter Wein und Sekt zurück (minus 9,7 Prozent). Der Umsatz verringerte sich im gleichen Zeitraum um 5,3 Millionen Euro auf 124,8 Millionen Euro (minus 4,1 Prozent). „Unserer Winzer haben die geringe Ernte zu spüren bekommen. Umso mehr freuen sie sich über die größeren Mengen in diesem Herbst“, sagt Glaser. Durch höhere Absatzpreise konnte der Durchschnittserlös je Liter Wein und Sekt 2013 um 16 Cent auf 3,03 Euro gesteigert werden. Im ersten Halbjahr 2014 gab es einen weiteren Anstieg auf 3,06 Euro. „Hier macht sich die gute Qualität bemerkbar, die unsere Mitgliedsgenossenschaften ins Glas bringen“, lobt Glaser. Im Kalenderjahr 2013 haben die badischen Winzer 89,2 Millionen Liter Wein und Sekt verkauft (minus 5,0 Millionen Liter beziehungsweise minus 5,3 Prozent). Der Umsatz legte im gleichen Zeitraum dank Preiserhöhungen leicht um 0,1 Millionen Euro auf 270,5 Millionen Euro zu. Beim Weißwein bleiben die Bestände bei allen wichtigen Sorten weiterhin knapp. Der neue Jahrgang wird deshalb vermutlich bereits zum Jahreswechsel 2014/2015 in den Verkauf gehen.

Auch im Jahr 2013 setzt sich der Strukturwandel im Weinbau unvermindert fort. Seit Jahren ist die Zahl der Betriebe in Baden rückläufig – von 25.480 im Jahr 2000 auf 15.780 zum Jahresende 2013. Insbesondere kleine Nebenerwerbsbetriebe geben vermehrt auf, während die Zahl der Betriebe über fünf Hektar kontinuierlich zunimmt – von 571 im Jahr 2000 auf 784 zum Jahresende 2013. In Baden arbeiten aktuell 79 Winzergenossenschaften, darunter 38, die ihre Weine im eigenen Keller ausbauen. Die genossenschaftlichen Rebflächen in Baden haben sich 2013 leicht von 10.726 Hektar auf 10.573 Hektar (minus 153 Hektar beziehungsweise minus 1,4 Prozent) verringert. Dies entspricht rund 70 Prozent der Gesamt-Rebfläche. „Wir wollen die genossenschaftliche Rebfläche möglichst hoch halten. Nur gemeinsam sind die Winzer in Baden stark und für alle Herausforderungen gewappnet“, sagt Glaser. Im Jahr 2013 gab es eine Fusion: Zum 1. Januar 2013 ging die Winzergenossenschaft Ringsheim eG mit der Winzergenossenschaft Münchweier-Wallburg-Schmieheim eG (beide Ortenaukreis) zusammen. In diesem Jahr bahnt sich der Zusammenschluss der Fessenbacher Winzergenossenschaft eG, Offenburg, mit der Gengenbacher Winzer eG (Orte-naukreis) an. Intensive Gespräche unter Moderation und Begleitung durch den BWGV laufen derzeit, die Mitglieder sind bereits informiert worden.

BWGV ist „strategischer Partner“ seiner Mitglieder

Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband intensiviert vor dem Hintergrund der zunehmenden Herausforderungen im Weinbau sein Engagement in der Beratung. So entwickelt sich der Verband mehr und mehr zum „strategischen Partner“ seiner Mitgliedsgenossenschaften. „Eine Winzergenossenschaft hat in ihrer Zukunftsgestaltung immer drei Optionen“, betont Glaser. „Neben Fusionen sind dies Kooperationen sowie die zukunftsorientierte strategische Neuausrichtung in Eigenregie.“ Bei allen drei Prozessen unterstützt der BWGV intensiv. So wollen etwa die Baden-Badener Winzergenossenschaft und die Affentaler Winzergenossenschaft (Landkreis Rastatt) künftig bei der Abfüllung und Lagerhaltung zusammenarbeiten. Eine weitere wichtige Unterstützung, die der Verband seinen Mitgliedern anbietet, stellt ein Qualifizierungskonzept für ehrenamtliche Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder dar. „Nur wer optimal qualifiziert ist, kann seine WG auch in eine gute Zukunft führen. Dabei wollen und werden wir helfen“, verspricht BWGV-Präsident Glaser.

Alde Gott Winzer setzen voll auf Qualität – mit Erfolg

Eine sehr erfolgreiche Winzergenossenschaft, die sich intensiv mit ihrer strategischen Ausrichtung beschäftigt, ist die Alde Gott Winzer eG in Sasbachwalden (Ortenaukreis). Der Gastgeber der Ernte-Pressekonferenz hat eine hervorragende Marke aufgebaut, indem er seine bekannteste Lage „Alde Gott“ schon 1994 in den Namen der Genossenschaft integrierte. Um sich in Zukunft noch prägnanter präsentieren zu können, hat die WG gemeinsam mit Beratern des BWGV ein umfangreiches Strategieentwicklungsprojekt umgesetzt. „Wir wollen unsere Weinqualität weiter verbessern und so die Auszahlungsleistungen für unsere Mitglieder nicht nur halten, sondern steigern“, sagt Alde-Gott-Geschäftsführer Günter Lehmann. „Qualität steht bei uns absolut im Mittelpunkt.“ Entsprechend soll die Steigerung der Durchschnittserlöse nicht durch weitere Preiserhöhungen gelingen, sondern durch den Mehrverkauf hochwertiger Weine – vor allem im Export.

In diesem Herbst rechnet die Alde Gott Winzer eG mit einer sehr guten Ernte. Geschäftsführer Lehmann erwartet auch eine um bis zu 15 Prozent höhere Menge. Dies wären rund 1,8 Millionen Liter. „Qualität vor Quantität heißt jedoch unser oberstes Gebot. Deshalb ist unser Ziel, stets nur physiologisch reife Trauben zu ernten, dafür verzichten wir eher auf Mengen“, verdeutlicht Lehmann. „So könnten wir mit unseren Flächen nach gesetzlichen Vorgaben knapp 2,4 Millionen Liter jährlich ernten, durch unsere eigene strenge Mengenbegrenzung ernten wir jedoch maximal 1,8 bis 1,9 Millionen Liter“, sagt der Geschäftsführer. Mit der ebenfalls in ihrem Haus untergebrachten Alde Gott Edelbrände eG kann die Winzergenossenschaft zudem einen optimalen Kooperationspartner vorweisen. „Dadurch können unser Ressourcen deutlich besser ausgenutzt werden, und gleichzeitig ergänzen sich die Produkte ideal, ohne eine Konkurrenzsituation zu schaffen“, berichtet Lehmann. Beide Genossenschaften zusammen haben 52 Mitarbeiter. Der Umsatz mit Wein liegt bei knapp 9 Millionen Euro, der mit Edelbränden bei 4,3 Millionen Euro (jeweils 2013/2014). Die 1948 gegründete und vielfach ausgezeichnete Alde Gott Winzer eG zählt 380 Mitglieder, die 266 Hektar Rebfläche bewirtschaften. Bedeutendste Sorte ist mit 62 Prozent der Blaue Spätburgunder. Es folgen Riesling mit 14 Prozent, Müller-Thurgau mit 12 Prozent und Grauburgunder mit 8 Prozent.

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