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Weingärtnergenossenschaften in Württemberg erwarten gute Qualität

WGs Württemberg
BWGV

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Die württembergischen Weingärtner können nach dem schönen Sommer mit einer guten Qualität des Jahrgangs 2013 rechnen, müssen bei den Mengen aber Abstriche machen. Die diesjährige genossenschaftliche Erntemenge wird nach ersten Prognosen etwa zehn Prozent unter dem Vorjahr liegen. „Bei der Qualität sieht es jedoch gut aus“, sagt Dr. Roman Glaser, der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), in den Räumen der Lauffener Weingärtner eG (Landkreis Heilbronn). Mehr als 70 Prozent der Rebflächen in Württemberg werden von Genossenschaften bewirtschaftet. Für Glaser ist die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft (eG) gerade auch in der Weinwirtschaft ein „Zukunftsmodell“.

Nach derzeitigen Schätzungen dürfte die Erntemenge der 43 Weingärtnergenossenschaften (WG) in Württemberg dieses Jahr bei etwa 75 Millionen Litern Most liegen. Im Vorjahr haben die württembergischen Weingärtner noch 83,2 Millionen Liter in die Keller gebracht. Gründe für die geringeren Mengen sind unter anderem Verrieselungsschäden durch das schlechte und zu kalte Wetter während der Blütephase und örtliche Trockenschäden. Die landesweite Lese läuft seit Anfang Oktober. Hagelschäden gab es nur in den südlichen Randlagen des viertgrößten deutschen Anbaugebiets um Tübingen, Metzingen, Neuffen und Kleinbottwar. Sorgen bereitet den Wengertern derzeit das regnerische Wetter, das die Dynamik der Ernte deutlich beschleunigt. „Mit der großen Kompetenz unserer Genossenschaften und dem enormen Sachverstand der Wengerter und Kellermeister wird es sicher gelingen, einen guten Weinjahrgang 2013 zu erzielen“, zeigt sich BWGV-Präsident Glaser zuversichtlich.

Absatz steigt, Umsätze sinken leicht

Nach drei kleinen Jahrgängen in Folge (2009 bis 2011) gab es 2012 wieder eine normale Ernte. Somit sind die Weingärtnergenossenschaften bei Weißwein wieder lieferfähig. Der Absatz der württembergischen Weingärtnergenossenschaften erhöhte sich im ersten Halbjahr 2013 dementsprechend leicht um 0,3 Millionen Liter (plus 1,0 Prozent) auf 33,1 Millionen Liter. Die Lagerbestände sind aber nach wie vor gering. Die Umsätze haben sich im ersten Halbjahr 2013 leicht um gut 0,5 Millionen Euro (minus 0,5 Prozent) auf 99,8 Millionen Euro verringert. Erschwert wird die Vermarktung der württembergischen Weine zum einen durch die hohe Konzentration im Lebensmittel-Einzelhandel und mittlerweile auch im Getränkefachhandel, aber auch durch die größer werdende Konkurrenz auf dem inländischen Weinmarkt. Das Gesamtmarktvolumen für Wein in Deutschland geht seit sechs Jahren zurück, zugleich nehmen die Rebflächen außerhalb der EU und damit die Konkurrenz aus dem Ausland zu. Im Kalenderjahr 2012 haben die württembergischen Weingärtnergenossenschaften rund 67,6 Millionen Liter Wein und Sekt im Wert von 214 Millionen Euro abgesetzt. Gegenüber dem Vorjahr wurden rund 6,6 Prozent in der Menge und 2,4 Prozent im Wert weniger vermarktet. Der Absatzrückgang war den niedrigen Ernten 2009, 2010 sowie dem Frostjahrgang 2011 geschuldet.

Weißwein-Absatz in Deutschland legt wieder zu

Auf dem deutschen Weinmarkt gab es wieder Zuwächse beim Weißwein (plus 1,3 Prozent), da durch die normale Ernte 2012 nach dem Frostjahr 2011 wieder mehr deutsche Weißweine zur Verfügung stehen, erläutert Dieter Weidmann, Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG) in Möglingen. „Auch in unserem Hause und bei den Weingärtnergenossenschaften steigt der Weißwein-Anteil wieder, allerdings zeitverzögert und langsamer“, berichtet Weidmann. „Die Endverbraucherpreise für unsere Weißweine liegen um 80 Cent bis zu einem Euro höher als noch vor zwei Jahren“, nennt er unter anderem als Grund für den langsameren Anstieg – aber auch einen späteren Markteinstieg.

Insgesamt legte der Absatz deutscher Weine im ersten Halbjahr 2013 um 6,2 Prozent auf einen Marktanteil von nun 45 Prozent zu (Vorjahreszeitraum: 42 Prozent). „Die Absatzzuwächse haben vor allem im Preiseinstiegssegment stattgefunden, in dem die Württemberger so gut wie gar nicht aktiv sind“, sagt Weidmann. Der Marktanteil württembergischer Weine in Deutschland ist mit rund zehn Prozent konstant geblieben. Beim Kundengeschmack setzen sich die Trends aus dem Vorjahr fort: Individualität, Frische, Frucht und weniger Alkohol. „Entsprechend boomt unsere Serie ‚Süss & fruchtig‘ nach wie vor“, berichtet der WZG-Chef. Von Januar bis September 2013 hat die Zentralgenossenschaft 1,13 Millionen Flaschen dieser Serie abgesetzt, das entspricht einem Zuwachs von 18 Prozent. Mittlerweile kaufen die deutschen Haushalte fast 80 Prozent ihres Weins im Lebensmittel-Einzelhandel – vor allem bei Discountern. Nur noch etwas mehr als ein Fünftel geht direkt beim Erzeuger oder im Fachhandel über die Ladentheke.

Seit Jahren ist die Zahl der Erzeuger in Württemberg rückläufig – von 16.195 im Jahr 2000 auf 11.227 Erzeuger zum Jahresende 2012. Insbesondere kleine Nebenerwerbsbetriebe geben vermehrt auf, während die Zahl der Betriebe über fünf Hektar kontinuierlich zunimmt – von 389 im Jahr 2000 auf 636 zum Jahresende 2012. „Die Veränderungen bei den einzelnen Betrieben wirken sich naturgemäß direkt auf unsere Weingärtnergenossenschaften aus“, berichtet BWGV-Präsident Glaser. In Württemberg gibt es aktuell 43 Weingärtnergenossenschaften, darunter 18 mit eigener Kellerwirtschaft. Vor vier Jahren waren es noch 62 Genossenschaften. Das Fusionstempo hat sich in Württemberg allerdings merklich verlangsamt. Im zurückliegenden Jahr gab es nur eine Fusion: Zum 1. Januar 2013 ist die Weingärtnergenossenschaft Unterheinriet eG (WG ohne Kellerwirtschaft mit Verkauf) mit der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg eG (WG mit eigener Kellerwirtschaft) verschmolzen. Die Weingärtnergenossenschaft Ensingen löst sich auf, ihre Rebflächen gehen im Wesentlichen zur Weingärtner Stromberg-Zabergäu eG, Brackenheim.

BWGV wird „strategischer Partner“ seiner Mitglieder

Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband intensiviert vor dem Hintergrund des steigenden Wettbewerbs und der strukturellen Entwicklungen in der Branche sein Engagement in der Beratung. So entwickelt sich der Verband mehr und mehr zum „strategischen Partner“ seiner Mitgliedsgenossenschaften. „Eine Weingärtnergenossenschaft hat in ihrer Zukunftsgestaltung immer drei Optionen“, betont BWGV-Präsident Glaser. „Neben Fusionen sind dies Kooperationen sowie zukunftsorientierte strategische Neuausrichtungen in Eigenregie.“ Bei allen drei möglichen Prozessen will der BWGV intensiv unterstützen. Ein weiteres wichtiges Instrument, das der Verband seinen Mitgliedern anbietet, ist ein neues Qualifizierungskonzept für ehrenamtliche Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder von Weingärtnergenossenschaften. „Nur wer optimal qualifiziert ist, kann seine WG auch in eine gute Zukunft führen. Dabei wollen und werden wir helfen“, verspricht Glaser.

Glaser: Genossenschaft bleibt ein Zukunftsmodell

Der Anteil der genossenschaftlichen Rebflächen in Württemberg beträgt aktuell knapp 71 Prozent. „Wichtig ist, dass im langfristigen Interesse der Weingärtnerinnen und Weingärtner möglichst viele Rebflächen in genossenschaftlicher Hand gehalten werden können. Wir müssen unsere Rohstoffbasis erhalten“, fordert Glaser. „Dafür wollen wir uns einsetzen und unsere Mitglieder in ihrer Fortentwicklung noch intensiver als bisher unterstützen“, kündigt der Präsident an. Diesem Ziel dient unter anderem das Engagement von Dr. Ansgar Horsthemke als Generalbevollmächtigter und Bereichsleiter Beratung der Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften. Der ausgewiesene Weinbauexperte war zuvor Geschäftsführer der WG Jechtingen-Amoltern in Südbaden und unterstützt gemeinsam mit seinem Team seit Mai 2013 die strategische Weiterentwicklung der baden-württembergischen Weingärtner- und Winzergenossenschaften. „Die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft ist und bleibt ein Zukunftsmodell – ganz besonders im baden-württembergischen Weinbau“, betonen der BWGV-Präsident und Horsthemke einvernehmlich.

Lauffener Weingärtner profitieren von erfolgreicher Fusion

Ein ausgesprochen positives Beispiel für eine Fusion bildet die Lauffener Weingärtner eG, in diesem Jahr Gastgeber der Wein-Pressekonferenz des Genossenschaftsverbands. „Unsere Fusion hat sich als absolut richtiger Schritt herausgestellt. Wir sind wirtschaftlich deutlich vorangekommen“, sagt Ulrich Maile, Vorstandsvorsitzender der Lauffener Weingärtner eG. Diese hatte vergangenen Sommer mit der Weingärtnergenossenschaft Mundelsheim eG fusioniert. „Gemeinsam können wir den Markt nun viel besser bedienen. Die Kunden erhalten jetzt zwei starke Marken von einem Lieferanten“, berichtet WG-Geschäftsführer Uwe Schöttle. Die Mundelsheimer Trauben werden in Mundelsheim ausgebaut und erfasst, die Lauffener in Lauffen. Erst mit der Abfüllung zentral in Lauffen und dann im Vertrieb sind beide Marken zusammengeführt. „Wir haben nie fusioniert, nur um große Ersparnisse zu erreichen, trotzdem ist auch unsere Ertragslage als gut zu bezeichnen“, sagt Schöttle. Sowohl beim Absatz als auch beim Umsatz liegt die WG aktuell um fünf Prozent über dem Vorjahr. 2012 hatten die Weingärtner aus Lauffen einen Umsatz von 22,73 Millionen Euro erwirtschaftet. Insgesamt wurden im Vorjahr 6,9 Millionen Liter Wein verkauft. Die knapp 1.000 traubenanliefernden Mitglieder in Lauffen und Mundelsheim erzeugen im Durchschnitt 7,5 Millionen Kilogramm Trauben pro Jahr.

„Ordentlicher Jahrgang“ im Schwarzriesling-Land

Für den diesjährigen Herbst rechnet Maile mit einem Mengenrückgang um zehn Prozent im Vergleich zur Vorjahresernte. „Vom hohen Mostgewicht sind wir angenehm überrascht“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Bereits am ersten Vorlesetag hat die Hauptsorte Schwarzriesling gute 84 Grad Oechsle gebracht. Bis auf Fäulnis in einigen Rebanlagen präsentieren sich die Lauffener Trauben in einem „erstaunlich guten Zustand“. „Wir rechnen mit einem ordentlichen Jahrgang“, so Maile. Lauffen ist das deutsche Schwarzriesling-Zentrum: Auf fast 400 Hektar wird die Hauptsorte der WG kultiviert. Der Lauffener Katzenbeißer gilt als der bundesweit bekannteste Wein aus Württemberg. Unter besten klimatischen Bedingungen gedeihen die Reben in der sonnenverwöhnten, kesselartigen Lauffener Neckarschlinge überwiegend an steilen Muschelkalkhängen, auf Kies- und Schotterablagerungen. Lauffen und Mundelsheim verfügen zusammen über eine Rebfläche von gut 870 Hektar. Mit mehr als 110 Hektar terrassierten Steillagen ist Lauffen die größte Steillagen-Gemeinde in Württemberg.

 Unser Foto zeigt Ulrich Maile, Vorstandsvorsitzender der Lauffener Weingärtner eG, der die Qualität der Trollinger-Trauben im Anbaugebiet „Im Lauer“ prüft.
Unser Foto zeigt Ulrich Maile, Vorstandsvorsitzender der Lauffener Weingärtner eG, der die Qualität der Trollinger-Trauben im Anbaugebiet „Im Lauer“ prüft.
 Unser Foto zeigt Ulrich Maile, Vorstandsvorsitzender der Lauffener Weingärtner eG, der die Qualität der Trollinger-Trauben im Anbaugebiet „Im Lauer“ prüft.
Unser Foto zeigt Ulrich Maile, Vorstandsvorsitzender der Lauffener Weingärtner eG, der die Qualität der Trollinger-Trauben im Anbaugebiet „Im Lauer“ prüft.
 Für die Trauben „Am Krappenfelsen“, eine Steillage der Lauffener Weingärtner eG an den Hängen des Neckars, kommen noch traditionelle Butten zum Einsatz.
Für die Trauben „Am Krappenfelsen“, eine Steillage der Lauffener Weingärtner eG an den Hängen des Neckars, kommen noch traditionelle Butten zum Einsatz.
 Für die Trauben „Am Krappenfelsen“, eine Steillage der Lauffener Weingärtner eG an den Hängen des Neckars, kommen noch traditionelle Butten zum Einsatz.
Für die Trauben „Am Krappenfelsen“, eine Steillage der Lauffener Weingärtner eG an den Hängen des Neckars, kommen noch traditionelle Butten zum Einsatz.

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