Springe direkt zum Inhalt , zum Menü .

Weingärtner in Württemberg ernten guten Jahrgang und ordentliche Mengen

Matthias Hammer, Vorstandsvorsitzender der Weingärtner Marbach eG, in den Steillagen zwischen Marbach und Benningen.
BWGV

/

Die Weingärtner in Württemberg freuen sich über einen guten Jahrgang 2014 und können auch wieder ordentliche Mengen einbringen. Die diesjährige genossenschaftliche Erntemenge wird nach ersten Prognosen rund 15 Prozent über der des Vorjahres liegen. „Wir freuen uns über die Ernte als Voraussetzung für gute Qualitätsweine und vor allem darüber, dass unsere Weingärtner wieder eine zufriedenstellende Menge einfahren können“, sagt Dr. Roman Glaser, der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), in den Räumen der Weingärtner Marbach eG (Kreis Ludwigsburg). Knapp 70 Prozent der Rebflächen in Württemberg werden von Weingärtnergenossenschaften bewirtschaftet. Für Glaser ist und bleibt die Rechtsform der eingetragenen Genossenschaft (eG) gerade in der Weinwirtschaft ein „Zukunftsmodell“.

Nach derzeitigen Schätzungen dürfte die Erntemenge der 41 Weingärtnergenossenschaften (WG) in Württemberg dieses Jahr bei etwa 75 Millionen Litern liegen. Im Vorjahr haben die württembergischen Weingärtnergenossenschaften nur 65,6 Millionen Liter in die Keller eingebracht. Der Ertrag 2014 liegt somit bei rund 100 Hektoliter je Hektar Rebfläche. Die Qualität der württembergischen Weine des Jahrgangs 2014 verspricht gut zu werden. „Wir können den Kunden wieder interessante Rot- und Weißweine anbieten“, kündigt BWGV-Präsident Glaser an. Vor allem das gute Wetter der vergangenen Woche hat den Trauben gut getan. Die Lese ist bereits weitgehend abgeschlossen. Die Lesedauer war in diesem außerordentlich frühen Herbst so kurz wie kaum jemals zuvor. Innerhalb von nur 20 Tagen wurden 90 Prozent der Trauben gelesen. Dennoch hängen noch Trauben für Premiumweine an den Stöcken. „Für diese besonderen Produkte wünschen wir uns noch schönes und ruhiges Herbstwetter“, sagt Glaser.

Der perfekte Lesezeitpunkt musste gefunden werden

Die gute Nachricht: Die Weingärtner blieben dieses Jahr von größeren Unwettern und auch Hagel oder gar Frost verschont, obwohl an Karfreitag und Anfang Mai die Gefahr für Spätfrostschäden sehr hoch war. Lediglich die intensiven Niederschläge der vergangenen Wochen stellten die Weingärtner vor Herausforderungen. Die Trauben wurden durch das hohe Wasserangebot sehr dünnschalig und neigten dazu, aufzuplatzen. Es galt daher, durch regelmäßige Kontrollen den idealen Lesezeitpunkt zu wählen, um die Trauben einerseits bei bestem Gesundheitszustand und andererseits mit optimaler Reife einzuholen. In den allermeisten Fällen ist dies gelungen. Vor allem die hohe Schlagkraft und Professionalität in den Weingärtnergenossenschaften garantierten die bestmögliche Sicherung der Qualität.

Ein Wermutstropfen war jedoch die Kirschessigfliege: Der aus Südostasien eingewanderte Schädling, der auch Obstbauern zu schaffen macht, schädigt die gesunden Beeren in der letzten Phase vor der Ernte. „Die Kirschessigfliege beschäftigt uns. Wir setzen uns mit diesem neuen Schädling intensiv auseinander“, sagt Ute Bader, Oenologin beim BWGV. Der Genossenschaftsverband informiere die Weingärtnergenossenschaften und stimme sich auch bei diesem Thema intensiv mit den Weinbauverbänden, staatlichen Forschungseinrichtungen, den Regierungspräsidien und dem Landwirtschaftsministerium ab. „Durch besonnenes und zielgerichtetes Vorgehen konnten Schäden und Ertragseinbußen eingedämmt werden. Hierzu zählen vor allem kulturbegleitende Pflege- und Behandlungsmaßnahmen“, verdeutlicht BWGV-Präsident Glaser.

Absatz und Umsätze der Weingärtner legen wieder zu

Trotz der mengenmäßig schwachen Ernten 2012 und 2013 stieg der Absatz der württembergischen Weingärtnergenossenschaften im ersten Halbjahr 2014 wieder leicht um 0,2 Millionen auf 33,3 Millionen Liter Wein und Sekt (plus 0,8 Prozent). Der Umsatz legte im gleichen Zeitraum um 0,6 Millionen Euro auf 100,4 Millionen Euro zu (plus 0,6 Prozent). Der Durchschnittserlös je Liter konnte im ersten Halbjahr 2014 mit 3,01 Euro auf hohem Niveau stabil gehalten werden. „Hier macht sich die gute Qualität bemerkbar, die unsere Mitgliedsgenossenschaften ins Glas bringen“, lobt Glaser. Im Kalenderjahr 2013 haben die württembergischen Weingärtner 69,3 Millionen Liter Wein und Sekt verkauft (plus 1,8 Millionen Liter beziehungsweise 2,7 Prozent). Der Umsatz legte im gleichen Zeitraum um 2,6 Millionen Euro auf 216,8 Millionen Euro zu (plus 1,2 Prozent). Aufgrund der bereits eingelagerten und noch zu erwartenden Mengen ist davon auszugehen, dass im kommenden Jahr alle Sorten wieder durchgängig verfügbar und lieferbar sind.

Württemberg schlägt sich ordentlich in schwierigem Weinmarkt

Der deutsche Weinmarkt gestaltet sich nach wie vor schwierig: In den ersten acht Monaten 2014 lagen der Weinabsatz um 3,5 Prozent und der Weinumsatz um 1,5 Prozent unter den Werten des Vorjahreszeitraums. Hauptursache für diese Entwicklung sind zum einen der Rückgang der Käuferreichweite, das heißt die Anzahl der Weinkonsumenten nimmt weiter ab, sowie zum anderen der Rückgang der Intensität. Dies bedeutet: Pro Haushalt wird weniger Wein gekauft. Vom Mengenrückgang sind Rotweine mit minus 5,3 Prozent stärker betroffen als Weißweine (minus 3,1 Prozent). „Innerhalb dieses Umfeldes können sich Württemberger Weine noch gut behaupten, denn gegen den Trend bleibt die Käuferreichweite für Württemberger Wein stabil und die Intensität steigt sogar noch etwas“, berichtet Dieter Weidmann, Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft eG (WZG). Die steigende Wiederkaufsrate mache zudem deutlich, dass es gelinge, einmal gewonnene Käufer auch bei der Stange zu halten, so Weidmann. Im rückläufigen Gesamtmarkt können Württemberger Weine ihren mengenmäßigen Marktanteil innerhalb der deutschen Anbaugebiete mit zehn Prozent halten, sie verlieren allerdings wertmäßig ein Prozentpunkt Marktanteil von elf auf nunmehr zehn Prozent.

Eine nach wie vor positive Entwicklung verzeichnen Markenweine wie beispielsweise die Rebsortenlinie der WZG (plus 5,5 Prozent), die Serie „Eiserne Hand“ (plus 5,2 Prozent) oder Trendweine wie „Süss & Fruchtig“ (plus 15,3 Prozent). Die WZG in Möglingen rechnet in diesem Jahr mit einer Einlagerungsmenge von 18,6 Millionen Liter. Das wäre eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 Millionen Liter beziehungsweise 23 Prozent. Trotzdem läge die Gesamteinlagerungsmenge damit noch knapp zehn Prozent unter der Referenzmenge von 110 Litern je Ar.

Zahl der Betriebe geht weiter zurück

Auch im Jahr 2013 setzte sich der Strukturwandel im Weinbau unvermindert fort. Seit Jahren ist die Zahl der Betriebe in Württemberg rückläufig – von 16.200 im Jahr 2000 auf 10.780 zum Jahresende 2013. Insbesondere kleine Nebenerwerbsbetriebe geben vermehrt auf, während die Zahl der Betriebe über fünf Hektar kontinuierlich zunimmt – von 389 im Jahr 2000 auf 645 zum Jahresende 2013. In Württemberg arbeiten aktuell 41 Weingärtnergenossenschaften, davon 18 mit eigener Kellerwirtschaft und eigenem Vertrieb. Die genossenschaftlichen Rebflächen in Württemberg haben sich 2013 leicht von 7.539 Hektar auf 7.546 Hektar (plus sieben Hektar beziehungsweise 0,1 Prozent) erhöht. Dies entspricht knapp 70 Prozent der Gesamt-Rebfläche. „Wir wollen die genossenschaftliche Rebfläche möglichst hoch halten. Nur gemeinsam sind die Weingärtner in Württemberg stark und für alle Herausforderungen gewappnet“, sagt Glaser.

Im Jahr 2014 gab es bisher zwei Fusionen: Die Weingärtnergenossenschaft Weiler eG bei Weinsberg hat mit den Winzern vom Weinsberger Tal eG fusioniert. Die Grantschen Weine eG hat sich der Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg eG angeschlossen. Ein Jahr zuvor ist bereits die Weingärtnergenossenschaft Unterheinriet eG mit Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg zusammengegangen.

BWGV ist „strategischer Partner“ seiner Mitglieder

Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband intensiviert vor dem Hintergrund der zunehmenden Herausforderungen im Weinbau sein Engagement in der Beratung. So entwickelt sich der Verband mehr und mehr zum „strategischen Partner“ seiner Mitgliedsgenossenschaften. „Eine Weingärtnergenossenschaft hat in ihrer Zukunftsgestaltung immer drei Optionen“, betont Glaser. „Neben Fusionen sind dies Kooperationen sowie die zukunftsorientierte strategische Neuausrichtung in Eigenregie.“ Bei allen drei Prozessen unterstützt der BWGV intensiv. Eine weitere wichtige Unterstützung, die der Verband seinen Mitgliedern anbietet, stellt ein Qualifizierungskonzept für ehrenamtliche Vorstände und Aufsichtsratsmitglieder dar. „Nur wer optimal qualifiziert ist, kann seine WG auch in eine gute Zukunft führen. Dabei wollen und werden wir helfen“, verspricht BWGV-Präsident Glaser.

Marbacher Weingärtner sind mit dem Herbst zufrieden

„Wir hatten einen guten Herbst mit ordentlichen Qualitäten“, berichtet Matthias Hammer, Vorstandsvorsitzender der Weingärtner Marbach eG. Die Gastgeber-Genossenschaft der diesjährigen Pressekonferenz hat ihre Ernte bereits am Montag abgeschlossen und rund 800.000 Kilogramm Most in die Keller eingebracht. Im Vorjahr waren es ebenfalls 800.000 Kilogramm. Trotz der heftigen Niederschläge Anfang/Mitte September sind die Weingärtner mit der Qualität nicht unzufrieden. „Ein großer Teil der Ernte konnte noch von den schönen letzten Septembertagen profitieren“, berichtet Hammer. „Vor allem auf die späten Sorten wie Trollinger und Lemberger hat sich der vorgezogene ,Goldene Oktober‘ sehr positiv ausgewirkt.“ Mit 85 Prozent dominieren bei den Marbacher Weingärtnern klar die Rotweinsorten – allen voran Trollinger und Lemberger, aber auch Spätburgunder, Schwarzriesling und andere. Beim Weißwein (15 Prozent) reicht die Palette von Riesling über Kerner bis zu Grauburgunder. Eine ganz besondere Spezialität der Marbacher Weingärtner stellen die Schillerweine aus der Lage Marbacher Neckarhälde dar, die durch gemeinsames keltern von roten und weißen Trauben hergestellt werden und so im Glas durch ihre schillernde Farbe glänzen.

Die 1950 gegründete Genossenschaft vereint Weingärtner aus neun traditionsreichen Weinbauorten am Neckar. Die 220 Mitglieder bewirtschaften insgesamt 62 Hektar Rebflächen – rund 18 Hektar davon sind Steillagen. Die Weingärtnergenossenschaft keltert ihre Trauben in Marbach, vinifiziert ihre Weine jedoch bei der Weingärtner-Zentralgenossenschaft in Möglingen. „Dadurch können wir auch als kleine WG an der neuesten Kellertechnik teilhaben und profitieren vom Know-how und der Erfahrung der WZG“, erläutert Hammer die Vorteile dieser Zusammenarbeit. „Trotz der Größe der Kellerei ist die Individualität für unsere Produkte gewährleistet. Die WZG-Fachleute gehen gut auf unsere Wünsche ein“, sagt der 38-Jährige, der als Vorstandsvorsitzender seinem Vater Friedrich Hammer nachgefolgt ist. Der junge Chef setzt auf Qualität und ein optimiertes Marketing. „Wir wollen unser Engagement in Richtung Markenprägung weiter verstärken und spüren, dass das bei den Kunden gut ankommt“, berichtet Hammer. Der Umsatz konnte in den vergangenen fünf Jahren um 33 Prozent auf nun 750.000 Euro gesteigert werden. „Ziel für die kommenden Jahre ist eine moderate und nachhaltige Steigerung des Umsatzes, um den Mitgliedern faire Preise auszahlen zu können“, sagt Hammer. Gelingen soll dies durch mehr Premiumweine, das neue Marken-Design, den weiteren Ausbau der Marke „Edle Weine aus der Schillerstadt“ und eine stärkere lokale Marktdurchdringung durch eine Vielzahl origineller und gut besuchter Veranstaltungen in der Region.

Marbacher „Wein Lese Tage“ ein großer Erfolg

Das neueste Event, das gemeinsam mit der Tourismusgemeinschaft Marbach-Bottwartal ausgerichtet wird, sind die Marbacher „Wein Lese Tage“, die Weingenuss mit Lesegenuss verbinden. Bei der ersten Veranstaltung waren 600 Wein- und Literaturfreunde zu Gast. Die nächsten „Wein Lese Tage“, die in diesem Jahr mit dem Weintourismus-Preis Baden-Württemberg ausgezeichnet worden sind, finden am 31. Januar und 1. Februar 2015 statt.

Artikel versenden