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Volksbanken Raiffeisenbanken wachsen weiter und gewinnen 74.000 neue Mitglieder

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Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg bleiben auf Wachstumskurs – und überzeugen zugleich immer mehr Menschen von einer Mitgliedschaft. Allein im abgelaufenen Jahr hat die Zahl der Mitglieder der Genossenschaftsbanken im Südwesten um 74.000 auf fast 3,5 Millionen zugelegt. Damit liegt der Zuwachs sogar noch über dem schon sehr guten Vorjahr (plus 68.500). „Diese Zahlen und auch unsere Zuwächse in allen relevanten Geschäftsfeldern zeigen das enorme Vertrauen, das die Menschen und Unternehmen unserem Geschäftsmodell entgegenbringen“, betont Präsident Dr. Roman Glaser auf der Jahrespressekonferenz des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV) im Stuttgarter GENO-Haus. Sowohl Kundeneinlagen als auch Kundenkredite legten im Jahr 2012 spürbar zu. Die 226 Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg betreuen ein Kundenvolumen im Wert von insgesamt 257,4 Milliarden Euro (plus 5,4 Prozent).

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Die Genossenschaftsbanken im Südwesten haben 2012 mit einem Plus von 3,4 Milliarden Euro mehr Kredite zur Verfügung gestellt als noch im Vorjahr. Dadurch kletterten die Kundenforderungen um stolze 4,7 Prozent auf 75,2 Milliarden Euro. Das Wachstum geht gleichermaßen auf private Kredite – vor allem für den Hausbau – sowie auf Kredite für die mittelständische Wirtschaft zurück. Insgesamt legte das Kundenkreditvolumen um 4,2 Prozent auf 80,5 Milliarden Euro zu. „Die Genossenschaftsbanken im Südwesten sind damit erneut konjunkturstützend ihrer realwirtschaftlichen Verantwortung gerecht geworden“, unterstreicht BWGV-Präsident Glaser.

Kundeneinlagen legen weiter zu

Auch die Kundeneinlagen sind mit einem Plus von 2,6 Prozent auf 98,8 Milliarden Euro merklich angestiegen. Während es bei den Termineinlagen (minus 17,7 Prozent auf 12,9 Milliarden Euro) und Schuldverschreibungen (minus 20,2 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro) marktbedingt deutliche Rückgänge gab, legten die täglich fälligen Kundeneinlagen (plus 12,6 Prozent auf 48,5 Milliarden Euro) stark zu. Leichte Zuwächse waren zudem bei den Spareinlagen (plus 1,2 Prozent auf 35,2 Milliarden Euro) zu verzeichnen. Das außerbilanzielle Kundenanlagevolumen stieg um 12,1 Prozent auf 68,3 Milliarden Euro. Diese Entwicklung war vor allem durch die positive Entwicklung an den Börsen getrieben, aber auch durch den erhöhten Bestand an Bauspareinlagen.

Ertragslage ist nach wie vor zufriedenstellend

Die Ertragslage der Volksbanken und Raiffeisenbanken war auch 2012 zufriedenstellend. Das Betriebsergebnis vor Risiko verringerte sich um 5,4 Prozent auf 1,24 Milliarden Euro. Dahinter standen ein stabiler Zinsüberschuss von 2,86 Milliarden Euro sowie ein um 0,8 Prozent gesunkener Provisionsüberschuss von 883 Millionen Euro. Die Verwaltungskosten stiegen um 2,8 Prozent auf 2,54 Milliarden Euro. Durch die nach wie vor vergleichsweise geringe Risikovorsorge konnte das Betriebsergebnis nach Risiko um 10,3 Prozent auf 926 Millionen Euro gesteigert werden. Als Jahresüberschuss nach Steuern erwarten die baden-württembergischen Genossenschaftsbanken 559 Millionen Euro, ein deutliches Plus um 28 Prozent. „Unsere Banken schaffen in erheblichem Maße regionale Wertschöpfung“, kommentiert der BWGV-Präsident diese Entwicklung.

Dauerhaft niedrige Zinsen trüben den Zukunftsausblick

Glaser weist allerdings auch darauf hin, dass es vor dem Hintergrund der volkswirtschaftlich langfristig schädlichen, andauernden Niedrigzinsphase in Europa für die Kreditinstitute künftig schwerer werden dürfte, gute Erträge zu erwirtschaften. „Die Zinsüberschüsse werden sich bei sämtlichen Banken verringern“, prognostiziert Glaser. Der BWGV-Präsident geht davon aus, dass der niedrige Zinssatz wegen der europäischen Staatsschuldenkrise politisch gewollt ist und deshalb auch noch längere Zeit andauern wird. Darunter hätten neben den Banken auch die Bankkunden zu leiden. Das Thema gute und vertrauensvolle Beratung gewinne in diesen Zeiten für die Kunden noch mehr an Bedeutung – ein deutliches Plus für die Volksbanken und Raiffeisenbanken, die traditionell sehr nahe an den Menschen sind.

Glaser: „Ungleiches auch ungleich behandeln“

Bei den wichtigen Themen Bankenregulierung und strengere Eigenkapitalvorschriften nach Basel III kämpfen die Genossenschaftsbanken und der BWGV weiterhin dafür, dass mittelständisch geprägte, regional verwurzelte Kreditinstitute nicht in einen Topf mit den international tätigen Finanzkonzernen geworfen werden. „Ungleiches muss auch ungleich behandelt werden“, betont Glaser im Stuttgarter GENO-Haus. So sei die Position des Europäischen Parlaments zu Basel III völlig richtig. Diese sieht eine nachhaltige Entlastung bei der Kapitalunterlegung für Mittelstandskredite vor. Denn die rund 400.000 kleinen und mittelgroßen Unternehmen werden vor allem von den Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie den Sparkassen mit Krediten versorgt. Wenn Basel III in der ursprünglich geplanten Form kommen sollte, würde sich die Mittelstandsfinanzierung deutlich verteuern.

Auch bei den künftigen Liquiditätsanforderungen unter Basel III seien Nachbesserungen dringend erforderlich. Eine einseitige Privilegierung von Staatsanleihen in der „Liquidity Coverage Ratio“ (LCR, Mindestliquiditätsquote) führe zu Fehlsteuerungsimpulsen. Vielmehr komme es vor allem darauf an, die verbundinterne Liquidität bei der Ausgestaltung der Vorschriften zu berücksichtigen. Gerade die Liquiditätsverbünde der Genossenschaftsbanken und auch der Sparkassen haben sich in der Finanzkrise als äußerst stabil erwiesen.

Wie schon in den Vorjahren haben die Volksbanken und Raiffeisenbanken auch 2012 ihre Kernkapitalquote weiter erhöht. Sie liegt nun im Durchschnitt bei 10,57 Prozent (plus 2,0 Prozent), betont Glaser. In absoluten Zahlen haben die genossenschaftlichen Banken ihr Kernkapital um 7,7 Prozent auf 8,8 Milliarden Euro erhöht, das haftende Eigenkapital um 6,3 Prozent auf 11,9 Milliarden Euro. „Die Genossenschaftsbanken in Baden-Württemberg sind solide und zukunftsfest aufgestellt“, betont der BWGV-Präsident.

Erfreulich: Zahl der Mitarbeiter legt leicht zu

Die Bilanzsumme der 226 (Vorjahr: 230) Banken erhöhte sich um 2,4 Prozent auf 133 Milliarden Euro. Die Zahl der Bankstellen (inklusive SB-Stellen) ist mit knapp 3100 nahezu gleich geblieben. Und noch eine erfreuliche Nachricht: Entgegen dem Branchentrend hat sich die Zahl der Mitarbeiter bei den Genossenschaftsbanken in Baden-Württemberg leicht um 25 auf 24.184 (umgerechnet auf Vollzeitstellen) erhöht. „Eine stolze Leistung unserer Genossenschaften – vor allem wenn man sieht, wie stark die Privatbanken Stellen abbauen“, sagt BWGV-Präsident Glaser.

Jeder dritte Baden-Württemberger ist Mitglied einer Genossenschaft

Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband repräsentiert 226 Volksbanken und Raiffeisenbanken mit einem Geschäftsvolumen von 133 Milliarden Euro sowie 666 Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften mit einem Umsatz von rund neun Milliarden Euro. Diese Genossenschaften werden von 3,65 Millionen Menschen, also mehr als jedem dritten Einwohner Baden-Württembergs, als Einzelmitglieder getragen. Die aktuell 892 Genossenschaften beschäftigen mehr als 34.000 Mitarbeiter. Der BWGV, der seinen Sitz in Karlsruhe und Stuttgart hat, prüft die Genossenschaften, berät sie in allen rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen, organisiert die Aus-, Fort-, und Weiterbildung seiner Mitgliedsunternehmen und vertritt deren Interessen in Politik und Öffentlichkeit. Der Verband zählt zu den bedeutendsten Wirtschaftsorganisationen in Baden-Württemberg.

Bundesweit sind mehr als 20 Millionen Menschen Mitglieder in insgesamt 7.500 Genossenschaften, gut 17 Millionen davon in den mehr als 1100 Volksbanken und Raiffeisenbanken. Mehr als 800.000 Beschäftigte und rund 35.000 Auszubildende arbeiten in Deutschland für genossenschaftliche Unternehmen.

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