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Schon 120 Gründungen: Genossenschaften werden immer wichtiger für die Energiewende

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BWGV

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Freiburg. In Baden-Württemberg gibt es mittlerweile mehr als 120 Energiegenossenschaften – und es werden immer mehr. „Unsere seit 160 Jahren bewährte Unternehmensform ist geradezu ideal, um die Energiewende zu meistern“, sagt Dr. Roman Glaser, der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), beim Energietag in Freiburg. Die eingetragene Genossenschaft (eG) ermöglicht Bürgerbeteiligung bei dem Jahrhundertprojekt und erhöht somit die Akzeptanz der Vorhaben vor Ort – etwa beim Bau von Windkraftanlagen, verdeutlicht Glaser. Zudem können die Menschen als Mitglieder von Genossenschaften auch finanziell profitieren. „Allerdings muss stets auf die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Projekte geachtet werden“, betont der BWGV-Präsident. Für den baden-württembergischen Umweltminister Franz Untersteller sind Genossenschaften „ein wichtiger Pfeiler beim Ausbau der erneuerbaren Energien“.

Der Energiemarkt ist im Umbruch – ganz besonders in Baden-Württemberg, wo Minister Untersteller bis zum Jahr 2020 rund 1000 neue Windräder als Zielmarke ausgegeben hat. Dank der genossenschaftlichen Rechtsform können die Bürger kräftig bei der Energiewende mitmischen. Aktuell gibt es vor allem neue Projekte in den Bereichen Nahwärmenetze und Windkraft. „Wir freuen uns über jede genossenschaftliche Initiative im Land und unterstützen diese umfassend“, sagt BWGV-Präsident Glaser bei der Veranstaltung unter dem Titel „Die Energiewende gemeinsam gestalten – Bürgerbeteiligung am Beispiel der Windenergie“. Die Rechtsform der eG ist gerade für regionale Lösungen ideal, da sie die Bürger vor Ort in die Entscheidungsfindung mit einbezieht. Viele Menschen schätzen das, was zu einem wahren Boom an Bürger-Energiegenossenschaften geführt hat. Von den aktuell gut 120 eGs sind etwa 110 in den vergangenen vier Jahren entstanden. 2012 wurden 24 Energiegenossenschaften gegründet, im Jahr davor waren es sogar 38. Und allein in den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres sind bereits sieben neue Energiegenossenschaften hinzugekommen.

Dr. Glaser: „Unsere seit 160 Jahren bewährte Unternehmensform ist geradezu ideal, um die Energiewende zu meistern.“
Dr. Glaser: „Unsere seit 160 Jahren bewährte Unternehmensform ist geradezu ideal, um die Energiewende zu meistern.“
Umweltminister Untersteller: „Für mich sind genossenschaftliche Strukturen ein wichtiger Pfeiler beim Ausbau der erneuerbaren Energien.“
Umweltminister Untersteller: „Für mich sind genossenschaftliche Strukturen ein wichtiger Pfeiler beim Ausbau der erneuerbaren Energien.
Energietag im Historischen Kaufhaus, Freiburg: Foto in Druckqualität in der Downloadbox
Energietag im Historischen Kaufhaus, Freiburg: Foto in Druckqualität in der Downloadbox.

Untersteller: „Die Energiewende ist ein Bürgerprojekt“

„Für mich sind genossenschaftliche Strukturen ein wichtiger Pfeiler beim Ausbau der erneuerbaren Energien“, sagt Umweltminister Untersteller. „Energiewende zum Anfassen könnte man dazu fast sagen. In Genossenschaften investieren und profitieren Bürgerinnen und Bürger von der Energiewende, sie beteiligen sich persönlich und machen das Mega-Projekt zu einem Bürgerprojekt“, so der grüne Politiker. „Wir diskutieren Energiewende derzeit zu meinem größten Bedauern vor allem unter dem Gesichtspunkt der Kosten“, kritisiert Untersteller aber auch. „Dass die Energiewende Chancen bedeutet, kommt in der aktuellen Diskussion leider zu kurz. Chancen für den Klimaschutz, Chancen für den Wirtschaftsstandort und die Unternehmen und sogar ganz unmittelbar Chancen für Bürgerinnen und Bürger.“ Entscheidend ist laut BWGV-Präsident Glaser, dass die Projekte zur Erzeugung erneuerbarer Energien sorgfältig geplant und mit wirtschaftlichem Sachverstand umgesetzt werden. „Idealismus reicht nicht aus“, betont er. „Beim Thema Energiewende müssen Ökonomie, Ökologie und soziale Belange Berücksichtigung finden.“ Nur so sei nachhaltiger Erfolg gewährleistet.

Genossenschaftsverband als strategischer Partner

Aus diesem Grund unterstützt der BWGV die neuen Energiegenossenschaften als strategischer Partner. Der Verband verstärkt seine Beratung, um Neugründungen und bereits bestehende Genossenschaften intensiv und langfristig begleiten zu können. „Unsere jahrzehntelange Erfahrung in der Beratung und Prüfung genossenschaftlicher Unternehmen aller Branchen kommt den noch jungen Energiegenossenschaften zugute“, verdeutlicht Glaser. Der Verband stellt Bürgern, Unternehmen und Kommunen umfangreiches Informationsmaterial zur Verfügung. Darüber hinaus hat der BWGV einen neuen Fachausschuss „Energiegenossenschaften“ ins Leben gerufen, um einen intensiven Erfahrungsaustauch zu ermöglichen. Zudem wird ab April ein eigener Berater für Energiegenossenschaften die neuen Mitglieder bei ihrer strategischen Weiterentwicklung begleiten. Denn diese müssen langfristig tragfähige Geschäftsmodelle finden, die nicht allein auf Photovoltaik basieren. Stichworte dabei sind: Windkraft, Biomasse, Nahwärmenetze, Energieeffizienz und auch Dienstleistungen rund um erneuerbare Energien.

Die Rechtsform der eG taugt aber nicht für jedes Geschäftsmodell, stellt BWGV-Präsident Glaser ebenfalls klar: „Eine eG kann ihrer Natur nach keine reine Kapitalsammeleinrichtung – etwa für Offshore-Windparks außerhalb der Region – sein.“  Aufgabe einer Genossenschaft sei es, durch einen gemeinschaftlichen Geschäftsbetrieb Vorteile für ihre Mitglieder zu schaffen. Die Mitbestimmung der Mitglieder muss ebenso gewahrt bleiben wie der regionale Charakter der Projekte. „Genossenschaften als Rechtsform für Kooperationen sind in den schon bestehenden Energiegenossenschaften bereits hundertfach erprobt“, betont BWGV-Experte Dr. Michael Roth, der gerade im Bereich Windkraft ein großes Wachstumspotenzial sieht.

Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband hat aktuell 900 Mitgliedsunternehmen mit 3,65 Millionen Mitgliedern. Damit ist jeder dritte Baden-Württemberger Mitglied einer Genossenschaft. An den mehr als 120 Energiegenossenschaften sind über 15.000 Mitglieder beteiligt – Tendenz steigend. Deutschlandweit existieren gut 600 Energiegenossenschaften.

Vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Debatte zur Energiewende haben die Genossenschaftsverbände in Deutschland nun ein gemeinsames Positionspapier verfasst. Sie finden das Dokument hier.


Ihr Ansprechpartner beim Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft:
Ralf Heineken, Leiter Pressestelle und Öffentlichkeitsarbeit
Kernerplatz 9, 70182 Stuttgart
Fon 0711 126-2780
E-Mail: Ralf.Heineken@um.bwl.de - www.um.baden-wuerttemberg.de




 

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