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"Ich sehe großes Potenzial für Genossenschaften"

Mikrofon: Zitate von Vertretern aus Politik und Wirtschaft zu Genossenschaften
Cornelia Menichelli/pixelio.de

Dr. Walter Rogg

Dr. Walter Rogg
Dr. Walter Rogg, Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS).

Geschäftsführer Wirtschaftsförderung Region Stuttgart GmbH (WRS).

„Genossenschaftsbanken und –versicherungen erwecken Vertrauen, weil sie auf langfristigen und soliden Erfolg anstatt auf den schnellen Euro setzen. Die genossenschaftliche Idee ,Was einer nicht schafft, schaffen viele gemeinsam‘ wird in kleineren Orten bei der Nahversorgung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs vorbildlich umgesetzt. Besondere Entwicklungsmöglichkeiten sehe ich derzeit neben der nachhaltigen Energieerzeugung auch bei Seniorengenossenschaften und bei Wohnmodellen wie dem Mehrgenerationenwohnen.“

Rainer Reichhold

Rainer Reichhold, Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart.
Rainer Reichhold, Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart.

Präsident der Handwerkskammer Region Stuttgart.

„Genossenschaften sind im Handwerk gut etabliert, zum Beispiel als Einkaufsgenossenschaften, vereinzelt auch als Vertriebsgenossenschaften. Wir stellen im Handwerk einen Trend zu Kooperationen und ,Leistungen aus einer Hand‘ fest. In der Gemeinschaft können Aufträge und Herausforderungen gemeistert werden, die für ein einzelnes Unternehmen zu groß oder zu komplex wären. Genossenschaften bieten sich hier vermehrt an, zum Beispiel für ein Abbund-Zentrum oder die Anschaffung kapitalintensiver CNC-Maschinen. Denkbar ist aber auch der gemeinsame Betrieb von Anlagen zur Entsorgung oder für die Energieerzeugung. Die Rechtsform der Genossenschaft könnte häufiger eingesetzt werden, wenn die Vorteile bekannter wären. Wer kooperieren will, muss unterschiedliche Rechtsformen und Gestaltungsmöglichkeiten in Betracht ziehen.“

Ralph Schlusche

Ralph Schlusche, Verbandsdirektor Verband Region Rhein-Neckar.
Ralph Schlusche, Verbandsdirektor Verband Region Rhein-Neckar.

Verbandsdirektor Verband Region Rhein-Neckar.

„Wir haben als Metropolregion Rhein-Neckar in der jüngeren Vergangenheit die Erfahrung gemacht, dass mit dem Genossenschaftsmodell sehr vieles möglich ist. Gerade im Bereich Energie haben wir einige Genossenschaften, die eine breite Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ermöglichen. Dadurch konnten die Bürgerinnen und Bürger sehr konkret in die Förderung erneuerbarer Energien eingebunden werden. Wir haben auch eine FamilienGenossenschaft Rhein-Neckar gegründet. Auch hier erweist sich das Genossenschaftsmodell als sehr tragfähig. Die Leistungen bei der Kinder- und Seniorenbetreuung können auf diese Weise zuverlässig zur Verfügung gestellt werden und die Leistungsanbieter können auf selbstständiger Basis arbeiten.

Auch im Bereich der Nahversorgung haben Städte und Gemeinden schon mit Dorfläden, die nach dem Genossenschaftsmodell organisiert sind, wichtige Versorgungslücken schließen können. Die Prüfung genossenschaftlichen Engagements wünsche ich mir nun vermehrt auch im Bereich der medizinischen Versorgung. Gerade vor dem Hintergrund des Ärztemangels im ländlichen Raum sehe ich hier noch große Potenziale. Grenzen hat das Genossenschaftsmodell sicher dann, wenn ausschließlich wirtschaftliche Motive im Vordergrund des Handelns stehen. Das Prinzip ,ein Sitz gleich eine Stimme‘ steht dem Zustandekommen einer Genossenschaft in solchen Fällen dann oft im Weg. Das kann auch dann der Fall sein, wenn die Finanzkraft der Partner sehr unterschiedlich ist.“

Joachim Walter

Joachim Walter, Präsident des Landkreistags Baden-Württemberg und Landrat des Landkreises Tübingen
Joachim Walter, Präsident des Landkreistags Baden-Württemberg und Landrat des Landkreises Tübingen

Präsident des Landkreistags Baden-Württemberg und Landrat des Landkreises Tübingen

„Ganz aktuell erleben wir in Kreisstädten und Gemeinden die Gründung von Genossenschaftsläden, nachdem der letzte gewerbliche Anbieter geschlossen hat. Viele überzeugte Bürgerinnen und Bürger haben sich der Idee angeschlossen, die innerörtliche Nahversorgung zu einem guten Teil selbst in die Hand zu nehmen. Das zeigt, dass die Grundidee der Genossenschaft, gemeinsam ein Ziel zu erreichen und Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, vor allem dann erfolgversprechend ist, wenn es um ganz konkrete Grundbedürfnisse geht. Ich könnte mir vorstellen, dass die Gründung von Genossenschaften beim Bau und Betrieb von Breitbandnetzen sinnvoll sein könnte. Telekommunikationsunternehmen verlegen die Glasfaserkabel aus wirtschaftlichen Gründen nur dorthin, wo es sich für sie auch lohnt. Somit fallen laufend weite Teile des ländlichen Raums Gefahr, durchs Raster zu fallen. Hier sehe ich großes Potenzial für genossenschaftliches Engagement. Insgesamt bin ich davon überzeugt, dass Genossenschaften für die Landkreise in Zukunft noch größere Bedeutung in der Nahversorgung und im Bereich der Infrastruktur einnehmen werden.“

Prof. Paul Witt

Prof. Paul Witt, Rektor der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl.
Prof. Paul Witt, Rektor der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl.

Rektor der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl.

„Ich habe durchweg positive Erfahrungen mit Genossenschaften in meiner Raumschaft gemacht. Allerdings kenne ich nur wenige, zum Beispiel die Volksbanken und Raiffeisenbanken und einige Winzergenossenschaften hier in der Ortenau. Im Bereich des preisgünstigen Wohnungsbaus, bei Mehrgenerationenhäusern und bei Seniorenheimen könnte ich mir verstärkt genossenschaftliches Engagement vorstellen. Außerdem bei der Gestaltung von Dorfläden beziehungsweise Dorfgaststätten als Treffpunkt für Menschen aus kleineren Dörfern. Diese bieten die Möglichkeit, soziale Kontakte zu knüpfen und Kommunikation zu pflegen. Auch im sozialen Bereich und in der Pflege wäre genossenschaftliches Engagement denkbar. Grundsätzlich kann man sich die genossenschaftliche Rechtsform überall vorstellen. Wo sie möglicherweise nicht zielführend ist, ist bei den inhabergeführten Unternehmen und Firmen.“

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