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Genossenschaftliche Nahwärme als Zukunftsmodell – schon 16 Gründungen

Heizzentrale Rombach
BWGV

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Immer mehr Bürgerinnen und Bürger im Südwesten nehmen die Wärmeversorgung ihrer Häuser und Wohnungen in die eigenen Hände: In den vergangenen vier Jahren sind unter dem Dach des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV) 16 Nahwärme-Genossenschaften gegründet worden – Tendenz steigend. „Die Versorgung der Einwohner mit genossenschaftlicher Nahwärme ist ein Zukunftsmodell“, betont BWGV-Präsident Dr. Roman Glaser und bringt die wichtigsten Vorteile auf den Punkt: „Der Grundgedanke einer umweltschonenden und nachhaltig produzierten Wärme zu bezahlbaren Preisen gewinnt immer mehr an Bedeutung.“

Ein weiterer Grund für die große Nachfrage nach Nahwärmeversorgung sieht Glaser insbesondere in der regionalen Alternative zum Rohstoff Erdöl. Hohe Heizölkosten sowie fehlende Alternativen vor Ort erkennt der Genossenschaftsverband als Ausgangspunkt für die steigende Nachfrage nach der preisgünstigen und ökologischen Alternative. „Insbesondere in Orten, in denen die Menschen durch fehlende Gasversorgung keine Alternative zur Öl-Heizung haben, kommt der Nahwärme eine besondere Bedeutung zu“, betont der BWGV-Präsident anlässlich der ersten gemeinsamen Tagung aller baden-württembergischen Nahwärme-Genossenschaften am Freitag in Sankt Peter (Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald).

Rund 2.400 Mitglieder zählen die Nahwärme-Genossenschaften im Land, und fast alle nutzen auch als Kunden die Wärme aus regenerativen Rohstoffen. Über Rohrleitungen wird die Wärme, die von lokalen Holzschnitzel- und Biomasseanlagen oder Blockheizkraftwerken erzeugt wird, unterirdisch über kilometerlange Trassen durch die jeweiligen Gemeinden transportiert und dort in die Häuser eingeleitet. Mehr als 50 Millionen Euro wurden bisher von den Nahwärme-Genossenschaften investiert und rund 70 Kilometer an Wärmeleitungen verlegt. „Den Genossenschaften gelingt es, bis zu 80 Prozent der Häuser vor Ort an das Nahwärmenetz anzuschließen“, stellt Glaser fest, der noch eine weitere beeindruckende Zahl bereithält: Durch die umweltfreundliche und nachhaltige Nutzung von Holz, Biomasse oder auch durch Blockheizkraftwerke werden in Baden-Württemberg jährlich mehr als 30.000 Tonnen Kohlendioxid eingespart.

Bei der Tagung in Sankt Peter, zu der unter Mitwirkung des Umweltministeriums Baden-Württemberg der BWGV sowie die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz (LUBW) eingeladen hatten, wurden die bisherigen Ergebnisse sowie der große Zuspruch aus der Bevölkerung diskutiert. In einer Vor-Ort-Begehung im Nachbarort Sankt Märgen konnten sich die Tagungsteilnehmer selbst von den Fortschritten beim Ausbau des Nahwärmenetzes überzeugen: Dort werden gerade neue Rohrleitungen für das Nahwärmenetz verlegt.

„Unsere von der Bürgerschaft getragenen, dezentralen Energiegenossenschaften, zu denen die Nahwärme-Genossenschaften gehören, leben die Energiewende vor“, stellt Glaser heraus. An den aktuell schon mehr als 130 Energiegenossenschaften im Land sind gut 25.000 Mitglieder beteiligt. Baden-Württemberg ist das Flächenland mit der größten Dichte an Energiegenossenschaften. Den Großteil bilden Photovoltaik-Genossenschaften. „Mehr als zehn Prozent unserer Energiegenossenschaften liefern Nahwärme“, freut sich Glaser, der davon überzeugt ist, dass dieser Wert in den kommenden Jahren weiter steigen wird: „In diesen auf die Beseitigung lokaler Defizite ausgerichteten Genossenschaften zeigt sich das genossenschaftliche Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe besonders deutlich.“

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