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Weinlese in Württemberg: Sehr gute Erträge und hervorragende Qualitäten

Rainer Lang, Vorstandsvorsitzender der WG Stromberg-Zabergäu eG misst die Oechslegrade der Trauben mit dem Refraktometer
Weingärtner Stromberg-Zabergäu eG

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Hervorragender Herbst 2018 in Württemberg: Sowohl die Mengen als auch die Qualitäten sorgen für zufriedene Gesichter bei den Weingärtnern. Die diesjährige genossenschaftliche Lesemenge liegt etwa 15 Prozent über der üblichen Normalernte. „Auf die 2018er-Weine dürfen wir uns freuen. Die Qualitäten und auch die Mengen sind außerordentlich gut – trotz der extremen Trockenheit den gesamten Sommer hindurch“, sagt Dr. Roman Glaser, der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), zum Finale der Lese 2018 in den Räumen der Weingärtner Stromberg-Zabergäu eG in Brackenheim (Landkreis Heilbronn). Fast 70 Prozent der Rebflächen in Württemberg werden genossenschaftlich erfasst.

Die Erntemenge der 41 Weingärtnergenossenschaften (WG) in Württemberg liegt dieses Jahr bei rund 86 Millionen Litern. Im schwachen Vorjahr hatten die württembergischen Weingärtnergenossenschaften nur 59,6 Millionen Liter in die Keller eingebracht. Der Ertrag 2018 liegt bei etwa 115 Hektoliter je Hektar Rebfläche (2017: 79,8) – allerdings gibt es regionale Unterschiede und örtliche Einbußen durch die lange Trockenheit, vor allem bei Junganlagen. Die durchschnittlichen Mostgewichte bei den Hauptsorten liegen in Württemberg wie folgt: Riesling 86 Grad Oechsle, Schwarzriesling 93 Grad, Spätburgunder 96 Grad, Trollinger 78 Grad und Lemberger 93 Grad. Die Hauptlese befindet sich bereits auf der Zielgeraden.

Sehr frühe Lese nach außergewöhnlichem Hitzesommer

Die Lese in Württemberg hat in diesem Jahr rekordverdächtig früh begonnen – etwa drei Wochen früher als üblich und bei sehr warmen Temperaturen. Bereits Ende August/Anfang September wurden erste Frühsorten gelesen, Anfang Oktober wird die Lese zum größten Teil abgeschlossen sein. Das Vegetationsjahr erwies sich als außergewöhnlich: Nach frostigen Temperaturen im Februar und März hat der Austrieb der Reben zu einem normalen Zeitpunkt Ende April begonnen. Praktisch von April bis in den Herbst hinein herrschten dann hochsommerliche Temperaturen bei extremer Trockenheit. Bereits die Blüte lag etwa zwei Wochen vor dem langjährigen Durchschnitt und verlief optimal. Die enorm vielen Sonnenstunden taten ihr Übriges für eine sehr gute Qualität. „Die Trauben befinden sich in einem hervorragenden Gesundheitszustand“, berichtet Ute Bader, Fachberaterin Wein und stellvertretende Bereichsleiterin Beratung Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften beim BWGV. „Die Reben haben die Trockenheit in den Sommermonaten in vielen Fällen gut gemeistert und blieben ausreichend vital“, so Bader weiter. Lediglich Junganlagen, die noch nicht in tiefen Bodenschichten wurzeln, zeigen Trockenschäden. In vielen Regionen wurde die Wasserversorgung der Reben mittels Tröpfchenbewässerung unterstützt. Investitionen der Weingärtner haben sich diesbezüglich in 2018 gelohnt. Die Expertin rechnet mit einem sehr guten Jahrgang in Württemberg. „Die Qualitäten sind außergewöhnlich gut, ebenso die Mengen“, berichtet Bader. „Wir können vor allem einen hervorragenden Rotweinjahrgang erwarten.“ Örtlich kam es zu vereinzelten Hagelereignissen, die lokal zum Teil sehr große Schäden verursachten, beispielsweise im Gebiet Heuchelberg.

Der Absatz der württembergischen Weingärtnergenossenschaften mit eigener Kellerwirtschaft und eigenem Vertrieb ist im ersten Halbjahr 2018 um 1,5 Millionen auf 35 Millionen Liter Wein und Sekt gestiegen (plus 4,5 Prozent). Der Umsatz legte im gleichen Zeitraum um 2,6 Millionen Euro auf 100,8 Millionen Euro (plus 2,7 Prozent) zu. Im Jahr 2017 haben die Weingärtnergenossenschaften 69,3 Millionen Liter Wein und Sekt verkauft (plus 0,1 Millionen Liter beziehungsweise 0,2 Prozent). Der Umsatz verringerte sich derweil um 3,2 Millionen Euro (1,5 Prozent) auf 214,8 Millionen Euro.

Weinmarkt weiter unter Druck – positiver Trend bei Weißwein

Der Weinmarkt in Deutschland bleibt nach wie vor unter Druck: Die Ausgaben der deutschen Haushalte für alkoholische Getränke sind zwar  im ersten Halbjahr 2018 aufgrund der witterungsbedingten positiven Entwicklung bei Bier und Biermischgetränken erstmals wieder leicht gestiegen, der Anteil der Ausgaben für Wein und Sekt ist jedoch nach wie vor rückläufig. „Die Ursachen für diese Entwicklung liegen in einem deutlich kritischeren Umgang der Menschen mit Alkohol und in der Folge in einem schleichenden Rückgang der Käuferreichweite, der Intensität sowie der Einkaufshäufigkeit“, berichtet Dieter Weidmann, Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft eG (WZG).

Im ersten Halbjahr lag der Weineinkauf der privaten Haushalte mengenmäßig 3,2 Prozent unter dem Wert des Vorjahres, bei allerdings stabiler Wertentwicklung. Vom Mengenrückgang sind diesmal vor allem Rotweine mit minus 7,9 Prozent (Wert: minus 6,5 Prozent) am stärksten betroffen. Weißweine konnten dagegen bei den Mengen um 0,3 Prozent (Wert: plus 7,7 Prozent) zulegen. Auch deutsche Weine bleiben von der negativen Gesamtentwicklung nicht verschont und verlieren mengenmäßig 4,8 Prozent ( Wert: plus 2,1 Prozent). Württemberger Weine können zwar gegen den Markttrend bei der Intensität leicht zulegen, verlieren jedoch im Gegenzug bei der Käuferreichweite, so dass der Marktanteil mengenmäßig um einen Prozentpunkt steigt und wertmäßig stabil bleibt. Unter den deutschen Anbaugebieten liegt der Marktanteil Württembergs nach Menge und Wert nunmehr bei elf Prozent. Die WZG in Möglingen rechnet in diesem Jahr mit einer Einlagerungsmenge von 23,5 bis 24 Millionen Litern. Dies wären rund 53 Prozent mehr als im vergangenen Jahr und rund 30 Prozent mehr als das 10-jährige Mittel. „Diese Entwicklung resultiert jedoch nicht nur aus der höheren Erntemenge, sondern auch aus einer Erhöhung der Lieferquoten unserer Mitgliedsgenossenschaften“, erläutert WZG-Chef Weidmann.

Strukturwandel im Weinbau geht weiter

Auch 2017 setzte sich der Strukturwandel im Weinbau fort. Seit Jahren ist die Zahl der Betriebe in Württemberg rückläufig – von 16.200  im Jahr 2000 auf 8.817 um Jahresende 2017. Insbesondere kleine Nebenerwerbsbetriebe geben vermehrt auf, während die Zahl der Betriebe über fünf Hektar kontinuierlich zunimmt – von 389 im Jahr 2000 auf 672 um Jahresende 2017. In Württemberg arbeiten 40 Weingärtnergenossenschaften, darunter 16, die ihre Weine im eigenen Keller ausbauen, dazu kommt noch die WZG in Möglingen. Die Zahl der Mitarbeiter (inklusive der WZG) liegt bei 724 (2016: 723). Die genossenschaftliche Ertragsrebfläche hat sich 2017 in Württemberg von 7.439 Hektar auf 7.467 Hektar (plus 28 Hektar beziehungsweise 0,4 Prozent) erhöht. Dies entspricht fast 70 Prozent der Gesamtfläche. „Wir wollen die genossenschaftliche Rebfläche möglichst hoch halten. Nur gemeinsam sind die Weingärtner in Württemberg stark und für alle Zukunftsherausforderungen gewappnet“, sagt BWGV-Präsident Glaser. 2017 gab es in Württemberg keine Fusion. Im laufenden Jahr haben sich die Weingärtner Remstal, die Weingärtnergenossenschaften Strümpfelbach und Beutelsbach-Endersbach sowie die WGs in Groß- und Kleinheppach zur Weingärtner Remstal eG, Weinstadt, zusammengeschlossen.

BWGV ist „strategischer Partner“ seiner Mitglieder

Vor dem Hintergrund der zunehmenden Herausforderungen im Weinbau steht der BWGV seinen Weingärtnergenossenschaften als strategischer Partner unterstützend zur Seite und intensiviert weiter sein Engagement in der Beratung. „Eine Genossenschaft hat in ihrer Zukunftsgestaltung immer drei Optionen“, sagt Präsident Glaser. „Neben Fusionen sind dies Kooperationen sowie die zukunftsorientierte strategische Neuausrichtung in Eigenregie.“ Bei allen drei Prozessen unterstützt der Genossenschaftsverband seine Mitglieder und bietet ihnen umfangreiche Struktur- und Zertifizierungsberatungen, aber auch strategische Unterstützung, Beratungen auf der Kostenseite sowie in Fragen der Oenologie.

Weingärtner Stromberg-Zabergäu: Die Lemberger-Spezialisten

Überaus zufrieden mit der Weinlese 2018 ist man bei den Weingärtnern Stromberg-Zabergäu in Brackenheim, der Gastgeber-Genossenschaft der diesjährigen Pressekonferenz des BWGV. „Wir erwarten hohe, überdurchschnittliche Qualitäten im Bereich der Referenzmenge von 7,5 Millionen Litern“, sagt Dr. Bernd Kost, Geschäftsführer der Weingärtnergenossenschaft. Die Durchschnittsmostgewichte für 2018 werden im Bereich von 86 bis 88 Grad Oechsle erwartet, 2016 lagen diese bei 78, 2017 bei 80 Grad. Die Weingärtner Stromberg-Zabergäu eG ist der bundesweit größte Lemberger-Erzeuger. Auf rund 740 Hektar bewirtschaften die 1.070 Mitglieder, davon 45 Vollerwerbsbetriebe, unter anderem die beiden überregional bekannten Großlagen Stromberg sowie Heuchelberg. In den von der Genossenschaft bewirtschafteten Steillagen, die fünf bis sechs Prozent der Gesamtrebfläche ausmachen, wird vorwiegend auf Muschelkalkböden Wein angebaut, wogegen auf den Südhängen von Stromberg und Heuchelberg die Reben auf Keuperböden wachsen. Durch starke Hagelschläge am 4. und 15. Juli wurden einige Anlagen teilweise stark geschädigt, der heiße Sommer ließ die Reben zudem unter Trockenheit leiden. „Allerdings sorgte eben diese Trockenheit sowie die intensive Weinbergspflege unserer Weingärtner dafür, dass die Fäulnis in den hagelgeschädigten Anlagen auf ein Minimum reduziert werden konnte. Zur Lese sind die Reben in sehr gutem Zustand“, berichtet Rainer Lang, Vorstandsvorsitzender der WG, erleichtert.

Marktgerechte Weine für das Mittel- und Premiumsegment

Die ältesten Wurzeln der Genossenschaft gehen auf die Gründung der WG Haberschlacht im Jahre 1904 zurück. Insgesamt ist das heutige Unternehmen aus der Verschmelzung von zehn Ortsgenossenschaften in der Region Stromberg-Zabergäu entstanden. Die angebauten Rebsorten (75,5 Prozent Rotwein, 24,5 Prozent Weißwein) verteilen sich wie folgt: Lemberger (26,7 Prozent), Trollinger (18,3), Schwarzriesling (12,1) und Spätburgunder (8,2). Es folgen Dornfelder (2,5 Prozent), Samtrot (2,4), Portugieser (1,9) und weiteren Sorten (3,4). Die weißen Rebsorten werden dominiert vom Riesling (14,5 Prozent), gefolgt von Müller-Thurgau (2,6), Weißburgunder (2,1), Kerner (2,0), Grauburgunder (1,1) und weiteren Sorten (2,2). Die Weine der WG sind seit Jahren vielfach ausgezeichnet, unter anderem hat die Genossenschaft für ihre herausragende Weinqualität den Staatsehrenpreis 2015 erhalten, 2016 wurde sie bei internationalen Vinum-Genossenschaftscup als beste Genossenschaft geehrt. Auch Bio zeichnet die WG aus: „Dieses Jahr feiern die unserer Weingärtnergenossenschaft angehörigen Bio-Betriebe ihr 25-jähriges Bestehen. Somit ist die WG Stromberg-Zabergäu einer der ältesten und größten Bioweinerzeuger Deutschlands“, berichtet Lang. „Unsere Philosophie besteht darin, marktgerechte Weine für das Mittel- und Premiumsegment auszubauen. Unsere Innovationsfähigkeit sehen wir in dem bereits bei uns kompetent standardisierten veganen  Ausbau unserer Bioweine sowie in der Entwicklung von Weinstilen für verschiedene internationale Weinabsatzmärkte“, sagt Geschäftsführer Kost. Die Weingärtnergenossenschaft hat aktuell 36 Vollzeitbeschäftigte, 18 Teilzeitbeschäftigte sowie vier Auszubildende. Im Herbst 2017 wurden insgesamt 9,0 Millionen Kilogramm Trauben gelesen. Der Umsatz betrug 15,6 Millionen Euro bei einem Absatz von fast 4,4 Millionen Liter.

 

 

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