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Weinlese in Baden: Mit sehr guter Qualität der Corona-Krise trotzen

Badischer Winzerkeller Breisach
Badischer Winzerkeller, Breisach

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Die Winzergenossenschaften in Baden und ihre Kunden können sich auf einen qualitativ hochwertigen Jahrgang 2020 freuen. Die genossenschaftliche Lesemenge wird jedoch deutlich geringer ausfallen als 2019. „Wir werden dieses Jahr aufgrund der hohen Reife eine sehr gute Weinqualität bei unterdurchschnittlichen Mengen einfahren“, berichtet Dr. Roman Glaser, der Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV), in den Räumen der BWGV-Akademie in Karlsruhe-Rüppurr. Die negativen Auswirkungen der Corona-Pandemie seien deutlich an den Absatz- und Umsatzzahlen des ersten Halbjahres 2020 abzulesen. Doch sieht der BWGV-Präsident durch die Krise auch Chancen für die 70 badischen Winzergenossenschaften, da viele Menschen durch Corona ein ganz neues Bewusstsein für den Wert regionaler Produkte erlangt hätten.

„Die Corona-Pandemie könnte zu einer erneuten Renaissance von Genossenschaften führen“, hofft Glaser. „Die Menschen merken jetzt, wie wichtig und wertvoll regional tätige Unternehmen sowie vor Ort erzeugte Produkte und Dienstleistungen sind – in der Landwirtschaft, aber auch in vielen anderen Bereichen. Genau das leisten unsere Genossenschaften“, so der Präsident des BWGV. Zudem sei eine Bündelung der Kräfte, wie sie Genossenschaften für die Winzer leisten, in solch wirtschaftlich herausfordernden Situationen wichtiger denn je. Etwa 65 Prozent der Rebflächen in Baden werden von Genossenschaften und deren Mitgliedern bewirtschaftet. Glaser rechnet damit, dass dieser Wert in den kommenden Jahren stabil bleibt.

Nach derzeitigen Schätzungen dürfte die Erntemenge der 70 Winzergenossenschaften (WG) in Baden bei gut 75 Millionen Litern liegen. Im Vorjahr haben die badischen Genossenschaften 94 Millionen Liter in die Keller eingebracht. Der Ertrag 2020 könnte bei 75 Hektolitern je Hektar Rebfläche liegen (2019: 92 hl/ha), was rund 20 Prozent weniger als im Vorjahr wären. Was die Mostgewichte angeht, haben sich die guten Bedingungen während der vergangenen Wochen positiv ausgewirkt: Müller-Thurgau hat gut 85 Grad Oechsle, Weißburgunder und Grauburgunder zwischen 95 und 97 Grad Oechsle. Die Spätburgunder liegen bei knapp 100 Grad Oechsle.

Wieder einmal ein sehr warmer und trockener Sommer

Die ersten Trauben wurden Ende August/Anfang September geerntet, die Hauptlese in Baden läuft bereits seit vorletzter Woche und endet voraussichtlich je nach Verlauf der Witterung noch im September. Das Vegetationsjahr zeigte wie viele vorangegangenen Jahre auch, dass es während des Rebenwachstums deutlich an Niederschlägen mangelt. Oftmals fallen nur regional Gewitterregen. Dadurch steigt auch die Gefahr für Unwetter-Schäden. Gepaart mit hohen Sommertemperaturen entsteht ein deutliches Wasserdefizit in den Böden, mit dem die Reben allerdings im Vergleich zu anderen Kulturen gut zurechtkommen. Lediglich die Junganlagen leiden besonders unter der Trockenheit. Trotz des eher kühlen März begann die Vegetation recht früh. Die Eisheiligen brachten dann dieses Jahr wieder frostige Nachttemperaturen, die insbesondere im Taubertal zu Schäden führten. Die Blüte fand Ende Mai statt. Der Sommer brachte dann sehr warme Temperaturen und eine beständige Hochdruck-Wetterlage. „Die Trauben zeigen sich in einem sehr guten Gesundheitszustand“, berichtet Ute Bader, Fachberaterin Wein und stellvertretende Bereichsleiterin Beratung Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften beim BWGV. „Die Erfahrungen der vergangenen Jahre lehren uns, dass ein Vegetationsjahr wie 2020 zu unserer ,neuen‘ Normalität werden wird“, so Bader weiter. Die Expertin rechnet vor allem bei Rotweinen mit einem sehr guten Jahrgang 2020.

Rückgänge bei Absatz und Umsatz im ersten Halbjahr durch Corona

Der Absatz der badischen Winzergenossenschaften verringerte sich im ersten Halbjahr 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 2,4 Millionen auf 41,3 Millionen Liter Wein und Sekt (minus 5,8 Prozent). Der Umsatz ging im gleichen Zeitraum um 5,3 Millionen Euro auf 122,5 Millionen Euro (minus 4,2 Prozent) zurück. Hauptgrund dieser Entwicklung waren die zum Teil massiven Auswirkungen der Corona-Pandemie. Genossenschaften, die vor allem den Lebensmittel-Einzelhandel beliefern, hatten kaum mit Rückgängen zu kämpfen, Betriebe, die auf die Gastronomie ausgerichtet sind, wurden dagegen teilweise hart getroffen. Da weiterhin viele Veranstaltungen und Feste wegen Corona ausfallen, dürfte auch das zweite Halbjahr noch merklich von Corona geprägt sein. Im Gesamtjahr 2019 haben die badischen Winzergenossenschaften 86,9 Millionen Liter Wein und Sekt verkauft (minus 0,4 Millionen Liter beziehungsweise 0,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr). Der Umsatz der badischen Winzergenossenschaften sank im gleichen Zeitraum um 6,8 Millionen Euro (2,6 Prozent) auf 255 Millionen Euro.

In Baden arbeiten derzeit 70 Winzergenossenschaften, darunter 31, die ihre Weine im eigenen Keller ausbauen. Die Zahl der Mitarbeiter liegt bei 963. Die genossenschaftliche Rebfläche in Baden ist 2019 leicht auf 10.201 Hektar gesunken (minus 27 Hektar). Dies entspricht etwa 65 Prozent der Gesamtfläche. Im Jahr 2019 gab es zwei Fusionen: Die Oberkircher Winzer und die Winzergenossenschaft Hex vom Dasenstein, Kappelrodeck, sind zur Oberkircher Winzer eG fusioniert sowie die Winzergenossenschaft Mühlhausen mit der Winzergenossenschaft Kraichgau. 2020 bahnt sich bisher noch kein Zusammenschluss an.

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