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Volksbanken und Raiffeisenbanken haben so viele Mitglieder wie noch nie

Raiffeisen-Jahr 2018
Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft

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Neuer Mitgliederrekord: Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg haben 2017 die Zahl ihrer Mitglieder um weitere 22.000 auf nun mehr als 3,75 Millionen gesteigert. Seit Ausbruch der Finanzmarkt- und Staatsschuldenkrise 2008 ist die Zahl der Mitglieder damit um nahezu 500.000 angestiegen. Auch bei den Einlagen (plus 3,8 Prozent) und den Krediten an Privatpersonen und Unternehmen (plus 5,7 Prozent) wurden deutliche Zuwächse verzeichnet. „Der erfreuliche Anstieg bei den Krediten zeigt eindrucksvoll, dass sich die mittelständischen Unternehmen und die Privatkunden im Land auf unsere Banken verlassen können. Die Menschen vertrauen unserem einzigartigen genossenschaftlichen Geschäftsmodell“, sagt Präsident Dr. Roman Glaser auf der Pressekonferenz des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV) in Stuttgart. Genossenschaftsbanken haben die Besonderheit, dass ein Großteil ihrer Kunden auch Mitglieder und damit Teilhaber der Bank sind. Sie können entsprechend mitbestimmen und auch vom Geschäftserfolg profitieren.

Sehr starkes Kreditgeschäft: Mit einem Plus von fast 5,2 Milliarden Euro haben die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Jahr 2017 deutlich mehr Kredite zur Verfügung gestellt als noch im Vorjahr. Dadurch kletterten die Kundenforderungen um stolze 5,7 Prozent auf 96,3 Milliarden Euro. Insgesamt legte das Kundenkreditvolumen (Kundenforderungen plus Bürgschaften) um 5,1 Prozent auf 100,6 Milliarden Euro zu, es überschritt damit erstmals die 100-Milliarden-Euro-Marke. „Wir werden unserer realwirtschaftlichen Verantwortung aus voller Überzeugung gerecht. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken sind eine zentrale Stütze für die mittelständische Wirtschaft in Baden-Württemberg“, betont der BWGV-Präsident. Die Kredite der Genossenschaftsbanken an Unternehmen haben um 5,5 Prozent auf 36,8 Milliarden Euro zugelegt, die an Privatpersonen um 5,6 Prozent auf 57,5 Milliarden Euro – Haupttreiber hierbei war der Wohnungsbau. „Wir sind und bleiben die verlässlichen und fairen Finanzpartner für die Menschen und mittelständischen Unternehmen vor Ort“, verdeutlicht Glaser.

Weiter starker Zuwachs bei täglich fälligen Kundeneinlagen

Auch an der Entwicklung der Kundeneinlagen lässt sich das enorme Vertrauen der Menschen in das genossenschaftliche Modell ablesen: Trotz der aktuell immer noch extrem niedrigen Zinsen am Markt sind die Einlagen mit einem Plus von 3,8 Prozent auf 119,2 Milliarden Euro deutlich gestiegen. Während es bei den Termineinlagen (plus 1,4 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro) moderate Zuwächse gab, legten die täglich fälligen Kundeneinlagen (plus 6,9 Prozent auf 75,4 Milliarden Euro) weiter stark zu. Etwa stabil blieben die Spareinlagen (minus 1,0 Prozent auf 35,1 Milliarden Euro). Das außerbilanzielle Kundenanlagevolumen bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg stieg im Vorjahr um sehr deutliche 7,2 Prozent auf 90,4 Milliarden Euro. Dieser Zuwachs war durch die über das Gesamtjahr 2017 positive Entwicklung an den Börsen getrieben, aber auch durch den weiter erhöhten Bestand an Bauspareinlagen sowie durch Zuwächse bei Immobilien- und Aktienfonds.

Raiffeisen-Jahr 2018 feiert große Idee des Genossenschaftspioniers

Der Erfolg der Volksbanken und Raiffeisenbanken hängt unter anderem mit dem einzigartigen genossenschaftlichen Geschäftsmodell zusammen, das eine enge Bindung und somit ein besonderes Vertrauensverhältnis zwischen Genossenschaftsbank und Kunde beziehungsweise Mitglied entstehen lässt. „Ein hervorragender Anlass, um auf unser Geschäftsmodell aufmerksam zu machen und für Genossenschaften zu werben, ist das Raiffeisen-Jahr 2018“, verdeutlicht BWGV-Präsident Glaser. Das gesamte Festjahr über ehrt die Gruppe Genossenschaftspionier Friedrich Wilhelm Raiffeisen. „Die ebenso traditionsreiche wie moderne Genossenschaftsidee hat in all den Jahren nichts von ihrer Faszination verloren. Genossenschaften sind ausgesprochen vielfältig und erfolgreich, sie verbinden in idealer Weise wirtschaftlichen Erfolg mit sozialer Verantwortung, und sie eignen sich ausgesprochen gut für die Bewältigung ganz aktueller Zukunftsherausforderungen – eine wahrlich bahnbrechende Idee“, verdeutlicht Glaser weiter. Friedrich Wilhelm Raiffeisen würde am 30. März 2018 200 Jahre alt werden, aus diesem Grund werden er und seine Idee mit zahlreichen Veranstaltungen in ganz Deutschland gefeiert – viele auch in Baden-Württemberg.

Einlagensicherung: Klares „Nein“ zu Plänen der EU-Kommission

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken lehnen nach wie vor jede Form der Vergemeinschaftung der Einlagensicherung in der Eurozone ab. Damit befinden sie sich im Einklang mit der gesamten genossenschaftlichen FinanzGruppe, mit den Sparkassen und im Übrigen auch mit großen Teilen der Wirtschaft in Deutschland. „Die EU-Kommission setzt massiv das Vertrauen der Sparer aufs Spiel“, begründet BWGV-Präsident Glaser die klare Position der Volksbanken und Raiffeisenbanken bei diesem Thema. Die ablehnende Haltung beziehe sich auch auf den im Oktober 2017 von der Europäischen Kommission vorgelegten leicht modifizierten Ansatz. „Der Grundgedanke der Vergemeinschaftung ist und bleibt falsch“, betont Glaser. „Mit einer europäischen Einlagensicherung müssten Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie deren Kunden für andere europäische Banken – mit zum Teil riskanten Geschäftsmodellen – haften. Das ist ungerecht und geht klar auf Kosten der Bankkunden in Deutschland.“

Zudem sei ein solcher Schritt überhaupt nicht erforderlich: Die bundesweite Sicherungseinrichtung der Volksbanken und Raiffeisenbanken besteht schon seit mehr als 80 Jahren – und in dieser Zeit hat noch nie ein Kunde auch nur einen Cent oder Pfennig seiner Einlagen verloren. Durch diese Institutssicherung garantieren die Genossenschaftsbanken – ebenso wie die Sparkassen – die Existenz aller Institute der Gruppe und somit alle Kundengelder in unbegrenzter Höhe. Damit geht die Absicherung weit über die mittlerweile staatlich garantierten 100.000 Euro hinaus. Bevor man überhaupt an eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung denken könne, müssten zunächst die anderen Staaten der Eurozone ähnliche Systeme, wie sie in Deutschland bestehen, für sich aufbauen.

Regulatorik: BWGV fordert mehr Augenmaß und Proportionalität

Beim Thema Bankenregulierung spricht sich der BWGV für die konsequente Rückkehr zu einer Politik mit mehr Augenmaß aus. „Hier muss es ein klares Umdenken geben. Wir fordern eine eindeutige Differenzierung in der Regulatorik zwischen systemrelevanten Großbanken und kleinen, ausschließlich regional tätigen Instituten“, sagt BWGV-Verbandsdirektorin Monika van Beek. Der Dachverband der baden-württembergischen Volksbanken und Raiffeisenbanken lobt ausdrücklich den aktuellen Berichtsentwurf des Europaabgeordneten Peter Simon. „Das ist ganz klar ein Schritt in die richtige Richtung“, so van Beek weiter. Entscheidend sei es aber, dass es wirklich zu spürbaren Entlastungen für kleine und mittlere Banken komme. Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie auch Sparkassen werden durch administrative Aufgaben wie Dokumentationspflichten, Anlegerschutzvorgaben oder das Melde- und Beauftragtenwesen derzeit weit über Gebühr belastet. Gerade die verlässlichen kleinen und mittleren Institute mit ihren regionalen und seriösen Geschäftsmodellen dürften jedoch nicht durch übertriebene und zum Teil überflüssige bürokratische Vorgaben, die zunehmend auch deren Kunden belasten, in Schwierigkeiten gebracht werden.

Wirtschaftsgipfel: Positionspapier der Südwest-Wirtschaft

Die eindeutige Position der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Sachen Regulatorik und Einlagensicherung wird praktisch von der gesamten Südwest-Wirtschaft geteilt: Beim Wirtschaftsgipfel des Landeswirtschaftsministeriums Ende Januar in Brüssel forderten die Repräsentanten des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT) und des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK) gemeinsam mit den Vertretern des BWGV und des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, dass der umfassende Sicherungsgedanke der Institutssicherung nicht ausgehöhlt wird. „Wer kleine und mittlere Banken stärkt, stärkt den Mittelstand“, betont BWGV-Präsident Glaser. Die Wirtschaftsvertreter sprachen in Brüssel unter anderem mit der baden-württembergischen Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, Parlamentariern sowie EU-Beamten und überreichten ihnen ihr gemeinsames Positionspapier „Mittelstand stärken – Kreditfinanzierung sichern – Finanzmarktregulierung anpassen – Digitalisierung gestalten“. Darin fordern die vier Verbände, die etwa 780.000 Unternehmen, 180 Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie 51 Sparkassen vertreten, insbesondere die Sicherung der Kreditfinanzierung des Mittelstands. „Die mittelständischen Unternehmen sind auf die Kredite der mittelständischen Banken angewiesen, die ihrer realwirtschaftlichen Verantwortung bereitwillig und sehr verlässlich nachkommen“, sagt Glaser.

Ertragslage trotz Niedrigzins noch „zufriedenstellend“

Die Ertragslage der Volksbanken und Raiffeisenbanken war trotz der herausfordernden Rahmenbedingungen zufriedenstellend: Das Betriebsergebnis vor Risiko verringerte sich 2017 um 2,7 Prozent auf knapp 1,25 Milliarden Euro. Dahinter standen ein um 1,8 Prozent gesunkener Zinsüberschuss von 2,85 Milliarden Euro sowie ein um 6,9 Prozent gestiegener Provisionsüberschuss von 1 Milliarde Euro. Als Jahresüberschuss erwarten die baden-württembergischen Genossenschaftsbanken 479 Millionen Euro (plus 18 Prozent). Die Ertragsteuern, die die genossenschaftlichen Institute in Baden-Württemberg für das Jahr 2017 an die öffentliche Hand bezahlen, steigen zugleich um 9,5 Prozent auf 381 Millionen Euro.

Genossenschaftsbanken sind solide kapitalisiert

Wie schon in den Vorjahren haben die Volksbanken und Raiffeisenbanken ihre Kernkapitalquote im Jahr 2017 weiter gesteigert. Sie liegt nun im Durchschnitt bei 14,8 Prozent (plus 0,7 Prozent). In absoluten Zahlen haben die genossenschaftlichen Banken in Baden-Württemberg ihr Kernkapital (Geschäftsguthaben der Mitglieder und Rücklagen) deutlich um 6,4 Prozent auf 13,3 Milliarden Euro gesteigert, das haftende Eigenkapital (Eigenmittel) stieg derweil um 3,6 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro.

Enorme regionale Wertschöpfung durch Genossenschaftsbanken

Einen enormen Wert haben die genossenschaftlichen Kreditinstitute in Baden-Württemberg für ihre jeweiligen Regionen: Neben den bereits erwähnten Steuerzahlungen der Volksbanken und Raiffeisenbanken an Bund, Land und Gemeinden im Umfang von 381 Millionen Euro fließen allein im Südwesten gut 1,36 Milliarden Euro an Löhnen und Gehältern an die fast 22.700 Mitarbeiter der Institute. Diese bezahlen jährlich etwa 328 Millionen Euro an Steuern und verfügen über eine Kaufkraft von 708 Millionen Euro, die zum großen Teil direkt in die Region zurückfließen. Ebenfalls in die Regionen gehen 242 Millionen Euro, die die genossenschaftlichen Banken jährlich in Erhalt und Ausbau ihrer Geschäftsstellen investieren, und 72 Millionen Euro pro Jahr an Geld- und Sachspenden für Vereine und soziale Einrichtungen. „Unsere Banken sorgen für massive regionale Wertschöpfung – Jahr für Jahr und aus voller Überzeugung“, betont BWGV-Präsident Glaser.

Volksbanken und Raiffeisenbanken fordern Ende der Niedrigzinspolitik

„An der Entwicklung der Zinsüberschüsse lassen sich die Auswirkungen der fatalen Zinspolitik der EZB ablesen“, sagt Glaser, der eindringlich ein rasches Ende dieser Politik fordert. Die größten Verlierer dieser Entwicklung sind jedoch die Sparer in Deutschland, da traditionelle und sichere Anlagen wie Festgeld, Tagesgeld oder Sparbücher kaum noch Ertrag bringen. „Die Zinsen sind politisch gewollt, für die Volkswirtschaft aber langfristig äußerst schädlich“, so Glaser weiter. Vor allem jungen Menschen sei es derzeit nur noch schwer zu vermitteln, dass Sparen nach wie vor notwendig ist. Die Quasi-Nullzinspolitik habe aber auch eine soziale Dimension. So litten wohltätige Stiftungen unter der aktuellen Lage ebenso wie die sozialen Sicherungssysteme. „Ein ausreichendes Sparen fürs Alter ist vor diesem Hintergrund kaum noch möglich“, konstatiert der BWGV-Präsident. Durch die Mini-Zinsen der EZB drohen den Menschen erhebliche Versorgungslücken.

Genossenschaftsbanken setzen auf Omnikanal-Kompetenz

Vor dem Hintergrund der Niedrigzinsen wird das Thema Beratung immer wichtiger. „In der kompetenten und vertrauensvollen Beratung liegt die Stärke unserer Banken, die traditionell sehr nahe an den Menschen und mittelständischen Unternehmen sind“, verdeutlicht Glaser. Hierzu werden die Volksbanken und Raiffeisenbanken ihr Angebot weiter ausbauen und verbessern. Bei der genossenschaftlichen Beratung verfolgen die Institute einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem die individuellen Ziele und Wünsche der Mitglieder und Kunden im Mittelpunkt stehen. „Deshalb werden die Beratungsinhalte und Beratungsprozesse kontinuierlich optimiert“, sagt Glaser. Daneben verfeinern die Volksbanken und Raiffeisenbanken stetig die digitalen Zugangswege zur Bank wie das Online-Banking sowie die VR-BankingApp für Smartphones und Tablets. Das große Stichwort dabei heißt hierbei: Omnikanal-Kompetenz. „Wir werden beides in sehr hoher Qualität anbieten – die digitalen Zugangswege zur Bank und die persönliche Beratung in unseren zahlreichen Filialen“, versichert der BWGV-Präsident.

Die Bilanzsumme der 180 (Vorjahr: 193) Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg erhöhte sich im Jahr 2017 um 4,1 Prozent auf 158,1 Milliarden Euro. Die Zahl der Bankstellen hat sich um 121 auf genau 2.700 (davon 639 SB-Stellen) verringert. Die Zahl der Mitarbeiter ging im gleichen Zeitraum um 765 auf 22.668 zurück (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Aktuell arbeiten 1.844 Auszubildende (minus 313) bei den Instituten, was einer Azubi-Quote von gut acht Prozent entspricht.

33.500 Menschen arbeiten bei Genossenschaften

Der BWGV hat knapp 900 Mitglieder, davon mehr als 800 Genossenschaften mit rund 3,92 Millionen Einzelmitgliedern. Neben den Volksbanken und Raiffeisenbanken sind dies landwirtschaftliche Genossenschaften, Genossenschaften des Handels und Handwerks sowie Energiegenossenschaften. Etwa 33.500 Menschen in Baden-Württemberg arbeiten für genossenschaftliche Unternehmen. Weitere Informationen zu Genossenschaften finden Sie unter: www.wir-leben-genossenschaft.de. Aktuelle Meldungen, Infos und Nachrichten zu den Genossenschaften gibt es auch auf dem BWGV-Twitter-Kanal unter https://twitter.com/genobw und in unserem Newsletter BWGV-Aktuell: https://www.wir-leben-genossenschaft.de/newsletter/.

 

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