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Über 100 Milliarden Euro: Volksbanken und Raiffeisenbanken mit starkem Kreditgeschäft

Volksbanken Raiffeisenbanken
BVR

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Starkes Jahr: Die Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg haben ihr Kreditgeschäft im Jahr 2018 um stolze 6,1 Prozent gesteigert und damit erstmals die 100-Milliarden-Euro-Marke überschritten. Die Kundenforderungen stiegen um insgesamt 5,86 Milliarden Euro auf 102,2 Milliarden Euro. „Unsere Banken haben sich in einem herausfordernden Umfeld hervorragend geschlagen. Das zeigt: Die mittelständischen Unternehmen und auch die Privatkunden im Land können sich auf uns verlassen“, sagt Präsident Dr. Roman Glaser auf der Pressekonferenz des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands (BWGV) in Stuttgart. Auch die Zahl der Mitglieder der Volksbanken und Raiffeisenbanken im Südwesten legte weiter zu – um rund 19.000 auf mehr als 3,77 Millionen. Genossenschaftsbanken haben die Besonderheit, dass viele ihrer Kunden auch Mitglieder und damit Teilhaber der Bank sind. Sie können entsprechend mitbestimmen und vom Geschäftserfolg profitieren.

 

„Die Volksbanken und Raiffeisenbanken sind eine zentrale Stütze für die mittelständische Wirtschaft in Baden-Württemberg. Wir werden unserer realwirtschaftlichen Verantwortung aus voller Überzeugung gerecht“, betont der BWGV-Präsident. Die Kredite der Genossenschaftsbanken an Unternehmen haben um 12,8 Prozent auf 41,5 Milliarden Euro zugelegt, die an Privatpersonen um 1,5 Prozent auf 58,4 Milliarden Euro – Haupttreiber hierbei war der Wohnungsbau. Der Erfolg der Volksbanken und Raiffeisenbanken hängt unter anderem mit dem einzigartigen genossenschaftlichen Geschäftsmodell zusammen, das eine enge Bindung zwischen Genossenschaftsbank und Kunde beziehungsweise Mitglied entstehen lässt.

Starker Zuwachs bei täglich fälligen Kundeneinlagen

Auch an der Entwicklung der Kundeneinlagen lässt sich das Vertrauen der Menschen in das genossenschaftliche Modell ablesen: Trotz der aktuell immer noch extrem niedrigen Zinsen am Markt sind die Einlagen mit einem Plus von 5,4 Prozent auf 125,6 Milliarden Euro deutlich gestiegen. Während es bei den Termineinlagen (plus 0,6 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro) moderate Zuwächse gab, legten die täglich fälligen Kundeneinlagen (plus 8,4 Prozent auf 81,7 Milliarden Euro) weiter stark zu. Etwa stabil blieben die Spareinlagen (plus 0,4 Prozent auf 35,3 Milliarden Euro). Das außerbilanzielle Kundenanlagevolumen bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg verringerte sich im Vorjahr um 7,4 Prozent auf 83,7 Milliarden Euro. Grund dafür war das schwache Börsenjahr.

Einlagensicherung: Klares „Nein“ zu Plänen der EU-Kommission

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken lehnen nach wie vor jede Form der Vergemeinschaftung der Einlagensicherung in der Eurozone ab. „Die EU-Kommission setzt massiv das Vertrauen der Sparer aufs Spiel“, begründet BWGV-Präsident Glaser. „Mit einer europäischen Einlagensicherung müssten Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie deren Kunden für andere europäische Banken – mit zum Teil riskanten Geschäftsmodellen – haften. Das ist ungerecht und geht klar auf Kosten der Bankkunden in Deutschland.“ Zudem sei ein solcher Schritt überhaupt nicht erforderlich: Die bundesweite Sicherungseinrichtung der Volksbanken und Raiffeisenbanken besteht bereits seit 85 Jahren – und in dieser Zeit hat noch nie ein Kunde auch nur einen Pfennig oder Cent seiner Einlagen verloren. Durch diese Institutssicherung garantieren die Genossenschaftsbanken – ebenso wie die Sparkassen – die Existenz aller Institute der Gruppe und somit alle Kundengelder in unbegrenzter Höhe. Damit geht die Absicherung weit über die mittlerweile staatlich garantierten 100.000 Euro hinaus. Bevor man überhaupt an eine Vergemeinschaftung der Einlagensicherung denken könne, müssten zunächst die anderen Staaten der Eurozone ähnliche Systeme, wie sie in Deutschland bestehen, für sich aufbauen, sagt Glaser.

Regulatorik: BWGV begrüßt ausdrücklich die „Small Banking Box“

Beim Thema Bankenregulierung spricht sich der BWGV für die konsequente Rückkehr zu einer Politik mit mehr Augenmaß und Proportionalität aus. Ausdrücklich begrüßt wird in diesem Zusammenhang die „Small Banking Box“, die regulatorische Erleichterungen für Banken mit einer Bilanzsumme von weniger als fünf Milliarden Euro vorsieht und in den kommenden Wochen von den europäischen Institutionen verabschiedet werden soll. „Die Definition kleiner, nicht komplexer Banken sehen wir sehr positiv“, sagt BWGV-Verbandsdirektorin Monika van Beek. „Allerdings bleibt abzuwarten, welche Reichweite die in Aussicht gestellten Erleichterungen dann wirklich haben werden. Es muss definitiv zu spürbaren Entlastungen für kleine und mittlere Banken kommen.“ Hierbei will sich der BWGV gemeinsam mit dem Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) für merkliche und zügige Erleichterungen einsetzen. „Wir dringen darauf, dass die allseits gewollten Entlastungen – etwa beim Meldewesen oder bei Eigenmittel-Kennziffern – rasch konkretisiert und eingeräumt werden, damit kleine Institute möglichst schnell zum Wohl ihrer Mitglieder und Kunden profitieren können“, betont Vorstandsmitglied van Beek. Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie auch Sparkassen werden durch administrative Aufgaben wie Dokumentationspflichten, Anlegerschutzvorgaben oder das Melde- und Beauftragtenwesen derzeit weit über Gebühr belastet.

Bürokratieaufwand macht Bankkunden das Leben schwer

Zum Beispiel wird der Bürokratieaufwand rund um das Thema Anlageberatung für Banken und deren Kunden immer mehr zum Ärgernis. Dieser führt nicht nur zu deutlich steigenden Kosten für die Geldhäuser, sondern hält Kunden häufig auch von sinnvollen und gerade für die Altersvorsorge außerordentlich wichtigen Anlageprodukten fern. „Dies ist kein Verbraucherschutz, sondern das Gegenteil davon“, konstatiert Präsident Glaser. Er fordert deshalb für die Banken eine deutliche Entlastung bei der Bürokratie. Seit Inkrafttreten der Richtlinie und der Verordnung über Märkte für Finanzinstrumente (kurz: MiFID II / MiFIR) im Januar 2018 haben sich die Anforderungen für die Anlageberatung drastisch verschärft. Finanzprodukte dürfen demnach nur nach einer umfassenden Beratung verkauft werden. Diese wichtigen und richtigen Anforderungen an die Anlageberatung sind allerdings verbunden mit einem unverhältnismäßig umfangreichen Dokumentationsaufwand und jeder Menge Bürokratie. Dies führt bei den Banken dazu, dass immer weniger Zeit und Personal für die eigentliche Beratung bleibt. Zudem verzichten viele Kunden durch die massiven Dokumentationsanforderungen immer häufiger auf die vertrauensvolle Beratung vor Ort und schließen Verträge ganz ohne vorherige Beratung im Internet ab, oder sie verzichten komplett auf sinnvolle Geldanlagen – zu ihrem eigenen Schaden. „Faktisch wird dadurch Menschen mit geringerem Vermögen der Zugang zu vertrauensvoller Beratung und zu seriösen Finanzprodukten deutlich erschwert, während sie im Internet problemlos ihr gesamtes Vermögen ohne jede Beratung riskieren können“, erklärt Glaser. Auch bei den Kunden, in deren Interesse die neuen Regelungen verabschiedet worden sind, sorge die ausufernde Dokumentation für Unverständnis. Viele Kunden lehnen es sogar ab, so viele Informationen zu erhalten, zeigt die Erfahrung. „Verbraucherschutz ist uns wichtig“, betont Glaser. Dieser dürfe aber nicht dazu führen, dass die Kosten den Nutzen bei Weitem übersteigen und Kunden der Zugang zu Beratung und wichtigen Finanzprodukten erschwert werde.

Die Ertragslage der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg war trotz der sehr herausfordernden Rahmenbedingungen zufriedenstellend: Das Betriebsergebnis vor Risiko blieb 2018 stabil bei 1,21 Milliarden Euro (plus 0,2 Prozent). Dahinter standen ein um 6,7 Prozent deutlich gesunkener Zinsüberschuss von 3,15 Milliarden Euro sowie ein um 4,1 Prozent gestiegener Provisionsüberschuss von 1,05 Milliarde Euro. Als Jahresüberschuss erwarten die baden-württembergischen Genossenschaftsbanken rund 488 Millionen Euro (plus 27,6 Prozent).

Volksbanken und Raiffeisenbanken fordern Ende der Niedrigzinspolitik

„An der Entwicklung der Zinsüberschüsse lassen sich die Auswirkungen der fatalen Zinspolitik der Europäischen Zentralbank ablesen“, sagt Glaser, der eindringlich ein rasches Ende dieser Politik fordert. Die größten Verlierer dieser Entwicklung sind die Sparer in Deutschland, da traditionelle und sichere Anlagen wie Festgeld, Tagesgeld oder Sparbücher kaum noch Ertrag bringen. Vor allem jungen Menschen sei es nur noch schwer zu vermitteln, dass Sparen nach wie vor notwendig ist. „Ein ausreichendes Sparen fürs Alter ist vor diesem Hintergrund kaum noch möglich“, sagt Glaser.

Wie schon in den Vorjahren haben die Volksbanken und Raiffeisenbanken ihre Kernkapitalquote im Jahr 2018 weiter gesteigert. Sie liegt nun im Durchschnitt bei 16,3 Prozent (plus 1,5 Prozentpunkte). In absoluten Zahlen haben die genossenschaftlichen Banken in Baden-Württemberg ihr Kernkapital (Geschäftsguthaben der Mitglieder und Rücklagen) deutlich um 6,7 Prozent auf gut 14,2 Milliarden Euro gesteigert, das haftende Eigenkapital (Eigenmittel) stieg derweil um 4,1 Prozent auf 17,1 Milliarden Euro.

Regionale Wertschöpfung durch Volksbanken und Raiffeisenbanken

Ein großes Plus der genossenschaftlichen Kreditinstitute in Baden-Württemberg stellt ihre enorme Wertschöpfung in den jeweiligen Regionen dar: Neben den Steuerzahlungen der Volksbanken und Raiffeisenbanken an Bund, Land und Gemeinden im Umfang von 381 Millionen Euro fließen allein im Südwesten 1,34 Milliarden Euro an Löhnen und Gehältern an die fast 22.000 Mitarbeiter der Institute. Diese bezahlen jährlich 323 Millionen Euro an Steuern und verfügen über eine Kaufkraft von 696 Millionen Euro, die zum großen Teil direkt in die Region zurückfließen. Ebenfalls in die Regionen gehen 239 Millionen Euro, die die Banken jährlich in Erhalt und Ausbau ihrer Geschäftsstellen investieren, und 75 Millionen Euro pro Jahr an Geld- und Sachspenden für Vereine und soziale Einrichtungen. „Unsere Banken sorgen für massive regionale Wertschöpfung“, betont Präsident Glaser. 

Genossenschaftsbanken setzen auf Beratung und Online zugleich

Vor dem Hintergrund der Niedrigzinsen wird das Thema Beratung immer wichtiger. „In der kompetenten und vertrauensvollen Beratung liegt die Stärke unserer Banken, die traditionell sehr nahe an den Menschen und mittelständischen Unternehmen sind“, verdeutlicht Glaser. Hierzu werden die Volksbanken und Raiffeisenbanken ihr Angebot weiter ausbauen und verbessern. „Die Beratungsinhalte und Beratungsprozesse werden kontinuierlich optimiert“, sagt er. Daneben verfeinern die Volksbanken und Raiffeisenbanken stetig die digitalen Zugangswege zur Bank wie das Online-Banking sowie die VR-BankingApp für Smartphones und Tablets. „Wir bieten beides in sehr hoher Qualität an – die digitalen Zugangswege zur Bank und die persönliche Beratung an unseren zahlreichen Standorten“, so Glaser. Eine erfreuliche Entwicklung nimmt derweil paydirekt, das sichere Online-Bezahlsystem der deutschen Kreditwirtschaft. Mittlerweile nutzen schon 2,5 Millionen Kunden paydirekt, die Zahl der Händler hat bereits die 10.000er-Marke überschritten, darunter Top-Marken wie Deichmann, Trigema, dm, Haribo, Media-Markt und Saturn sowie nun auch die Deutsche Bahn.

Die Bilanzsumme der 171 (Vorjahr: 180) Volksbanken und Raiffeisenbanken in Baden-Württemberg erhöhte sich im Jahr 2018 um 4,5 Prozent auf 165,2 Milliarden Euro. Die Zahl der Bankstellen hat sich um 88 auf 2.612 (davon 662 SB-Stellen) verringert. Die Zahl der Mitarbeiter ging im gleichen Zeitraum um 734 auf 21.934 zurück (umgerechnet auf Vollzeitstellen). Aktuell arbeiten 1.668 Auszubildende (minus 176) bei den Instituten, was einer Azubi-Quote von fast acht Prozent entspricht.

33.000 Menschen arbeiten bei Genossenschaften

Der BWGV hat knapp 880 Mitglieder, davon rund 790 Genossenschaften mit etwa 3,94 Millionen Einzelmitgliedern. Neben den Volksbanken und Raiffeisenbanken sind dies landwirtschaftliche Genossenschaften, Genossenschaften des Handels und Handwerks sowie Energiegenossenschaften. Etwa 33.000 Menschen in Baden-Württemberg arbeiten für genossenschaftliche Unternehmen. Aktuelle Meldungen, Infos und Nachrichten zu den Genossenschaften gibt es auch auf dem BWGV-Twitter-Kanal unter https://twitter.com/genobw  und in unserem Newsletter BWGV-Aktuell: https://www.wir-leben-genossenschaft.de/newsletter/.

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