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„Sterne des Sports“: Kletterwettbewerb für Menschen mit Behinderung beeindruckt Jury

Sterne des Sports 2018
BWGV

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So etwas gab es in Deutschland zuvor noch nicht: Ein nationaler Kletterwettbewerb für Menschen mit Behinderung. 75 Menschen mit Handicap – von Anfängern bis hin zu Athleten aus dem Nationalkader – trafen sich im Juni 2018 auf Einladung der Sektion Karlsruhe des Deutschen Alpenvereins (DAV) in Karlsruhe zum ersten nationalen Paraclimbing Cup. Die Ausrichtung dieses Wettbewerbs war der bisherige Höhepunkt einer seit Jahren praktizierten, bewussten Einbindung von Menschen mit Behinderung in den Klettersport, unter anderem gibt es eine inklusive Klettergruppe. Dafür ist die DAV-Sektion gestern Abend (3. Dezember) in Stuttgart von den baden-württembergischen Volksbanken und Raiffeisenbanken mit dem „Großen Stern des Sports“ in Silber ausgezeichnet worden. Der Verein vertritt Baden-Württemberg damit im bundesweiten Wettbewerb um die „Sterne des Sports“ in Gold, die am 22. Januar von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Berlin verliehen werden. Jeweils ein „Kleiner Stern des Sports“ in Silber ging auf Landesebene an den SV Waldkirch und den TV Nellingen (Stadt Ostfildern).

„Sportvereine übernehmen eine ungemein wichtige gesamtgesellschaftliche Aufgabe – auch weit über den reinen Sportbetrieb hinaus“, betonte Volker Schebesta MdL bei der Preisverleihung im Stuttgarter GENO-Haus. Der Staatssekretär im Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg stellte heraus: „In den Vereinen wird Integration gelebt. Das Miteinander zwischen Menschen mit und ohne Behinderung wird beim Sport wie selbstverständlich praktiziert. Diese wertvolle Arbeit wäre ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht denkbar.“

Auch für Dr. Roman Glaser, Präsident des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbands, steht fest: „Beim Sport geht es um Werte wie Fairness, Toleranz, Zusammenhalt, gegenseitige Unterstützung, Verantwortung und Zielstrebigkeit. Sportvereine stehen für diese Werte, die nicht nur Grundlage für den Sport sind, sondern für das gesamte gesellschaftliche Zusammenleben.“ Mit Blick auf die Preisträger und die zahlreichen Nominierungen sagte er: „Es ist beeindruckend zu sehen, mit wieviel Herzblut, Professionalität und Kreativität in den Vereinen ehrenamtlich gearbeitet wird. Mit den ‚Sternen des Sports` würdigen wir herausragende Projekte und wollen uns außerdem bei allen Ehrenamtlichen herzlich für ihre Arbeit bedanken.“

Seit 2004 werden die „Sterne des Sports“ von den Volksbanken und Raiffeisenbanken gemeinsam mit dem Deutschen Olympischen Sportbund und den Landessportbünden verliehen. „Die Auszeichnung stellt eine ungemein hohe Wertschätzung für die Vereine aber auch für alle in Sportvereinen aktive Ehrenamtlichen dar“, betonte Andreas Felchle, Vizepräsident des Landessportverbands Baden-Württemberg. Er machte deutlich, dass der Wettbewerb zu den bedeutendsten Auszeichnungen für ehrenamtliches Engagement im deutschen Sport zählt. Felchle: „Die ‚Sterne des Sports‘ sind gewissermaßen die Oscars des Breitensports.“

DAV Karlsruhe wird Landessieger für seinen Paraclimbing-Wettbewerb

Beim Karlsruher Alpenverein ist es ganz normal, dass Menschen mit einem Handicap Klettersport betreiben. Seit dem Jahr 2011 gibt es eine inklusive Klettergruppe. Mittlerweile treffen sich 40 Menschen mit Behinderung (darunter zehn Jugendliche) jede Woche in der Kletterhalle, um ihren Sport zu betreiben. Die Grundvoraussetzung dafür wurde beim Karlsruher DAV früh geschaffen: Schon beim Bau wurde darauf geachtet, dass die gesamte Halle sowie alle Sozial- und Gruppenräume barrierefrei gestaltet werden, und es gibt eine in der Neigung verstellbare Kletterwand, die ideal von Menschen mit Behinderungen genutzt werden kann. Mit 12 Metern ist sie die höchste ihrer Art in Deutschland.

Aus der inklusiven Klettergruppe heraus ist im Jahr 2017 die Idee entstanden, einen nationalen Kletterwettbewerb ausschließlich für Menschen mit Behinderung auszurichten. Die Premiere am 9. Juni 2018 war ein großer Erfolg: Mehr als 70 Sportler mit unterschiedlichster Behinderung im Alter zwischen 14 und 74 Jahren nahmen daran teil. Rollstuhlfahrer, Bein- oder Armamputierte, Sehbeeinträchtigte sowie neurologisch oder geistig Behinderte traten in getrennten Kategorien an. Die Kletterrouten hatten zumeist einen relativ einfachen Einstieg, sodass von allen Teilnehmern – auch von den Anfängern – einige Meter geklettert werden konnten. Auf diese Weise hatte jeder Teilnehmer ein persönliches Erfolgserlebnis – und jeder wurde geehrt. Für diesen außergewöhnlichen Wettbewerb wurde der Karlsruher Alpenverein nun mit dem „Großen Stern des Sports“ in Silber ausgezeichnet, der mit 2.500 Euro dotiert ist.

Link zum SWR-Beitrag vom 3.12.2018

SV Waldkirch: Außergewöhnliches Entwicklungskonzept für Verein

Ein „Kleiner Stern des Sports“ in Silber ging an den SV Waldkirch. Der Verein hat im November 2016 zum 70-jährigen Bestehen unter dem Motto „Feier die Vergangenheit – Gestalte die Zukunft“ sehr strukturiert ein umfangreiches Entwicklungskonzept für den Verein gestartet. „SVW 2020“ wurde das Projekt getauft, das zum Ziel hat, den Verein weiterzuentwickeln und nachhaltig zukunftsorientiert aufzustellen. Nach einer systematischen Bestandsanalyse wurden drei konkrete Handlungsbedarfe und Entwicklungsfelder definiert. Bestehende Mitglieder im Verein zu binden und neue hinzuzugewinnen, Menschen zu animieren, Verantwortung im Verein als Mitarbeiter oder Übungsleiter zu übernehmen und die Sportstätten abzusichern.

Auf dieser Basis hat das aus Vorstandsmitgliedern sowie Vertretern aller neun Sparten des Vereins bestehende Projektteam insgesamt 15 konkrete Ideen und Maßnahmen erarbeitet - und unmittelbar mit der Umsetzung begonnen. Aktuell sind sechs Maßnahmen bereits umgesetzt. So wurde eine spartenübergreifende Sportkindergruppe gegründet für zwei Altersklassen (acht bis neun Jahre und zehn bis elf Jahre). Dieses neue Angebot richtet sich speziell an Kinder, die sich sportlich betätigen wollen, sich aber noch nicht auf eine Sportart festlegen wollen.

Ein weiteres Projekt war die Durchführung eines dreitägigen Sommercamps, an dem Jugendliche aus Deutschland, Frankreich, Syrien, Iran und den Balkanländern teilnahmen und bei dem sie verschiedene Sportarten (Handball, Turnen, Fechten, Ringen, Volleyball) kennenlernen und ausprobieren konnten. Umgesetzt wurde mittlerweile auch: Im Rahmen der baden-württembergischen Heimattage in Waldkirch wurde eine Veranstaltungswoche unter dem Motto „Come together“ organisiert, die gezeigt hat, wie vielfältig die Möglichkeiten des Zusammenkommens beim SV Waldkirch sind – auch jenseits des reinen Sportangebots. Außerdem hat der SV Waldkirch erstmalig eine Praktikumsstelle für Sport und Vereinsmanagement geschaffen. Und es wurde eine Initiative gestartet, um möglichst viele Menschen zum Erlangen des Deutschen Sportabzeichens zu animieren. Nicht zuletzt wurde auch eine Werbung für Neubürger kreiert.

TV Nellingen: Inklusives Schwimmfest

Ein weiterer „Kleiner Stern des Sports“ in Silber ging an den TV Nellingen für die Ausrichtung des zweiten inklusiven Schwimmfests. Nach der gelungenen Premiere im Jahr 2016 hat der Verein am 3. Oktober 2017 Menschen mit und ohne Behinderung eingeladen, sich im Wasser zu messen. Schwimmer mit Handicap, Freizeit- und Wettkampfschwimmer aller Altersklassen sind der Einladung gefolgt, sodass insgesamt 14 Mannschaften mit 153 Aktiven aus dem ganzen Bundesgebiet angetreten sind.

Dank eines ausgeklügelten Punktesystems, das die Leistungen der behinderten und nicht behinderten Sportler vergleichbar macht, konnten alle gemeinsam schwimmen und gegeneinander antreten. So erhielt ein Schwimmer mit Behinderung entsprechend seinem Handicap mehr Punkte für seine Zeit, als ein Sportler ohne oder mit einer anderen Beeinträchtigung. Dies hatte den positiven Effekt, dass auch bei den Siegerehrungen sehr oft Menschen mit und ohne Handicap gemeinsam auf dem Podest standen.

Ein Höhepunkt des inklusiven Schwimmfests im Nellinger Hallenbad, das auch in 2018 ausgetragen wurde, war das Verfolgungsrennen am Ende des Wettkampftages. Dort traten die schnellsten Schwimmerinnen und Schwimmer aller Wertungen gegeneinander an. Der Schwimmer, der am meisten Zeit für die Strecke braucht, startete als erstes – und nach und nach gingen die anderen dann ins Wasser. So gab es spannende Zielankünfte und das Miteinander wurde eindrucksvoll sichtbar. Die beiden „Kleinen Sterne des Sports“ in Silber sind mit jeweils 1.250 Euro dotiert.

Die Auszeichnung „Sterne des Sports“ wird auf kommunaler, Landes- und Bundesebene vergeben. Eine Jury aus Vertretern des Sports, der Volksbanken und Raiffeisenbanken, der Kommunen sowie der Medien bewerten die eingehenden Bewerbungen.

 

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