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Raiffeisen-Tour 2018: Regionale Herkunft punktet

Andrack Genossenschaftswanderung ZG Raiffeisen eG
Jens Kreutzfeldt

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Anlässlich des 200. Geburtstags von Friedrich Wilhelm Raiffeisen machte der Genossenschaftsreisende Manuel Andrack auf seiner Raiffeisen-Tour durch Deutschland am 18. April 2018 in Baden auch bei der ZG Raiffeisen eG Station. Stellvertretend für die Arbeit einer modernen Zentralgenossenschaft folgte er dem Weg von Eiern aus regionaler Produktion vom Hühnerstall in einem Mitgliedsbetrieb bei Bretten bis ins Marktregal in Karlsruhe. Bekannt geworden ist Manuel Andrack als TV-Entertainer, vor allem bei der Harald-Schmidt-Show. Heute ist es seine Spezialität, Themen als Wanderer zu erkunden. Im Raiffeisen-Jahr 2018 besucht er in vier Etappen Genossenschaften in ganz Deutschland, um sich vor Ort anzusehen, was heute, 200 Jahre nach der Geburt des Sozialreformers, aus Raiffeisens Ideen in der Praxis geworden ist.

Andrack-Tour Raiffeisen Gruppenbild Geflügelhof
Gruppenbild auf dem Geflügelhof: (v.l.n.r.) Sandra Schmidt, Einkäuferin des Raiffeisen-Markts, Manuel Andrack, Dr. Ewald Glaser, Vorstandsvorsitzender der ZG Raiffeisen eG, Werner Böhnke, Vorsitzender der Raiffeisen-Gesellschaft, Otte und Tobias Burkhard vom gleichnamigen Hühner- und Pferdehof und Stefan Mühlenstädt vom Kraftfutterwerk der ZG Raiffeisen eG.

Auf dem Pferde- und Geflügelhof Burkhard bei Bretten ließ sich Andrack von Landwirt Tobias Burkhard und Mitarbeitern der ZG Raiffeisen eG am Beispiel von Eiern den regionalen Produktionskreislauf der Zentralgenossenschaft erklären. Der Geflügelhof beliefert umliegende ZG-Raiffeisen-Märkte mit rund 7.000 bis 8.000 Eiern in der Woche. Insgesamt verkauften die rund 60 ZG Raiffeisen-Märkte in ganz Baden im Jahr 2017 rund 2,3 Millionen Eier, die alle ausschließlich von regionalen Mitgliedsbetrieben stammen.

Regionale Herstellung unter der Lupe

Dabei wird wie bei allen Produkten im Markt besonders darauf geachtet, dass alle Zutaten für die Produktion vom Futterkorn bis zur Eierschachtel von Lieferanten aus Baden-Württemberg stammen. „Regionale Lebensmittel liegen absolut im Trend, denn der Verbraucher möchte wissen, woher das kommt, was er isst“, sagte Sortimentsmanagerin Sandra Schmidt, die bei den ZG-Raiffeisen-Märkten für den Einkauf von Lebensmitteln, Getränken und Wein verantwortlich ist. „Regionalität ist für uns ohnehin sehr wichtig, weil wir die regionale Landwirtschaft fördern möchten.“

So stammen auch die rund 9.000 Tiere auf dem Geflügelhof Burkhard ausschließlich aus Baden-Württemberg und fühlen sich dank weitläufigem Auslauf dort auch sichtlich wohl. Die Eier gelangen über ein Fließband in den Sortierraum, wo sie mit einer starken Lampe auf Risse durchleuchtet werden, da diese ein Einfallstor für Bakterien und Krankheiten sein könnten. Verschmutzte oder beschädigte Eier müssen laut Gesetz aussortiert werden, aber alle unversehrten Exemplare werden auch vermarktet, unabhängig von Farbe und Größe. Anders als manche Lebensmittelketten bieten die ZG-Raiffeisen-Märkte Eier in allen Größen an.

Gentechnikfrei aus Prinzip

Diese regionale Produktion kann die ZG Raiffeisen über ihre Mitgliedsbetriebe sicherstellen. So bauen die Burkhards die Rohware für ihr Tierfutter selbst an, hauptsächlich Weizen, der dann vom Raiffeisen-Kraftfutterwerk in Kehl (RKW) zu hochwertigem Legehennenfutter verarbeitet wird. Dieses Futter wird auf Wunsch speziell nach den Anforderungen des Mitglieds gemischt. „Wir wollen so den regionalen Kreislauf stärken, und wir respektieren, dass viele Verbraucher einfach keine gentechnisch behandelten Lebensmittel wollen“, erklärte Produktionsmanager Stefan Mühlenstädt vom RKW Kehl.

Dank der regionalen Mitgliedbetriebe sei das Kraftfutterwerk auch bei exotischeren Zutaten wie Soja nicht auf den Import gentechnisch veränderter Rohware aus Übersee angewiesen, meinte Mühlenstädt. Als einer der ersten Futtermittelhersteller in Deutschland hatte das RKW Kehl 2001 einen absoluten Verzicht auf die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen in der Produktion erklärt. Den Vorteil aus Sicht des Mitglieds erklärte Tobias Burkhard so: „Wir können unser eigenes Getreide anbauen, wir wissen, wie es angebaut ist, und haben auch die Kontrolle über unser eigenes Futter.“ Als Grund, warum sein Betrieb Mitglied in der Genossenschaft sei, nannte Burkhard die besonderen Einkaufs- und Absatzvorteil für Mitglieder, vor allem bei der gemeinsamen Vermarktung der Ernte auf den Getreidemärkten, aber auch die Fachberatung durch die Genossenschaft.

Renaissance der Genossenschaften

ZG Raiffeisen-Markt
Manuel Andrack (links) im Gespräch mit Bastian Böhringer, Niederlassungsleiter des ZG-Raiffeisen-Markts Karlsruhe.

Auf die Frage von Manuel Andrack nach der Rolle der Agrar-Genossenschaften heute zog Vorstandsvorsitzender Dr. Ewald Glaser eine ebenso positive wie selbstbewusste Bilanz: „Die Genossenschaften in Deutschland, aber vor allem in Baden-Württemberg, haben heute eine sehr große Bedeutung für die Landwirtschaft. Sie sind führender Vermarktungspartner für Getreide, Milch, Obstbau, Wein, Lebensmittel und auch regenerative Energien.“

Auch die Regionalität spiele eine große Rolle, meinte Glaser. „Ich brauche in diesem Geschäft eine regionale Wurzel, auch wenn meine Aktivitäten in einem globalisierten Markt sehr wohl überregional sind.“ Seit Jahren steigende Mitgliederzahlen zeigten, dass die Genossenschaften auch in heutigen Zeiten noch attraktiv seien, sofern die Leistung stimme. „Seit etwa 15 Jahren erleben wir eine regelrechte Renaissance, weil wir uns damals darauf besonnen haben: Wie können wir einen konkreten, spürbaren Nutzen für das Mitglied schaffen?“, sagte Glaser. Das Ergebnis seien heute exklusive Angebote in der Beratung, Beschaffung und Vermarktung nur für Mitglieder. Der Vorstandsvorsitzende der ZG Raiffeisen verglich das Verhältnis zwischen Genossenschaft und Mitgliedern mit kommunizierenden Röhren. Aufgabe und Daseinszweck der Genossenschaft sei allein die Förderung der Mitglieder. „Wenn es der Genossenschaft gutgeht, dann geht es auch den Mitgliedern gut, und umgekehrt“, meinte Glaser.

Endstation Pfanne

Raiffeisen-Tour Andrack
In die Pfanne gehauen: Die im ZG-Raiffeisen-Markt erhältlichen Eier vom ZG-Mitgliedsbetrieb Burkhard wurden einem Geschmackstest unterzogen.

Der Genossenschaftsreisende Manuel Andrack zeigte sich begeistert, nachdem er sich vergewissert hatte, dass „alle Hühner auch satt werden“, wie er es scherzhaft formulierte. Andrack bestand darauf, eine 10er-Packung aus der wöchentlichen Eier-Lieferung höchstpersönlich im ZG-Raiffeisen-Markt in Karlsruhe abzuliefern. Dort führte ihn Niederlassungsleiter Bastian Böhringer durch den Markt. Nicht nur bei den Lebensmitteln, sondern auch in anderen Sortimentsbereichen wie etwa in der Pflanzen- und Gartenartikelabteilung legen die Märkte Wert auf möglichst regionale Artikel.

„Die Kunden wollen einfach wissen, wo kommt meine Ware her, die ich einkaufe, sie kennen die Ortschaften in der Gegend und können sich damit identifizieren“, wusste Böhringer aus vielen Kundengesprächen zu berichten. „Ganz wichtig ist auch der Aspekt, dass das Geld in der Gegend bleibt, dass es hier ausgegeben wird. Die Leute denken da auch ein Stück weit nachhaltig mittlerweile.“

Lange hielten es die von Manuel Andrack ausgelieferten Eier allerdings nicht im Regal aus: Sie landeten umgehend in der Pfanne – dies mitsamt Pfannenwender, der natürlich ebenfalls im Markt erhältlich ist – und wurden einem kritischen Geschmackstest unterzogen.

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