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Klima – Chancen, Risiken und Herausforderungen für Investoren

Nachhaltigkeitsstudie Union Investment
Union Investment

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So viele institutionelle Investoren in Deutschland berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien bei der Kapitalanlage wie nie zuvor. Über die Gründe dafür und weitere Erkenntnisse aus der Nachhaltigkeitsstudie von Union Investment sprach die Geno-Graph-Redaktion mit Alexander Schindler, Vorstandsmitglied von Union Investment und zuständig für das Geschäft mit institutionellen Kunden.

Herr Schindler, wie viele Investoren berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien bei ihrer Geldanlage?

Union Investment Nachhaltigkeitskonferenz Interview BWGV
Alexander Schindler, Vorstandsmitglied Union Investment: „Vor allem die Werte des eigenen Unternehmens sind der Hauptantrieb für die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Geldanlage.“

72 Prozent der Befragten geben an, bei ihren Anlageentscheidungen Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen. Das sind so viele wie nie zuvor seitdem wir vor zehn Jahren mit der Investorenbefragung gestartet sind. Insbesondere Kapitalverwaltungsgesellschaften sowie kirchliche Anleger und Stiftungen investieren nachhaltig. Niedriger fällt der Anteil dagegen bei Großunternehmen und bei Kreditinstituten aus. Hinzu kommt: Beinahe sechs von zehn institutionellen Anlegern, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, zeigen sich hiermit zufrieden oder gar außerordentlich zufrieden. Für die allermeisten von ihnen ist ein Ausstieg aus nachhaltigen Kapitalanlagen nicht vorstellbar. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die Investoren sich darüber einig sind, dass das Volumen nachhaltiger Kapitalanlagen weiter wachsen wird. 69 Prozent erwarten in den kommenden zwölf Monaten ein Marktwachstum oder starkes Marktwachstum.

Was sind die Hauptgründe der Investoren, nachhaltig anzulegen?

Wie unsere Nachhaltigkeitsstudie zeigt, sind vor allem die Werte des eigenen Unternehmens der Hauptantrieb für die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien bei der Geldanlage. 83 Prozent der Befragten nennen dies als wichtiges oder sehr wichtiges Motiv. Die Anleger, die keine Nachhaltigkeitskriterien anwenden, begründen dies vor allem mit fehlenden Vorgaben in den Anlagerichtlinien. Folgerichtig wird auch die Regulierung als entscheidender Impuls angesehen, sich zukünftig intensiver mit der nachhaltigen Kapitalanlage zu beschäftigen.

Anscheinend besteht jedoch beim Wissen hinsichtlich der regulatorischen Rahmenbedingungen noch Luft nach oben?

Das ist richtig. Vielen Großanlegern fehlt es noch an Detailwissen. Wir haben festgestellt, dass lediglich ein Drittel der befragten Investoren den von der EU-Kommission im vergangenen Jahr verabschiedeten Aktionsplan zur Finanzierung nachhaltigen Wachstums in Europa kennt. Die Klimadebatte und der EU-Aktionsplan verleihen dem Thema Nachhaltigkeit zusätzlich Gewicht, doch ist hier offenbar noch Aufklärungsarbeit zu leisten.

Das Thema Klima ist in aller Munde. Wie stehen die Investoren zu dieser Debatte?

Hier sind sich die Investoren einig: Sie glauben mehrheitlich an die Klimawirkung nachhaltiger Kapitalanlagen. Mehr als zwei Drittel sind der Überzeugung, dass nachhaltige Kapitalanlagen das Weltklima entscheidend beeinflussen können. Doch ungeachtet dieser Überzeugung hat bisher nur eine Minderheit von 39 Prozent der Befragten Informationen über die Klimawirkung des eigenen Portfolios.

Klimawandel bildet den Schwerpunkt der Nachhaltigkeitskonferenz

Das Thema Klima stand auch im Mittelpunkt der achten Nachhaltigkeitskonferenz von Union Investment. Welche Bedeutung hat Klimaschutz im Zusammenhang mit Investmentstrategien, welche Risiken entstehen für global operierende Unternehmen oder Regierungen? Welche Rolle kann die Finanzwirtschaft einnehmen, um die Transformation der Wirtschaft in Richtung Nachhaltigkeit aktiv zu begleiten und auf diese Weise die Pariser Klimaziele erreichen? Diese Fragen wurden von Referenten und Gästen aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet.

Lord Nicholas Stern, einer der international renommiertesten Ökonomen und Klimaexperten, Professor an der London School of Economics und früherer Weltbank-Chefökonom, appellierte in seinem Vortrag an die anwesenden Investoren, dass ihr Einfluss gebraucht werde, um die Zukunft nachhaltig zu gestalten und die Klimaziele zu erreichen. Die Vielzahl der anwesenden Investoren stimme ihn positiv, allerdings müsse schnell gehandelt werden, denn die entscheidenden Weichen würden in den kommenden zwei Jahrzehnten gestellt. Lange Zeit diskutierte die Menschheit über die Verknappung fossiler Rohstoffe. Professor Ottmar Edenhofer vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung verdeutlichte, dass heutzutage stattdessen die Frage entscheidend sei, wie viele dieser fossilen Brennstoffe wir noch in die Atmosphäre bringen können, ohne dass wir den Klimawandel unaufhaltsam beschleunigen. Daher forderte er eine klare Fokussierung auf erneuerbare Energien.

Diskussionsrunde: Schnelles Handeln notwendig

Wie nachhaltig ist Atomstrom? Und wie effizient ein Verbrennungsmotor? Wie viel Regulierung braucht die Finanzbrache, um in Sachen Nachhaltigkeit volle Transparenz herzustellen? Über diese und weitere Fragen diskutierten der FDP-Vorsitzende Christian Lindner und Matthias Kopp, Leiter Sustainable Finance beim WWF. Dass schnelles Handeln beim Thema Klimawandel nötig ist, darüber waren sich beide einig. Unterschiedliche Ansichten gab es jedoch bei den Lösungsansätzen. Während Lindner eine Bepreisung des zur Verfügung stehenden CO2-Budgets befürwortet, glaubt Kopp, dass eine grundlegende Transparenz der Klimaperformance eines jeden Unternehmens wichtig wäre. Als Vorbild nannte er gesetzliche Regelungen, die in Frankreich gelten, wo jeder Investor kenntlich machen muss, inwieweit seine Portfolios in Einklang mit den Klimazielen von Paris stehen. Damit sehe der Endkunde, ob das Portfolio klimaverträglich ist oder nicht.

Lebensprinzip Verantwortung

Über die unterschiedlichen Dimensionen von persönlicher Verantwortung sprach Bundespräsident a. D. Dr. Joachim Gauck – auch mit Blick auf nachhaltiges Handeln. Denn: Es gibt viele Perspektiven darauf, was es heißt, die Zukunft nachhaltig zu gestalten und Klimaziele zu erreichen. Jeder müsse für sich seine Verantwortung aktiv wahrnehmen, sagte er.

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