Springe direkt zum Inhalt , zum MenĂĽ .

Innovationen im Mittelstand: Effizienz statt Expansion

Innovationen im Mittelstand
Matthias Sylupp/pixelio

Nicht spezialisierte Einheiten oder Mitarbeiter, sondern die Geschäftsführung gibt in nahezu allen Unternehmen (97 Prozent) die Impulse für Innovationen. Nur die Hälfte der Mittelständler (51 Prozent) will mit ihren Investitionen in die Innovationskraft neue Geschäftsfelder erschließen oder neue Produkte entwickeln, für Baden-Württemberg liegt dieser Wert mit 47 Prozent noch darunter. Für 92 Prozent steht hingegen die Steigerung der Effizienz im Vordergrund. „Das ist grundsätzlich sinnvoll“, gibt DZ-Bank-Vorstandsmitglied Uwe Berghaus, zuständig für Firmenkunden, zu bedenken. „Aber es entsteht der Eindruck, dass im deutschen Mittelstand Innovation nicht systematisch genug betrieben wird. Wenn Firmen deswegen den Anschluss an neue Märkte und Produkttrends verpassen, kann sich das rächen.“

Die gute Nachricht der repräsentativen Mittelstandsumfrage: Es gibt kaum Unternehmen, die in den nächsten drei Jahren ihre Investitionen insgesamt verringern wollen (7 Prozent). Alle anderen planen, ihr Investitionsniveau zu steigern (40 Prozent) oder zumindest konstant zu halten (53 Prozent). Am meisten ausgeprägt ist die Investitionsbereitschaft bei den Unternehmen mit einem Jahresumsatz zwischen 25 und 50 Millionen Euro; von ihnen wollen mehr als die Hälfte (56 Prozent) in den nächsten drei Jahren ihre Investitionen steigern. Unter den Branchen ragen zwei heraus: 60 Prozent der Unternehmen aus Chemie und Kunststoff wollen mehr investieren, wohingegen es in der Agrarwirtschaft nur 21 Prozent sind. Über alle Sektoren und Größenklassen hinweg haben sie dabei vor allem Mitarbeiter (56 Prozent) sowie Investitionen in Digitalisierung und Software (57 Prozent) im Fokus; die großen Unternehmen jeweils mit deutlicherer Ausprägung (68 und 82 Prozent). Ausdrücklich in Innovation oder Forschung und Entwicklung wollen in den nächsten drei Jahren nur 29 Prozent aller Mittelständler mehr Geld stecken als jetzt. Auch bei den großen Mittelständlern sind es mit 33 Prozent nur wenig mehr als im Schnitt, und bei den kleinen Unternehmen sogar nur 20 Prozent. Im Jahr zuvor war es noch mehr als die Hälfte (54 Prozent) der großen Unternehmen, die plante, in diesem Bereich mehr zu investieren.

Fachkräftemangel bremst Innovationskraft

Als größtes Hemmnis für ihre Innovationskraft empfinden die deutschen Mittelständler den Mangel an Fachkräften (68 Prozent). 58 Prozent von ihnen fühlen sich auch gebremst von gesetzlichen Vorschriften. Berghaus: „Schon die letztjährige Umfrage zeigte, dass der Mangel an qualifizierten Mitarbeitern für 61 Prozent der Unternehmen ein zentrales Investitionshindernis ist. Damals gab fast die Hälfte der vom Fachkräftemangel betroffenen Unternehmen an, auf Umsatz verzichten zu müssen. Der Befund dieses Jahres ist noch besorgniserregender, weil er nicht nur das aktuelle Geschäft, sondern die Zukunft der Unternehmen betrifft. Wenn bei zwei Dritteln der Mittelständler die Fachkräfte fehlen, um Innovationen voranzutreiben, leidet ihre Wettbewerbsfähigkeit.“

Mittelständler mit Innovationserfolgen oft nicht zufrieden

Ein weiterer Grund für die Zurückhaltung könnte sein, dass die Unternehmen den unmittelbaren Nutzen von Innovation nicht durchweg sehen. So gibt ein Viertel aller großen Unternehmen an, dass sich Innovation nicht lohne, weil die Margen durch neue Produkte oder Verfahren nicht besser würden. Und tatsächlich geben nur 51 Prozent aller Unternehmen an, dass sie mit den Umsatzsteigerungen, die sie durch frühere Investitionen in Innovation und Digitalisierung erzielt haben, zufrieden sind. Mit der Verbesserung der eigenen Wettbewerbsposition infolge von Innovationen sind sogar nur 46 Prozent zufrieden.

Effizienzsteigerung ist wichtigstes Ziel von Innovation

Wenn Mittelständler heute an ihre Investitionen in Innovation und Digitalisierung denken, feilen viele eher an der gegenwärtigen Aufstellung, anstatt nach vorn gerichtet auf neue Ertragschancen zu schauen. So steht für fast alle die Steigerung der Effizienz (92 Prozent) im Vordergrund. Auch dieses Ziel wird aber offenbar häufig nicht erreicht: Mit den Ergebnissen der entsprechenden Innovationsaktivitäten ist nur die Hälfte (Effizienzsteigerung) beziehungsweise ein Drittel (Kostenersparnis) zufrieden.

Firmen stehen unter steigendem Innovationsdruck

Derweil will nur die Hälfte aller Unternehmen mit Innovationen neue Geschäftsfelder erschließen und 59 Prozent sehen die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen als vorrangiges Ziel ihrer Innovationsaktivitäten. Dabei steigt gerade der Druck von außen deutlich an: Zwei Drittel (65 Prozent) der Unternehmen geben an, dass der Innovationsdruck in ihrer Branche zugenommen hat und sich die Zyklen verkürzt haben (60 Prozent). Außerdem stimmen 83 Prozent der Firmen der Aussage zu, dass Innovation vom Kunden und seinen sich verändernden Anforderungen getrieben werde. Folgerichtig haben in den vergangenen zwölf Monaten sieben von zehn Mittelständlern neue Produkte oder Leistungen eingeführt, obwohl Kostenreduktion das oberste Innovationsziel darstellt.

Berghaus: „Innovationskraft gibt durchwachsenes Bild – Ziele bleiben erstaunlich defensiv“

„Der deutsche Mittelstand bringt zwar regelmäßig neue Produkte und Leistungen an den Markt, aber nach vorn gerichtet gibt die Innovationskraft des deutschen Mittelstands ein durchwachsenes Bild“, erklärt Berghaus. „Der Fokus auf Effizienzsteigerung ist grundsätzlich sinnvoll, gerade im Zenit des Wirtschaftsaufschwungs. Doch die Motive für Innovationsaktivitäten sind damit erstaunlich defensiv. Der Ehrgeiz, neue Ertragspotenziale zu erschließen, wirkt gebremst.“

„Investition in systematisches Innovationsmanagement lohnt sich“

Berghaus sieht die Ursache für diese Entwicklung auch darin, dass viele Unternehmen mit dem zählbaren Ergebnis ihrer bisherigen Investitionen häufig nicht zufrieden waren. „Die vorhandene Unzufriedenheit hängt womöglich zusammen mit einem teils unsystematischen Vorgehen“, sagt er. Selten kommen die die Impulse für Innovationen von speziellen F+E-Abteilungen – im Schnitt bei 27 Prozent der Unternehmen, in Baden-Württemberg sogar nur bei 20 Prozent. Bei fast allen Unternehmen hingegen ist es die Geschäftsführung, die die entscheidenden Impulse setzt (97 Prozent), oder der Kunde (64 Prozent).

Artikel versenden