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Für eine energieeffiziente Zukunft im Handwerk

Bäcker mit Brot
BWGV

Jeder Unternehmer stellt sich irgendwann die Frage, wie er nachhaltig Geld einsparen kann, wenn er die Betriebskostenabrechnung in den Händen hält. Personalkürzungen sind da oft keine Lösung. Gespart wird lieber an anderer Stelle. Manchmal zu Lasten der Kundschaft oder der eigenen Mitarbeiter. Das muss aber nicht sein. Umfragen der Deutschen Energie-Agentur, an der sich zahlreiche Handwerks- und Handelsverbände, darunter auch der Mittelstandsverbund – ZGV, Berlin, beteiligten, zeigen, dass mehr als drei Viertel aller Gebäude im Einzelhandel vor 1980 errichtet wurden. Energieeffizientes Bauen war damals kein Thema. Nur etwa vier Prozent entsprechen neueren Energiestandards. Auch Technologien sind mittlerweile vorangeschritten. Die meisten Betriebe haben deshalb deutlich höhere Energieverbräuche – und damit viel Potenzial, Geld einzusparen. Zwar sind einige Unternehmen oft schon im Bereich Energieeffizienz aktiv. Doch die Mehrzahl der Maßnahmen konzentriert sich bisher auf produktnahe Anlagetechnik wie stromsparende LED-Beleuchtung.

Einige Branchen zögern

Was für Mode- und Möbelgeschäfte geringe Hürden mit sich bringt, ist für andere Branchen eine Krux. So ist die Beleuchtung für mittelständische Apotheken und Kfz-Werkstätten zwar ein wichtiger Baustein zur Energieeffizienz. Die eigentlichen Kosten verursachen aber andere Geräte.

Mittelstandsverbund-Projektleiter Ernst Panse
Mittelstandsverbund-Projektleiter Ernst Panse berät Apotheken, Fleischer, Bäcker, Kfz-Mechaniker und Friseure zusammen mit anderen Klimaschutzmanagern im Projekt „Klimaprofi für den Mittelstand“.

Ähnlich sieht das im Bäcker-, Fleischer- und Friseurhandwerk – Branchen, die stark genossenschaftlich geprägt sind – aus. So richtig hat sich das Thema in den Branchen allerdings noch nicht verankert. Immerhin gibt es Beispiele, die bereits seit Jahren auf energieeffiziente Technologien vertrauen. Dennoch zögern viele Geschäftsführer, wenn es um die Umgestaltung ihrer Läden geht. Viele kleine und mittlere Unternehmen unterschätzen ihre Möglichkeiten und scheuen vor den Investitionskosten zurück. Und das, obwohl klimaschonende Maßnahmen die monatlichen Ausgaben erheblich senken können. Praktische Tipps und konkrete Umsetzungsansätze bietet der Mittelstandsverbund kostenlos mit seinem Projekt „Klimaprofi für den Mittelstand“. Er vertritt bundesweit 230.000 mittelständische Unternehmen, die zum großen Teil in Genossenschaften organisiert sind. Damit auch jene Betriebe vom Energie sparen profitieren, bietet der Verband deshalb kostenlose Klimaschutzberatungen im Rahmen des Projekts an. Denn Fakt ist: Je kleiner der Betrieb, desto eher ist er auf externe Unterstützung angewiesen. Das gilt vor allem für die betroffenen Branchen. Der Verband verfolgt damit das Ziel, auch Betriebe beim Stromsparen zu unterstützen, die im Tagesgeschäft auf den hohen Energieverbrauch angewiesen sind. Denn anders als im Sportartikelgeschäft, in dem der Großteil des Energieverbrauchs durch passende und moderne Beleuchtung reduziert werden kann, muss die Investition in neue Backöfen oder Kühlanlagen finanziell gut durchdacht sein. Tricks, wie man auch beim alten Backofen Energie sparen kann, sind da oft hilfreich. Viel Strom lässt sich etwa beim Ofen sparen, wenn man ihn möglichst komplett belegt. Denn eine halbe Belegung verbraucht im Einzelfall fast 20 Prozent mehr Energie.

Kostenlose Energieberatung

Diese und andere Hinweise, um den Verbrauch nachhaltig zu reduzieren, sind Bestandteil der kostenlosen Klimaschutzberatung. Gefördert wird das Projekt vom Bundesumweltministerium im Rahmen der Nationalen Klimaschutzinitiative. Mit rund 2 Millionen Euro finanziert das Ministerium das Projekt. So bleiben die Klimaschutzberatungen für die Unternehmen gebührenfrei. Bis 2019 können sich mittelständische Betriebe der betroffenen Branchen beim Mittelstandsverbund melden, die Energie und Geld sparen wollen und dabei von Experten begleitet werden wollen. Damit auch die Feinheiten der Branche berücksichtigt werden, wurden die Berater speziell dafür geschult. Schließlich sollen am Ende maßgeschneiderte Klimaschutzkonzepte für die Unternehmer entwickelt werden. Der Verband reagiert damit auch auf die Zurückhaltung in Apotheken oder im Fleischer- und Kraftfahrzeuggewerbe. Denn gerade diese Unternehmen sind in der Vergangenheit beim Thema Klimaschutz wenig in Erscheinung getreten. Auf den ersten Blick verwundert das, ist das Einsparpotenzial doch groß. Eine Studie des Mittelstandsverbunds zeigt, dass allein in Apotheken bis zu 30 Prozent Energie eingespart werden kann. Im Schnitt können die Inhaber fast 3.000 Euro im Jahr sparen. Trotzdem spielt das Thema nur bedingt eine Rolle. Oft fehlt es an Zeit und Personal, um die Vielfalt der Angebote vollständig zu ergründen.

Am Ende steht ein Klimaschutzkonzept

Was sind die neusten Innovationen? Welche Rolle spielen Fördermöglichkeiten? Fragen, die im Rahmen der Klimaschutzberatung beantwortet werden. Denn neben einer umfangreichen Bestandsaufnahme der Energieverbräuche beraten beraten die Klimaschutzmanager auch über mögliche Förderungen, die je nach Maßnahme beantragt werden können. Und davon gibt es reichlich. Die Bundesregierung bietet zahlreiche Förderprogramme unter anderem für energieeffiziente Querschnittstechnologien und Stromeffizienzmaßnahmen, die sich im Wettbewerb als besonders günstig erweisen. Ob es allerdings zum Einsatz innovativer Technologien kommt oder ob es bei kleinen Anpassungen im Arbeitsalltag bleibt, entscheiden die Geschäftsführer mit dem Abschlussbericht der Klimaschutzberatungen selbst. Dennoch ist jeder Schritt zu mehr Nachhaltigkeit im Geschäftsalltag gewinnbringend. Denn smarte Energieeffizienz rüstet Betriebe für die Zukunft aus und bringt die Energiewende voran. Wichtig ist, Klimaschutz mit neuen Augen zu sehen: als Innovationstreiber mit viel Potenzial – sowohl für nachhaltige Kosteneinsparungen als auch für die Umwelt.

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