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Erfolgreiches Zukunftsforum Genossenschaft 2019

Zukunftsforum Genossenschaft
BWGV

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Der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband (BWGV) veranstaltete am 21. März 2019 sein fünftes Zukunftsforum Genossenschaft. Rund 200 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft diskutierten im Stuttgarter GENO-Haus über die Zukunft der Genossenschaften als bedeutendem Teil der mittelständischen Wirtschaft in Baden-Württemberg. In drei hochkarätig besetzten Fachforen diskutierten die Gäste im Rahmen eines World Cafés zu den Themen „Wirtschaftliche Wertschöpfungen“, „Demografischer Wandel“ und „Tourismus“. Eröffnet wurde das Zukunftsforum durch Grundsatzreden von BWGV-Präsident Dr. Roman Glaser und  Günther H. Oettinger, EU-Kommissar für Haushalt und Personal.

„Genossenschaften haben enorme Bedeutung für Baden-Württemberg“

Oettinger betonte die erfolgreiche Arbeit und enorme Bedeutung der Genossenschaften für Baden-Württemberg. Anlässlich der aktuellen Herausforderungen und der anstehenden Europawahlen im Mai plädierte der deutsche EU-Kommissar zugleich für ein geeintes Europa: „Europa ist nicht perfekt, aber es ist die einzige Formation, mit der wir auch in Zukunft in der Welt bestehen und für unsere Werte eintreten können – gegen Autokraten und für Demokratie, Freiheit und Menschenrechte. Europa muss zusammenstehen und noch viel mehr in Forschung, Köpfe und Infrastruktur investieren, um nicht im Sandwich zwischen China und den USA zerdrückt zu werden.“

Auch BWGV-Präsident Glaser äußerte sich zur aktuellen Situation in Europa. „Das Subsidiaritätsprinzip muss wieder Richtschnur der europäischen Gesetzgebung sein“, forderte Glaser. Darüber hinaus ist dem Verband wichtig, dass auf europäischer Ebene einmal gegebene Regeln auch eingehalten werden sowie Risiko und Haftung stets verbunden bleiben – insbesondere bei der Bankenregulierung. „Damit Europa wieder stärker wird und relevant bleibt, muss es sich auf seine Grundwerte zurückbesinnen. Vielfältig, dezentral und subsidiär, das zeichnet Europa aus – ebenso wie Genossenschaften“, betonte Glaser, der im Verband selbst und bei den Mitgliedern des BWGV stets für die europäische Idee wirbt und auch aktiv europäische Themen begleitet.

Kooperationen als Zukunftsmodell

Der BWGV-Präsident machte außerdem die erheblichen Potenziale der genossenschaftlichen Rechts- und Unternehmensform deutlich: „Genossenschaften werden immer wichtiger, wenn es darum geht, gesellschaftliche und ökonomische Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft zu meistern.“ Wie vielschichtig die Genossenschaften in Baden-Württemberg sind, zeigt ein Blick auf das breite Aufgabenfeld, das schon heute von ihnen abgedeckt wird. Die knapp 800 Genossenschaften im Südwesten sind mittlerweile in mehr als 50 verschiedenen Branchen aktiv.

Was die genossenschaftliche Rechts- und Unternehmensform so attraktiv für auf Zukunftsthemen ausgerichtete Unternehmen macht? „Kooperationen werden immer wichtiger – und wer könnte mehr Erfahrung bei der Umsetzung von Kooperationen haben als Genossenschaften, deren Kern Zusammenarbeit und konstruktives Miteinander ist“, betonte Glaser. Außerdem seien die demokratische, auf Mitglieder basierende Aufbaustruktur sowie die einzigartige Verknüpfung von wirtschaftlichem Erfolg mit sozialer Verantwortung entscheidende Erfolgsfaktoren von Genossenschaften. „Dies schafft eine hohe Legitimation und Akzeptanz für notwendige und sinnvolle Veränderungen, die in vielen Bereichen unserer Wirtschaft und Gesellschaft gerade stattfinden“, so Glaser. Der Präsident des BWGV stellte heraus, dass in Baden-Württemberg schon mehr als 3,94 Millionen Menschen, Unternehmen, Kommunen und weitere Institutionen Mitglied mindestens einer Genossenschaft sind. „Auf diese Weise sind Genossenschaften nicht nur wertvolle Multiplikatoren, sondern sie können auch sinnvolle Veränderungsprozesse in der Breite erlebbar machen.“

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Fachforum Wirtschaftliche Wertschöpfung

Das Fachforum Wirtschaftliche Wertschöpfung eröffneten BWGV-Präsident Glaser mit Dr. Gisela Splett, Staatssekretärin im baden-württembergischen Finanzministerium, und Prof. Dr. Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzdienstleistungen an der Universität Hohenheim, mit Impulsvorträgen zu den Themenschwerpunkten Digitalisierung und Unternehmensfinanzierung. Als zentrales Geschäftsmodell der digitalen Ökonomie stellen Plattformunternehmen kleine und mittlere Unternehmen vor große Herausforderungen. Die Digitalisierung bringt aber auch Chancen für genossenschaftliche Kooperationen hervor. „Plattformgenossenschaften könnten genau das Experimentierfeld sein, um zu zeigen, wie ökonomische Produktion, menschliche Beziehungen und soziale Eingebundenheit in der Digitalwirtschaft gemeinsam funktionieren“, betonte Glaser. Burghof sah dabei die Politik in der Pflicht: „Wir brauchen eine europäische Ordnungspolitik, die für faire Wettbewerbsbedingungen zwischen kleinen und mittleren Unternehmen und global agierenden Plattformunternehmen sorgt.“ Genossenschaften spielen auch für die Finanzierung mittelständischer Unternehmen eine wichtige Rolle. Sie sind zusammen mit den Sparkassen Hauptfinanzierer des Mittelstands und vergeben rund 80 Prozent aller Unternehmenskredite. Staatssekretärin Splett stellte fest:  â€žKleine und mittlere Unternehmen sind das Rückgrat unserer Wirtschaft. Finanziert werden sie zum großen Teil von kleinen und mittleren Banken. Die Landesregierung setzt sich deshalb für geeignete Rahmenbedingungen für die Genossenschaftsbanken und Sparkassen ein.“

These 1: Wirtschaftliche Wertschöpfung entsteht in Zukunft bei global agierenden (Plattform-) Unternehmen. Der deutsche Mittelstand geht leer aus.

These 2: Die mittelständisch geprägte Wirtschaft in Baden-Württemberg braucht eine nachhaltige Kreditfinanzierung. Die Finanzierung über Kapitalmärkte wird auch in Zukunft eine untergeordnete Rolle spielen.

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Fachforum Demografischer Wandel

Die Bedeutung des demographischen Wandels und dessen Herausforderungen für die Gesellschaft wurden im Rahmen des Fachforums Demografie diskutiert. Vor den Diskussionen im Word Café-Format standen Impulsvorträgen von BWGV-Verbandsdirektorin Monika van Beek, Thaddäus Kunzmann, Demografiebeauftragter des Landes Baden-Württemberg, sowie Florian Wernicke, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung der Evangelischen Hochschule Freiburg, auf dem Programm. Van Beek betonte: „Der demografische Wandel bringt viele Herausforderungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – also bei der Kinderbetreuung und der Pflege alter oder hilfsbedürftiger Menschen – mit sich. Hier bieten Genossenschaften aus dem Bereich WohnenPLUS passgenaue Lösungen.“ Kunzmann betonte die Zielsetzung, alten und pflegebedürftigen Menschen so lange wie möglich einen Verbleib im eigenen Heim zu ermöglichen. Hierbei spielten Aspekte wie Nahversorgung, Mobilität, ehrenamtliches Engagement sowie Digitalisierung und Gesundheit eine entscheidende Rolle, wobei jedes der angesprochenen Handlungsfelder genossenschaftlich gelöst werden könne. Wernicke stellte im Rahmen seines Impulses das mit Bundesmitteln geförderte Forschungsprojekt KoDa eG (Kommunale Daseinsvorsorge durch Bürgergenossenschaften) vor. Durch die Gründung von Genossenschaften soll ein Beitrag zur Etablierung gemeinwirtschaftlicher Organisationsmodelle im Bereich der kommunalen Daseinsvorsorge geleistet werden. Als Fazit der Diskussionsrunden konnte festgehalten werden, dass Genossenschaften zukunftsweisende Lösungsmöglichkeiten bieten, um den Herausforderungen des demographischen Wandels zu begegnen.

These 1: Die Bereitstellung der Infrastruktur vor Ort geht heutzutage weit über rein kommunale Handlungsfelder hinaus. Kooperationen sind notwendig, um diese zu erbringen.

These 2: Attraktive Rahmenbedingungen für ärztliche und pflegerische Angebote in ländlichen Regionen sind notwendig, um die Versorgung vor Ort sicherzustellen und Fachkräfte zu gewinnen.

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Fachforum Tourismus

Das Fachforum Tourismus startete mit drei Impulsvorträgen des BWGV-Generalbevollmächtigten Dr. Ansgar Horsthemke, Tourismusminister Guido Wolf MdL und Prof. Dr. Conny Mayer-Bonde, Studiendekanin des Studienzentrums Tourismus, Hotellerie und Gastronomie an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Ravensburg. Wolf betonte: „Der Tourismus nimmt eine immer stärkere Rolle in der wirtschaftlichen Wertschöpfung unseres Bundeslands ein. Um bestmögliche Rahmenbedingungen für den Tourismus zu bieten, soll sich die neue Tourismuskonzeption etwa an den Herausforderungen der Digitalisierung und des demografischen Wandels orientieren.“ In Ihrem Impuls stellte Mayer-Bonde heraus: „Die Zukunft des Tourismus‘ liegt im Teilen.“  In seinem abschließenden Vortrag skizzierte Horsthemke die Potenziale von Genossenschaften im Bereich Tourismus. Die landwirtschaftlichen Genossenschaften hätten demnach einen großen Anteil an der Landschaft, die Baden-Württemberg so einzigartig macht. Andererseits biete die genossenschaftliche Rechts- und Unternehmensform gerade in der Gestaltung der Infrastruktur – etwa in den Bereichen Ärzte- und Pflegeversorgung, Mobilität und Energie – große Möglichkeiten.

Im Fokus des anschließenden World Cafés stand einerseits die Rolle der Landwirtschaft für den Tourismus in Baden-Württemberg. Die Teilnehmer der Diskussion fokussierten sich insbesondere auf die Rolle der Landwirtschaft im Tourismus. Die zweite These dieses Fachforums bezog sich auf die Möglichkeiten von Kooperationen zwischen Gesellschaft, Unternehmen, Wissenschaft und Kommunen für den Tourismus in Baden-Württemberg.

These 1: Die Landwirtschaft spielt auch zukünftig eine wichtige Rolle für die Wertschöpfung des Tourismus‘ in Baden-Württemberg.

These 2: Kooperationen zwischen Gesellschaft, Unternehmen, Wissenschaft und Kommunen übernehmen zukünftig immer wichtigere Aufgaben im Tourismus.

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