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Die Wohlstandsformel: Was die Baden-Württemberger zufrieden macht – ein Interview mit Jürgen Stiletto

Wohlstandsstudie
I-vista / pixelio.de

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Jürgen Stiletto Union Investment
Jürgen Stiletto, Union Investment

Eine repräsentative Befragung durch Kantar Emnid im Auftrag von Union Investment hat herausgefunden: Die Baden-Württemberger sind insgesamt zufriedene Menschen und blicken positiv auf ihre finanziellen Möglichkeiten. Was dies alles mit Wohlstand zu tun hat und welche Faktoren außerdem darauf einzahlen, hat die Geno-Graph-Redaktion im Gespräch mit Union-Investment-Landesdirektor Jürgen Stiletto besprochen.

Herr Stiletto, welchen Fragen ist die Studie nachgegangen?

Unsere Studie ging der Frage nach, welche Komponenten zum individuell wahrgenommenen Wohlstand beitragen. Einerseits wurden materielle Aspekte untersucht, gemessen etwa über die Frage, inwiefern sich jeder leisten kann, was er haben möchte. Andererseits wurde betrachtet, welche Faktoren zum emotionalen Wohlstand und damit zum Wohlbefinden der Menschen beitragen – gemessen über die Frage nach der allgemeinen Lebenszufriedenheit.

Wie steht es also in Baden-Württemberg um den emotionalen Wohlstand?

Gut jeder zweite Baden-Württemberger sagt, dass er mit seinem Leben zufrieden ist. Nur ein verschwindend geringer Anteil von 4 Prozent ist unzufrieden. 43 Prozent ordnen sich dazwischen ein. Auf einer Skala von null bis zehn ergibt sich damit ein baden-württembergischer Zufriedenheitsindex von 7,2.

Was genau sorgt für Zufriedenheit?

Zufriedenheit variiert häufig mit Ereignissen von einschneidender Bedeutung für die eigene Biographie. So zeigen sich bundesweit unter anderem die Menschen am zufriedensten, die in den vergangenen zehn Jahren ein eigenes Haus oder eine eigene Wohnung gekauft haben. Genauso zufrieden sind diejenigen, die im gleichen Zeitraum einen Karriereschritt nach oben gemacht haben. Auch die eigene Hochzeit in den vergangenen zehn Jahren ist ein Ereignis, das den Zufriedenheitsindex nach oben treibt. Bemerkenswert: Am zufriedensten sind Menschen, die in den vergangenen zehn Jahren einen größeren Geldbetrag verschenkt haben.

Gibt es noch weitere Einflussfaktoren auf den emotionalen Wohlstand?

Großen Einfluss haben auch die Familie und Bildung: Je größer der Haushalt beziehungsweise je höher der Bildungsabschluss ist, umso zufriedener sind bundesweit die Menschen. Erwartungsgemäß steigt die Lebenszufriedenheit auch mit dem Einkommen und dem Vermögen. Bemerkenswert ist dabei, dass Sparer unabhängig vom Einkommen die zufriedeneren Menschen sind. Denn ganz gleich ob geringes, mittleres oder hohes Einkommen: Über alle Gehaltsstufen hinweg äußern Sparer eine größere Lebenszufriedenheit.

Und die materielle Seite der Medaille?

Für die Menschen in Baden-Württemberg gilt im Besonderen, dass sie mit Blick auf ihre eigenen finanziellen Möglichkeiten noch zufriedener sind als der Bundesdurchschnitt. Immerhin gut jeder Vierte im Ländle glaubt, dass er sich alles leisten kann, was er haben möchte. Auch für die Zukunft sind die Baden-Württemberger bei der Einschätzung ihres finanziellen Spielraums grundsätzlich positiv gestimmt. Jeder Dritte rechnet damit, sich in zehn Jahren alles leisten zu können, was er haben möchte.

Sparen zufriedene Menschen mehr oder anders?

Wer mit seinem Leben zufrieden ist, spart im bundesweiten Durchschnitt 481 Euro pro Monat. Das entspricht einer Sparquote von 14,6 Prozent. Hinzu kommt: Unzufriedene Menschen sparen häufig gar nicht. Fast zwei Drittel derjenigen, die unzufrieden sind, sagen, dass sie gar nicht sparen. Unter den Zufriedenen sagen dies nur 14 Prozent. Der Durchschnitt liegt bei 22 Prozent. Sparen bedeutet für die Menschen Sicherheit und sorgt so eben auch für Zufriedenheit.

Was macht die Menschen unzufrieden?

Die größten Zufriedenheitskiller sind negative Lebensereignisse in den zurückliegenden zehn Jahren. Ganz vorne liegen hier vor allem die Themen, die in der Familie oder im persönlichen UmUmfeld für große Veränderungen oder Belastungen sorgen. Besonders gravierend und mit negativem Einfluss auf die Lebenszufriedenheit sind einschneidende Lebensereignisse, die mit dem Alter zu tun haben. So ist die eigene Pflegebedürftigkeit das kritischste Ereignis. Menschen, die selbst auf Pflege angewiesen sind, haben deutschlandweit mit 5,6 den schlechtesten Wert im Zufriedenheitsindex. Hinzu kommt: Wer sein Leben allein bestreitet oder bestreiten muss, ist damit weniger zufrieden.

Wie beeinflusst Zufriedenheit oder Unzufriedenheit das Leben?

Wer zufrieden ist, glaubt häufiger, die finanzielle Zukunft etwa über das Sparen selbst in der Hand zu haben. Drei Viertel der zufriedenen Menschen glauben, dass sie durch ihr eigenes Sparverhalten beeinflussen können, wie sie in zehn Jahren finanziell aufgestellt sind. Unter denen, die unzufrieden sind, glauben dies nur 36 Prozent. Zufriedene Menschen haben auch andere Sparziele als unzufriedene. So ist zum Beispiel das Sparziel Notgroschen für mehr als die Hälfte der Menschen wichtig. Unter denen, die mit ihrem Leben nicht zufrieden sind, spielt die Reserve für den Notfall jedoch eine größere Rolle als unter zufriedenen Menschen.

Und welche Sparziele haben die Menschen in Baden-Württemberg?

In Baden-Württemberg spielt der Notgroschen eine geringere Rolle. Hier sparen lediglich 41 Prozent für die Reserve. Das ist der zweitniedrigste Wert bundesweit. Lediglich in Berlin geben noch weniger Menschen dieses Sparziel an, wohingegen zum Beispiel in Mecklenburg-Vorpommern mit 69 Prozent der Befragten sehr viele für Notfälle sparen. Für eine eigene Immobilie legen in Baden-Württemberg 28 Prozent der Befragten Geld beiseite. Dieser Wert liegt deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt von 20 Prozent.

Welches Fazit ziehen Sie also – oder anders gefragt: Wie lautet die Wohlstandsformel?

Unsere Studie zeigt, dass bei der Beurteilung der eigenen Lebenssituation materieller Wohlstand durchaus eine Rolle spielt, das Thema insgesamt aber umfassender ist. Emotionaler und materieller Wohlstand gehören zusammen und lassen sich deshalb kaum getrennt voneinander betrachten. Unsere Wohlstandsformel lautet: Es geht nicht nur um Besitz, Einkommen und Vermögen, sondern auch um das allgemeine Wohlbefinden, Lebensziele und was die Menschen antreibt, bestimmte Entscheidungen zu treffen.

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