Springe direkt zum Inhalt , zum MenĂĽ .

BWGV mit im Boot des Enterprise Europe Network

Viele Menschen stehem im Kreis und strecken die Hände in die Mitte
EEN

/

Als kleiner Betrieb um die Ecke ins Ausland? Was auf den ersten Blick verwundern mag, ist nicht nur in den Grenzregionen Baden-Württembergs gelebter Alltag. Ausländische Märkte rücken auch für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) immer näher. Wer eine Firmen-Website hat, kann praktisch morgen von einem ausländischen Kunden beauftragt werden. Zumal: Nach einer Phase steilen Wachstums zeigen sich die ersten Konjunkturwölkchen am Wirtschaftshimmel. Da kann ein zweites Standbein im Ausland sinnvoll sein. Doch wie einschätzen, wo die Chancen liegen, welche Regelungen gelten und wie groß der Aufwand einer Auslandsaktivität ist? Hier helfen die Berater des EEN: Das Enterprise Europe Network ist das weltweit größte Beratungs- und Unterstützungsnetzwerk zur Förderung von KMU mit internationalem Wachstumspotenzial. Rund 600 Organisationen in mehr als 60 Ländern gehören dazu. Neben den EU-Mitgliedstaaten sind auch Indien, China und die USA vertreten.

In Baden-Württemberg bündeln zehn starke Partner ihre Beratungskompetenz zu Internationalisierung und Innovation für Unternehmen aus Handwerk, Industrie und Handel, Universitäten und Forschungseinrichtungen. Sie beraten zu den Themen grenzüberschreitende Dienstleistungserbringung, Warenexport, Europäische Innovationspolitik, EU-Recht und Öffentliches Auftragswesen. Das Netzwerk hilft auch beim Zugang zu EU-Förderprogrammen oder bei der Anbahnung internationaler Forschungs- und Entwicklungsprojekte. Über eine gemeinsame Kooperationsplattform und bei Matchmaking-Events auf Messen können Firmen Geschäftspartner und Kunden im Ausland finden und Geschäftsbeziehungen betreut aufbauen. Nicht zuletzt ermöglicht das EEN den Unternehmern, sich an Befragungen der Europäischen Kommission zu beteiligen und damit Politik mitzugestalten.

Seit seiner Gründung 2008 haben bereits 2,6 Millionen KMU die Unterstützung des Enterprise Europe Network in Anspruch genommen. Bei über 230.000 Partnerbörsen wurden gut 700.000 Geschäftskontakte geknüpft. Die EEN-Kunden konnten ein Wachstum erzielen, das gegenüber ihren Konkurrenten um 3,1 Prozent höher ausfiel.

Das baden-württembergische Konsortium wird geführt von Handwerk International Baden-Württemberg. Michael Rössler ist als stellvertretender Leiter und Teamleiter Beratung für das EEN verantwortlich. Im Interview gibt er Einblick in die Arbeit des Netzwerks.

Herr Rössler, welche Märkte sind bei baden-württembergischen Unternehmern gefragt?

Meist die angrenzenden Nachbarn Schweiz, Österreich und Frankreich. Die Betriebe nutzen die räumliche Nähe, eine ähnliche Marktstruktur und in Österreich und der Schweiz natürlich auch die deutsche Sprache. Es gibt aber auch viele Unternehmen, die in ganz Europa und sogar weltweit erfolgreich tätig sind.

Wo benötigen die Unternehmer Unterstützung?

Der europäische Binnenmarkt sieht Arbeitnehmerfreizügigkeit und Dienstleistungsfreiheit vor, Zölle bei der Warenausfuhr sind verboten. Dennoch sollte kein Unternehmer ohne weiteres im Ausland Aufträge bearbeiten. Die Entsendung von Mitarbeitern muss angemeldet werden, bei Warenlieferungen muss eine Lieferantenerklärung vorliegen – um nur zwei Beispiele zu nennen. Und das gilt nur innerhalb der EU. In der Schweiz gibt es eigene Regelungen. Damit Unternehmer hier rechtssicher unterwegs sind, beraten und begleiten wir sie zu allen notwendigen Formalitäten.

Was sind die Top 3 Themen, die Unternehmer, sagen wir, im vergangenen Monat angefragt haben?

Aktuell beschäftigt die A1-Bescheinungung viele Firmen. Der Nachweis über die Sozialversicherung muss jeder Berufstätige bei jedem geschäftlichen Auslandsaufenthalt mitführen und ihn zuvor bei Renten- oder Krankenversicherung beantragen. Hier kontrollieren Österreich und Frankreich gerade vermehrt. Generell kämpfen die Unternehmen mit der zum Teil protektionistisch umgesetzten EU-Entsenderichtlinie in Frankreich und hohen bürokratischen Hürden in der Schweiz.

Wie sieht die Zusammenarbeit im EEN konkret aus?

Wir zehn baden-württembergischen Partner besprechen regelmäßig, wie wir Beratungsthemen, gemeinsame Veranstaltungen wie Workshops, Unternehmerreisen und Matchmaking-Events oder Kampagnen der EU-Kommission angehen. Wir haben ganz verschiedene Player mit unterschiedlichen Kompetenzen und Schwerpunkten im Boot. So können wir sehr individuell beraten und bei Bedarf den entsprechenden Kollegen aus dem Netzwerk einbeziehen. Genauso eng arbeiten wir dann mit den Partnern in anderen EU-Ländern zusammen, um dort KMU den Markteinstieg zu erleichtern.

Wie kann sich der Baden-Württembergische Genossenschaftsverband als Stakeholder einbringen?

Wir sind ja bereits bei vielen Themen gemeinsam unterwegs. Als Stakeholder hat der Genossenschaftsverband Zugang zu einem europaweiten Partnernetzwerk, wir können gemeinsame Veranstaltungen durchführen und auch gemeinsam in Brüssel für die Interessen unserer Unternehmen auftreten.

BWGV arbeitet seit Jahren mit dem EEN zusammen

Der BWGV arbeitet schon seit Jahren mit dem Enterprise Europe Network (EEN) und seinen Partnern zusammen. Zum Beispiel bei der gemeinsamen Interessenvertretung gegenüber den EU-Institutionen oder bei Veranstaltungen. Seit Mai 2019 gehört der BWGV zu den sogenannten Stakeholdern des EEN, um zukünftig Synergien mit den Partnerorganisationen zu nutzen und Aktivitäten noch besser gegenseitig zu ergänzen. Durch diese enge Zusammenarbeit können die Mitglieder des BWGV und deren Mitglieder und Kunden direkt profitieren, beispielweise durch den Zugang zu entsprechenden Netzwerken, Einladungen zu gemeinsamen Veranstaltungen und die Unterstützung bei Expansionsplänen. Konkrete Einzelmaßnahmen werden aktuell in einem Arbeitsprogramm zusammengefasst. 2020 wird ein EEN-Kongress in Baden-Württemberg stattfinden – also eine gute Chance für alle interessierten Genossenschaften Partner aus Europa vor Ort kennenzulernen.

 

Artikel versenden