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Active Lerning – Lernen mit S-P-A-S-S

Active Lerning
RainerSturm / pixelio.de

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Inwieweit diese „Erneuerung“ dem einzelnen Mitarbeiter gelingt, hängt vor allem von dessen Veränderungsmotivation und Neugier ab. Doch wie kann dies durch die Personalentwicklung unterstützt werden? Professor Rolf Arnold zeigt für die Erwachsenenbildung auf, dass eine „Ermöglichungsdidaktik“ zu einem nachhaltigen Transfer von neuem Wissen und Kompetenzen führt, wenn Mitarbeiter selbstgesteuert, produktiv, aktivierend, in arbeitsbezogenen Situationen und in sozialem Austausch lernen (s-p-a-s-s).

Selbstgesteuert und eigenverantwortlich – Blended Learning in den Entwicklungswegen

Fremdgesteuertes Lernen, welches früher noch die Bildungslandschaft dominierte, wird in unserer schnelllebigen Zeit zunehmend von selbstgesteuertem Lernen abgelöst. Eine Möglichkeit hierzu bieten Blended-Learning-Konzepte, die eine didaktische Verknüpfung aus Online- und Präsenzphase umfassen. Sie sind auch in den Entwicklungswegen im Privatkundengeschäft vorzufinden. Hier wird der Lernende durch die Web-Based-Trainings, Simple-Shows oder Studienbriefe geführt, entscheidet jedoch selbst, wann, wo und wie schnell er lernt. Anhand handlungsorientierter Aufgaben wird das Gelernte anschließend praxisnah angewendet. Wissens-Checks geben den Teilnehmern zudem die Möglichkeit, bestehende Wissenslücken zu identifizieren und eigenverantwortlich aufzuarbeiten. Der Lernprozess wird dabei durch einen Tutor begleitet, der die Teilnehmer bei Fragen unterstützt. Das in der Online-Phase erworbene Wissen bildet dann die Basis für die Präsenzveranstaltung. Lernen erfolgt damit on demand – genauso wie es die Lernenden von ihrem privaten Medienkonsum gewohnt sind.

Produktive Trainings mit Handlungsimpulsen für den individuellen Beratungserfolg

Lernen erfordert neben der Selbstverantwortung des Lernenden auch die Möglichkeit, neues an bestehendes Wissen anzuknüpfen. Insbesondere bei langjährigen Mitarbeitern sollten individuelle Erfahrungen in Trainings einbezogen werden. In der Finanzbranche hängt der Beratungserfolg des Einzelnen stark von der Kompetenzzuschreibung ab, die der Bankkunde mit dem Berater verbindet, weil sie die Basis einer vertrauensvollen Beziehung ist. Zugleich fehlen im schnelllebigen Berufsalltag Zeiträume und Möglichkeiten, eigene Beratungsansätze zu reflektieren und hierzu ein offenes Feedback zu erhalten. Das „Impulstraining Verkauf – Individualität ist Trumpf!“ bietet den Teilnehmern daher den Raum, eigene Erfahrungen aus der Praxis zu schildern und neue Beratungs- und Kommunikationstechniken zu erproben. Die hohe Individualität der Lerninhalte, denen die jeweiligen Lernbedarfe der Teilnehmer zugrunde liegen, ist dabei ein entscheidender Stellhebel für schnelle Umsetzungserfolge. Daher werden die Inhalte des Impulstrainings nicht im Vorhinein festgelegt, sondern gemeinsam mit den Teilnehmern erarbeitet – produktiv und individuell.

Aktivierende Persönlichkeitsentwicklung durch Videoanalysen

Neben dem bestehenden Wissen und den Kompetenzen der Teilnehmer spielt deren Persönlichkeit für den Berufserfolg eine entscheidende Rolle. Gewohnte Formulierungen, erprobte Verhaltensmuster und Denken in kognitiven Mustern werden ähnlich wie Trampelpfade besonders häufig genutzt. In Kunden- oder Jahresgesprächen mit der Führungskraft helfen uns Stimme, nonverbale Signale und (Körper-)Sprache dabei, unsere Interaktion zu beeinflussen. Dafür sollte man seine Muster aber kennen, denn der sog. „Blinde Fleck“ verhindert, dass wir noch mehr über unsere Persönlichkeit und ihre Wirkung wissen.

Hier fungieren Videoanalysen quasi als Booster für Selbstreflexion und Persönlichkeitsentwicklung. Begleitet und analysiert durch einen erfahrenen Trainer erschließen uns aufgezeichnete Einheiten unsere Potenziale durch das Einnehmen der Beobachterrolle. Eigenbild und Fremdbild sowie Unsicherheiten im eigenen Verhalten werden sichtbar – und damit zum positiven Instrument der Personalentwicklung. Denn wer sich gut kennt, kann sich leichter verändern. Der emotional positiv besetzte Aha-Effekt der Videoaufzeichnung unterstützt diese Veränderung nachhaltig aktivierend über das Training hinaus.

Situative Erfahrungen in Echtzeit – Praxis durch Planspiele

Theoretisch funktioniert vieles, doch sobald die Umsetzung in die Praxis erfolgen soll, tauchen unberücksichtigte Aspekte auf. In der Arbeitswelt sind damit hohe Zeitverluste und auch hohe Kosten verbunden. Wie aber lässt sich ein solches Szenario verhindern? Eine mögliche Antwort auf diese Frage stellt ein Planspiel dar. Es ist ideal, um Simulationen für Durchführungsprozesse mit vielen Querbezügen und Handlungsoptionen darzustellen. Durch seine Struktur ermöglicht das Planspiel den Lerngruppen zu erfahren, welche Voraussetzungen zu berücksichtigen sind und welche Konsequenzen sich aus Entscheidungen ergeben. Gleichzeitig bekommen die Teilnehmer ein Gefühl dafür, wie sich die in der Gruppe agierenden Persönlichkeiten positiv oder negativ auf den Weitergang des Projekts auswirken. Mehrstufige Planspiele erfordern zudem Flexibilität, da die getroffenen Entscheidungen in jeder Runde zu einer veränderten, neu zu bewertenden Ausgangssituation führen. Letztlich bedeuten Planspiele also eine praxisnahe Annäherung an eine komplexe Situation, die den Lerneffekt durch das selbst erfahrene Handeln, das Gelingen oder Scheitern sowie die Interaktion mit den anderen Teilnehmern sicherstellt.

Soziale Schlüsselkompetenzen erfahrbar machen oder „die Bretter, die die Welt bedeuten“

Der Begriff „Rolle“ wird als erste Assoziation auslösen: Schauspielerei. Schauspieler stellen Rollen dar, die von ihnen selbst verschieden sind, erwecken diese aber mit ihrer eigenen Persönlichkeit zum Leben. Auch im modernen Arbeitsleben nehmen wir unwillkürlich Rollen ein, wenn wir vor Gruppen präsentieren, mit Kunden sprechen oder in Projekten aktiv sind. Neben dem fachspezifischen Know-how sind hier dieselben Schlüsselkompetenzen wie im Theaterspiel bedeutsam: Selbstbewusstsein, der souveräne Umgang mit den Mitteln der Kommunikation wie Gestik, Mimik, Stimme, Körperhaltung sowie das Wahrnehmen und die Deutung eigener und fremder Emotionen. Daher ist Theaterpädagogik eine hervorragende Methode, um diese Kompetenzen in einem geschützten und zugleich Kreativität ermöglichenden Raum auszutesten, eigene Grenzen abzustecken und eventuell auch zu erkennen, wo es Entwicklungspotenzial gibt. Insbesondere im Rahmen von Ausbildungstrainings lassen sich hier Erfahrungen gewinnen, die auf die alltägliche Arbeitspraxis übertragbar sind und die Veränderungsbereitschaft des Einzelnen stärken.

Allen vorgestellten Trainingsansätzen ist dabei eines gemeinsam: Durch die Methodenvielfalt und den Praxisbezug fördern sie die Lernmotivation und damit auch den Lernerfolg, denn „wer mit Lust bei der Sache ist, lernt wie von selbst“ (Prof. Martin Korte, Neurobiologe an der Technischen Universität Braunschweig).

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